How Can We Work for the Impulse of the Threefold Social Order?

GA 338 — 17 February 1921, Stuttgart

Zehnter Vortrag

Wenn Sie Umschau halten in der etwas erfahreneren volkswirtschaftlichen Literatur, so wird es Ihnen, wenigstens in vielen Fällen, doch auffallen können, daß irgendwo bei den Autoren sich eine bestimmte Bemerkung findet, die etwa so lautet: Der Volkswirtschaftler habe sich nicht zu bekümmern darum, wie das Volk erzogen werde oder was dem Volk mit Bezug auf seine Bedürfnisse fromme von einem anderen Gesichtspunkt aus habe ich ja schon darauf hingewiesen -, das müsse er überlassen dem Ethiker, dem Hygieniker und so weiter.

Wenn Sie eine solche Bemerkung ernst nehmen, so bedeutet sie eigentlich im Grunde nichts Geringeres als den Beweis der Notwendigkeit der Dreigliederung des sozialen Organismus. Denn was wird da gesagt? Es wird gesagt: Wenn man volkswirtschaftlich denkt, so kommt nichts heraus, was irgendwie auf Ethik, auf Hygiene abzielen könnte, sondern was auf Ethik, auf Hygiene abzielen sollte, muß von anderer Seite her kommen.

Denkt man sich nun eine solche Bemerkung, die bis heute eigentlich nur theoretisch gemeint war, praktisch ausgenützt, so heißt es, es ist notwendig, daß volkswirtschaftlich real geurteilt, das heißt, daß die Volkswirtschaft so angelegt werde, daß ins Urteil nur einfließen diejenigen Dinge, die eben einfach ökonomisch sind, die absehen von aller Ethik, von aller Hygiene und so weiter, und daß daneben reale Verwaltungen existieren, die da sind für die ethische Durchdringung, für die hygienische Ausgestaltung des sozialen Lebens. Die werden liegen im freien Geistesleben.

Und für Sie wird das ein wichtiger pädagogisch-didaktischer Gesichtspunkt sein, daß Sie gerade zeigen, wie überall die Grundlagen dafür da sind, die, in der richtigen Weise benützt, zu Folgerungen führen in bezug auf die Dreigliederung des sozialen Organismus. Man kann geradezu sagen: Die Volkswirtschaftler können, wenn sie wirklich wirtschaftlich denken, nicht anders denken, als gedacht werden muß im assoziativen Glied des sozialen Organismus. Nur bleiben die Dinge, die so gedacht werden, dann nicht in den Büchern, sondern es bestehen Instanzen, die das auch reinlich in die Wirklichkeit überführen.

Ich erwähne dieses heute, wo ich mehr auf methodische Dinge hinweisen will, eben vorzugsweise in methodischer Beziehung, um Sie darauf aufmerksam zu machen, daß man überall, wo von der Dreigliederung die Rede ist, ausgehen kann von Dingen, die die Leute schon irgendwie gedacht haben. Nur hat keiner heute den Mut, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das Wesentliche besteht bei uns darin, daß die notwendigen Konsequenzen für das soziale Leben gezogen werden.

Ebenso werden Sie andere Fragen zu behandeln haben, wenn Sie gerade auf das Soziale abzielen wollen. Sie werden, wenn Sie sich bekannt machen mit der Entwickelung des volkswirtschaftlichen Denkens, finden, daß in der neueren Zeit eine ganze Reihe von utopistischen Ideen aufgetreten sind. Wir brauchen mit solchen utopistischen Ideen vielleicht, weil die älteren weniger bedeutsam sind für die Gegenwart, nur zurückzugehen bis zum 18. Jahrhundert; aber seit dem 18. Jahrhundert wurde ja eine ganz stattliche Reihe von sozialen Utopien ausgedacht. Warum sind solche Utopien entstanden? Das ist wichtig für Sie zu wissen, damit Sie es einfließen lassen können in die ganze Haltung Ihrer Vorträge.

