Current Social and Economic Issues

GA 332b — 15 July 1924, Stuttgart

Das Ende des «Kommenden Tages»

Wortmeldungen Rudolf Steiners An Der Vorbesprechung Zur Vierten Ordentlichen Generalversammlung Des «Kommenden Tages A.G.»

Protokollarische Aufzeichnung Stuttgart, 15. Juli 1924, vormittags 10 Uhr

Emil Leinhas begrüßt die anwesenden Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, die etwa 80% des Aktienkapitals des «Kommenden Tages» vertreten, und bittet Herrn Dr. Steiner, die Leitung der Versammlung zu übernehmen.

Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Wir werden heute wohl die nüchternste und begeisterungsloseste Versammlung abhalten müssen, die uns innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft möglich ist, und deshalb dürfen wir auch wohl darum bitten, dass in dieser heutigen Sitzung der reine Verstand ganz allein walte, sonst werden wir kaum zurechtkommen.

Es handelt sich darum, dass wir in einer gewissen Weise heute miteinander sprechen müssen über das Schicksal des «Kommenden Tages», der ja zusammenhängt mit mancherlei Idealen, die sich die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft im Laufe der letzten Jahre gemacht haben. Wir schen im «Kommenden Tag» eine Institution, die sozusagen als die letzte größere Institution aus der einstmals aufgetretenen Dreigliederungs-Bewegung hervorgegangen ist, und können nur mit einem gewissen Schmerz den Blick darauf hinwenden, dass dieser «Kommende Tag» heute in einer wirklich ernsten Krise sich befindet, die unbedingt gelöst werden muss. Dabei kommt vor allen Dingen in Betracht, dass man die Dinge so nüchtern sieht als möglich.

Es haben sich die Hoffnungen ja nicht erfüllt, dass das, was mit dem «Kommenden Tag» zusammenhängt, so verlaufen könne, wie man gewollt hatte, dass die mitteleuropäische Wirtschaftskrise, gewissermaßen außen wogend, an dem «Kommenden Tag» vorbeigehen würde, sondern der «Kommende Tag» steht nun mal heute so da wie irgendein anderes Wirtschaftsunternehmen, durchaus partizipierend an demjenigen, was das niedergehende Wirtschaftsleben darbietet. Der «Kommende Tag» steht heute nicht besser, aber auch durchaus nicht schlechter als ein anderer mitteleuropäischer Wirtschaftsbetrieb.

Die Krise ist hervorgerufen auf die folgende Art: Wenn der «Kommende Tag» heute, [nach Umstellung der Währung auf Goldmark], Barmittel hätte, die Möglichkeit hätte, die wirtschaftlichen Betriebe und die geistigen Betriebe fortzuführen mit Barmitteln, wenn er selbst darauf rechnen könnte, Kredite in Anspruch zu nehmen, so würde er weiterarbeiten können, so wie andere Wirtschaftsbetriebe heute wahrhaftig nicht unter besseren Bedingungen fortarbeiten. Der «Kommende Tag» verfügt aber nicht über Barmittel, kann also seine wirtschaftlichen und geistigen Betriebe in dem Bestand, wie sie bisher gewesen sind, nicht weiterführen. Der Sachwert des «Kommenden Tages» ist - das muss immer wieder betont werden - heute durchaus ein solcher, dass man nicht den geringsten Anstoß daran nehmen würde, die Führung einfach fortgehen zu lassen, wenn Barmittel vorhanden wären oder aufgetrieben werden könnten. Gewiss, es mögen noch andere Gründe dafür vorliegen, dass der «Kommende Tag» heute nicht in der Lage ist, Barmittel aufzufinden, aber die Hauptsache liegt doch darinnen, dass eben das deutsche Wirtschaftsleben Formen angenommen hat, die es dem «Kommenden Tag» unmöglich machen, wie andere Wirtschaftsunternehmungen sich fortzuführen, weil eben dazu doch notwendig gewesen wäre, dass man von außenstehender Seite den «Kommenden Tag» mit demselben Wohlwollen behandelt hätte, wie man andere Wirtschaftsunternehmen behandelt hat. Das ist nicht geschehen. Ein großer Teil der Gründe, warum heute der «Kommende Tag» durch das Fehlen jeglicher Barmittel in dieser Krisis ist - nüchtern kann das nicht anders gesagt werden als so: Ein großer Teil der Schuld liegt schon in der Art und Weise, wie man den «Kommenden Tag» in der Welt angeschwärzt hat. Ein Unternehmen, das in dieser Weise vor die Welt hingestellt worden ist, könnte heute höchstens dann weiterarbeiten, wenn es einen Grundstock hätte von Persönlichkeiten, die dafür finanziell aufkommen würden. Das ist aber, wenn nur das fortgeführt wird, was bis jetzt geschehen ist innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, auf welche allein gerechnet werden kann, auch nicht der Fall, und so können wir heute nicht anders als die Situation des «Kommenden Tages», so wie sie ist, objektiv zunächst vor uns hinstellen. Daher werde ich mir erlauben, die Tagesordnung der heutigen Versammlung so zu gestalten, dass ich zunächst Herrn Leinhas bitten werde, die Situation des «Kommenden Tages» objektiv vor Sie hinzustellen, und als zweiten Punkt der Tagesordnung werde ich die Vorschläge machen, welche angesichts der ernsten Lage zu machen sind. Ich bitte also Herrn Leinhas, eine objektive Darstellung der Situation des «Kommenden Tages» als Voraussetzung für unsere weiteren Verhandlungen zu geben.

