Lectures on Christian Religious Work II
GA 343 — 7 October 1921, Dornach
Zweiundzwanzigster Vortrag
Meine lieben Freunde! Gestern bei den Nachmittagsbesprechungen hier hat sich doch einiges ergeben, das mich nötigt, einiges zu sagen, bevor ich zu dem Ritual der Wandlung und der Kommunion übergehe. Es scheint mir, daß es notwendig ist, daß über gewisse Dinge eine ganz grundsätzliche Verständigung erzielt wird, denn es würde nichts nützen, wenn diese Verständigung gewissermaßen doch in den Untergründen bleibt. Es muß auch da ganz klar gesprochen werden. Vor allen Dingen ist es notwendig, daß man richtig die Wesenheit eines Rituals wirklich durchschaut, damit es nicht möglich ist zu sagen, dasjenige, was von einem Ritual ausgeht, könne auch suggestiv wirken. Über das, was suggestiv wirkt, ist heute eine absolute Unklarheit vorhanden, und vielleicht sind sogar erst die Vertreter einer religiösen Weltanschauung dazu geeignet, die durch und durch ungesunden Verhältnisse, die in weiten Kreisen auf diesem Gebiet durch unsere Wissenschaft eingetreten sind, zu berichtigen. Unsere Wissenschaft hat nämlich gar keine Möglichkeit, wenn sie zur Klarheit kommen will auch nur über die elementarsten Dinge des Seelischen, daß durch sie irgendwie eine richtige Einsicht in den Sachverhalt entstehen würde. Sie hat die Möglichkeit nicht. Man muß auch darüber Erfahrungen haben, meine lieben Freunde; diese Erfahrungen ergeben sich einem, wenn man so etwas mitmacht, wie es bei mir der Fall war. Ich habe, ich möchte sagen, vom status nascendi die Entwickelung der Psychoanalyse beobachten können. Es war ja geradezu ein Freund von mir, der zuerst dasjenige der Wissenschaft zugänglich machen wollte, was berechtigt ist an der Psychoanalyse. Dann ist das in die Hände von Freud gekommen. Der Mann, der ursprünglich den Gedanken gehabt hat, hat sich zurückgezogen, und schon das war eben ein Beweis dafür, wie unmöglich es ist, überhaupt aus den Untergründen der heutigen Wissenschaft heraus zu einer Klarheit über diese Dinge zu kommen. Leider macht man ja die Erfahrung, daß auch in die religiösen und in die theologischen Begriffe immer mehr und mehr eindringen diese Begriffe der modernen Wissenschaftlichkeit, die gar kein Unterscheidungsvermögen hat für das, was im Seelischen sich vollzieht.
Warum, meine lieben Freunde, wird denn mit einer so großen Sorgfalt an dem Zustandekommen der Ritualien aus dem Übersinnlichen heraus gearbeitet? Das geschieht aus keinem anderen Grund, als daß auch jeder letzte Rest des Suggestiven ausgeschlossen wird. Das ist ja die Grundforderung, daß auch der letzte Rest des Suggestiven ausgeschlossen wird. Und wodurch geschieht dies? Sehen Sie, alles, was ich Ihnen an Ritualien angegeben habe und angeben werde, das ist ja nach dem Grundsatz empfangen, daß es durchaus in den Worten dasjenige wiedergibt, was aus dem Übersinnlichen heraus die Entwickelungskräfte, die normalen Entwickelungskräfte sind, nur in ihrer Weiterführung durch den Menschen. Wenn man hier von Suggestion spricht, so wendet man den Terminus auf etwas an, worauf er absolut nicht anwendbar ist, aus dem Grunde, weil man ihn dann auch anwenden müßte [zum Beispiel] auf die Kräfte, die am Wachstum des Kindes beteiligt sind — ich meine nicht diejenigen, die von den Eltern oder der Umgebung kommen, sondern die innerlich, aus dem Geistig-Seelischen heraus wirkenden Kräfte, die Herz, Nieren, Leber, Milz und so weiter gestalten —, und auch von diesen sagen müßte, daß sie suggestiv auf den Menschen wirken. Hier hört es auf, daß man mit dem Worte «suggestiv» noch irgendwelchen Sinn verbinden kann. Einen Sinn kann man mit diesem Wort nur dann verbinden, wenn es sich darum handelt, daß auf einen Menschen, der durch seine Individualität abgesondert ist von den anderen Menschen, ein Einfluß ausgeübt wird, welcher aus der geraden Evolution des natürlichen Geschehens herausfällt, wo also etwas von der einen Individualität überfließt auf die andere. Das gerade auszuschließen, das gehört zu dem Wege, der eingeschlagen werden muß bei der Empfängnis von Ritualien. Da hat man es also eben nicht mit dem zu tun, was von einem Menschen auf den anderen übergeht, sondern da hat man es zu tun mit einem Sichvertiefen in die göttlich-geistige Entwickelungsbewegung und die Entwickelungskräfte des Menschen selber, und diese hat man so, wie sie sind, ins Wort hineinzubringen. Also da hört die Möglichkeit auf, von Suggestion zu sprechen, geradeso wie bei einem Viereck die Möglichkeit aufhört, von den Gesetzen des Dreiecks zu sprechen.