Sehen Sie, für das geistige Leben liegt folgendes vor. Es führt im Grunde genommen überall zurück auf alte Urweisheit und die damit verbundenen Gebräuche. Nehmen Sie selbst dasjenige, was wir heute in Europa als ein ganz dekadentes Geistesleben haben: den Katholizismus auf der einen Seite und auf der anderen Seite das sehr filtrierte moderne Bildungsleben, das aber auch noch gespeist wird von den alten religiösen Vorstellungen; sie sind überall drinnen. Bis in die materialistischen Partien der Medizin hinein können Sie sie verfolgen; und in der Philologie sind sie drinnen, diese Ausläufer des theokratischen oder theologischen Denkens. Wenn Sie also sich vorhalten, wie das ganze moderne Denken durchaus imprägniert ist von diesem Element, das zurückführt auf alte Urweisheit, so werden Sie begreifen, daß in der ganzen Art, wie das Geistesleben, ich müßte jetzt sagen, sich selbst verwaltet - denn es ist ja schon anarchisch geworden, insofern es nicht in die strammen Fesseln des Staatslebens eingezogen ist -, so werden Sie bemerken, daß da auch in den Verwaltungen die Fäden zu sehen sind, die in der Konstitution der Territorien waren, in denen alte Urweisheit geherrscht hat. In der Kirche sehen Sie es in dem Aufbau der Hierarchien. Dieser führt auf die Anschauungen der alten Urweisheit zurück. In der Jurisprudenz sehen Sie es vielleicht nur noch in dem Kampfe, der in dem äußeren Leben der Kampf des Materialismus gegen den Spiritualismus ist, in dem Kampf, der geführt wird von Rechtsanwälten und Richtern gegen das Tragen des Talars in den gerichtlichen Verhandlungen. Im Anhänger des Talars haben Sie die Reste des alten Denkens, im Kampf gegen den Talar haben Sie die moderne materialistische Denkweise. Und das hat eine viel größere Bedeutung, als man eigentlich denkt. Und wenn Sie all den Kram ins Auge fassen, der sich rein formal anknüpft bei einigen unserer Hochschulen an die Doktorpromotion, so werden Sie sehr leicht die Fäden zurückverfolgen können zu dem alten theokratischen Element. Da haben wir überall darinnen etwas, was zwar den Leuten abhanden gekommen ist, was aber auf Altes zurückweist, zurückweist darauf, daß man einmal gewußt hat, wie das Geistesleben zu verwalten ist. Wenn wir auch dieses Geistesleben nicht mehr lebendig haben in unserer heutigen Zeit, die Formen haben wir drinnenstecken; und sogar die abgelegten Kleider, möchte ich sagen, haben wir noch drinnenstecken. Wir brauchen eben überall neue Formen. Die werden sich im freien Geistesleben finden.

Das andere ist dieses. In England hat sich zum Beispiel aus dem kirchlich-demokratischen Elemente das politisch-demokratische heraus entwickelt. Dies ist einfach dadurch entstanden in England, daß abgestreift worden ist der kirchliche Hintergrund und daß man die demokratische Form des Denkens herausgeschält hat. So aber ist überall eigentlich das politisch-rechtliche nach und nach herausgeboren worden aus dem theokratisch-kirchlichen Element. Nur bemerkt man es an anderen Stellen nicht mehr so genau. Es gibt zum Beispiel einen geheimen Zusammenhang zwischen dem gesamten Beamtenwesen, an dessen Spitze man sich ja denken kann den absoluten Herrscher «von Gottes Gnaden», welch letzteres gerade den Ursprung aus dem theokratisch-kirchlichen Element verrät, denn «von Gottes Gnaden» war nur derjenige, der von geistigen Behörden aus eingesetzt war. Der ganze Beamtenkörper ist einfach die profan gewordene kirchliche Hierarchie. Aber die andere Seite, die sich im Grunde genommen auch aus dem theokratisch-kirchlichen Element herausentwickelt hat, ist das Heerwesen. Das wird von den heutigen Menschen als paradox empfunden. Das Heerwesen ist aber nur dasjenige, was, wie der Schatten einem beleuchteten Gegenstand, der ganzen Organisation des staatlichen Wesens folgt. Und so hat sich, ich möchte sagen, nach und nach während der Ablösung des profanen Elementes vom theokratisch-kirchlichen Elemente ein gewisses Handhaben des Staatlichen herausgebildet. In allen Einzelheiten ist das nachweisbar, wenn man den Übergang der Formen der Verwaltung ins Auge faßt, wie sie sich in jenen Zeiten noch deutlich in ihrer theokratisch-hierarchischen Gestalt gezeigt haben, als Karl der Große einen Wert darauf legt, von dem Papst in Rom gekrönt zu werden, wie das kirchliche Leben dann in das profane übergeht, wie als Nachzügler dieses Überganges zum Beispiel die Besetzung erster Staatsstellen in Frankreich mit Kardinälen stattfindet. Wenn Sie das bedenken, so werden Sie überall das Hervorgehen dieses modernen politisch-rechtlichen Elementes im Handhaben aus dem theokratisch-kirchlichen Element und das Selbständigwerden der Handhabung mit Händen greifen können. Man konnte diese Dinge selbständig handhaben.

Da hinein nun drängt sich das moderne Wirtschaftsleben, das zwar instinktive Usancen hervorgebracht hat, aber bis jetzt noch immer nicht etwas, was so innerlich durchdrungen wäre wie das alte hierarchisch-kirchliche und das staatlich-militaristische Element. Diese beiden Elemente haben die Welt zu strammer Uniformierung gebracht. Dagegen war es erst in der neuesten Zeit, daß der Trieb entstand, dasjenige bewußt zu durchdringen, was sich als das komplizierte Wirtschaftsleben, über das man in älteren Zeiten nicht nachzudenken brauchte, weil man aus unerschöpflichen Quellen schöpfte, präponderierend in das moderne Leben hineingedrängt hat. Es ist zwar die Notwendigkeit entstanden, auch eine gewisse Handhabung des Wirtschaftslebens zu finden. Aber dieses Handhaben ist eben noch nicht gefunden worden.

