Nine Lectures on Bees

GA 351 — 28 November 1923, Dornach

Neunter Vortrag

Guten Morgen, meine Herren! Ist Ihnen etwas eingefallen, was Sie noch fragen möchten?

Es wird ein Artikel aus der «Schweizerischen Bienen-Zeitung N. F.», Nummern 2 und 3, Februar und März 1923: «Sehen die Bienen für uns unsichtbare Farben?» von Prof. Dr. Buttel-Reepen, Oldenburg, verlesen.

Dr. Steiner: Nun, wollen wir darüber ein paar Worte sagen. Diese Experimente, die Forel und die Kühn und Pohl gemacht haben, die zeigen so recht, wie gedankenlos eigentlich gegenwärtig solche Experimente verfolgt werden. Man kann sich natürlich nichts Absurderes denken als eine solche Auslegung eines Experimentes! Bedenken Sie nur, daß ich ja dann auch folgendes ausführen könnte. Denken Sie, ich habe einen Stoff solche Stoffe gibt es -, der besonders für Ultraviolett, das heißt also, über das Blau und Violett hinausliegende Farben empfindlich ist, zum Beispiel gerade das Bariumplatinzyanür, das in dem Artikel erwähnt ist. Das leuchtet auch, wenn ich alle anderen Farben abblende.

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Also, ich blende Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett auch ab. Ich habe also Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. Jetzt mache ich eine Blende, das heißt, ich decke das im Spektrum alles ab. Dann habe ich hier noch die sogenannten ultravioletten Strahlen, die für den Menschen unsichtbar sind. Gebe ich da hinein diese Substanz, die ein weißes Pulver ist, das Bariumplatinzyanür und schließe die Läden, so fängt das an aufzuleuchten. Wir Menschen sehen nichts in diesem abgedunkelten Zimmer; nun lassen wir diese Strahlen herein, blenden ab, wo wir es hereinlassen, lassen also bloß Ultraviolett herein. Wenn ich aber da Bariumplatinzyanür hineingebe, was geschieht dann? Dann «sieht» das.

Etwas anderes tut man ja auch nicht, wenn man Ameisen zum Experiment nimmt. Statt daß ich das Bariumplatinzyanür nehme, nehme ich Ameisen. Die Ameisen gehen auf Zucker - infolgedessen sage ich: sie sehen. Ebensowenig brauchen sie zu sehen, wie das Bariumplatinzyanür zu sehen braucht, um aufzuleuchten. Das Ganze, was ich jetzt behaupten kann, ist nur, daß, wenn ich irgendwo einen Stoff habe, das eine Wirkung auf die Ameisen ausübt. Mehr darf ich nicht behaupten. Also die betreffenden Gelehrten sind so gedankenlos als möglich und behaupten Dinge, die nichts als reine Phantasie sind.

Das einzige, was man behaupten kann, das ist dieses - und das ist dadurch bewiesen, nach dem Artikel, daß, wenn man die Augen anlackiert, dann keine Wirkungen mehr zustande kommen -, daß durch die Sinnesorgane eine Wirkung auf diese Insekten mehr oder weniger stattfand. Wobei noch charakteristisch das ist, daß der Gelehrte das, was er bei den Bienen bemerkt, auf Ameisen und Wespen überträgt, Das zeigt, wie gedankenlos solche Experimente gemacht werden.