[Emil Leinhas schildert die Lage anhand der Bilanz. Die Lage ist so, dass die wirtschaftlichen Betriebe die geistigen nicht mehr tragen können.]

Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Sie haben die Schilderung der Situation des «Kommenden Tages» angehört, und ich werde mir nun erlauben, zwar schicksalsschweren Herzens, aber doch rein verstandesmäßig, wie ich Sie auch bitte es aufzufassen, die Möglichkeit auseinanderzusetzen, wie wir über diese Krisis des «Kommenden Tages» nach meiner Meinung allein hinwegkommen können.

Es liegt ja im Wesentlichen dieses vor, dass wir gegenüber der Schilderung der Situation, die uns eben gegeben worden ist, den «Kommenden Tag» nunmehr zu teilen haben in denjenigen Teil, der die rein wirtschaftlichen Unternehmungen umfasst, und in den anderen Teil, der die geistigen Unternehmungen umfasst. Wenn wir aus dem, was eben gesagt worden ist, das Fazit ziehen, so liegt es eigentlich zunächst für uns, die wir als Anthroposophen über die Situation nachzudenken haben, so, dass wir sagen müssen: Der «Kommende Tag» ist weiter nicht imstande, für die geistigen Betriebe, die im Wesentlichen die Waldorfschule, das Klinisch-Therapeutische Institut, das Forschungsinstitut und den Verlag umfassen, irgendetwas für diese Betriebe in der Zukunft an Barmitteln abgeben zu können. Daher handelt es sich darum - nachdem die Voraussetzung, die ich glaubte machen zu müssen, dass zuerst die Dinge der rein wirtschaftlichen Betriebe geordnet werden müssten, gescheitert ist an der Unmöglichkeit, heute irgendwie zurechtzukommen mit einem Verkauf dieser Betriebe oder dergleichen -, wie wir damit zurechtkommen, die geistigen Betriebe vom «Kommenden Tag» in einer gewissen Weise abzusondern. Das kann aber nur unter außerordentlich schwierigen und starken Opfern vonseiten unserer anthroposophischen Freunde erfordernden Maßnahmen geschehen. Auf eine andere Weise ist es nicht möglich. Denn Sie müssen bedenken, dass diese geistigen Betriebe heute so dastehen, dass sie ohne jede Möglichkeit sind, aus der Situation des «Kommenden Tages» heraus irgendwie fortgeführt zu werden. Sie sind also gewissermaßen an die Luft gesetzt, nicht durch irgendeinen Beschluss, sondern durch die Tatsachen.

Die Frage entsteht: Wie kommen wir über diese Situation hinweg? Da müssen wir uns das Folgende überlegen: Der «Kommende Tag» hat 109000 Stück Aktien ausgegeben. Rechnen wir einmal nach der Aktienzahl. Wenn man das, allerdings schätzungsweise, aber wahrscheinlich doch ziemlich gut zutreffend beurteilt, was an Aktienkapital diesen 109000 Stück Aktien zugrunde liegt, und das verteilt auf die rein wirtschaftlichen und die geistigen Betriebe, so entfallen auf die wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Betriebe 74000 Stück Aktien und auf die geistigen Betriebe 35000 Stück. Wir haben also sozusagen für die geistigen Betriebe Besitztümer, welche entsprechen 35000 Stück Aktien des «Kommenden Tages».

Nun, meine lieben Freunde, wie kann man diese Betriebe, diese geistigen Betriebe fortführen? Das ist die Grundfrage. Und Sie mögen sich die Sache überlegen, wie Sie wollen, diese geistigen Betriebe können nach der ganzen Lage des «Kommenden Tages» bei diesem nicht verbleiben. Denn was müsste dann geschehen? Dann müsste der «Kommende Tag» ebenso vorgehen, wie andere Unternehmungen heute vorgehen müssen. Man müsste den Aktienbesitz zusammenlegen, und es würde die Gesamtmasse der Aktionäre des «Kommenden Tages» eben mit einem wesentlich verminderten Aktienbesitz vor der genau gleichen Situation stehen. Vielleicht würde dadurch die Kreditfähigkeit etwas wachsen, aber es ist das doch etwas, was gegenüber allen Aussichten, auf die man hinblicken muss, nicht durchzuführen ist.

Wenn das aber nicht durchgeführt werden kann, was ist dann zu machen? Es ist nichts anderes zu machen - und ich spreche jetzt das, was ich zu sagen habe, mit innerstem Widerstreben aus, aber es muss eben aus der Situation heraus ausgesprochen werden, und wenn ich Ihnen lange eingesalbt die Sache vortragen würde, wäre sie ja nicht besser: Das Einzige, was getan werden kann, ist, dass die 35000 Stück Aktien, die dem Besitz der geistigen Betriebe entsprechen, verschwinden. Das ist aber nicht anders möglich, als dass sich innerhalb des Kreises der Anthroposophischen Bewegung genügend viele Persönlichkeiten finden, die zugunsten der wichtigsten geistigen Betriebe einfach auf ihren Aktienbesitz glatt verzichten, sodass die geistigen Betriebe die 35000 Stück Aktien selbst geschenkt bekommen. Es ist das gerade so, wie wenn geistige Betriebe neu begründet würden und wenn sich eine Anzahl opferwilliger Persönlichkeiten finden würde, die etwa die Summe, die diesen 35000 Aktien entspricht, aufbringen würden.