Das sind aber Unterscheidungen, die einer vertieften Wissenschaft erst wiederum kommen müssen. Die heutige Wissenschaft ist in bezug auf alles Seelische in der furchtbarsten Weise dilettantisch, in der furchtbarsten Weise ohnmächtig, und bis zur Tollheit ohnmächtig sind die Dinge, die heute von Psychoanalytikern oder auch von Experimentalpsychologen und anderen Psychologen über das Seelische gesprochen werden. Von Suggestion kann man überhaupt sagen, daß die gewöhnliche Wissenschaft irgendwie nicht die Möglichkeit hat, einen Begriff zu bekommen.
Das ist dasjenige, was ich zunächst einmal prinzipiell zu sagen habe. Das andere ist, daß unsere neuzeitliche Entwickelungslehre dazu geführt hat, so sehr allen Bewußtseinsinhalt auf das menschliche Ego einzuschränken und wenig Interesse dafür zu entwickeln, wie das menschliche Ego mit dem gesamten Universum zusammenhängt, so daß solche Dinge, wie ich sie auch gestern wiederum ausgesprochen habe von der Notwendigkeit des Todes des Moralischen beim Erdenuntergang, überhaupt gar nicht mehr mit der nötigen Stärke empfunden werden. Das moderne Bewußtsein hat es leicht, von Aberglauben in solchen Fällen zu sprechen. Aber dieser Aberglaube beruht lediglich darauf, daß man sich ganz und gar versponnen hat in das egoistische Auffassen der Welt. Und so kommt es, daß man eigentlich keinen besonderen Wert darauf legt, meine lieben Freunde, was heute innerhalb des Menschen selbst geschieht. Und wer keinen Wert auf das legt, was innerhalb des Menschen selbst geschieht, der wird nie das Ritual und nie das Sakrament in Wirklichkeit verstehen können.
Sehen Sie, Sie blicken um sich, Sie sehen die Sterne, Sie sehen Sonne und Mond, Sie sehen die Luftgebilde, sehen Wolken, Wellen, Flüsse, Sie sehen die Wesen des mineralischen, des tierischen, des pflanzlichen Reiches, — alles dieses wird einstmals nicht mehr sein, alles dieses wird einstmals verschwunden sein. Himmel und Erde werden untergehen. Alles, was Sie mit den Augen sehen können, mit den Sinnen wahrnehmen können, was Ihr kombinierender Verstand erfassen kann, all das wird untergehen. Allein dasjenige wird [nicht untergehen], wenn der einzelne individuelle Mensch durch den Tod geht und wird über das Erdendasein hinaus leben, was in diesem individuellen Menschen gegründet ist, was der individuelle Mensch in sich aufgenommen hat. Mit dem Christus sagen wir: Meine Worte werden nicht vergehen. — Allein dasjenige wird nicht vergehen, was innerhalb des Menschen Haut heute geschieht, alles übrige geht unter. Und indem der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, gehen damit unter alle bloß intellektuellen Wirkungen, alles bloße intellektuelle Erleben. Das alles geht unter, und allein das kann bleiben, was das ganzmenschliche Erfassen ist. Zu dem ganzmenschlichen Erfassen können Sie aber nicht kommen, ohne daß Sie hinausgehen über alles das, was sich in Ihrer Umgebung im Erdendasein vollzieht. Vollführen Sie nur Handlungen — und wenn sie noch so große Bedeutung haben -, die sich im Erdendasein realisieren, dann arbeiten Sie lediglich für das Erdendasein, und das hat für den Menschen nur Wert zwischen Geburt und Tod, dann befruchten Sie nicht des Menschen Seele, dann gewinnt durch Sie des Menschen Seele nichts, so gut auch alles gemeint sein mag.
Dazu drängt ja eben die moderne Entwickelung — und deswegen ist der gegenwärtige Augenblick so unendlich ernst —, daß dem Menschen alles das genommen werden soll, was mit seinem Ewigen zusammenhängt. Und eine Menschenseele, der Sie das Ritual, das Sakrament zugänglich machen, eine solche Menschenseele dringt eben einfach tiefer in das Ewige ein durch dasjenige, was an dem Ritual erlebt wird. Wer dies nicht in seiner vollen Tiefe versteht, wird Ritual und Sakrament nicht verstehen. Man muß eben hinschauen, was an der Seele des Menschen und seinem Ewigen getan wird. Die Seele würde sterben mit dem Erdenuntergang und die Seele würde schlafen nach dem Tode, wenn an dieser Menschenseele nichts getan würde in unserer Zeit, die nach dem Mysterium von Golgatha liegt. Der Auferstehungsgedanke muß durchaus ernst genommen werden und die Konsequenz des Paulus, daß, wenn Christus nicht auferstanden wäre, wir einfach keine Ewigkeit hätten. Das darf nicht bloß in die Sphäre des Intellektualistischen getaucht werden, das muß so ernst genommen werden, daß wir in der Tat wissen: Wir arbeiten daran, immer mehr und mehr lebendig zu machen die Seele, indem wir in der Zeremonie dasjenige fortsetzen, was sich auf Golgatha vollzogen hat.