Nun kommt aber noch das Folgende dazu. Wenn man hier weitergeht (Zeichnung $. 149), dann kommt man zu den sogenannten ultravioletten Strahlen. Also hier haben wir Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, dann käme noch Indigo, Violett. Da haben wir die ultraroten Strahlen; da die ultravioletten. Wir haben also hier rechts die ultravioletten Strahlen, und nun haben die ultravioletten Strahlen die Eigentümlichkeit - das drückt er selber so aus in dem Artikel -, ganz stark chemisch zu wirken. Also dasjenige, was da hineingebracht wird in den Bereich der ultravioletten Strahlen, das wird stark chemisch angegriffen. Und die Folge davon ist, daß, wenn ich da eine Ameise hineinbringe, diese sofort stark chemisch angegriffen wird. Das spürt sie. Das ist ja richtig, sie spürt es vorzugsweise in den Augen. Es handelt sich um ein Gefühl, wie wenn sie jemand krabbeln würde, wenn sie in die ultravioletten Strahlen gebracht wird, geradeso wie das Bariumplatinzyanür eine Einwirkung erfährt, wenn es in einen chemischen Bereich gebracht wird. Es ist geradeso. Wenn ich in einem Zimmer alles abblende und die ultravioletten Strahlen allein drinnen habe, dann ist es so, daß die Ameise sofort merkt: Es geschieht da etwas. - Namentlich wenn man da die Ameiseneier, die Larven hat, so werden die ganz verändert; die würden ja zugrunde gehen in dem Augenblick, wo diese starke chemische Einwirkung geschähe. Daher retten diese Ameisen die Eier. Also um was es sich da in diesem Artikel handelt, das ist ja eine Einwirkung auf chemische Art. Das, was ich neulich behauptet habe, stimmt schon. Ich habe gesagt: Die Bienen haben eine Art Geruchs-Geschmack, etwas, was zwischen Geruch und Geschmack drinnenliegt. Das ist das, was von den Bienen, und bei den Ameisen ist es ähnlich, gespürt wird.

So wenig kennen diese Herren, um was es sich handelt, daß sie zum Beispiel nicht wissen, daß, wenn der Mensch selber Farben wahrnimmt, in seinen Augen, schon wenn er die violetten Strahlen wahrnimmt, kleine chemische Veränderungen geschehen. Da ist das Farbenwahrnehmen beim Menschen schon nach dem Chemischen hin gerichtet. So daß das Ganze, was bei den Bienen hier untersucht worden ist, die Einwirkung auf die innere chemische Veränderung ist, die bei den Bienen vor sich geht, wenn sie im ultravioletten Licht leben.

Nun, sehen Sie, frei wahrnehmbar ist alles dasjenige für die Bienen, was im Bereich von Schwarz, Weiß, Gelb, Grau - das istjanur ein dunkleres Weiß —, Blaugrau liegt. Nämlich in allen diesen Farben ist kein Ultraviolett. Also diese chemischen Einwirkungen, die die Bienen so stark spüren, wenn sie ins Ultraviolett kommen, die sind hier bei diesen Farben nicht da. Wenn die Biene aus dem Bereich von Schwarz, Weiß, Gelb und Blaugrau in diesen Bereich kommt, so spürt sie bei dem Ultraviolett etwas, was ihr fremd ist; da kann sie nichts machen. Es kommt alles darauf an, daß die Biene eine Art von Geruchs-Geschmack hat. Nicht wahr, wir unterscheiden sehr stark zwischen Riechen und Schmecken. Das Schmekken ist vorzugsweise der chemische Sinn. Das beruht ganz auf Chemie. Die Biene hat etwas, was zwischen Riechen und Schmecken in der Mitte steht.

Dagegen spricht auch nicht, daß die Biene, wenn man ihr die Kiste, in der sie lebt, irgendwo vorne anstreicht, dafür ein Unterscheidungsvermögen hat; denn denken Sie, jede Farbe wirkt anders chemisch und anders warm. Wenn Sie zum Beispiel eine Fläche rot anstreichen würden und die Biene sich diesem Rot nähert, dann wird es für sie warm. Wie soll sie nicht wissen, daß das anders ist, als wenn sie zum Beispiel in den Bereich von Blau kommt! Bei der blauen Fläche wird es kälter. Also die Biene spürt dieses Warme des Roten und das Kalte des Blauen. Das kann sie also natürlich unterscheiden. Aber man darf nicht von da aus den Schluß ziehen, daß die Biene mit den Augen so sieht, wie der Mensch mit den Augen sieht. Das ist natürlich ein absoluter Unsinn.