Ist es also möglich, meine lieben Freunde, dass die Besitzer von 35000 Stück «Kommenden-Tag»-Aktien auf den Besitz ihrer Aktien verzichten, dann könnte das Folgende eintreten. Dann könnte man, was da geschenkt wird, 35000 Stück Aktien des «Kommenden Tages», dem deutschen Goetheanum-Fonds überlassen, der dann zu meiner freien Verfügung stehen müsste. Ich würde dadurch die freie Verfügung bekommen über die geistigen Betriebe. Ich sehe keine andere Möglichkeit für irgendeine andere Lösung des Problems, vor dem wir jetzt stehen, als dass diese Maßregel eintritt. Sie werden begreifen, dass es mir außerordentlich schwer wird, ein Jahr, nachdem ich selber aus dem Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» ausgeschieden bin, heute diese ungeheure Zumutung an die Aktionäre des «Kommenden Tages» stellen zu müssen: Schenkt mir 35000 Stück Aktien, damit die geistigen Betriebe in der Art, wie ich das gleich noch auseinandersetzen werde, fortgeführt werden können.

Wenn sich also heute opferwillige Aktionäre finden, die diese Schenkung vollziehen, dann liegt die Sache so, dass der «Kommende Tag» als solcher weiter fortgeführt wird als eine Assoziation rein wirtschaftlicher Unternehmungen. Wie er sich diese Fortführung denkt, wird noch auseinanderzusetzen sein. Diese Fortführung würde entsprechen einem Aktienbesitz von 74000 Stück Aktien. Über dasjenige, was auf diesem Gebiete liegt, kann ja dann nachher gesprochen werden. Ich betrachte es jetzt in diesem Augenblick als meine Aufgabe, auseinanderzusetzen, was mit den geistigen Betrieben geschehen kann, wenn die 35000 Stück Aktien zugunsten des deutschen Goetheanum-Fonds geschenkt werden. Es würde sich dann herausstellen, dass immerhin eine anthroposophische Gesinnung in dieser Opferwilligkeit zum Ausdruck kommen würde. Die Schenker würden sich sagen: Gewiss, wir bringen ein Opfer, aber wir bringen es aus dem anthroposophischen Gemeingeiste heraus. - Es gibt im «Kommenden Tag» eben Aktionäre, denen es möglich sein wird, eine solche Schenkung zu vollziehen. Da sie selbstverständlich nur in die Lage versetzt werden können, ganz freiwillig zu schenken, so kann man nur sagen: Wer schenken wird, der wird auch schenken können. Es wird eine Gruppe von Aktionären sein, die schenken kann. Auf der andern Seite sind Aktionäre des «Kommenden Tages», die auf ihren Aktienbesitz nicht verzichten können, die werden verwiesen auf die rein wirtschaftlichen Unternehmungen. Sie wären in keiner andern Lage als andere Aktienbesitzer. Und damit der Vollbesitz der 74.000 Stück Aktien gewahrt werden könne, wäre es eben notwendig, dass in Zukunft die geistigen Betriebe auf die wirtschaftliche Verwaltung des «Kommenden Tages» nicht den geringsten Einfluss mehr haben würden. Wenn diese Voraussetzung heute erfüllt würde, dass 35000 Stück Aktien dem deutschen Goetheanum-Fonds zur Verfügung gestellt werden, und die wirtschaftlichen Betriebe abgesondert zu denken wären, dann würde sich Folgendes herausstellen:

Vor allen Dingen ist zu denken an die Waldorfschule, die mit 300000 Mark im «Kommenden Tag» zu Buch steht. Dasjenige, was der Waldorfschule entspricht, das kann eigentlich durch keinerlei Art von Gegenwert gedeckt werden. Denn die Waldorfschule ist, wie Sie alle wissen, in Bezug auf die Aufbringung ihrer Barmittel durchaus auf die Schulgelder angewiesen und auf dasjenige, was durch freiwillige Beiträge aufgebracht wird. Daher kann die Waldorfschule, wenn jetzt eine Sanierung der Angelegenheiten vorgenommen wird, durch nichts anderes als eine volle Schenkung in den Besitz ihrer Betriebseinrichtungen gebracht werden. Was der Waldorfschule [an Grundstücken, Gebäuden und Einrichtungen] entspricht, das also im «Kommenden Tag» mit 300000 Mark zu Buch steht, das ist notwendig, glatt zu schenken.

