Lectures to Priests The Apocalypse

GA 346 — 20 September 1924, Dornach

Sechzehnter Vortrag

Rudolf Steiner: Sie haben gewünscht, daß noch etwas besprochen wird vor dem Vortrag.

Johannes Werner Klein spricht. [Der Wortlaut wurde nicht mitgeschrieben.]

Rudolf Steiner: Nicht wahr, ich wollte ja natürlich auf Ihre Frage hin meine Worte genauso formulieren, wie die Frage formuliert war, und Ihre Frage stand schon in organischem Zusammenhang mit dem, was Sie von dem Abbau der physischen und seelischen Kräfte geschrieben hatten, als eine Art von Begründung oder Beleg für die Alternative, ob Sie entweder mehr extensiv oder mehr intensiv arbeiten sollten. Und ich konnte kaum einen anderen Schluß daraus ziehen als den, daß das Bemerken dieses Abbaus der Kräfte im Sinne der gestellten Frage auch dazu hätte führen können, daß den Winter hindurch weniger extensiv gearbeitet würde und mehr ein Zurückziehen der Priesterschaft auf die innere Arbeit stattfinden sollte. So hatte ich die Frage aufgefaßt, daß diese Alternative vorliegt: Soll es beim extensiven Arbeiten bleiben, wie es inauguriert ist, oder soll man mit Rücksicht auf die physischen und seelischen Kräfte einmal eine Zeitlang mehr innerhalb der Priesterschaft arbeiten? — Ich weiß nicht, ob ich die Frage, so wie sie formuliert war, mißverstanden habe.

Johannes Werner Klein spricht dazu. [Der Wortlaut wurde nicht mitgeschrieben.]

Rudolf Steiner: Also nicht wahr, das lag auch in meiner Antwort, daß die extensive Arbeit vorläufig eine Notwendigkeit ist. Aber das schließt natürlich nicht aus, daß, wenn die Dinge so liegen, wie Sie es darstellen, sich daraus vielleicht eine Notwendigkeit ergeben könnte, über das zu sprechen, was da der Abbau der seelischen Kräfte ist. Der Abbau der physischen Kräfte ist ja nicht anders zu nehmen als eben als eine medizinische Aufgabe. Der Abbau der seelischen Kräfte ist ja natürlich etwas, was unter Umständen schon erörtert werden müßte, in der Art, wie es verstanden wird. Doch, will zunächst noch ein anderer darüber sprechen?

Emil Bock fragt über karmische Zusammenhänge. Danach spricht Friedrich Doldinger. [Die Ausführungen wurden nicht mitgeschrieben.]

Rudolf Steiner: Was ich allein, ich möchte sagen, als die einzige Schwierigkeit fühle, ist, daß man überhaupt von Schwierigkeiten nach der seelischen Seite hin redet. Man redet nicht von Schwierigkeiten nach der seelischen Seite hin, wenn man überzeugt ist, daß sie nicht da sind. Da müssen wir doch eines nehmen, und das ist dies: Die Art, wie sich seit zwei Jahren, seitdem die erste Menschenweihehandlung stattgefunden hat, die Bewegung für religiöse Erneuerung entwickelt hat, ist doch so, daß sie - wenn man alle Faktoren in Betracht zieht, die für eine solche Entwickelung in Betracht kommen - eigentlich alle wirklich mit Befriedigung erfüllen kann. Natürlich, Mißerfolge oder Hemmungen, die von außen kommen, die auch natürlich daher kommen, daß nicht jeder gleich in der alleridealsten Weise seiner Aufgabe gewachsen sein kann, die gibt es überall. Aber wenn wir absehen von diesen Einzelheiten, die ja vielfach mit der Fortentwickelung der Arbeit selbst überwunden werden können, und die nach dem Hauptzug der Entwickelung der Bewegung für religiöse Erneuerung auch ganz sicher versprechen überwunden zu werden, wenn wir das alles wirklich in Erwägung ziehen, dann müssen wir sagen: In bezug auf die seelischen Hemmungen — wenn wir sie als Hemmungen der Bewegung selber ansehen -, liegt in einem gewissen Sinne eine Illusion vor, denn innerhalb der Bewegung leben sich diese Hemmungen nicht als Hemmungen aus. Es geht ja, trivial gesprochen, ganz gut vorwärts mit der Entwickelung der Bewegung. So muß man sagen: Die Hemmungen, die vorhanden sind, sind mehr oder weniger privater Natur bei den einzelnen Persönlichkeiten. Wenigstens muß man es so ansehen. Sie sind nicht so, daß man von ihnen so sprechen sollte, als könnte irgend etwas in der Bewegung davon beeinflußt werden. Diejenigen Dinge aber, die in der Bewegung selber liegen und die sich vielleicht heute noch als Hemmungen abspielen, das sind einige Punkte, die vielleicht ja doch eine Besprechung notwendig machen. Nur handelt es sich darum, wie man diese Besprechung gestalten will. Vielleicht ist es möglich, daß ich zuerst mit den Lenkern allein über ein paar Punkte spreche, namentlich über einen, bevor eine allgemeine Besprechung stattfindet. Oder vielleicht ist es nicht tunlich, eine Besprechung über den Kreis der Lenker hinaus zu führen, sondern es dann den Lenkern ... zu überlassen, wie sie das in dem Priesterkreis selbst behandeln wollen. Also das sind Fragen, die einfach in der Linie der Entwickelung liegen. Aber seelische Hemmungen, die geeignet wären, als Hemmungen der Bewegung als solcher aufgefaßt zu werden, die brauchen eigentlich nach der ganzen Art der Entwickelung, die die Christengemeinschaft genommen hat, nicht anerkannt zu werden, ich möchte sagen, nicht als Realität, sondern da ist manches Illusionäre da.