Und im Grunde genommen ist der erste Versuch, in das Wirtschaftsleben etwas hineinzubringen, was parallelisiert werden kann dem staatlichen und dem kirchlichen Element, das assoziative Prinzip. Es ist zum ersten Male der Versuch, wirklich im Wirtschaftsleben organisch etwas zu begründen. Denn das ist bisher nicht geschehen. Und die verschiedensten theoretischen Versuche, eine Denkweise zu gewinnen, das Wirtschaftsleben als solches zu organisieren, das sind die utopistischen Theorien, die immer angesteckt waren von dem, was noch von früher herübergekommen ist. Da dachte man noch so: Wenn man organisiert, so muß man so organisieren, wie es im kirchlich-hierarchischen oder staatlichen Element ist - die Leute waren sich ja dessen nicht bewußt.

Und der äußere praktische Ausdruck für diese Sache ist das Auftauchen des wirtschaftlichen Liberalismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Denn warum ist dieser wirtschaftliche Liberalismus aufgetaucht? Was ist er denn? Er ist das Appellieren an die Tüchtigkeit der einzelnen wirtschaftlichen Persönlichkeiten. Ebenso war es im theokratisch-hierarchischen Element. Bevor man eine Organisation fand, mußte man appellieren an die einzelnen führenden Individualitäten. Ebenso war es im staatlichen Element. Bevor man zum Parlamentarismus überging, mußte man appellieren an diejenigen, die die Fähigkeit hatten, das Staatliche zu verwalten. Der wirtschaftliche Liberalismus ist nichts anderes als dieses Appellieren an die individuelle Tüchtigkeit der Persönlichkeit auf wirtschaftlichem Gebiet. Nur weil sich die Dinge in der Welt rascher entwickelten, ist eben auch rascher notwendig geworden, dasjenige zu finden, was nun wirklich paralysiert die schädlichen Wirkungen der absolutistischen einzelnen Persönlichkeit.

Nicht wahr, Sie brauchen nur die Konstitution der katholischen Kirche zu studieren, so werden Sie in dieser katholischen Kirche, die einfach bewahrt eine alte Verwaltung des geistigen Lebens, überall finden, daß die Einrichtungen, die Institutionen darauf ausgehen, die Schädlichkeiten der Individualität zu bannen. Gerade dadurch kann in einer gewissen Weise die Individualität zur Geltung kommen.

Ich wohnte einmal in Wien einem Gespräche bei, in dem sich ein Professor der Wiener theologischen Fakultät, der etwas liberale Neigungen hatte, denen er aber nur in höchst vorsichtiger Weise frönte, beklagte, daß man ihm von Rom ganz die Kehle zuschnüre und ihm nichts vom Katheder zu äußern gestatte. Es wurde ausführlich besprochen, warum es zum Beispiel in Innsbruck, wo dasselbe Fach ein Jesuit verwaltete, diesem gestattet war, in der freiesten Weise über dieselben Themen sich zu äußern. Und diejenigen, die in solchen Dingen erfahren waren, sagten sich: Ja, der katholischen Kirche kommt es nicht darauf an, daß zum Beispiel Exegese nicht auch frei vorgetragen werde an der Universität, sondern darauf, daß die Individuen, die in ihr drinnenstehen, eine absolute Sicherheit abgeben, daß sie trotz ihrer liberalen Anschauungen fest in der Organisation drinnenstehen, und das erreicht natürlich der Jesuit in ganz besonderem Maße, fest in der Organisation drinnenzustehen. Dann ist ihm auch gestattet, seine besonderen Freiheiten sich zu nehmen. Denn durch die Organisation ist nicht etwa die Individualität da zerstört. Sie ist gar nicht zerstört. Die einzelne Persönlichkeit ist gerade in der kirchlichen Hierarchie des Katholizismus in einem hohen Maße frei. Aber denen wird die Kehle zugeschnürt, die die Dinge dem Protestantismus ähnlich nehmen, die die Dinge so nehmen, daß sie Ernst machen aus der Dogmatik; der Katholik macht nur Ernst aus der Symbolik. Bei diesen ist immer die Gefahr vorhanden, daß sie den Talar wegwerfen. Das darf aber nicht sein. Innerhalb der Kirche kann alles geschehen; außerhalb der Kirche darf sich keiner stellen.

Natürlich kann so etwas nicht nachgeahmt werden. Aber es kann angeführt werden zur Charakteristik dafür, daß das nach der anderen Seite hin gefunden worden ist: ältere Zeiten appellieren an die Individualität, haben aber eine solche Organisation, daß die Individualität nicht schädlich werden kann. Im Staatsleben ist die Zeit auch schon vorbei, wo man gewahr wurde, daß diese beiden Seiten vorhanden sein müssen.