Bleibt dann noch das Folgende: das Klinisch-Therapeutische Institut, das heute verknüpft ist mit dem Heilmittelverkauf, das heißt mit dem pharmazeutischen Laboratorium. Das Klinisch-Therapeutische Institut werde ich nachher besprechen. Der Heilmittelverkauf steht bilanzmäßig so, dass man sagen kann, es ist die allergrößte Aussicht vorhanden, dass er von heute ab schon keine irgendwelche wesentlichen Opfer mehr fordert. Er trägt sich. Aber immerhin wird man in der nächsten Zeit noch Barmittel brauchen. Und weil er ein gediegenes wirtschaftliches Gut ist, also als solches in Betracht kommen wird, muss man ihn auch kaufen können. Nun schwebt mir vor, dass die Internationale Laboratorien A.G. in Arlesheim den Heilmittelverkauf auch für alle diejenigen Länder der Welt besorgt, die nicht einmal in einem Vertrag abgetreten worden sind an das Stuttgarter Laboratorium, dass diese Internationale Laboratorien A.G. Arlesheim für die Welt diesen Heilmittelverkauf [und die Heilmittelherstellung] besorgt. Sie ist eine Aktiengesellschaft. Und gegenüber der Bilanz des hiesigen Heilmittelverkaufes und gegenüber den allgemeinen Verhältnissen, die sich auf unseren Heilmittelverkauf beziehen, die ideell außerordentlich günstig sind, wird man die Internationale Laboratorien A.G. Arlesheim dazu bringen können, dass sie den Heilmittelverkauf übernimmt und den Laboratoriumsankauf vollzieht. Aber wiederum nach den Verhältnissen, die dort in Arlesheim sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Kaufsumme eine Höhe von 50000 Franken übersteigen könnte. Diese 50000 Franken wird man ganz selbstverständlich dazutun müssen zu dem Goetheanum-Fonds, da ja, wenn nun die geistigen Betriebe selbstständig dastehen, wenn man sie geschenkt bekommt, man aber mit der Schenkung noch keine Barmittel erhält, sodass eigentlich keine Rede davon sein könnte, dass dieser Ankauf die Konsequenz hätte, dass eine Entschädigung - die ja auch ganz geringfügig wäre - an die schenkenden Aktionäre vollzogen werden könnte.

Was den Verlag betrifft, möchte ich das Folgende sagen: Gegenüber dem Verlag kann ich mich selbst nur verpflichtet fühlen, aus diesem Verlag herauszuretten die anthroposophischen Bücher, die von mir selbst geschrieben sind, die Bücher, die aus einer außerordentlich verdienstvollen Forschung von Herrn und Frau Dr. Kolisko hervorgegangen sind, die beiden Broschüren und noch ein Buch, das eben im Erscheinen ist, von Dr. Wachsmuth, dem Vorstandsmitglied am Goetheanum. Das würde eine Buchmasse ausmachen, die etwa einen Wert von 25000 bis 30000 Franken repräsentieren könnte. Das ist etwas, dem gegenüber man denken müsste, dass es erworben werden und durch diese Erwerbung dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag zufallen müsste. Die andere Masse der Bücher ist eigentlich so, dass ich - rein finanziell gesprochen und aus dem Gesichtspunkte des «Kommenden Tages» heraus - ihr gegenüber nicht nur keine Verpflichtung fühlen kann, sondern auch keine Verpflichtung fühlen darf. Gerade bei dieser Büchermasse kommt mir ja das in den Sinn, dass trotz aller Einwendungen, die seinerzeit von mir gemacht wurden, als dieser Buchverlag gegründet worden ist, sich dieser Verlag im Laufe der Zeit nur so verhalten hat, dass er im Wesentlichen mit den Konsumenten des Philosophisch-Anthroposophischen Verlages innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gerechnet hat; dass also im Grunde genommen durch diejenigen, die damals mit einem vermeintlichen Enthusiasmus, der aber eigentlich Unverständigkeit war, damals mit dem «Kommenden Tag»-Verlag ein Konkurrenzunternehmen für den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag geschaffen worden ist, was sehr leicht auseinanderzusetzen wäre. Deshalb fühle ich mich auch moralisch in keiner Weise verpflichtet, für die restliche Buchmasse des «Kommenden Tag»-Verlages zu sorgen.

Diese restliche Buchmasse bringt mir einen andern Gedanken nahe. Es handelt sich für mich darum, dass ich in der Zukunft in der strengsten Weise mich werde dafür einsetzen müssen, dass keinerlei Anthroposophengelder in wirtschaftliche Unternehmungen einfließen, die mit der Anthroposophischen Gesellschaft als solcher unmittelbar nichts zu tun haben. In dieser Beziehung wurde einmal nachgegeben, aber heute ist die dringende Notwendigkeit vorhanden, dass fernerhin keine wirtschaftlichen Unternehmen mit Anthroposophengeldern gespeist werden. Daher lag für mich auch die Notwendigkeit vor, für die Zukunft dafür zu sorgen, dass auch der gesamte Heilmittelverkauf in der Welt nicht auf ein Kapital gestellt werde, das aus Anthroposophentaschen herrührt, sondern auf ein Kapital von Leuten, die mit diesen Dingen ihr eigenes Vermögen verwalten wollen, also nur von Persönlichkeiten, die nicht aus anthroposophischen Gründen heraus, sondern lediglich aus der Rücksicht heraus, dass sie den Heilmittelverkauf für rentabel halten, das Geld hergeben, ohne Rücksicht zu nehmen, dass das irgendetwas mit der Anthroposophie zu tun hat. Es kann in der Zukunft für diese Dinge nur von diesem Gesichtspunkte aus gearbeitet werden. Der Heilmittelverkauf lässt sich so an, dass er, wenn er in der Zukunft auch kaufmännisch geführt wird, bei der großen Anerkennung, die sogar diejenigen Heilmittel in der Welt finden, auf die ich selber nur, ich möchte sagen, mit halber Hoffnung hingeschen habe, in ganz kaufmännischem Sinne ein rentables Geschäft werden kann. Aber er darf eben nur mit Geldern geführt werden, die auf das Risiko, das in dem Heilmittelverkauf liegt, gegeben werden. So kann ich auch der Internationalen Laboratorien A.G. Arlesheim, die in die Zukunft hinein auf die eben geschilderte Basis gestellt sein wird, den Ankauf des Heilmittelverkaufes hier empfehlen.