Ich muß sagen, wichtig ist heute noch gar nicht das, was in Ihrer Frage gelegen hat, das intensive oder das extensive Element in der Arbeit. Nicht wahr, dasjenige, was in Ihrer Frage liegt, das ist in vieler Beziehung, ich möchte sagen, gar nicht da, vor allem doch durch die Tatsachen, denn das Wesentliche für die Bewegung ist die Intensität im Substantiellen, die Tatsache, daß die Bewegung vorliegt. Und da muß ich sagen, in bezug auf diese Intensität im Substantiellen finde ich, daß die Bewegung essentiell in einer wirklich richtigen Orientierung vorhanden ist und heute den Charakter hat, mit dem Spirituellen zu gehen. Ich könnte ja verschiedenes anführen als äußeren Beleg für die Sache, was sich mir ergeben hat beim Durchschauen Ihres letzten Heftes, wo Sie ja über Punkte der Apokalypse gesprochen haben, wie sie auf die Gegenwart anwendbar ist. Man braucht ja gar nicht darauf einzugehen, inwieweit das zutrifft oder nicht. Darauf kommt es gar nicht an. Aber daß überhaupt die Fragen so aufgeworfen und in dieser Weise behandelt werden, daß man also vom Substantiellen aus schreibt, das sich mit dem Geistigen verbinden kann, das sind Dinge, die zeigen, daß die Bewegung wirklich in der richtigen Bahn läuft.

Und so könnte vieles angeführt werden über die Erfolge, die Sie haben; ich meine wirkliche, intensive, nach der Intensität gehende innere Erfolge. Ich möchte das so formulieren: Es ist doch ein Erfolg, daß es überhaupt möglich ist, in einer so ernsten Weise, wie das aufgefaßt werden muß, was von dieser Gemeinschaft ausgeht, über alle solche Punkte zu sprechen, und wenn man weiß, daß die Zeitschrift schon eine Auflage von 6000 hat. Ja, nicht wahr, Sie müssen doch auch das Positive in Rechnung ziehen; das ist doch ein starkes positives Ergebnis. Wenn ich alles nehme, was in dieser Richtung liegt, sage ich mir: was ist heute religiös möglich geworden, in einer ganz anderen Weise, als das vorher möglich war. Wo ist denn vorher die Möglichkeit gewesen vor 6000 Menschen — Leser sind natürlich mehr da —, wo ist vorher die Möglichkeit gewesen, in einer Zeitschrift über solche Dinge überhaupt zu sprechen? Es ist die Möglichkeit gewesen bei Sektierern, großen oder kleinen Sekten, die im Grunde genommen nicht ernstgenommen werden; und wiederum, wenn in der modernen Theologie, die ganz auf der Höhe der Zeit sein will, über diese Dinge gesprochen wurde, wurden sie in einem ungläubigen, rationalisierenden Sinne behandelt. Aber auch der Ton, in dem hier in Ihrer Zeitschrift über die Apokalypse gesprochen wird das ist doch eine Errungenschaft, daß das in einer Zeitschrift, die eine Auflage von 6000 hat, getan werden kann. Solche Dinge muß man als das Positive in Rechnung stellen. Ganz objektiv möchte ich das werten. Da kann man nicht davon sprechen, daß die Bewegung in ihrer eigenen Entwickelung irgend etwas von Hemmungen zeigt, die heute als Hemmungen aufzufassen wären. Ebenso müssen Sie bedenken, wie ungeheuer stark der Kultus wirkt bei allen Gelegenheiten, wo er stattfindet. Stellen wir uns also vor, daß dies in derselben Weise fortgeht, wie es bis jetzt gegangen ist, so wird die Bewegung nach zehn Jahren wirklich der Menschheit dasjenige sein können, was sie ihr sein soll. Deshalb, wenn mit Ihrer Frage gemeint war, ob der bisherige Kurs einfach fortgeführt werden soll oder nicht - etwas anderes konnte ich aus Ihrer Frage nicht herauslesen -, so kann ich nur sagen: Es liegt nicht der geringste Grund vor, daran zu denken, in irgendeiner anderen Weise die Dinge zu impulsieren, als es bisher geschehen ist. Das ist dasjenige, was ich meine in bezug auf die Bewegung für religiöse Erneuerung.