Das aber, meine lieben Freunde, hängt wiederum innig zusammen mit dem Lebendigmachen des Evangelienwortes. Dem Evangelienworte gegenüber ist das Dokumentarische nicht das einzige; stellen Sie [das Dokumentarische] der Evangelien her, wie Sie wollen, Sie haben damit noch nicht alles getan. Sie haben dann die Möglichkeit geschaffen, die Evangelien so zu verkünden, wie sie gesprochen werden mußten zu den Zeitgenossen der Apostel, aber Sie haben noch keine Möglichkeit, diese Evangelienworte so lebendig zu machen, wie sie heute lebendig leben können und sollen. In demjenigen, was ich Ihnen hier als Ritual vorlege, lebt nichts anderes als das lebendige Evangelienwort. Und wer glaubt, daß das lebendige Evangelienwort nicht darin lebt, der kommt mir vor wie einer, der einen 15jährigen Knaben sieht und sagt, er kenne ihn nicht, er müsse erst ein Bildnis haben von seinem dritten Lebensjahr und wissen, wie er da ausgesehen hat. - Wir müssen heute die Möglichkeit haben, das Evangelienwort in uns zu haben und es in voller Freiheit zu handhaben, trotzdem in ihm der Christus lebt. Das muß in das Ritualwort hineinfließen können; dann allein ist das Ritualwort im heutigen Sinne wahr. Dann aber verstehe ich erst wahr das Evangelium. Daher kann nicht bloß durch die Wiederholung des Evangeliums dasjenige erreicht werden, was heute erreicht werden soll, sondern im Gegenteil: Wer weiß, wie es mit diesen Dingen beschaffen ist, der weiß auch, daß, wenn man das Evangelienwort dieser oder jener Seele bloß im Toten entwickelt, daß man dann leider zu dem Gegenteil dessen beitragen kann, was man anstrebt. Wenn man nicht in lebendiger Weise zu der Seele steht, der man das Evangelienwort verkündet, dann kann das Evangelienwort zum Verderben gereichen, so, sagen wir, wie für jemanden, der eine schwache Konstitution hat, gerade eine sonst gesunde Gegend verderblich ist, weil er sich nicht angepaßt hat an diese Gegend.
Diese Geheimnisse des Daseins müssen wir nur in richtiger Weise ins Auge fassen. Und zu etwas anderem müssen wir noch kommen. Wir müssen dahin kommen einzusehen, meine lieben Freunde, warum für alles frühere Bewußtsein Heilen und Erkennen eines und dasselbe war, wenigstens zu ein und demselben gehörte. In den Zeiten, in denen Erkenntnis und Religion eines waren, da wurde Erkenntnis nie anders genommen als gleichzeitig als Anweisung für den Menschen, um Heilung zu finden. Hier kommen wir dazu, uns klar zu sein darüber, daß die Erbsünde in Wirklichkeit eine Erkrankung des Menschen darstellt. Wenn das Bewußtsein mit ergriffen wird von dieser Krankheit, dann tritt eben nicht Heilung, sondern ein weiteres Kranksein ein. Wir müssen das Bewußtsein, die Seele mit all ihren Kräften, der Sphäre des Sündenkrankseins entreißen.
Wir müssen also tatsächlich mit der Möglichkeit rechnen, daß mit dem Erdenuntergang alles, was moralisch gegründet ist, untergehen könnte, wenn wir es nicht durch den Christus Jesus am Leben erhalten und hinausführen würden über den Erdenuntergang zu künftigen Daseinsstufen. Von diesem Bewußtsein muß durchaus alles durchdrungen sein, was in Ritual und Zeremonie einfließt. Und daher werden Sie sehen, daß gerade, indem wir uns den Geheimnissen des Meßopfers nähern, immer mehr und mehr dieses Anschauen, dieses ganzmenschliche Anschauen desjenigen, was vor allen Dingen im Menschen selbst wirkt und webt als das Ewige, und desjenigen, was durch die Verbindung mit dem Christus Jesus geheilt werden muß, ganz besonders hervortritt. Wenn heute jemand käme und so sprechen würde: Ja, wozu brauchen wir die Sakramente, wir haben ja das Wort!, - so müßte dem vom anthroposophischen Standpunkte aus gesagt werden: Gewiß, das Wort hast du, aber hast du auch die Kraft des Wortes? Bist du auch sicher, daß dein Wort nicht mit dem Erdentode dem Tode verfallen wird? Diese Sicherheit mußt du heute schaffen! - Daher kann derjenige, der diesen Zusammenhang kennt, über diese Dinge nicht so sprechen wie ein anderer, [der ihn nicht kennt]. Von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich Sie dasjenige aufzufassen, was ich nun über die Fortsetzung des Meßopfers in dem folgenden sagen werde. Auch hier muß ich voraus bemerken: Es kann vielleicht manches noch unvollkommen sein, allein es ist so gut, als es nach meinem Vermögen heute sein kann.
Es ist also vorüber das Evangelium-Lesen, es ist vorüber die Opferung. Es befindet sich dementsprechend die Hostie auf dem Altar, es befindet sich der Kelch, in dem Wein und Wasser gemischt sind, auf dem Altar, und die Hostie hat diese Form - ich schildere jetzt, wie ich eben meine, daß ich es schildern muß (es wird an die Tafel gezeichnet) -; sie kann hier gebrochen werden, hier (siehe Zeichnung) kann ein Stück abgebrochen werden. Sie ist geweiht. Von der Weihe werden wir später zu sprechen haben.

Bei der Wandlung wartet sie eben auf dasjenige, was nun mit ihr zu geschehen hat, damit die Worte wahr sein können in dem unmittelbaren Erleben der sakramentalen Handlung, die ich Ihnen jetzt mitteilen werde. Wir haben es zunächst mit der Vorbereitung zur sakramentalen Handlung zu tun. Da wird zunächst gesprochen, ohne daß die Zeremonie vollzogen wird:
Unser Gebet dringe zu Dir, O Weltengrund
Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn.