Im Wirtschaftsleben handelt es sich darum, daß der Übergang gefunden wird vom wirtschaftlichen Liberalismus zum Assoziationsprinzip. Da stecken wir erst mitten in demjenigen drinnen, was geschehen muß. Das ist es, was uns den welthistorischen Augenblick in dieser Beziehung in seiner Wesenheit eigentlich erst enthüllt: Assoziationsprinzip im wirtschaftlichen Leben bedeutet nichts anderes als dasjenige, was notwendig kommen muß gegenüber den Ausartungen des wirtschaftlichen Liberalismus. Und in der modernen Zeit haben eben die Leute noch nicht, weil das Denken in gewisser Weise inaktiv ist, den Mut gefunden, zur Aktivität überzugehen, überzugehen vom liberalistischen Denken zum aktiven Denken. Aber überall ist der Versuch gemacht worden. Da macht man, wenn man aufpaßt, interessante Erfahrungen.

Ich habe letzthin einmal das kleine volkswirtschaftliche Büchelchen aus der Göschenschen Sammlung in die Hand genommen. Da wird über den wirtschaftlichen Liberalismus gesprochen und gesagt: Es ergab sich die Notwendigkeit, von der individualistischen Wirtschaftsform überzugehen zu einer Art sozialer Wirtschaftsform. Und da war es notwendig, immer mehr und mehr hinüberzuführen das individualistisch Eingerichtete zu den Staatsverwaltungen: Staatssozialismus! Also keine Spur von einem Begreifen der Notwendigkeit des Assoziationsprinzips, aber: Staatssozialismus! - Und an einer anderen Stelle dieses Göschenschen Büchleins - es rührte auch von einem Fuchs her, aber nicht von so einem schlimmen fand sich folgender Satz: Und der Weltkrieg hat uns geradezu gezeigt, wie richtig diese Denkweise war; er meint: zu übertragen allmählich dasjenige, was die Individuen geleistet haben, an den Staat. Ich sagte mir: Nun muß ich aber das Titelblatt aufschlagen. In welchem Jahr ist es einem Menschen möglich, das noch hinzuschreiben? Ich fand: 1918! Es war der letzte Termin, wo man dies, ohne ein Tor genannt werden zu müssen, hinschreiben konnte. [Zwischenruf: Verzeihen Sie, Herr Doktor: 1920! - Herr Blume weist die neueste Auflage vor]. Es fragt sich, ob es noch in der neuesten Auflage steht. Hier steht «Neudruck». Wenn es noch drinnensteht, so rührt das davon her, daß die Dinge einfach in ihrer Torheit auch noch 1920 geblieben wären. In der Tat! Er hat nicht die Notwendigkeit gehabt, nach zwei Jahren die Sache zu korrigieren! Sie sind nicht schlau, diese Füchse. Ich schlug das Titelblatt «1918» auf und sagte: Konnten da die Verhältnisse noch so sein, daß der Mensch glauben konnte, daß die Überführung desjenigen, was als Weltwirtschaft aus dem alten System hervorgegangen ist, in die Staatswirtschaft oder gar in die Stadtwirtschaft - ich erinnere daran, daß gerade die Kommunen unmittelbar vor dem Ruin stehen und nächstens alle zusammenkrachen werden - das absolut Richtige sei?

Nun, was ich andeuten will, ist, daß das moderne Denken eben noch nicht den wirklichen, richtigen Übergang gefunden hat von der liberalistischen Ökonomie zu der assoziativen Ökonomie.

Es wird vielleicht überhaupt gar nicht möglich sein, daß jemand das assoziative Prinzip richtig begreift, wenn er nicht zu gleicher Zeit im vollen Sinn sich zu der Dreigliederung bekennt. Denn im Einheitsstaat wird dasjenige, was im dreigliedrigen sozialen Organismus richtig wirkt, sogar schädlich wirken. Und das muß scharf betont werden, wenigstens in der Nuance, die Sie Ihren Vorträgen geben, daß zum Beispiel derjenige mit der Dreigliederung nichts zu tun hat, der nun kommt und sagt: Ja, das Geistesleben wollen wir dem Staate lassen. Die Dreigliederung wollen wir nicht. Aber die Zweigliederung - es war sogar etwas ähnliches in der Weimarer National-Versammlung angeschlagen - ja, aber Zweigliederung! Das geht: das Wirtschaftsleben abzugliedern! - Das geht aber aus dem Grunde nicht, weil ein abgegliedertes Wirtschaftsleben, assoziativ eingerichtet, ja in sich haben würde in den Assoziationen die vom Staat ganz und gar abhängigen, also nicht dem freien Geistesleben entwachsenen Menschen, die dann das Wirtschaftsleben im staatlichen Sinne beeinflussen würden. Es würde also das ganze Wirtschaftsleben dadurch die Staatsgesinnung annehmen.