Es liegt nun aber dies vor, daß in mancher Beziehung die einzelnen nicht auf der Höhe der Bewegung waren. Verzeihen Sie, daß ich bis zu diesem Grade deutlich werde. Darüber sollte man nicht unzufrieden, sondern höchst befriedigt sein, denn das bietet alle Garantie, daß der einzelne in die Bewegung immer mehr hineinwachsen wird, die eine solche geistige Substanz hat. Das alles ist doch etwas, was die Seelen stärken kann. Und wenn Sie dazu noch dies nehmen, das doch auch etwas ist, daß mit Ihnen zusammen zum Beispiel jetzt die Apokalypse nach den verschiedensten Seiten hin enthüllt wird, so müßte das auch wieder als etwas Positives genommen werden. Mir scheint, daß viel Illusionäres darin liegt, daß man die privaten seelischen Hemmungen, die da sind, auf die Bewegung überträgt. Denn das, was sich von Ihnen auf die Bewegung überträgt, wird durch das Persönliche gemacht, und das ist etwas, was nach und nach ganz sicher wieder heraus kommt. So möchte ich die Sache ansehen. Ich weiß nicht, ob das in der Tendenz Ihrer Fragestellung liegt.

Dann dürfen Sie nicht davor zurückschrecken, in bezug auf diese Sache sich zu sagen: Wie können wir es dahin bringen, daß der Rest von evangelisch-protestantischer Theologie, der noch in uns ist, aus unserer Seele herauskommt? — Der muß eigentlich ganz und gar heraus, weil das eben ein Extrem vorstellt, ebenso wie nach der anderen Seite die katholische Praktizierung ein Extrem ist. Die katholische Kirche sagt: Was geht uns der einzelne Priester an, der hat überhaupt keine Bedeutung, der einzelne Priester; sondern das, was in Betracht kommt, ist das Substantielle, das durch die Kirche vorliegt. - Der einzelne Priester, sobald er die Stola trägt, ist eben der Repräsentant der Kirche, und niemals habe ich gesehen, daß die maßgebenden Persönlichkeiten in der katholischen Kirche irgendwie unglücklich sind über Depressionen einzelner Priester oder über noch viel andere Dinge, als es Depressionen sind. Sie sind nie unglücklich darüber, weil sie rechnen auf die geistige Führung, die allerdings heute sehr anfechtbar ist, aber die ja doch zum Geistigen hingeht. Aber der Protestantismus hat sich dadurch, daß er alles auf die Persönlichkeit gestellt hat, aus dem Geist mehr oder weniger herausgelöst. Das war das andere Extrem, und das muß eben noch aus den Gemütern heraus. Es muß wirklich auf die Realität des spirituellen Lebens gesehen werden, denn diese Realität ist eben einfach da; und wenn der einzelne weiß: Was auch mit mir selbst sein kann, was auch da brodelt und dünstet in meiner eigenen Seele - der objektive Gang des spirituellen Lebens ist da. - Wenn man es von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, daß ja in den Seelen begreiflicherweise noch etwas evangelisch-protestantisch-theologisches Bewußtsein ist, schon aus dem Studium, aus der Erziehung und so weiter heraus, dann werden Sie natürlich innerlich geheilt werden können von den Schwierigkeiten, die sich ergeben mit bezug auf die Bewegung. Ich meine nicht, mit Bezug auf die einzelnen Seelen mit ihrem privaten Fühlen, das gehört auf einen ganz anderen Platz. Das ist auch im Katholizismus so da; natürlich wird der Betreffende immer zu einem anderen kommen, sich Rat holen können und so weiter, aber die Kirche steht als geschlossene Einheit den Laien und Gläubigen gegenüber. Nur liegt bei der katholischen Kirche natürlich das vor, daß sie allmählich in eine ahrimanisch spirituelle Führung gekommen ist, was man ja wirklich belegen kann, daß es so ist.

Es gab am Anfang des Jahrhunderts eine Enzyklika des damaligen Papstes gegen den Modernismus. Sie wissen, daß solche Dinge so geschrieben sind, daß es immer heißt: Wir verwehren oder wir verbieten das und jenes -, und dann werden die positiven Behauptungen hingestellt. So ist der Syllabus der sechziger Jahre geschrieben und so ist auch die Modernistenbulle geschrieben. Bei der Prüfung, die ich anstellte, stellte sich heraus, daß das, was damals päpstliche Enzyklika war, tatsächlich eine geistige Offenbarung war, nur war bei dem Offenbaren in die Schrift überall dort, wo eine positive Behauptung war in der geistigen Urschrift, eine negative Behauptung hineingekommen, so daß die Bulle das genaue Gegenteil von dem sagte, was geistig geoffenbart wurde. Daraus ist zu sehen, daß die katholische Kirche überall ihre spirituellen Inspirationen durch Ahriman gefälscht erhält. Aber das hindert nicht, daß eben doch Spirituelles da ist. Dieses Spirituelle ist in dieser Christengemeinschaft im eminentesten Sinne in derjenigen Richtung da, die der heutigen Entwickelungsetappe der Menschheit entspricht. Die Christengemeinschaft ist auf geistigem Boden von geistigen Wesenheiten gestiftet in Wirklichkeit. Das ist das, was, wenn es in vollem Ernste genommen wird, alle Schwächezustände der Seelen heilen kann. Wir werden noch über manches sprechen.