Dein Segen strahle über das reine Opfer, das in Liebe getane
Opfer, das mit gutem Willen vollbrachte Opfer.
Empfange es aus unserem reinen Denken, unserem liebenden
Herzen, unserem wollenden Hingeben.
Wir einen uns zum Opfer; auf daß wir die Gemeinschaft des Christus seien.
Er sei in uns, Er, der die Herzen friedlich macht, die Willen stärkt, die Menschen einer.
So schenke Er Einigkeit Seinen Bekennern.
Er schenke sie allen, die nach Ihm blicken und Ihm folgen wollen.
Fühle segnend, O Christus, das Bekenntnis zu Dir und höre unser Beten, die wir vereiniget sind in Deinem Namen;
Empfange, O Vatergott, das Christusopfer so, wie es sich beleben möge in uns, durch uns;
Es sei gebracht zur Erlösung der Seelen,
Zur Erlangung wahren Heiles,
Zum Wandeln mit Christus.
Unser Beten eine sich mit Allen, die Christus in sich belebend uns vorangingen; ihre schützende Kraft erstrahle uns. Christus in uns. Erhöre, O Vatergott, unser Beten um Aufnahme unsres Opfers;
Es sendet Dir dieses Opfer
die christliche Gemeinde,
die da erkennet in Freiheit Christus als ihren helfenden Führer. Christus in uns. Lasse leben, O Vatergott, in diesem Christusopfer
den Leib und das Blut
Deines in Liebe wesenden Sohnes.
Nun wird während dieser Worte die Zeremonie vollzogen:
Er hat genommen vor dem schmerzvollen Hingange
das Brot zur Offenbarung des Heiles
und Er blickte auf zu Dir, Seinem Vater,
— die Hostie wird emporgehoben —
Dir dankend und Seine Seele damit einend.
So gab Er es den Jüngern zur Speise.
Die Hostie wird gebrochen, das kleine Dreieck herausgenommen und mit dem Wein und dem Wasser im Kelch vermischt.
Und Er sprach:
Nehmet hin mit dem Brote meinen Leib.
Er hat genommen nach der Wegzehrung mit dem Brote
den Kelch zur Erkraftung des Heiles
Und Er blickte auf zu Dir, Seinem Vater,
— der Kelch wird erhoben —
Dir dankend und Seine Seele damit einend.
So gab Er ihn den Jüngern zum Trank.
Und Er sprach:
Nehmet hin mit dem Weine mein Blut.
Die Zeremonie ist vollzogen.
Und Er fuhr fort:
Mit diesem Worte ist das Göttliche wieder gegeben den
Menschen: denn es wird am Kreuze tragen der Leib das neue
Bekenntnis; und es wird vom Kreuze fließen im Blute der neue Glaube.
Nehmet dieses auf in Euer Denken.
Und so lebe in unsern Gedanken:
Das neue Bekenntnis
Der neue Glaube —
So denket in uns Christi Leidenstod; Seine Auferstehung;
Seine Offenbarung durch alle folgenden Erdenzeiten. Dir, O Vatergott sei das Opfer gebracht,
in Reinheit denkend
auf Heil hoffend
aus Christus handelnd Christus walte:
im Heil-tragenden Brot
im Kraft-spendenden Wein. Du, O Vatergott, empfingest dereinst die Opfer derer, die noch
nicht Christus hatten; so wolle empfangen das Opfer derer,
die es in Christi Namen, Wesen, Kraft bringen.
Deines Geistes Gnade-Kraft wirke erdenwärts wie dieses Opfer strebet himmelwärts.
Lasse sein das Brot Christi Leib
Lasse sein den Wein Christi Blut
Wir möchten so opfern dadurch daß Christus ist in uns. Und einen möchten wir uns betend mit denen, von denen
Du empfingest vor uns Deines Sohnes Opfer.
Wir können vor Dir nicht Werke tun;
Wir möchten vor Dir die Sünde besiegen
durch Christus, durch den Du, O Vatergott
Schaffest, gesundest und durchseelest
durch Christus, durch den Du, im Verein mit dem heilenden Geist vollziehest die
Offenbarung, die Raumesordnung, den Zeitenlauf.
So sei es.
Der alte Kanon, wie er gebraucht wird, atmet schon etwas von diesem Geiste, aber er ist abgestellt auf die Kirche, auf die spezielle katholische Kirche.
«Dich, gütigster Vater, bitten wir demütig durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn, daß Du segnend empfangest diese Gaben, diese reinen Opfer, diese Darbringungen, die wir zu Dir senden, Dir dankend, daß Du uns schenktest Deine heilige, katholische Kirche, der Du geben mögest: Friede, Schutz und Eintracht; die Du ordnen mögest über den ganzen Kreis der Erde durch Deinen Diener, den römischen Papst»
— das ist dann bei den Altkatholiken gestrichen, [statt dessen heißt es da] -:
«samt unsrem hochwürdigen Bischof N und allen denen, die da leben im rechten Glauben und die bekennen die katholische und apostolische Lehre.»
Nun werden ja [in der katholischen Kirche] Messen gelesen für Leute, die sich darum bemühen, für Lebende oder für Tote. Das ist herbeigeführt durch manche Veräußerlichung, dem ja immer dasjenige ausgesetzt ist, was eigentlich innerliches Leben ist. Es begegnet uns da etwas, was uns hier kaum angehen kann, was auch nicht vorkommt, wenn man heute das Ritual wiederherstellt.