So ist es auch mit vielen anderen Dingen, die die Leute machen. Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, worauf alle diese Experimente hinauslaufen. Ich habe Ihnen gesagt: Da gibt es eine gewisse Pflanze, die heißt die Venusfliegenfalle, die ihre Blätter sogleich zusammenzieht, wenn man sie berührt. Geradeso wie Sie aus der Hand eine Faust machen, wenn sie berührt werden sollen, das heißt, wenn Ihnen einer eine draufschlagen will, so wartet die Venusfliegenfalle, wenn ein Insekt in die Nähe kommt, und dann klappt sie zusammen. Nun sagen die Leute: Also hat diese Pflanze, die Venusfliegenfalle, eine Seele wie die Menschen. Sie nimmt wahr, wenn das Insekt ankommt, klappt zusammen und so weiter. - Ja, meine Herren, ich sage immer: Ich kenne eine gewisse Vorrichtung, die so beschaffen ist, daß, wenn ein anderes Tier in die Nähe kommt und etwas in der Vorrichtung berührt, diese Vorrichtung sofort zuschnappt und das Tier gefangen ist. Das ist nämlich eine Mausefalle. Und wenn man der Venusfliegenfalle eine Seele zuschreibt, dann muß man ebenso der Mausefalle eine Seele zuschreiben. Wenn man also den Bienen deshalb, weil sie im ultravioletten Lichte etwas tun, Sehen zuschreibt, dann muß man auch dem Bariumplatinzyanür ein Sehen zuschreiben.

Wenn die Leute denken würden, so würden sie auf ganz merkwürdige Dinge kommen, denn das Bariumplatinzyanür ist außerordentlich interessant. Bariumplatinzyanür besteht neben anderem aus Barium. Das ist ein weißes Metall, das zu der Gattung der Erdalkalimetalle gehört. Nun ist es interessant, daß solche Metalle auch eine gewisse Rolle im Leben des Menschen spielen. Wir könnten nämlich als Menschen in unserem Körper keine rechte Wirkung von Eiweiß, das wir essen, haben, wenn wir nicht in unserer Bauchspeicheldrüse solche Metalle hätten. Die müssen da sein. Wir haben also in dem Barium etwas, was mit dem zusammenhängt, wie wir uns wohl fühlen in der Verdauung.

Das Platin, das ist ein besonders wertvolles Metall, das wissen Sie ja, ein Metall, das auch besonders hart ist, schwer ist, ein Edelmetall. Diese Metalle, die haben alle die Eigenschaft, daß sie wiederum mit demjenigen zusammenhängen, was das Fühlen, das Spüren ist.

Und nun erinnern Sie sich noch an etwas. Sehen Sie, da drinnen ist noch Zyanür. Das ist eine gewisse Art von Zyansäure, Blausäure. Nun habe ich Ihnen gesagt, daß der Mensch gerade da, wo seine Muskeln arbeiten, immer etwas Blausäure entwickelt. Also dieser ganze Stoff ist etwas Ähnliches wie das, was der Mensch in seinem Körper fortwährend entwickelt. Und daraus können Sie ersehen, daß der Mensch selber besonders empfindlich ist in seinem Körper - nicht in seinen Augen - für dasjenige, was im ultravioletten Licht, das heißt in den chemischen Bestandteilen des Lichtes, vor sich geht. So daß auch wir Menschen selber es beurteilen können, wenn wir nur aufpassen können auf solche Dinge.