Ebenso würden wir niemals in Wirklichkeit freie Schulen wie die Waldorfschule errichten, wenn wir zugeben würden, daß aus den staatlichen Einrichtungen heraus die Lehrer genommen würden, daß also mit den Lehrern die staatliche Approbation der Lehrer mitgenommen werden müßte. Wenn man sagt, wir könnten eine freie Schule errichten, könnten das aber nur erreichen, wenn wir staatlich abgestempelte Lehrer finden, so bezeugt das, daß man von der Sache nichts versteht. Denn das bedeutet nichts anderes als dieses, daß man stehenbleibt bei dem Alten und es nur im modernen Sinne auffrisiert, also den Leuten Sand in die Augen streut. Und dazu ist die Zeit zu ernst. Was im Sinne der Dreigliederung vertreten werden soll, ist dasjenige, was die wirkliche Dreigliederung in sich hält, selbst auf die Gefahr hin, daß die praktischen Einrichtungen wegen des Widerstandes der Menschen nicht gleich erfolgen können. Das Wichtigste ist heute, daß die Dreigliederungsidee in möglichst viele Köpfe hinein kommt. Dadurch kommen wir doch auch am schnellsten zur praktischen Verwirklichung derselben.

Und nun noch methodisch etwas darüber, inwiefern Sie die Dreigliederungsidee nicht vortragen können, ohne die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, selbstverständlich in taktvoller und didaktisch-pädagogisch richtiger Weise, zugrunde zu legen. Das läßt sich auch aus der Entwickelung der Denkweise im sozialen Leben der neueren Zeit durchaus verfolgen.

Nicht wahr, es sind die verschiedensten Utopien aufgetreten und es hat sich entwickelt dasjenige System, das im weitesten Sinne bei der proletarischen Bevölkerung populär geworden ist: das marxistische System. Gewiß, dieses marxistische System hat mancherlei Formen angenommen. Revisionismus nach der einen Seite, Leninismus nach der anderen Seite. Dies ist ein solcher Radikalismus, der da etwa sagt: Wir wissen wohl, daß der Marxismus die soziale Frage nicht löst, aber er wirkt zur radikalen Zerstörung alles Bestehenden und dann kommt eine andere Menschheit, die neu aufbauen wird. Aber das marxistische System liegt all dem doch zugrunde. Karl Marx hat es verstanden, sich in die Seelen der modernen proletarischen Welt hineinzufinden. Und dadurch ist es auch den Führern der proletarischen Welt möglich, mit den marxistischen Anschauungen auf die proletarische Welt zu wirken. In gewisser Beziehung muß man sogar sagen, daß dieser Marxismus - nicht so sehr, wie er als Theorie lebte bei Karl Marx, als wie er vielmehr lebt in den Anschauungen der breitesten proletarischen Massen - seiner Form nach weltanschauungsgemäß die modernste soziale Lebensauffassung ist. Die anderen, gleichgültig, ob sie von Praktikern oder von Universitätsprofessoren vertreten werden, sind immer eigentlich etwas rückständiger.

Gerade weil der Marxismus die modernste Form ist, muß er auch von denjenigen, die nun etwas wirklich Durchgreifendes wollen, scharf ins Auge gefaßt werden. Ganz selbstverständlich kann man heute nicht irgendwie in die Menschenmassen hineinreden, ohne ein geklärtes, wenigstens gefühlsmäßiges Verständnis zu haben für dasjenige, was der Marxismus bedeutet. Das Wesentliche dabei ist ja doch, daß der Marxismus jene Weltanschauung und Lebensauffassung ist, welche am besten der ganzen sozialen Lage des modernen Proletariers entspricht. Er ist einfach angepaßt der ganzen sozialen Lebensauffassung des modernen Proletariers. Und wenn man rein theoretisch den Marxismus bekämpft, so macht man eigentlich etwas, was der Wirklichkeit nicht gemäß ist. Man bekämpft den Marxismus und bedenkt nicht, daß man es ja hat dazu kommen lassen in der Realität, daß der moderne Proletarier so geworden ist, wie er geworden ist. Das ist zurückzuführen auf die Sorglosigkeit der übrigen Bevölkerung. Aber indem man ihn hat werden lassen, wie er geworden ist, konnte er nichts anderes, als den Marxismus als seine Weltanschauung und Lebensauffassung nehmen. Denn dieser Marxismus enthält in sich durchaus für die Auffassung des Proletariats die Dreigliederung des menschlichen sozialen Lebens. Der Arbeiter hat, indem er Marxist wird, aus dem Marxismus heraus seine für seine Klasse passende Anschauung über die Dreigliederung des sozialen Lebens. Die hat er da drinnen.