Bleibt, meine lieben Freunde, das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart. Wenn es auch heute bilanzmäßig ganz gut steht, es kann doch nicht anders gedacht werden als so, dass man zu seiner Führung Barmittel nötig hat. Nach den Intentionen, die von der Weihnachtstagung in Dornach ausgegangen sind, kann das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim kein Glied mehr sein der Internationalen Laboratorien A.G. in Arlesheim, sondern nur das dortige Laboratorium und der Heilmittelverkauf. In der Zukunft kann mit rein wirtschaftlichen Unternehmen ein geistiges Institut nicht verbunden werden. Deshalb ist auch das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim von der Internationalen Laboratorien A.G. in Arlesheim abgegliedert worden und ein integrierendes Glied des Goetheanums geworden. Dasselbe kann nicht für das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart eintreten, weil das Goetheanum auch nicht für einen Pfennig Zuschuss Garantie oder Risiko dafür übernehmen könnte. Also das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart steht so da, dass es nicht an die Internationale Laboratorien A.G. in Arlesheim angeschlossen werden kann, dass es auch nicht an das Goetheanum angeschlossen werden kann aus dem einfachen Grunde, weil das Goetheanum kein Risiko übernehmen darf. Sodass das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart nur so gestellt werden kann, dass es ein auf sich selbst gestelltes wirtschaftliches Unternehmen ist, das von einem Arzt oder Nichtarzt übernommen wird, der vielleicht dann, wenn Zuschüsse notwendig sind, sie auf eigenes Risiko übernimmt. Man muss demgegenüber sagen: Wenn Zuschüsse nicht notwendig sind, so kann jeder, der ein wenig geschäftlichen Sinn hat, riskieren, es auf eigene Rechnung zu übernehmen. Wenn aber Zuschüsse notwendig sind, dann kann das Goetheanum es erst recht nicht übernehmen. Also für die Klinik bleibt nichts anderes übrig, als sie zu einem selbstständigen Unternehmen zu machen. Was Gmünd betrifft, rechne ich es nicht zu den Betrieben, um die ich mich zu bekümmern habe, da wird sich der «Kommende Tag» weiter zu bekümmern haben, in welcher Weise es fruktifiziert werden kann.

Bleibt, meine lieben Freunde, das wissenschaftliche Forschungsinstitut, demgegenüber einem geradezu das Herz zerbricht, wenn man aus der Situation heraus darüber reden soll. Aber so, wie die Dinge stehen, liegt ja für das wissenschaftliche Forschungsinstitut auf der einen Seite die Tatsache vor, dass der «Kommende Tag» für dieses Institut keine Barmittel hat, dass das Goetheanum in Dornach außer jeder Lage ist, auch nur irgendwie eine Verpflichtung für dieses wissenschaftliche Forschungsinstitut in der Höhe eines Pfennigs zu übernehmen, sodass eine andere Möglichkeit gar nicht übrig bleibt — nicht aus irgendeinem Wunsche oder so etwas heraus, sondern rein aus der wirtschaftlichen Situation heraus -, als, wenn sich nicht ein Liebhaber findet, der das wissenschaftliche Forschungsinstitut übernimmt und finanziert, dieses wissenschaftliche Forschungsinstitut aufzulösen, restlos aufzulösen. Wir begraben damit vielleicht denjenigen Gedanken, der uns als einer der allerheiligsten, möchte ich sagen, vorgeschwebt hat, wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen, um dem geistigen Leben zu dienen. Aber die Möglichkeit, das weiter zu tun, ist nicht vorhanden.

Sodass also für die geistigen Betriebe die folgende Situation vorliegen würde: Die Waldorfschule wird durch Schenkungen auf sich selbst gestellt. Das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart wird verselbstständigt, zu einem eigenen Betriebe gemacht; Gmünd bleibt dem «Kommenden Tag» weiter zur Ordnung überlassen. Das wissenschaftliche Forschungsinstitut muss aufgelöst werden, wenn sich nicht ein Einzelner oder ein Konsortium findet, um es zu halten. Aus dem Verlag werden meine Bücher und die andern genannten herausgelöst und dafür gesorgt, dass diese Bücher zum weiteren Vertriebe dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag zufallen. Der Rest des Bücherbestandes muss freihändig an außenstehende Verleger verkauft werden. Als unzulässig würde ich es betrachten, wenn innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft selber irgendwelche Schritte gemacht würden, um den Rest dieses Bücherbestandes zu verkaufen und weiter irgendetwas zu begründen damit, was innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft liegt, denn damit würde die Konkurrenz gegenüber dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag entstehen, und kein Mensch kann verlangen, dass auch noch dasjenige, was in sich so steht wie der Philosophisch-Anthroposophische Verlag, durch weitere Konkurrenz zugrunde gehe.