Aber dazu führt eben nur die Geisteswissenschaft, auf solche Dinge aufpassen zu können, daß da, wo das Bariumplatinzyanür besonders angegriffen wird, eine Art von Fühlen vorhanden ist. Und das ist bei der Biene im allerstärksten Maße vorhanden. Die Bienen spüren die Farben eben mit ganz besonderer Intensität und sehen nur dann die Farben, wenn ein selbstleuchtendes Lebewesen auftritt, ganz schwach leuchten. Und deshalb sagte ich: Im allgemeinen ist es um die Biene herum nur dämmerig. Wenn aber die neue Bienenkönigin auftaucht, dann schimmert diese für die Bienen so, wie für uns das Johanniskäferchen, wenn der Juni da ist. Das ist aber dasjenige, was für die drei kleinen Augen der Biene da ist; die anderen Augen, die größeren, haben schon eine Art Lichtempfindung, aber wie in der Dämmerung. Und wenn es abgedämmert ist, abgeblendet ist, spürt das Tier gerade die Anwesenheit von einer solchen Farbe, die chemisch wirkt, Ultraviolett, oder die gar nicht chemisch wirkt, Ultrarot.

Am Schluß des Artikels in der «Bienen-Zeitung» steht, bezüglich des Ultraroten werden später Mitteilungen kommen. - Gewiß, wenn die Bienen ins Ultrarot kommen, werden sie sich ganz anders verhalten, denn da sind keine chemischen Wirkungen mehr da. Was das Tatsächliche an den Experimenten ist, das ist richtig; aber man muß sich klar darüber sein, daß man nicht so schließen kann, wie Forel und Kühn geschlossen haben. Das ist ein ganz gedankenloses Verfolgen der Experimente. Dann sagen aber die Leute: Das ist einwandfrei bewiesen. - Ja, natürlich, für den, der auch der Mausefalle eine Seele zuschreibt! Aber für einen anderen, der weiß, wie weit er gehen kann, wie weit er denken kann, damit die Sachen wirklich genau verfolgt werden, ist das gar nicht einwandfrei bewiesen.

Im Leben ist man ja gar nicht gewöhnt, daß man die Sachen genau verfolgt. Wenn die Menschen irgendwo eine kleine Sache erleben, wird, wie man darüber sagt, aus einer Mücke ein Elefant. So auch oft bei unseren Gelehrten. Wenn sie irgendeine Sache haben, hören sie nicht auf mit ihrem Denken, sondern sie setzen es fort bei dem, was unmittelbar vorliegt. Da wird ein phantastisches Zeug daraus, da wird aus einer Mücke ein Elefant. Wenn die heutige Wissenschaft irgend etwas behauptet - sie behauptet es nur durch ihre Macht, weil sie alle Journale in ihren Händen hat -, so wird in der Regel dem nicht widersprochen, was vorgebracht wird. Aber zuletzt wird man doch mit all dem Zeug nichts machen können.

Ich glaube, wenn Sie durch die ganze Bienenzucht durchgehen, so werden Sie sehen, daß gerade die vorzüglichsten Bienenzüchter sich wenig um dasjenige kümmern, was Forel und Kühn da entdeckt haben, denn die Bienenzüchter müssen praktisch vorgehen, und dann machen sie schon das, was notwendig ist, instinktiv.

Es ist natürlich besser, wenn man dieses Instinktive auch noch weiß. Ich glaube in der Regel auch bemerkt zu haben, daß der Imker sich ja vielleicht gerade einmal an einem Sonntagabend, wenn es draußen schneit, hinsetzt und solch einen Artikel liest, weil es ihn natürlich interessiert. ‚Aber machen kann er mit dem Artikel nicht viel, weil man ja mit diesem Artikel nichts angreifen kann.

Aber Sie haben ganz gewiß noch andere interessante Sachen zu fragen.

Herr Müller: Ich möchte noch über die Königin etwas sagen. Wir haben schon besprochen, daß diese Eier legt. Nun haben wir aber auch unbefruchtete Königinnen, zum Beispiel bei schlechtem Wetter, und aus deren Eiern entstehen die Drohnen, die keinen Wert haben. Ebenso aber auch, wenn die Königin abgegangen ist und keine junge Brut mehr vorhanden ist, wird unter den Arbeitsbienen eine Biene aufgezogen zur Königin; diese legt ebenfalls Eier, aber eben auch unbefruchtete Eier, und daraus werden minderwertige Drohnen.