Denn sehen Sie, in der modernen Zeit wurde es immer mehr und mehr Sitte, von dem Konsum und seinem Durchschauen abzulenken und nach dem bloßen Erwerb hinzuschauen. Dabei hatte man dann nur die Notwendigkeit, von diesem Erwerben so viel abzulassen, daß der soziale Organismus noch verwaltet werden kann. Es interessierte einen, gleichgültig, ob Aristokrat oder Bourgeois, nur so viel von dem Erträgnis des Erwerbs, als man selbst bekam und als man abgeben mußte, damit überhaupt das Ganze zusammengehalten werden konnte. Wie gestaltete sich das bei den Menschen, welche durch alte Privilegien oder sonstige Umstände in dem realen sozialen Organismus drinnenstanden? Sie suchten soviel wie möglich aus dem Erwerb herauszuschlagen. Den Konsum achtete man nicht, und man bewilligte, allerdings nur mit Brummen, für dasjenige, was für den Zusammenhalt des Ganzen notwendig war, die Steuern. Was tat der moderne Proletarier? Der stand nur an der Maschine und außerhalb des Kapitalismus. Der bewilligte gewisse Steuern grundsätzlich nicht, wenn er nicht umfiel. Denn er hatte kein Interesse an der Realität des alten sozialen Organismus, Er interessierte sich auch nur für das, was übrigblieb aus dem Erwerb. Da er nicht drinnenstand in der Verwaltung des Kapitals, so wurde das bei ihm nur der Gegenstand einer Kritik dessen, was er Mehrwert nennt. Das Verhältnis des Proletariers zum Mehrwert, ihn kritisierend, ist dasselbe wie beim Bourgeois, wenn er brummend die Steuern bewilligt. Der Bourgeois ist, indem er die Steuer bewilligt, nicht vorgedrungen zu dem, was dahintersteht. Der Proletarier ist auch nicht vorgedrungen. Aber er hat Kritik geübt. Er hat den Mehrwert ins Auge gefaßt und hat Kritik geübt. Das zeigt also, daß es sich darum handelt, zu der Kritik das Positive hinzuzufügen. Das wäre selbstverständlich das assoziative Prinzip. Aber es ist in der Theorie des Mehrwertes dasjenige drinnen, was innerhalb einer Weltanschauung und Lebensauffassung dem Proletarier das wirtschaftliche Element verkörpert.

Das zweite, was in der marxistischen Theorie drinnenlebt, insoferne sie die Lebensauffassung und Weltanschauung des Proletariers ist, ist der Klassenkampf, der nach seiner Ansicht sein muß. Das ist das politisch-rechtliche Element. Auf dem Wege des Klassenkampfes will er sich seine Rechte erkämpfen, will er die Arbeit organisieren und so weiter. Es ist also das zweite Gebiet des sozialen Lebens darinnen. Es ist nur die Kehrseite zu dem, wie es bei dem Bourgeois und den Aristokraten ist. Die kommen aus ihrer Klasse nicht heraus. Die haben nicht das Talent, aus dem Klassenmäßigen in das allgemein Menschliche hineinzukommen. Der Arbeiter macht das bewußt, aber er nimmt natürlich seine Klasse. So haben wir also im Marxismus auch dasjenige, was sich im modernen Leben als das politisch-rechtliche Element herausgebildet hat, das noch nicht den Übergang gefunden hat zu dem wirklich demokratischen Element, das ja nirgends durchgeführt ist, wozu man aber kommen muß, wo sich auf dem Boden des staatlich-rechtlichen Gebietes des sozialen Organismus alle Menschen gleichberechtigt gegenüberstehen, die mündig geworden sind. Das ist ungefähr dasjenige, was immer die betreffenden Klassen gemeint haben bis jetzt. Als es noch, sagen wir, vor der Französischen Revolution im wesentlichen das aristokratische Element gegeben hat, war dieses unter sich ganz demokratisch, aber unterhalb seiner Klasse hat der Mensch eben aufgehört, er war nicht mehr im vollsten Sinne des Wortes Mensch. Dann kam das Bourgeoistum herauf. Das war unter sich wiederum ganz demokratisch. Aber darunter hörte wiederum der Mensch auf. Dasjenige, wohin alles tendiert in der neueren Zeit, ist die allgemeine Demokratie. Derjenige, der außerhalb des sozialen Organismus stand wie der Proletarier, der konstituierte seine eigene Klasse gegen die anderen an die Stelle des allgemeinen Menschlichen, das so zu definieren ist, daß in alledem, worüber demokratisch parlamentarisiert werden soll, alle Menschen, was sie auch vorstellen, alle Menschen, die mündig geworden sind, als gleiche sich behandelnd sich gegenüberstehen. So haben wir, ich möchte sagen, auch in dem Klassenkampf dasjenige, was wir etwa so charakterisieren müssen: Der Proletarier weiß, es muß - er ist insofern modern -, es muß etwas ganz anderes kommen, als bisher dagewesen ist. Aber das allgemein Menschliche hat er nicht gelernt. Daher geht er von seiner Klasse aus, statt von dem allgemein Menschlichen.