«Schaue segnend, o Herr, auf Deine Diener und Dienerinnen N.N. und auf alle Anwesenden, deren Glaube und Gebet zu Dir dringet, für die wir Dir senden dieses Opfer in Freude, zur Erlösung ihrer Seelen, auf daß sie erhoffen können Gesundheit und Wohlergehen; sie schicken zu Dir, ewiger, wahrer, lebendiger Gott ihr Flehen. Dieses Flehen einet sich mit denen, derer wir uns erinnern in Klarheit, der im Glanz erstrahlenden, ewig jungfräulichen Maria, unseres göttlichen Herrn Mutter, Deiner heiligen Apostel und Märtyrer Petrus und Paulus, Andreas, Jacobus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Simon, Thaddäus, Linus, Cletus, Clemens, Xystus, Cornelius, Cyprianus, Laurentius, Chrysogonus, Johannes, Paulus, Cosmas, Damianus und aller Heiligen, wegen deren Werke und Gebete Du Deinen Schutz uns immerdar schenken mögest; durch Christum, unsern Herrn. Ja, so sei es.»
Diese Dinge werden dann von den entsprechenden Zeremonien begleitet, über die ich noch zu sprechen habe.
«Erhöre, O Herr, unser Gebet um Aufnahme dieses Opfers, das zu Dir sendet Deine ganze Gemeinde; Dein Friede walte über unsren Tagen, auf daß wir nicht verworfen werden, sondern eingehen dürfen in die Schar, die Du zu den Deinen erwählest. Durch Christum, unsern Herrn. Ja, so sei es. Segne, empfange, lasse willkommen sein, vergeistige, o Herr, dieses Opfer, auf daß es in uns werde der Leib und das Blut deines geliebten Sohnes, unsres Herrn Jesu Christi, welcher am Tage, bevor er litt, das Brot nahm in seine heiligen und heiloffenbarenden Hände, die Augen zu Dir, o Gott wendend, der Du bist sein allmächtiger Vater, der Dir dafür dankte, es segnete, brach und den Jüngern davon gab, also sprechend: Nehmet und esset Alle davon, denn es ist mein Leib. Und so auch nahm er nach dem Abendmahle den Kelch in seine heiligen und heiloffenbarenden Hände, dankte Dir wieder dafür, segnete ihn und gab ihn den Jüngern, also sprechend: Nehmet und trinket Alle daraus, denn es ist meines Blutes Kelch, der neugewordenen und nimmer endenden Gemeinschaft, der Träger des Glaubens, das für euch und für viele wird hingegeben werden zur Reinigung von der Sünde. Und so oft ihr ein Gleiches vollbringet, nehmet mich auf in eure Gedanken.»
Die Zeremonie ist vollzogen.
«Darum wollen wir auch in unsere Gedanken aufnehmen, wir, die wir uns als Deine Diener bekennen und uns zu Deinen heiligen Folgern zählen wollen, Dein Leiden, O Sohn des Vaters, unser Herr, und auch Deine Auferstehung und die glanzvolle Offenbarung Deiner Himmelfahrt; und wollen Dir, in Höhen herrlich Waltender, bringen ein reines Opfer, ein heiltragendes Opfer, ein unsündliches Opfer mit dem heiltragenden Brot des ewigen Lebens und dem immer heilspendenden Kelche. Dein Auge blicke in Gnade und Huld auf unser Opfer, und empfange es mit Wohlwollen, wie einst Du empfingest mit Wohlwollen Deines gerechten Knechtes Abels Opfer und das unseres Erzvaters Abraham und das, welches der Hohepriester Melchisedek Dir brachte, ein heiltragendes Opfer, eine sündlose Hostie. In demütigem Flehen wenden wir uns zu Dir, allmächtiger Gott, schicke Deinen heiltragenden Engel, auf daß seine Hände zu Dir tragen und niederlegen das Opfer auf Deinen himmlischen Altar, vor Dein in göttlichem Glanz strahlendes Auge, auf daß wir, die wir essen an dem irdischen Altar den heiltragenden Leib und trinken das heiltragende Blut Deines Sohnes mit des Himmels Hauch und Gnade durchdrungen werden. Auch dieses durch Christum, unsern Herrn. Erhöre auch, O Herr, Deine Diener und Dienerinnen N.N.,»
— nun werden wieder die Namen genannt, für die die Messe gelesen wird, wenn es für Tote ist —
«die vor uns hingegangen sind, Dein Kreuz der Bekenntnis tragend und in Frieden ruhend. Es sei von Dir, o Herr, ihnen allen Befreiung, Licht und Friede gegeben. Auch dieses erbitten wir durch Jesum Christum, unsern Herrn. Ja, so sei es. Wir flehen zu Dir, daß Du uns annehmest als Diener, die gewürdiget werden mögen Deiner gnädigen Nähe in Gemeinschaft mit Deinen heiligen Aposteln und Märtyrern, Johannes, Stephanus, Matthias, Barnabas, Ignatius, Alexander, Marcellinus, Petrus, Felicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Cäcilia, Anastasia und allen Heiligen; in deren Gemeinschaft Du uns einlassen mögest, nicht um Verdienstes willen, sondern der Buße willen für die Sünden. Durch Christum, unsern Herrn, durch den Du, o Herr, alles erschaffest, heiligest, belebest, durchseelest und uns schenkest. Durch ihn Mit ihm In ihm vollbringest Du, allmächtiger Vatergott im Verein mit dem heiligen Geiste alle Offenbarung, alle Weltenordnungen durch alle Zeitenkreise.»