Das, meine lieben Freunde, wäre ganz trocken und nüchtern gesagt, was einzig und allein unter der heutigen Situation nötig ist. Gelingt es heute, mit Erfolg an die Opferwilligkeit so vieler Aktionäre des «Kommenden Tages» zu appellieren, dass 35000 Stück Aktien für die geistigen Betriebe geschenkt frei zur Verfügung stehen und dem Goetheanum-Fonds zugewiesen werden, dann können wir die Ordnung dieser geistigen Betriebe in der Weise vornehmen, wie ich es geschildert habe. Ich würde mich für die Ordnung selber einsetzen und dann bliebe die Sorge für die restierenden 74000 Stück Aktien dem weiteren Behandeln der rein wirtschaftlichen Betriebe, die innerhalb des «Kommenden Tages» stehen.

Glauben Sie, meine lieben Freunde, dass dasjenige, was ich Ihnen jetzt kurz, nüchtern und trocken dargestellt habe, mir wahrhaftig seit Wochen die allerschwersten Sorgen gemacht hat, schwerste Kämpfe bewirkt hat. Allein, als vor einer Anzahl von Wochen Herr Leinhas zu mir nach Dornach kam ins Goetheanum und mir die Mitteilung machte, dass der letzte der wirtschaftlichen Betriebe, mit dem der «Kommende Tag» noch zu rechnen hatte, der in voller Opferwilligkeit eigentlich den Löwenanteil der Zuschüsse bis dahin aufgebracht hat, dass dieser Betrieb diese Zuschüsse auch nicht mehr aufbringen kann, da war es klar: Dann bedeutet das das Ende der Möglichkeit, den «Kommenden Tag» in seiner alten Form weiterzuführen. Dann steht der «Kommende Tag», trotz seiner Sachwerte, ohne die Möglichkeit, Barmittel zu schaffen, da; dann muss unbedingt eine Sanierung eintreten. Seit jener Zeit hat mir die ganze Sache schwere Sorge gemacht. Solange gehofft werden konnte, dass die wirtschaftlichen Unternehmungen im unmittelbaren Verkauf zuerst abgestoßen werden könnten, und gewissermaßen als Rumpf-«Kommender-Tag» die geistigen Unternehmungen übrig blieben, konnte man denken, dass das, was übrig bleibt, in irgendeiner Weise geordnet werden könnte. Nachdem aber die Dinge so weit gediehen sind, dass wir vor der Generalversammlung stehen und Sie gebeten haben, im vertraulichen Kreise vorher zusammenzukommen, ist es mir nicht möglich, etwas anderes als das eben Gesagte vorschlagsmäßig vor Sie hinzustellen.

Das ist dasjenige, worüber ich jetzt die Diskussion eröffnen möchte. Ich bitte also die Freunde, die sich daran beteiligen wollen, das Wort zu ergreifen. Wir können dann, nachdem zuerst die vorgebrachten Dinge besprochen worden sind, dazu übergehen, zu besprechen, was für Möglichkeiten für die Weiterführung der rein wirtschaftlichen Unternehmungen gedacht werden können. Ich darf noch erwähnen, dass von den 35000 Stück Aktien heute schon gezählt werden kann auf den Betrag, mit dem die Waldorfschule im «Kommenden Tag» zu Buche steht, den ein Aktionär, der die entsprechende Aktienzahl besitzt, mir zur Verfügung gestellt hat. Auch von einigen anderen kann man annehmen, dass es ganz bestimmt gegeben wird. So wird es möglich sein, dass die Aktionäre, welche gewillt sind, ihre Aktien in der Weise, wie es gesagt worden ist, abzutreten, in einer Liste, die herumgeht, ihre Aktienstückzahl dazuschreiben.

In der Diskussion stellt Emil Kühn die Frage, ob es nicht möglich sei, die Aktionäre, die heute schenken werden, an den realen Werten der geistigen Institutionen in irgendeiner Form zu beteiligen.

Rudolf Steiner: Ich selber kann sagen, dass ich durchaus, was die wirtschaftlichen Betriebe betrifft, mich einlassen würde auf eine Diskussion der Frage, die Herr Dr. Kühn eben berührt hat. Aber was die geistigen Betriebe betrifft, möchte ich Folgendes sagen: Wenn die Erfahrungen zugrunde gelegt werden, die für die wirtschaftliche Führung innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft in den letzten Jahren gemacht worden sind, so kann ich nur sagen, ich selber würde mich an der Sanierung der geistigen Betriebe nicht anders beteiligen, als wenn vollständig, nach jeder Richtung hin solche Verhältnisse geschaffen werden, welche lediglich eine Verwaltung im geistigen Sinne für diese Betriebe möglich machen.