Meine lieben Freunde! Jetzt möchte ich zuerst auf etwas zurückkommen, um bei unserer Betrachtung dann davon auszugehen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie in der Tat, wenn man es richtig betrachtet, das Merkwürdige sich herausstellt, daß in den unterbewußten Sehnsüchten der Menschenseele heute wirklich ein starkes Bedürfnis nach Spiritualität lebt, und daß dasjenige, was auf der Oberfläche verläuft, was äußerlich auf dem physischen Plane erlebt wird, im Grunde etwas ganz anderes ist als das, was in Wahrheit in den Seelen der heutigen Menschen vorgeht. Nun gibt es dafür gerade heute, ich möchte sagen, eine verblüffende Tatsache. Ich habe vor einigen Tagen erwähnt, wie merkwürdig sich nach und nach der Inhalt meiner Arbeitervorträge gestaltet durch die Fragen, die von den Arbeitern gestellt werden, und wie da in der Tat etwas gesehen werden kann von den Sehnsüchten, die sich entwickeln. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß man heute aus dem Geist der Apokalypse heraus zu den Leuten sprechen kann, wenn man nur den entsprechenden Ton findet. Wenn man nicht gleich mit der Apokalypse selbst kommt, so kann aus dem Geiste der Apokalypse heraus gesprochen werden wie unter uns.

Nun hat sich heute die verblüffende Sache ereignet, daß ich für die heutige Betrachtung bei etwas angekommen bin, was ich Euch zu sagen habe, was sich aus dem ganzen Zusammenhang ergibt. Und heute morgen, als ich meinen Arbeitervortrag hielt, wo dies ja schon vollständig feststand, was wir jetzt zu betrachten haben, wurde von den Arbeitern eine Frage gestellt, bei der es notwendig wurde, naturwissenschaftliche Dinge vorzubringen, die ich heute hier vor Ihnen vorzubringen vorhatte. Da sehen Sie, wie unterirdische Wirkungen da sind, Sie sehen, wie das, was hier real-spirituell geschieht, indem diese Vorträge gehalten werden, dort Sehnsüchte hervorruft, die sonst nicht da wären. Es wäre nie dazu gekommen, den heutigen Vortrag dort so zu halten, wenn nicht hier über die Apokalypse gesprochen würde. Und dennoch ist der Vortrag dort gehalten worden auf eine Frage hin, die gestellt worden ist, die ich aber äußerlich nicht kannte. Daran möchte ich zeigen, wie in der Tat unsere Zeit ergriffen wird von einem spirituellen Leben, das vielfach nur in den Unterbewußtseinen vorhanden ist und das vor allen Dingen den Priester angeht, der suchen muß, inwiefern aus den Seelen die Geneigtheit herauskommt, auf Spirituelles einzugehen.

Nun werden wir hier die Betrachtungen so anzustellen haben, daß es unter dem Geiste der Apokalypse geschieht. Sie sind unter den Umständen hier heute das Gegebene, aber heute morgen mußte ich von ganz anderen Gesichtspunkten aus auf eine Frage hin einiges über dieselbe Sache andeuten. Solche Dinge muß man ganz ernst nehmen, sie sind bedeutsam. Sehen Sie, wir müssen uns nämlich fragen, meine lieben Freunde, wie noch intimer, ich möchte sagen, die Terminologie des Apokalyptikers ist. Auf der Grundlage desjenigen, was ich schon gesagt habe, und wenn Sie alles zusammennehmen, was gesagt worden ist, werden Sie verstehen, daß der Apokalyptiker, wenn er davon spricht, wie der Mensch in der ganzen Welt drinnensteht, im Grunde genommen eine Einheit vor sich hat von Sternenwelt und Erdenwelt, daß er das menschlich Wesenhafte ebenso an die Sternenwelt anknüpft wie an die Erdenwelt. Nun, sehen Sie, handelt es sich darum, daß wir auch auf das ganz Reale hinweisen müssen, was der ApokaIyptiker meint, wenn er von Tieren spricht, von dem siebenköpfigen und dem zweihörnigen Tiere. Wir haben bis jetzt sozusagen rein auf dasjenige hingewiesen, was innerlich menschlich erlebbar ist. Aber Sie werden überall finden: Wo der Apokalyptiker so spricht, daß er von den Ruhesternen, von den Fixsternen spricht, da spricht er von dem göttlichen Geist, wie man so das ganze Mittelalter hindurch noch gesprochen hat. Wo er von den Wandelsternen, von den Planeten spricht, da spricht er von engelischen Intelligenzen, von Intelligenzen, die Engelcharakter, hierarchischen Charakter tragen. Wenn er aber von Tieren spricht, meint er auch etwas so Konkretes. Er läßt den Menschen teilnehmen mit Bezug auf seine Wesenheit sowohl an dem Kristallhimmel wie am Fixstern- und Planetenhimmel, aber auch an demjenigen, dem in seiner ganzen Entwickelung die Tierheit zugrundeliegt, diese fortwährend in der Apokalypse eine gewisse Rolle spielenden Tiere. Was sind denn diese nun in der äußeren physischen Realität der Welt?