Dann möchte ich noch etwas über den Schwarmzustand sagen. Der erste Schwarm, der hat noch keine neue Königin. Die neue Königin schlummert noch in ihrer Zelle. Nur die älteren Bienen gehen mit der Königin ab. Ich fange die Königin heraus und kann die ganzen Bienen wieder in den Stock zurückbringen.

In bezug auf das Sehen der Bienen möchte ich sagen: Wenn wir im Bienenhaus arbeiten und es ist zuviel Licht, das heißt für den Imker immer noch zuwenig Licht, so regen sich die Bienen doch kolossal auf. In bezug auf das Stechen der Bienen beim Schwärmen: Es ist bei uns allgemein bekannt, daß ein Vorschwarm etwas kitzelig ist; bei einem Nachschwarm ist das weniger der Fall. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß junge Bienen noch nicht stechen, ihren Stachel noch nicht gebrauchen.

Es gibt Gegenden, wo die Leute den Honig nicht eher ernten, bevor er nicht vom Pfarrer geweiht worden ist. Am 8. August ist ein Honigtag.

Es kann auch noch sein, daß der Schwarm ausfliegt, daß die Königin irgendwo sich absetzt, und es scheint, als ob er dabei erledigt wäre; es ist aber nicht so, nicht ganz so.

Dr. Steiner: Bezüglich dessen, was ich sagte, war eigentlich alles so, daß es darauf hinausläuft, daß die alte Königin vom Volk auszieht, wenn die junge Königin sich zeigt, also den Bienen sich wie ein Leuchtwürmchen zeigt. Wenn der Schwarm ausgeschwärmt hat und man die alte Königin abgefangen hat, so kann man ja das Volk, wie Sie sagen, wiederum zurückbringen in den Bienenstock, und es arbeitet ruhig weiter. Da kann man nicht sagen, daß das nicht richtig ist, daß das Volk zuerst weggezogen ist wegen des starken Lichteindrucks der jungen Königin durch die drei kleinen Augen. Das wird dadurch nicht aus der Welt geschafft. Sie müssen da ganz logisch vorgehen. Ich will ein Beispiel aus dem Leben bringen. Denken Sie sich einmal, Sie wären alle irgendwo angestellt, wo Sie eines Tages finden, Sie müssen alle zusammen streiken, weil hier etwas Unrichtiges in der Leitung vor sich geht. Nehmen wir an, Sie beschließen den Streik. Also Sie schwärmen aus, meine Herren.

Jetzt, nicht wahr, vergeht einige Zeit, und Sie haben nicht mehr die Möglichkeit, sich Lebensmittel zu kaufen. Sie sind am Hungertuch angekommen und gehen gezwungen wiederum zurück. Ja, kann ich jetzt sagen: Also ist es nicht wahr, daß zuerst etwas Unrichtiges geschehen ist?! Denn Sie müssen doch bedenken, daß, wenn Sie dem ausgeschwärmten Schwarm die alte Königin wegnehmen und ihn wieder in den Bienenstock zurückbringen, er natürlich genötigt ist, weil er die alte Königin nicht mehr hat — was er spürt -, die neue Königin auszuhalten, in den sauren Apfel zu beißen. Das ist deshalb nicht unrichtig, was ich sagte, sondern es handelt sich eben gerade darum, daß man alle diese Dinge im richtigen Lichte anschaut.

Dann haben Sie vom Vorschwärmen gesprochen, wo eigentlich eine junge Königin noch nicht da ist, wo man davon nicht reden könnte. Nun, haben Sie aber ein solches Vorschwärmen beobachtet, wenn auch das Ei der jungen Königin noch gar nicht da ist?

Herr Müller: Neun Tage, bevor die junge Königin ausgeschlüpft ist.