Was also die Waldorfschule betrifft, würde ich mich nicht beteiligen können an einer Sanierung, wenn in irgendeiner Weise mit dieser Sanierung wiederum eine wirtschaftliche Verwaltung verbunden wäre; und die wäre dann verbunden, wenn irgendwie eine Teilnehmerschaft stattfinden würde derjenigen, die jetzt Aktien besitzen, an der Waldorfschule. Die Waldorfschule kann ihre Betriebsmittel nur, wie ich schon sagte, von den Schulgeldern und von freiwilligen Beiträgen haben. Und wenn auch zunächst der Besitz da wäre, so würde er immer etwas ganz Imaginäres bedeuteten müssen für diejenigen, die an ihm partizipieren. Das einzig gesunde Verhältnis ist das, wenn die Waldorfschule als solche selber diesen Besitz hat, wenn man ihn also ihr schenkt. Unter dieser Voraussetzung allein können auf Grundlage meines Vorschlages die geistigen Betriebe vom «Kommenden Tag» losgelöst werden. Ich kann sagen, ich würde mich nur dann beteiligen, wenn sich wirklich so viele Persönlichkeiten finden, die in freier Schenkung auf ihre Aktien verzichten - und das kann nur in dem freien Willen derselben liegen -, um zu einer Lösung zu kommen. Ich selber würde mich nicht beteiligen an dieser Lösung, wenn sie an die Bedingung gebunden wäre, dass geschenkt wird unter der Bedingung, dass noch ein Partizipieren stattfinden soll. Dazu wäre wieder eine Verwaltung finanzieller Natur notwendig, und mit der möchte ich nicht zusammenhängen. Ich bitte also nur diejenigen Freunde sich einzutragen, die ohne Bedingungen in der Lage sind, ihre Schenkungen zu machen, die diese geistigen Unternehmungen auf einen rein geistigen Boden stellen wollen.

Es sind, wie Sie ja gesehen haben, die Vorschläge von mir nur mit schwerem Herzen gemacht worden. Der Vorschlag, der jetzt gemacht worden ist, ist der nächstliegende und ist auch gut bedacht worden. Es würde sich sonst darum handeln, Obligationen auszugeben, die doch nur einen imaginären Besitz darstellen würden. Von allem Imaginären möchte ich mich fernhalten. Wird die Waldorfschule nicht losgelöst von einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem «Kommenden Tag», dann weiß ich auch nicht, wie die Frage gelöst werden kann, dass ich der geistige Leiter der Waldorfschule bleiben könnte. Ich kann also gar nicht sagen, welchen Einfluss auf meine eigenen Entschlüsse es haben würde, wenn eine solche Sanierung, wie sie angedeutet wurde, einträte. Ich habe nicht an einen Beschluss von Ihnen appelliert, sondern an die Opferwilligkeit einzelner anthroposophischer Freunde. Wir haben keinen Beschluss herbeizuführen, wenn in wirklicher Schenkung 35000 Stück Aktien - wenn Gmünd wegfällt, sind es bloß 29000 Stück -, wenn also 29000 Stück Aktien als Schenkung dem deutschen Goetheanum-Fonds zufallen. Ich appelliere nicht an einen Entschluss, sondern lediglich an die Opferwilligkeit, die genannten geistigen Betriebe in einer gewissen Weise ä fond perdu zu finanzieren.

[Weiteres Gespräch über die Aktienschenkung zur Rettung der geistigen Unternehmungen, die die wirtschaftlichen Unternehmungen ebenfalls entlasten würde. Diese sollen verselbstständigt und nach Möglichkeit von ihren früheren Besitzern wieder übernommen werden.]

Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Die Worte, die mein Vorschlag enthielt, sind, wie ich nun tief bewegten Herzens sagen darf, auf einen außerordentlich fruchtbaren Boden gefallen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, das, wie mir scheint, Wichtige und Bedeutungsvolle zu betonen, dass trotz der unglückseligen Verhältnisse, welche eingetreten sind innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft infolge von mancherlei Gründungen - ich habe ja darüber oft gesprochen im Laufe der letzten Jahre -, sich gezeigt hat, dass das Vertrauen in die allgemeine anthroposophische Bewegung ein so großes ist, dass wir nur mit der allertiefsten Befriedigung hinsehen können darauf, dass dieses Vertrauen eben so groß ist, dass es eigentlich kaum geschwächt hat werden können in den letzten Jahren, trotz aller unglückseliger Maßnahmen, die getroffen worden sind und mit denen entgegengekommen werden sollte denjenigen, die den Glauben hatten, dass man mit solchen Maßnahmen irgendetwas für die anthroposophische Sache tun könne. Es ist von mir jetzt schon an verschiedenen Orten betont worden, wie das in allerenergischster Weise Sich-Stellen auf rein anthroposophischen Boden seit der Weihnachtstagung überall gezeigt hat, dass das Vertrauen zur eigentlichen anthroposophischen Sache in den letzten Monaten nicht geringer, sondern wesentlich größer geworden ist. Sodass wir innerhalb des Anthroposophischen überall mit tiefster Befriedigung auf dasjenige hinsehen können, was nach dieser Richtung hin unter uns lebt.