Der Ministrant sagt:
«Ja, so sei es.»
Sie sehen, wie die Überlieferung ist, und Sie sehen, wie es mir scheint, daß das Sakrament eben heute mit einem Ritual ausgestattet werden muß. In der katholischen Kirche sind nun wiederum einige Zwischendinge, über die wir noch sprechen werden, aber es geht dann weiter zum vierten Hauptstück der Messe, zur Kommunion, die in den zwei Gestalten, in Brot und Wein, genommen wird. Bevor das Nehmen des Brotes und des Weines geschieht, wird folgendes gesprochen:
Du hast, O Christe, zu den mit Dir Wandelnden gesprochen: Friedvoll stehe ich zur Welt; dieser Friede mit der Welt kann auch bei euch sein, weil ich ihn euch gebe. So erkrafte, O Christe, das in mir, was der Sünde Last sich entringt und im Denken und Wollen sich mit Dir verbindet, auf daß es friedvoll stehe zur Welt und sich eine mit ihrem Werden, das geschehen kann durch Dich in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es. O Christe, der Du ohne Krankheit ausgegangen vom Vatergott, und der Du den Menschengeistern mit dem heilenden Geiste das Weiterleben schenkest, dämpfe durch Deinen heiltragenden Leib die Macht der Sündenkrankheit; und stärke mich in der ringenden Seele durch Dein heilspendendes Blut, auf daß ich immer weiter lebe mit Dir. Du, der Du das Leben der Welt tragest und ordnest, wie Du es vom Vater empfängst und durch den Geist gesund machest in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es. Das Empfangen Deines Leibes, O Christe, sei mir, der krank ist, nicht zum Tode; sondern zum Leben der Seele und meiner Bildekräfte als die heilende Arzenei. Das sei durch Dich, der Du das Leben der Welt tragest und ordnest, wie Du es vom Vater empfängst und durch den Geist gesund machest in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es. Ich nehme das Brot und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, krank ist die Behausung, in die Du eintrittst; aber durch Dein Wort wird meine Seele gesund. (Dreimal)
Nun wird das Brot genommen.
Des Herrn Leib gesunde meine Seele, auf daß sie weiter lebe. Ja, so sei es. Nehme mich hin dafür, daß Du Dich mir gegeben. Ich nehme den Kelch und tue dies in des Herrn Namen, rufend, o Christe, zu dem bekenne ich mich, was durch Dich geoffenbaret ist, und des Menschen Widersachers Macht nimmst Du von mir. (Dreimal)
Aus dem Kelch wird getrunken.
Des Herrn Blut erhalte stark meine Seele, auf daß sie in der Zukunft nicht sterbe. Ja, so sei es. Was mein Mund empfangen, es sei in meiner Seele ergeistet, und, was in der Zeit geopfert, es wandle sich in ewige Arzenei. Dein Leib, o Christe, den ich empfangen, und Dein Blut, das mich belebt, sie mögen mich durchdringen, auf daß geheilet werde die Sündenkrankheit durch die gesundende Arzenei, das Sakrament. Es geschehe durch Dich, der Du das Leben der Welt tragest und ordnest, wie Du es vom Vater empfängst und durch den Geist gesund machest in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es.
Das ist dasjenige, was sich also ergibt für die Kommunionhandlung und was in der katholischen Kirche so lautet:
«O Jesu Christe, unser Herr, der Du zu Deinen Aposteln gesprochen hast: Mein Friede sei in euch, ich gebe euch meinen Frieden: blicke nicht auf meine sündenbeladne Person, sondern auf Deine Kirche, die zu Dir sich bekennt und gebe ihr, aus Deinem Willen: Friede und Einigkeit, Du, der in der Welt lebet und sie ordnest als ihr göttlicher Schöpfer durch alle folgenden Zeitenkreise. Ja, so sei es.»
Das ist dieses «per omnia saecula saeculorum». Sie sehen, hier wird deutlich ausgesprochen, wie der Priester im Katholizismus sich unterscheidet von der Kirche. Er steht als Glied der Kirche vor dem Altar, und seine Person kommt dem Dogma gemäß eigentlich gar nicht in Betracht.
«O, Jesu Christe, Du Sohn des die Welt belebenden Gottes, der Du nach Dessen Willen, unter des heiligen Geistes Beistand durch Deinen Gott der Welt das Weiterleben geschenkt hast, nehme von mir die Weltensündenmacht durch Deinen heiltragenden Leib, durch Dein heilspendendes Blut und verbinde mich unzertrennlich mit Dir. Du, der Du lebest und herrschest mit dem Vater und dem heiligen Geiste in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es. Das Empfangen Deines Leibes, o Jesu Christe, unser Herr, das mir Unwürdigen wird, sei mir nicht zur Verwerfung, sondern nach Deiner Güte zur Rettung der Seele und des Leibes als eine heilende Arzenei. Du, der Du lebest und herrschest mit dem Vater und dem heiligen Geist in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es. Nehmend das Brot der Himmel rufe ich an des Herrn Namen. © Herr, unbereitet bin ich, daß Du unter meines Hauses Dach gehest; aber sprich nur Ein Wort, so wird meine Seele gesund. (Dreimal) Des Herrn Leib bringe meine Seele zum Weiterleben. Ja, so sei es. Was soll ich hingeben dem Herrn für alles, was Er mir gegeben? Nehmend den Kelch rufe ich an des Herrn Namen. Seine Offenbarung bekennend in Freuden will ich rufen den Namen des Herrn und meine Widersacher werden von mir weichen. Des Herrn Blut stärke meine Seele im Weiterleben. Ja, so sei es. Was der Mund empfangen, das nehme die reine Seele auf, und aus dem zeitlichen Opfer werde Arznei für die Ewigkeit. Dein Leib, o Herr, der mich genähret, und Dein Blut, das mich gestärket hat, sie mögen durchdringen meine Seele für immer, und in mir tilgen die Sündenkrankheit als die reinen und heilenden Sakramente. Du, der Du lebst und herrschest in allen folgenden Zeitenkreisen. Ja, so sei es.»