Und auch für das Geistige hat innerhalb der marxistischen Weltanschauung und Lebensauffassung der Proletarier sein Element. Das ist die materialistische Geschichtsauffassung. Im materialistischen Zeitalter und bei der ganzen Erziehung des modernen Proletariers, der nur an den Mechanismus des Lebens herankommt und nicht an die Psyche und an den Geist, wurde dieses Geistesleben in der Anschauung des Proletariers ganz selbstverständlich zu der materialistischen Geschichtsauffassung. Aber diese stellt welt- und lebensanschauungsgemäß das geistige Element dar.

Sie haben also das alleräußerste radikale Ausleben desjenigen, was die moderne Menschheit eigentlich will und worin sie sich nicht zu helfen weiß, in dem proletarischen Marxismus. Und Sie müssen dem gegenüber etwas stellen, was ebenso fundiert ist wie der proletarische Marxismus für das Proletariat. Was ist das Wesentliche dieses proletarischen Marxismus als Weltanschauung? Das Wesentliche des proletarischen Marxismus als Weltanschauung ist der Unglaube an den Menschen.

Dieser Unglaube an den Menschen hatte in den Zeiten der Urweisheit der Menschheit seine Berechtigung, denn da waren es göttliche Kräfte, die in dem menschlichen Innern saßen und den Menschen führten. Die Menschen wußten sich auf dasjenige verwiesen, was sie unbewußt aus Seelentiefen heraus als die Offenbarungen der Götter als Richtkräfte für das Leben erkennen konnten. Da war es der Unglaube an den Menschen und der Glaube an die Götter. Als herausgebunden war aus dem alten theokratisch-kirchlichen Element das staatlich-administrative, das beamtlich-militärische Element, da bestand noch immer dieser Unglaube an den Menschen. Denn da entstand der Glaube, der Mensch als solcher kann doch nicht die Geschicke leiten, das muß der Staat tun. Der Staat wurde zum Götzen, zum Fetisch. Und das führte den Menschen, der nun in das Staatssystem eingespannt war, zum Unglauben an den Menschen, zum Glauben an den äußeren Fetisch. Natürlich, sobald der Gott herunterkommt, wird er immer mehr und mehr zum Fetisch. Der proletarische Marxismus ist die dritte und letzte Stufe des Unglaubens an den Menschen. Denn der Proletarier sagt sich in seiner materialistischen Geschichtsphilosophie: Nicht der Mensch ist es; der die Geschicke leitet, sondern «die Produktionskräfte» sind es, die ihn leiten. Wir stehen als Menschen ohnmächtig da mit unserer Ideologie. So, wie die Produktionsprozesse verlaufen, so ist der geschichtliche Gang. Und was die Menschen innerhalb dieser Produktionskräfte sind, ist nur das Ergebnis der Produktionskräfte selbst. Unglaube an den Menschen und wirklicher Glaube auch an den handgreiflichen Fetisch! Es ist kein prinzipieller Unterschied, ob der auf andere Weise in die Dekadenz gekommene afrikanische Wilde einen äußeren Holzklotz anbetet, zum Fetisch macht, oder ob der europäische Proletarier die Produktionsmittel und Produktionsprozesse als dasjenige ansieht, was die Geschichte dirigiert. Da ist logisch prinzipiell gar kein Unterschied, es ist unser ZauberAberglaube! Und das müssen wir genügend ansehen. In verschiedener Weise sind die Menschen in die Dekadenz gekommen. In Afrika war auch eine Urweisheit da. Dann ist das heruntergekommen in der Verwaltung; in Ägypten sehen wir das. Dann verfällt es. Der Fetischismus ist nicht dasjenige, was am Ausgangspunkte steht, sondern was in der Dekadenz eintritt. Am Ausgangspunkt steht überall der reine Götterglaube, und im Verkommen liegt erst der Fetischismus. Innerhalb der zvilisierten Gegenden wurden, statt daß man äußerliche Holzklötze anbetete, die «Produktionskräfte» angebetet. Die Gebete wurden natürlich auch anders eingerichtet. Aber «die Produktionskräfte» und «Produktionsprozesse» wurden zu Götzen gemacht. Es ist die letzte Phase des Unglaubens an den Menschen, die Phase der wirtschaftlich abergläubischen Denkweise. Es ist auch prinzipiell kein Unterschied, ob man sich als afrikanischer Wilder mit einem Zauberspruch zu seinem Götzen begibt oder in einer modernen proletarischen Versammlung sich zusammenfindet und marxistische Phrasen drischt. Das Gebet klingt anders, aber man muß sich klar sein darüber, was das innere Wesen der Sache ist.

Dem muß gegenübergestellt werden, was nun nicht Unglaube an den Menschen, sondern Glaube an den Menschen ist. Und letzten Endes kommt es darauf an, daß der Glaube an den Menschen gefunden werde, der Glaube, daß im Innern des Menschen sich die Richtkräfte für das Leben offenbaren. Der Mensch muß zu sich selbst kommen, zum vollen Selbstbewußtsein. Er muß die Möglichkeit finden, sich zu sagen: Alles Äußere ist Aberglaube. Einzig und allein die Richtkräfte im eigenen Innern sind es, die in das Leben eingreifen müssen!

