95. Nachruf auf die Gräfin Brockdorff

Am 8. Juni 1906 hat die theosophische Bewegung in Deutschland dasjenige ihrer Mitglieder verloren, welches lange Zeit hindurch in hingebungsvollster Arbeit diese Bewegung gefördert hat. Die Gräfin Brockdorff ist gestorben. Die älteren Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft und insbesondere auch der Generalsekretär der deutschen Sektion kennen die bedeutungsvolle Förderung, welche die theosophische Sache in Deutschland dieser Persönlichkeit verdankt. In Zeiten, in denen sich niemand anderer der Theosophie hier widmen wollte, hat die Gräfin Brockdorff im Verein mit ihrem Gatten in Berlin in opferreichem Werke gearbeitet. Die sympathische Art der Gräfin und ihr liebevolles, verständnisinniges Entgegenkommen vermochten es durch Jahre hindurch, weitere Kreise für das geistige Leben heranzuziehen. Wer sich erinnert an die stille, aber wirkungsvolle Art, wie diese Persönlichkeit der Mittelpunkt einer kleinen geistigen Welt war, der wird ihre Bedeutung zu würdigen wissen. Auch die Begründung der deutschen Sektion ging von ihrem Hause aus. Aus Gesundheitsrücksichten zog sich das Brockdorfische Ehepaar wohl gerade bei der Gründung der deutschen Sektion in das stille Algund bei Meran zurück, aber immer wird diese Sektion des Grundsteines eingedenk sein müssen, den ihr die für die Theosophie einst so unermüdlich tätigen beiden Persönlichkeiten gelegt haben.

German original of Obituary of Countess Brockdorff · ← Previous · Next →