Ich muss sagen, ich bin heute mit außerordentlich betrübtem, schwer besorgtem Herzen darangegangen, den Vorschlag zu machen, den ich einmal nach der Kenntnisnahme von der Lage des «Kommenden Tages» Ihnen, meine lieben Freunde, unterbreiten musste. Und ich hätte es durchaus verstehen können, wenn dieser Vorschlag im weitgehendsten Sinne eine Ablehnung erfahren hätte. Ich muss schon sagen, es ist tief rührend und zu Herzen gehend, dass dies nicht stattgefunden hat, sondern dass wir hinschauen können darauf, dass schon jetzt in der ersten Stunde sich die Freunde bereit erklärt haben, 20700 Stück Aktien auf diesem Schenkungswege an den Goetheanum-Fonds gelangen zu lassen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich dankbar bin über dieses sehr schöne Resultat, dass wir hinblicken können auf dieses Ergebnis, dass die angezeigte Zahl von 20700 Stück Aktien zur Verfügung gestellt worden ist, sodass wir nach dieser Richtung hin in der allernächsten Zeit zur vollen Sanierung der geistigen Betriebe, soweit das möglich ist, kommen werden, und damit auch mittelbar zur Sanierung des «Kommenden Tages» werden beitragen können.

Das ist ein im Grunde genommen außerordentlich erschütterndes Resultat, und wir dürfen auf den Verlauf dieser Versammlung nur mit im Grunde tiefster Rührung zurückblicken. Ich danke allen denjenigen, die haben schenken können und es getan haben, wirklich aus tief bewegtem Herzen heraus für dasjenige, was von Ihnen ausgeht, was nicht allein für den «Kommenden Tag», sondern gerade für unsere anthroposophische Bewegung eine außerordentlich bedeutsame Tat bedeutet. Denn wenn diese Opferwilligkeit sich nun einmal trotz der Misserfolge der letzten Jahre innerhalb der Anthroposophenkreise in einer solchen Art zeigt, so werden wir dennoch auf unserem Hauptwege in der nächsten Zeit das leisten können, was geleistet werden muss. Und geleistet werden muss dasjenige, was durch Anthroposophie in geistiger Beziehung für die Menschheit und für die moderne Zivilisation getan werden kann. Wenn wir mit unseren materiellen Unternehmungen nicht den gewünschten Erfolg hatten, wenn sozusagen alles das, was aus der Dreigliederungsbewegung hervorgegangen ist, im Grunde genommen heute ins Wasser gefallen ist, so haben wir doch - und dieses allein durch das unbegrenzte Vertrauen, das unsere Anthroposophen zur Anthroposophie haben - die Möglichkeit, auf dem eigentlich geistigen Felde weiterzuschreiten.

Das allerdings legt die Verpflichtung auch mir auf, in der Art, wie ich versuchte, die Weihnachtstagung bisher fruchtbar zu machen, in dem immer Esoterischer- und Esoterischermachen der anthroposophischen Sache, in tatkräftiger Weise fortzufahren. Gerade aus demjenigen, was die Freunde heute getan haben, fühle ich, wie stark die Verpflichtung ist, in dieser Richtung in allerenergischster Weise fortzufahren. Wenn wir in dieser Art zusammenhalten, dass jeder das tue, was er tun kann, werden wir auf dem entsprechenden Wege weiterkommen.

Sehen Sie, meine lieben Freunde, es liegt auch das noch vor: Die Dreigliederungsbewegung ist vor Jahren hier begründet worden. Einzelne Unternehmungen sind aus ihr hervorgegangen. Derjenige Teil der Dreigliederungsbewegung, der rein praktisch hätte durchgeführt werden sollen, zu dem praktisches Zusammenwirken notwendig gewesen wäre, hat sich zunächst nicht bewährt. Dagegen zeigt sich weit über die Grenzen von Europa hinaus, namentlich auch in Amerika, ein reges Interesse für diese Impulse. Lassen Sie mich dieses Wort, über das so viel geschimpft worden ist, gebrauchen: Es sind eben Realitäten in der Dreigliederung. Es zeigt sich, dass diese Impulse immer mehr und mehr doch mit einem gewissen Verständnis ergriffen werden. Und vielleicht wird gerade für diese Impulse das gut sein, wenn man nicht in voreiliger Weise sie in eine ungeschickte Praxis überzuführen versucht, sondern wenn man dasjenige befolgt, was ich am Anfange unserer Begründung unserer Zeitschrift «Anthroposophie» ja oft gesagt habe: Dreigliederung kann erst dann wirken, wenn sie in möglichst viele Köpfe hineingegangen ist. Wir haben den Misserfolg gesehen in der Anwendung der Dreigliederung auf die äußere Lebenspraxis der Menschen, aber sie wird als etwas, was immerhin auf anthroposophischem Boden doch steht, ihren Weg in der Welt machen. Alle Anzeichen zeigen, dass unsere Kraft auf dem anthroposophisch-geistigen Felde da angewendet werden muss. Und in diesem Sinne möchte ich Ihnen sagen, dass ich es als eine Verpflichtung der Dankbarkeit empfinde, alles das aufzuwenden, was geeignet ist, den esoterisch-geistigen Charakter unserer anthroposophischen Bewegung immer weiter- und weiterzubringen. Wenn das gelingt, und es muss gelingen, weil das Geistige nicht in der gleichen Weise Hemmnisse findet wie das äußere Materielle, dann werden die Freunde, die diese Opferwilligkeit gezeigt haben, in erneuerter Weise sich mit unserem Leben in der anthroposophischen Bewegung weit inniger noch verbunden fühlen.

Damit können wir vielleicht, weil es heute schon spät geworden ist, die heutige Versammlung schließen.

German original of The End of the “Futurm” · ← Previous