Sie sehen also, es handelt sich beim Meßopfer ja tatsächlich um die sakramentale Vollziehung der vier Hauptteile, von denen ich Ihnen gesprochen habe. Und es handelt sich darum, daß im Ritual des Meßopfers durchaus lebt der ganze Sinn des Christentums. In jedem einzelnen Worte des Rituals muß das Evangelium leben, muß das Evangelium lebendig sein, und ohne dieses Leben des lebendigen Evangeliums wäre das Ritual unmöglich. Es muß natürlich vorausgesetzt werden, daß zum Verständnis von so etwas das folgende erkannt wird: Man hat es zu tun mit den Menschen, die nach dem Mysterium von Golgatha leben, mit den Menschen also, für die es niemals irgend etwas geben könnte, was eine bloß äußere Handlung wäre, die sich in der Sinneswelt vollzieht, oder die durch den Menschen in der Sinneswelt vollzogen wird, mit denjenigen also, für die es auch nicht etwas geben könnte, was aus dem gewöhnlichen Menschheitsbewußtsein intellektualistisch herausgesprochen wird, das die moralische Welt so stärken könnte in den Menschen, daß dasjenige besiegt werden kann, was besiegt werden muß.
Dazu ist eben eine Handlung notwendig, die herausfällt aus allem, was in dem liegt, was wir heute an äußeren Handlungsmöglichkeiten und an Sprachmöglichkeiten haben, wenn wir eben nicht zum Bewußtsein des Sakramentalen übergehen. Ich weiß, meine lieben Freunde, wieviel in den Herzen der modernen Menschen gegen das Sakramentale spricht, aber wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der darf auch etwas anderes sagen. Man könnte meinen, aus dem, man darf schon sagen, Erbostsein gegenüber dem Zeremoniellen, das bei modernen Menschen so gern auftritt, spräche etwas, was vielleicht sogar aus christlichem Bewußtsein, aus evangelischem Bewußtsein kommen könnte. Aber ich muß Ihnen gestehen - es ist eine persönliche Bemerkung, die aber in diesem Falle sehr sachlich ist —, ich habe eigentlich noch nie einen Menschen gesehen, bei dem dasjenige, was sich erbost hat gegen das Sakramentale, aus der Liebe und aus dem Guten gekommen ist, sondern immer [kam es] aus geheimen Bosheiten, die in der menschlichen Natur sind. Gewiß ist das ein Prozeß, den wir vielfach auftreten sehen heute, aber das, was sich zunächst erbost, ist eigentlich das Widerstrebende, das dem Heile Widerstrebende der menschlichen Natur. Es ist die Aufstachelung durch dieselben Kräfte, die im Evangelium sagen: wir erkennen dich —, und die dann anfangen, den Christus Jesus zu bekämpfen, weil sie ihn erkennen. Ich würde das gar nicht sagen, wenn es nicht eine durchaus beobachtbare Sache wäre. Wer dann dasjenige überwindet, was sich da als Böses in seiner Seele geltend macht, dem wird hinzugegeben die Kraft der Überwindung. Wer allerdings dieses Böse nicht überwinden kann, dem wird auch genommen, was er vorher an Kraft zur Überwindung gehabt hat. Diese Dinge sind durchaus ernst, und in der Menschenseele gehen doch immerzu Dinge vor, die man mit dem gewöhnlichen äußeren Bewußtsein nicht überschauen kann. Man möchte sagen, die Menschenseele wandelt eigentlich immerfort über einen Abgrund. Das ist schon so, sie ist sich dessen nur nicht bewußt. Aber sie muß sich dessen bewußt werden, und wie sie sich dessen bewußt werden soll, das muß eben in der richtigen Weise geleitet werden. Solange wir bloß den Glauben haben, wir sollen die Menschenseele moralisieren, und solange wir aus unserem Gegenwartsbewußtsein heraus den Glauben haben, wir könnten das mit den Kräften, die in der äußeren Welt da sind, solange haben wir doch keine Ahnung von dem, was die Menschenseele eigentlich in dem ganzen Weltenzusammenhang ist.
Daher nehmen Sie auch so etwas nicht wie eine Äußerlichkeit, wenn in der Kommunion gewisse Sätze dreimal gesprochen werden. Warum werden sie dreimal gesprochen? Das erstemal wird gesprochen:
Ich nehme das Brot und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, krank ist die Behausung, in die Du eintrittst; aber durch Dein Wort wird meine Seele gesund.