Dr. Steiner: Zunächst ist die junge Königin als ein Ei in ihrer Zelle drinnen. Nach sechzehn Tagen wird sie eine ausgewachsene Bienenkönigin. Da schlüpft sie aus. Neun Tage vorher ist sie aber im Ei oder in der Made schon drinnen. Nun ist das Eigentümliche dabei, daß das Ei da am allerstärksten leuchtet. Es hört allmählich auf zu leuchten, und die junge Königin leuchtet noch einige Zeit. Aber am allerstärksten leuchtet sie, wenn sie noch Ei und Larve ist. Also das ist ganz erklärlich, daß da Vorschwärme abgehen, die aus den allerempfindlichsten Bienen bestehen und die sich fortmachen. Das erklärt sich daraus, daß nichts stattfindet, bevor nicht eine junge Königin da ist. Denn, was ist die junge Königin? Die ist ja auch schon da, wenn nur das Ei da ist.

Wenn die Königin unbefruchtet bleibt, dann bringt sie keine Arbeitsbienen hervor, sondern nur Drohnen, und, wie Herr Müller gesagt hat, noch dazu schlechte Drohnen. Das ist ja auch richtig. Man kann also eine solche Brut von einer unbefruchteten Königin, einem sogenannten Aftermütterchen, nicht brauchen, weil keine Arbeitsbienen dabei sind. Man wird also darauf sehen müssen, daß die Bienen gerade unter dem Einfluß des Sonnenlichtes ihren Hochzeitsflug halten können.

Sie sehen wiederum, was für eine große Rolle da das Chemische spielt. Denn, nicht wahr, alles das, was da geschieht, das geschieht ja als Wirkung auf das Geschlechtswesen der Biene. Das Geschlechtswesen ist aber ganz ein chemisches Wesen. Wenn die Bienenkönigin da hoch hinauffliegt, so ist es ja natürlich, daß da die Einwirkung nicht durch das Licht erfolgt, sondern durch das, was in der Lichtwirkung an Chemischem vorhanden ist. Also gerade da sehen Sie, wie fein empfindlich die Biene gegen das Chemische ist.

Sie sagten ferner, wenn man mit dem Bienenstock arbeitet, so braucht man natürlich als Mensch Licht, und das macht die Bienen unruhig. Nun denken Sie sich einmal recht lebhaft: Die Biene empfängt durch das Licht chemische Wirkungen, die sie furchtbar stark spürt. Wenn Sie nun als Mensch kommen und ihr Licht zulassen, plötzlich es hell machen, so wirkt das auf die Biene, wie ein starker Windzug auf Sie wirkt, geradeso wie wenn Sie irgendwo sitzen und das Fenster aufmachen und ein starker Windzug geht. Die Biene spürt das Licht; sie spürt nicht, daß es da besonders hell wird, aber sie spürt das als Erschütterung, wird ganz durcheinandergerüttelt. Und man könnte fast sagen - ohne daß ich es gesehen habe -: Wenn der Bienenzüchter das tut, daß er viel Licht zuläßt, so benehmen sich die Bienen furchtbar nervös, werden im Inneren unruhig, geraten in diese chemischen Wirkungen vom Licht hinein und fangen an, fast wie kleine Schwalben auf und ab zu fliegen. Sie tanzen hin und her. Und das ist eben das Zeichen, daß sie sich innerlich unruhig fühlen. Denken Sie doch nur einmal, die Bienen würden sich doch nicht gerade so nervös benehmen, wenn sie das Licht sehen würden. Sie würden sich dann mehr verkriechen, in eine Ecke hineinstellen, damit das Licht nicht auf sie wirkt.