Dazu aber ist Mut notwendig, über das bloße passive Gebet hinauszukommen und in der Ergreifung des Göttlichen im Willen ein aktives Gebet zu haben. Dieser Übergang zum aktiven Gebet, zur innerlichen Aktivität überhaupt, dieser Übergang vom Unglauben an den Menschen zum Glauben an den Menschen, das ist dasjenige, was als Enthusiasmus in Ihren Herzen und Seelen sitzen muß. Sie müssen sich fühlen als diejenigen, die am Wendepunkt der Geschichte stehen, wo die Menschen vom Unglauben an den Menschen zum Glauben an den Menschen geführt werden müssen.

Sie brauchen es den Leuten nicht zu sagen, Sie müssen aber selber mit dem Bewußtsein davon die Podien betreten, mit dem Bewußtsein: Ich habe der Menschheit beizubringen, daß die Richtkräfte des Lebens aktiv im Innern erfaßt werden müssen, daß das Leben in der Zukunft so eingerichtet werden muß, daß der Mensch sich sagt: Ich muß es sein, der die Dinge macht.

Es war der letzte Aberglaube der Zivilisation, daß die Menschen den Glauben nicht hatten an sich selber, sondern daß sie den Glauben hatten, «die Produktionskräfte» richten das Leben ein. Und aus diesem Aberglauben entstand dann der furchtbare Afterdienst im Osten, wo der Versuch gemacht worden ist, was vom Willen nicht bestimmt ist, dennoch vom Willen durchtränken zu lassen. Die Persönlichkeit, die in idealer Weise zwei nicht zusammengehörige Dinge, die innere Passivität in der Überzeugung und die Aktivität im Handeln vereinigt, wodurch das eine das andere zerstört, ist Lenin. Lenin ist die Persönlichkeit, welche dasjenige, was aus alten Zeiten herüberkommt, in neuen Zeiten am reinsten kristallisiert. Er kristallisiert am reinsten, was die real gewordene Unmöglichkeit, der real gewordene Zerstörungs-, der real gewordene Untergangstrieb ist.

Was zum Aufbau führt, was dazu führt, das soziale Leben mit wirklichen Lebenskräften wieder zu durchtränken, ist, wenn wir die Möglichkeit finden, zu erschaffen im Menschen aus dem Unglauben an den Menschen den Glauben an den Menschen, den Glauben, der sich zuletzt doch so ausspricht: Was ich erleben werde als Glück oder Unglück, oder als soziale Einrichtung, oder als etwas im äußeren Leben, werde ich selbst machen!

Das können Sie nicht in die Menschen hineinbringen, ohne sie mit Ihren Worten zu gleicher Zeit zu stählen. Sie müssen die Menschen dazu bringen, daß sie Vertrauen, daß sie Glauben an ihre eigene Wesenheit haben. Und das ist dasjenige, was Sie im Grunde genommen wenigstens in Ihrem Herzen anstreben müssen. Wie Sie es machen, das wird vielleicht heute noch von Ihren Fähigkeiten abhängen. Das wird aber, wenn Sie sich mit gutem Willen der Sache hingeben, bald nicht mehr von diesen Fähigkeiten abhängen, sondern die Notwendigkeit der Zeit wird Ihre Fähigkeiten ergreifen. Und Sie werden über sich selbst hinauswachsen gerade in dem Hinbringen dieses Glaubens an die Menschen, also daß an die Stelle des Unglaubens an den Menschen der Glaube an den Menschen treten müsse.

Das ist es, was ich Ihnen sagen wollte, bevor Sie hinausziehen, um Ihre Vorträge zu halten. Fühlen Sie die Stärke, die darin liegen kann, wenn man sich sagt: Ich habe das zu bewirken, daß der letzte Aberund Unglaube an den Menschen in bezug auf den Menschen übergeführt werde in Glauben an den Menschen, in innere Aktivität des menschlichen Wesens! Denn auf diese kommt es an bei dem Anstreben eines wirklichen Aufstieges. Alles andere wird nur zur Fortpflanzung desjenigen führen, was in der Dekadenz ist. Da sagen Sie sich: Was in der Zerstörung ist, halte man nicht aufrecht. - Sondern wenden Sie meinetwegen das Nietzsche-Wort an: Man stoße es noch, damit es schneller zugrunde gehe! Aber man liebe, was nicht von gestern und heute, sondern was von morgen ist!

Ich möchte, meine lieben Freunde, daß Sie als Menschen des Morgen hinausgehen und aus dem Bewußtsein des Menschen des Morgen heraus Ihre Worte prägen in den nächsten Wochen.

German original of Tenth Lecture · ← Previous