Das erstemal wird das Wort gesprochen, damit man es in sein Verständnis aufnehme. Das zweitemal wird das Wort gesprochen:
Ich nehme das Brot und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, krank ist die Behausung, in die Du eintrittst; aber durch Dein Wort wird meine Seele gesund —
damit wir das erleben in unserem Fühlen. Und erst das drittemal kann das Wort so gesprochen werden, daß unser Wollen genug angefeuert ist durch unser Denken und Fühlen, auf daß das Wort auch lebe in unserem Wollen:
Ich nehme das Brot und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, krank ist die Behausung, in die Du eintrittst; aber durch Dein Wort wird meine Seele gesund.
Ebenso bei den Worten des Kelches:
Ich nehme den Kelch und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, zu dem bekenne ich mich, was durch Dich geoffenbaret ist, und des Menschen Widersachers Macht nimmst Du von mir.
Das zweitemal:
Ich nehme den Kelch und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, zu dem bekenne ich mich, was durch Dich geoffenbaret ist, und des Menschen Widersachers Macht nimmst Du von mir.
Das drittemal:
Ich nehme den Kelch und tue dies in des Herrn Namen, rufend: © Christe, zu dem bekenne ich mich, was durch Dich geoffenbaret ist, und des Menschen Widersachers Macht nimmst Du von mir.
Alle Einzelheiten sind in einem solchen Ritual bedeutend, und wenn sie unrichtig sind, so ist das schon ungefähr so, wie wenn, sagen wir, irgendein Glied am menschlichen Leibe durch mißgeburtliche Entstehung falsch gestaltet ist. Wir müssen diesen Dingen gegenüber das Gefühl haben, daß sie in Wahrheit etwas Lebendiges sind. Gewiß, was in der Zeitenfolge lebt, ändert in der Zeitenfolge seinen Leib, gerade, wenn es lebendig ist, aber diese Änderung des Leibes ist eben nur eine Folge des Lebendigen.
Mit Zuhilfenahme des soeben ausgesprochenen Gesichtspunktes sind nun durchaus die Unterschiede immer leicht zu finden, die da walten zwischen dem, was im katholischen Meßopfer liegt und demjenigen, was in dem Ritual liegt, von dem ich Ihnen als von einem heute möglichen gesprochen habe. Aber es ist ja wohl auch deutlich zu bemerken, wie es fast unmöglich ist, die vollen konkreten Erlebnisse durch eine bloße Übersetzung wirklich herauszugestalten, wenn diese auch versucht, den alten Worten ihre Valeurs zurückzugeben. Das ist deshalb, weil in der Tat für die gesamte Zivilisation der neueren Zeit die eigentliche Bedeutung der ursprünglichen Worte verlorengegangen ist. Wir leben heute nicht mehr in dem Leben, das die Worte einstmals gehabt haben. Wir leben in den Worten, indem sie für uns bloß Zeichen geworden sind. Wir hören auch nicht mehr auf die Worte innerlich hin. Die Lautempfindung gegenüber den Worten ist für uns zur Erinnerungszeichen-Empfindung geworden. Ich habe von einem anderen Gesichtspunkte aus über diese Dinge schon gesprochen. Aber ein solches Ritual kann nicht vollzogen werden, ohne daß man wiederum zurückkommt zu dem wirklichen Hören der Worte.
Ich habe Ihnen gesagt: Wenn wir im Johannes-Evangelium heute lesen «Im Urbeginne war das Wort», so müssen wir das ja nach einer wörtlichen Übersetzung so sagen. Aber was wir heute als Vorstellung mit dem Worte «Wort» verbinden, das deckt sich eben durchaus nicht mit dem, was einst mit dem Worte «Wort» verbunden war. Und wenn wir das alte Wort «Logos» mit «Weisheit» übersetzen, so deckt sich das erst recht nicht, denn Weisheit ist eben schon etwas viel Abstrakteres als der «Logos» war, und mit dem Übersetzen von «Logos» mit «Weisheit» kommen wir eigentlich schon in die Sphäre, nun, nicht des Christus, sondern des Geistes. Und während wir das Wort noch etwas fühlen können in dem «verbum» [der lateinischen Übersetzung], müßten wir eigentlich, wenn übersetzt würde «Logos» mit «Weisheit», eben Geist fühlen, «sapientia». Diese Dinge sollten eigentlich durchaus im Theologieunterricht der heutigen Zeit bis zur Empfindung gebracht werden. Davor haben viele eine ungeheure Furcht. Denn sie haben gelernt, daß man Theo-loge sein soll, und sie fürchten sich, wenn über ihre äußere Empfindung gegenüber der «logia» etwas anderes kommt, so ist es die «sophia», und dann haben sie eine heillose Angst, daß sie zur Theosophia kommen könnten, anstatt zur Theologia. Das ist eine furchtbare Angst, die in den gegenwärtigen Theologen ist. Sie betrachten es als Schimpf, wenn sie «Theosophen» genannt werden. Warum? Weil sie keinen Glauben daran haben, daß der Christus durch den Geist wirkt, der in der Weisheit lebt, weil sie den Geist verleugnen möchten; und die Verleugnung des Geistes, das ist es in vieler Beziehung, was eine solche Empfindung hervorruft.
Diese Dinge müssen wir durchaus im richtigen Sinne sehen, dann erst können wir auch empfinden - und darauf wollen wir noch zurückkommen, meine lieben Freunde -, wie der Unterschied im unmittelbaren Erleben sein kann gegenüber dem Vatergott und gegenüber dem Christus selbst.