Überall, wo der Apokalyptiker vom Tiere redet, redet er eigentlich von der Kraft und Wirksamkeit von Kometen. Und erst, wenn Sie nun auch noch diese Terminologie kennen, wird Ihnen manches Licht aufgehen über das, was der Apokalyptiker schon gewußt hat über die Natur des Kometarischen, was dann aber vollständig vergraben worden ist. Deshalb wollen wir im Zusammenhang mit der Apokalypse einmal etwas über die Natur des Kometarischen ins Auge fassen. Ich möchte Ihnen das so darstellen: Sehen Sie, wenn man einfach das kopernikanische Weltsystem nimmt, so wie es nun einmal heute in der Schule behandelt wird (es wird an die Tafel gezeichnet): Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mars, dann Jupiter, Saturn, und dazu kann man noch Uranus und Neptun zeichnen, dann findet man eine soweit berechenbare Regelmäßigkeit, daß man — wenn man nicht gerade arge Fehler macht in der Berechnung und wenn man auch die Dinge in Betracht zieht, die immer als Korrektur eingefügt worden sind - nur das Fernrohr dahin zu richten braucht, wo aus der Berechnung sich der Punkt ergibt, und findet den Stern dort im Fernrohr. Das sind berechenbare Dinge. Nun aber sind ja in diesem Planetensystem darinnen die verschiedenen Kometenbahnen. Diese Bahnen lassen sich für viele Kometen auch berechnen und diese Berechnungen zeigen ja ganz merkwürdige Ergebnisse, solche, die, ich möchte sagen, einen eigentlich außer Rand und Band bringen könnten, wenn man sie einfach so nimmt, wie sie aus der heutigen astronomischen Berechnung folgen. Ich will nur von einem ausgehen.

Es war im Jahr 1773, da wurde in Paris bekanntgemacht, Lalande, der berühmte Astronom, würde in der Akademie einen Vortrag halten über Kometen. Es verbreitete sich das Gerücht, er würde beweisen, daß noch im Jahr 1773 ein Zusammenstoß stattfinden würde zwischen einem Kometen und der Erde; wenn man die Bahn des Kometen berechne, so komme die Kometenbahn mit der Erdbahn zur Kreuzung und es müsse ein Zusammenstoß erfolgen. - Sie müssen sich nur einmal die Stimmung der Menschen in der damaligen Zeit vorstellen. Durch das Gerücht brach in Paris eine furchtbare Panik aus, zumal über die Nachricht, daß die Polizei, die ja immer auf ihrem Posten ist, gar nichts anderes habe tun können, als diesen Vortrag zu verbieten, da es ein gefährlicher Vortrag sei. Unter dem Eindruck dieses Gerüchtes gab es Fehl- und Frühgeburten in großer Menge, Todesfälle bei Schwerkranken, und katholische Priester hatten durch Erteilen von Absolutionen riesige Einnahmen, weil die Leute alle zur Beichte liefen und die Sakramente haben wollten, bevor die Welt untergeht. Dadurch, daß der Vortrag gar nicht stattgefunden hat, ist nicht gleich herausgekommen, was Lalande eigentlich in dem Vortrag hatte sagen wollen. Nun, die Berechnung von Lalande stimmte soweit. Es konnte die Berechnung gar nichts anderes ergeben, als daß ein bestimmter Komet die Erdbahn kreuzen würde, und wenn er mit der Erde zusammenstoßen würde, durch den Zusammenstoß ganz gewiß die Meeresmassen vom Äquator aus mit riesigen Überschwemmungen nach den zwischen Nord- und Südpol liegenden Ländermassen fließen müßten. Es ist das Furchtbare zwar nicht geschehen, aber die Berechnung hat doch gestimmt.

Was da eigentlich zugrundeliegt, meine lieben Freunde, das kann sich aufklären, wenn wir die Sache bei einem anderen Kometen betrachten, nämlich bei dem berühmten Bielaschen Kometen. Mit Recht beobachtete man 1832 mit großer Aufmerksamkeit die Bahn des Bielaschen Kometen und alles, was sich mathematisch aus dessen Bahn prophezeien ließ. Und das damalige Erscheinen dieses Kometen bewahrheitete auch alle Berechnungen. Der Komet kam so nahe an die Erde heran, daß man sich sagte: Er kommt jedesmal näher an die Erde heran, das wird einmal gefährlich werden. - Und da der Bielasche Komet etwa alle sechs bis sieben Jahre so erscheint, daß er in die Nähe der Erdbahn kommt, wurde insbesondere die Erscheinung in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit riesiger Aufmerksamkeit verfolgt, denn da war der Komet nach der Berechnung bereits so nahe an die Erdbahn herangekommen, daß er dreizehnmal weniger als der Mond von der Erdbahn entfernt war. Also schon eine recht üble Sache. Als der Komet nun fortfuhr, der Erdbahn immer näher zu kommen, fiel den astronomischen Beobachtern auf, daß er immer lichtschwächer wurde, je näher er kam. Als man ihn 1846 wieder beobachten konnte, stellte sich heraus, daß der Komet, als er in die gefährliche Erdennähe kam, nicht nur lichtschwächer war, sondern es waren zwei da; er hatte sich gespalten, er war auseinandergekommen. Die sechziger Jahre waren ungünstig für die Beobachtung, und nun war man erst recht neugierig auf die nächste Erscheinung des Kometen, die 1872 kommen sollte. Denn wenn die Berechnung so klappte, wie es bei Lalande für den Kometen von 1773 geklappt hatte, so mußte eigentlich dazumal das Furchtbarste mit der Erde vorgehen. Ich war damals noch ein kleiner Bub, 1872, aber ich erinnere mich noch sehr genau, wie überall in der Gegend, wo ich war, aber selbstverständlich auch in anderen Gegenden, Broschüren vertrieben wurden: Die Welt geht unter. - Über den Weltuntergang wurde recht viel gesprochen und viel darüber geschrieben. Man erwartete dies Ereignis schon mit einer gewissen Bangigkeit, ohne daß ich jetzt eine Statistik angeben könnte über die Fehlgeburten und Todesfälle und Absolutionen. Es kam dieser Tag heran - ich weiß mich sehr gut zu erinnern, wie da alles in Aufregung wartete —, und siehe da, der Komet kam überhaupt nicht wieder. Dafür kam der wunderschönste, herrlichste Meteorregen. Ein ganz wunderbarer Meteorregenfall, wie wenn ein nächtliches Feuer in vielen versprühenden Fünkchen vom Himmel herunterfiele auf die Erde. Der Komet hatte sich zunächst in zwei Teile und dann weiter gespalten in lauter kleine Splitterchen, die von der Atmosphäre der Erde aufgenommen werden konnten, die mit dem Wesen der Erde verbunden wurden. Er hat den Weg eingeschlagen, von der Erde absorbiert zu werden.

Nun, sehen Sie, es erschien damals 1832 von einem bedeutenden Astronomen, Littrow, eine Abhandlung, die war sehr interessant. Ich kann Ihnen heute noch nur raten, beschäftigen Sie sich damit, sie war höchst interessant mit genau stimmenden feinen Berechnungen. Da hat ein aufgeklärter Mensch über die Sache geschrieben. Er hat eine Berechnung aufgestellt und hat dabei alle Dinge in Erwägung gezogen. Er hat ausgerechnet, daß ein großes Unglück noch nicht hätte geschehen können durch einen Zusammenprall 1832, aber es wäre die Sache doch so, daß, wenn alle Verhältnisse so fortbestünden wie damals, als man die Kometenbahn berechnet hat, als der Komet noch eine Einheit und nicht zerspalten war, unbedingt eine Katastrophe würde eintreten müssen 1933. Das stimmt, 1933. Das heißt, wenn der Komet so geblieben wäre, wie er war, würde unbedingt die Katastrophe 1933 eintreten, daß alle Meere in riesigen Fluten so über die Erde verteilt würden, daß alles Leben auf der Erde ersterben müßte. Aber der Komet hat sich vorher aufgelöst, er wird in Partikeln von der Erde aufgenommen, die Erde nährt sich von dieser Weltsubstanz. Und statt daß 1933 - wir sind ja nicht weit davon — der Zusammenstoß erfolgt, wird das, was die Erde schon aufgenommen hat, durch andere Substanzen vergeistigt, und das Geistige steigt auf. Die Erde verdaut den Kometen, das Geistige steigt auf. Meine lieben Freunde, so steigt von Zeit zu Zeit in der Erde vergeistigtes Kometarisches auf.

Nun will ich Ihnen sagen, was das für einen Sinn hat. Es hat einen tiefen Sinn im Weltenzusammenhang. Ich habe ja öfters die grotesken Tatsachen hervorgehoben, die sich ereignet haben bei der Inaugurierung der Eisenbahn. Da ist nicht nur das passiert, daß der Berliner Postminister, als man den Vorschlag gemacht hat, er solle eine Bahn bauen lassen, sagte, er schicke jede Woche zwei Postwagen und niemand sitze darin, was habe also das Bauen einer Eisenbahn für einen Sinn, sondern es wurde auch ein ärztliches Kollegium in Nürnberg um ein Gutachten gefragt, ob man die Eisenbahn bauen solle von Nürnberg nach Fürth, und da hat das Ärztekollegium das Urteil abgegeben: Nein, man solle keine Eisenbahn bauen, denn die Nerven der Menschen würden furchtbar darunter leiden; die Menschen könnten dem nicht ausgesetzt werden, ohne daß sie Schaden leiden würden an Leib und Seele. Wenn man sich aber doch gezwungen fühle, so sagte das Kollegium, dem törichten Drange der Menschen nachzugeben, so gebe es wenigstens den Rat, links und rechts der Bahn hohe Bretterwände aufzurichten, damit die Bauern nicht Gehirnerschütterung bekommen. Dieses wissenschaftliche Votum hat damals das gelehrte Kollegium von Nürnberg abgegeben. Man lacht heute darüber, weil man denkt: Wie sind die Leute damals kleingeistig gewesen. Aber - ich habe das auch schon öfter erwähnt - ich kann in demselben Sinne nicht in Lachen ausbrechen, weil nach dem damaligen Stande der Wissenschaft das gelehrte Kollegium recht hatte. Wahrhaftig, wenn man die damalige wissenschaftliche Kunst nimmt, konnte man nicht anders als sagen: Wenn die Leute in den Eisenbahnen fahren, werden sie ihre Nerven ruinieren. — Bis zu einem gewissen Grade ist das auch der Fall. Wenn Sie die heutigen Nerven der Menschen mit denen früherer Menschen vergleichen, werden Sie einen kleinen Anhaltspunkt bekommen, um den Nürnberger Ärzten nicht ganz Unrecht zu geben. Denn ich habe als gewiß immer gehört, die Nürnberger hängen keinen, den sie nicht erst haben; und so meine ich, brauchen sie auch keine andere Wissenschaft als sie heute eben haben - Herr Dr. Rittelmeyer wird mir recht geben. So sagte in Wirklichkeit die Wissenschaft nichts anderes —- und sie hätte damit recht - als: Wenn es keine Kometen gäbe, dann würden die Menschen in der Tat die Anforderungen, die an die Menschenphysis auf dem Umwege durch den Astralleib gestellt werden, nicht haben durchmachen können, wenn dieser Astralleib, der das Tierhafte im Menschen darstellt, nicht fortwährend seine Korrektur, seine richtige Therapie erführe durch dasjenige, was durch die absorbierten Kometensubstanzen wieder zurückgestrahlt wird an die Oberfläche der Erde und ausgleichend auf die Menschenfähigkeiten wirkt.

Sehen Sie, da haben Sie den Menschen in einer merkwürdigen Weise hineingestellt in das Weltall. Jetzt beschreiben Sie so etwas wie den Bielaschen Kometen von 1872: Feuer fällt vom Himmel, die Erde nimmt es auf, so daß derjenige, der geistig schauen kann, sieht, wie wieder etwas zurückkommt und den menschlichen Astralleib in günstigem oder auch ungünstigem Sinne beeinflußt. Es gibt Kometen, die den Menschen so beeinflussen, wie ich es jetzt geschildert habe, daß sie seine Nervosität therapeutisch ausgleichen, und solche, die da wilde Kräfte des Astralen entfesseln, wenn sie, nachdem die Erde sie absorbiert hat, wieder heraufdringen. So sieht der Apokalyptiker auf Kometenerscheinungen hin und schildert mit den Tieren zugleich die Kometenerscheinung, er parallelisiert sie, weil sie sich nach ihren Phänomenen parallelisieren lassen, er parallelisiert sie mit dem siebenköpfigen Tier, weil sie damals in jener Zeit noch viel mehr mit dem ganzen Physischen zusammenhingen, und weil in der Tat in einem Kometen, der siebengespalten war, eben himmlisch zum Ausdruck kam, was auf der Erde geschah. Und so wird auch das mit dem zweihörnigen Tier, was ich Ihnen ausgeführt habe, auf die Kometengestalt bezogen: der Komet mit den zwei Schwänzen.

Ja, meine lieben Freunde, an die Kometen hat sich wüster Aberglaube angeschlossen, und der wüste Aberglaube, der sich an die Kometen angeschlossen hat, hat verhindert, daß man die Kometen überhaupt in ihrer richtigen Bedeutung berücksichtigt hat, abgesehen davon, daß man ihre Bahnen berechnet hat und belästigt worden ist durch die Launenhaftigkeit ihres Auftretens. Höchstens, daß mal ein guter Kopf wie Hegel sich herbeigelassen hat, auf andere Zusammenhänge des Kometenwesens mit dem irdischen Wesen aufmerksam zu machen. Hegel, der ja nicht gerade es ausgeschlossen hat, manchmal seine Freude zu haben an einem Gläschen perlenden Wein, hat die ganz richtige Wahrnehmung gemacht, daß gute und schlechte Weinjahre mit den Kometen zusammenhängen.

Nun bedenken Sie einmal die Sache in großen kosmischen Zusammenhängen, meine lieben Freunde. Die Erde verzehrt die Kometensubstanz, sie gibt sie spiritualisiert wieder von sich und das vereinigt sich mit den Astralleibern der Menschen in gutem und in bösem Sinne. Das, was wir in einer gewissen Epoche am Himmel oben sehen als Kometen, wo ist es nach dieser Epoche? Ich habe in Paris 1906 in einem Vortrage darauf aufmerksam gemacht — während man in der äußeren Wissenschaft noch nicht entfernt von der Sache sprach, später ist es auch spektralanalytisch gefunden worden -, daß in der Kometensubstanz Cyan enthalten ist, Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff. Das bedeutet sehr viel, denn Cyan wird, in jener geringen Menge auf der Erde verteilt, zur Läuterung der astralen Leiber gebraucht. Ein ungeheuer bedeutender kosmischer Arzt ist im Kosmos tätig, der solche Therapien mehr oder weniger fortwährend ausführt. Bedenken Sie: Das, was man in einer Epoche oben am Himmel sieht als Komet, das atomisiert sich, wie ich es beschrieben habe, es kommt als Feuerregen vom Himmel, später ist es im Erdboden, noch später geht es über vom Erdboden in die Pflanzen, in Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüten. Wir essen die Kometeneinschläge, das kometarische Ferment, das vom Kosmos der Erde gegeben wird, wir essen es mit unserem Brote. Da schaut der Apokalyptiker auf die Erscheinung hin: Von einem Kometen günstige, vom anderen ungünstige Wirkungen erheben sich in ihrer Geistigkeit. Aus der Gefangenschaft der Erde wird los sein das Tier; das ist im kosmischen Sinne der Komet. Das Tier wird los sein, das bedeutet etwas für die Entwickelung der Menschen. So wird auf sehr starke Realitäten hingewiesen, auf große bedeutende Punkte in der Entwikkelung der Menschheit und der Erde.

1933, meine lieben Freunde, bestünde die Möglichkeit, daß die Erde mit allem, was auf ihr lebt, zugrunde ginge, wenn nicht die andere weise Einrichtung da wäre, die sich nicht errechnen läßt. Es ist so, daß die Berechnungen nicht mehr stimmen können dann, wenn die Kometen andere Formen angenommen haben. Man müßte im Sinne des Apokalyptikers sagen: Ehe denn der ätherische Christus von den Menschen in der richtigen Weise erfaßt werden kann, muß die Menschheit erst fertig werden mit

der Begegnung des Tieres, das 1933 aufsteigt. - Das ist apokalyptisch gesprochen. Da verbindet sich die geistige Betrachtung mit der Naturbetrachtung. Da wird dasjenige, was im Weltenall ist, in seinem spirituellen Grundcharakter klar. Nehmen Sie die Beschreibung der Bauern von 1872, die draußen standen und diesen Lichtregen betrachteten und fügen Sie hinzu, was man geistig wissen kann, wie ich das skizziert habe, und vergleichen Sie das mit mancher Beschreibung in der Apokalypse, und Sie werden sehen, daß eine wörtliche Übereinstimmung da ist, Sie werden sehen, daß tatsächliche Naturereignisse gemeint sind in der Apokalypse.

Das ist dasjenige, was auch mit Recht sagen läßt: Die Apokalypse ist ein Buch mit sieben Siegeln. Man muß sie in dieser Weise entsiegeln, damit man darauf kommt, was eigentlich gemeint ist. Wenn dann die Leute fragen, warum gibt der Apokalyptiker ein Buch mit Siegeln?, dann erscheint mir diese Frage eigentlich nicht viel weiser als die: Warum versiegeln wir unsere eigenen Briefe, wenn wir sie verschlossen schicken? - Damit diejenigen sie nicht lesen, für die sie nicht geschrieben sind. — So ist es auch beim Apokalyptiker. Er wollte eben, daß die Apokalypse nur gelesen wird von denen, die dazu berufen sind. Es versteht keiner, das Siegel aufzumachen, der nicht erst, ich möchte sagen, das Messer dazu erhält von den geistigen Mächten.

Nun, meine lieben Freunde, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, 1872, wo der Komet wiederkommen sollte, war dieser Lichtregen da, das heißt, es war alles schon viel geistiger als bei dem früheren Herankommen dieses Kometen. Dieser Komet wird jetzt immer nur so erscheinen, daß er in einem Regen von Lichtstrahlungen sich auf die Erde ergießt. Aber am Ende der siebziger Jahre war es so, daß in diesem Lichtgoldregen die Michaelherrschaft an die Erde herankam.

So haben Sie Naturereignisse, die eigentlich Geist-Ereignisse sind, und Geist-Ereignisse, die die Gewalt haben, Naturereignisse zu sein. Und nur, wenn Sie so die Welt durchschauen, daß alle Naturereignisse Geist-Ereignisse werden und daß alle Geist-Ereignisse die Intensität von Naturereignissen haben, dann werden Sie zu einer wirklichen Einsicht in die Weltgestaltung kommen. Dann wird sich Ihnen Moralisches und Natürliches in einer Evolution zusammenfügen und die Geneigtheit entstehen, Erkenntnisse aufzunehmen als Inhalt des religiösen Lebens. Dann braucht man nicht mehr zur Ausflucht zu greifen, daß Erkenntnis nicht der Inhalt des religiösen Lebens sein dürfe, sondern bloß der Glaube.

Das ist es, was Sie gewinnen können durch eine tiefere Betrachtung der Apokalypse. Ich hoffe, daß wir morgen oder übermorgen mit den Betrachtungen fertig werden.

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