Nun kommt ja bei all diesen Dingen natürlich auch in Betracht, daß man sich klar ist darüber, daß überall Wirkungen da sind, die nicht mit den Wirkungen verglichen werden dürfen, die die Dinge auf den Menschen haben. Sonst vermenschlicht man alles, und man kommt gar nicht dazu, sich die Sache anders vorzustellen als: Weil der Mensch so sieht, so sieht ein Tier auch so. - Das darf man nicht so von vornherein sagen. Sie werden vielleicht schon folgendes wahrgenommen haben. Wer solche Sachen beobachtet, der kann es wahrnehmen. Denken Sie sich einmal in eine Küche hinein, wo der Sparherd ein bißchen geheizt ist. Die Katze, die setzt sich gern auf den Sparherd drauf, wenn es geheizt ist, kugelt sich zusammen, schläft da, hat die Augen zu. Nun, wenn irgendwo unter einem Schrank eine Maus ist, die sie gar nicht wahrnehmen kann mit den Augen, kommt es vor, daß die Katze plötzlich, ohne die Augen aufzumachen, herunterspringt, mit Sicherheit losspringt auf die Maus, mit ganz voller Sicherheit losspringt auf die Maus, und bevor Sie sich die Sache noch gar nicht zu Ende überlegt haben, kommt die Katze mit der Maus und hat sie bereits in ihrem Maul.

Nun, meine Herren, Sie werden natürlich nicht behaupten, daß die Katze die Maus gesehen hat, denn sie hatte die Augen zu, sie hatte geschlafen. Nun behaupten aber die Leute: Sie hat ein ganz feines Gehör, und durch das ganz feine Gehör hat sie die Maus wahrgenommen. — Nun, da müßte man jetzt behaupten: Die Katze hört, wenn sie schläft, am allerbesten. - Das ist ja auch schon eine etwas fragliche Behauptung, weil Sehen und Hören diejenigen Sinne sind, die eigentlich bloß beim Wachen eine so große Rolle spielen, währenddem der Geruch zum Beispiel beim Schlafen eine außerordentlich große Rolle spielt. Der wirkt chemisch. Und da geschieht in der Nase und im ganzen Gehirn etwas Chemisches. Aber außerdem, wenn Sie etwas hören, können Sie gleich mit Sicherheit auf das zuspringen? Das ist ja gar nicht der Fall. Das Hören ist ja nicht so, daß man sich dann so schnell orientieren kann. Also auf das Hören kann es bei der Katze nicht ankommen. Aber was man bei der Katze ausgesprochen findet, das ist ein furchtbar feiner Geruchssinn, den sie in ihrem borstigen Bart drinnen hat. Und dieser furchtbar feine Geruchssinn ist dadurch drinnen, daß in jeder solchen Borste eigentlich ein Kanal ist, und da drinnen in der Borste (es wird gezeichnet) ist ein Stoff, und dieser Stoff wird chemisch verändert durch die Anwesenheit der Maus. Wenn keine Maus da ist, so hat dieser Stoff chemisch eine gewisse Beschaffenheit. Ist irgendwo im Umkreis, ganz weit, eine Maus, so nimmt die Katze durch die chemische Wirkung ihres Schnauzbartes die Maus wahr. Ich habe Ihnen einmal gesagt, daß es Leute gibt, die, wenn sie oben im dritten Stock leben und unten im Keller ist irgendein Stoff, zum Beispiel Buchweizen, den Stoff wahrnehmen können und davon krank werden können. Und daß der Geruchssinn ganz sicher wirkt, davon können sich die Leute überzeugen; sonst könnte es keine Polizeihunde geben. Die erreichen mit den Augen sehr wenig, aber mit ihrem Geruchssinn ‚sehr viel. So ist im Tierreich die Sicherheit nicht den Augen, sondern den chemischen Wirkungen zuzuschreiben; bei den ultravioletten Strahlen wirken sie am allerstärksten.

Wenn Sie einem Polizeihund eine besondere Gnade erweisen wollten, so würde es gut sein, wenn Sie zum Beispiel mit ihm gehen und ihm immer eine Blendlaterne hinhalten würden, so daß Sie ihn immer in ultravioletten Strahlen drinnen haben. Dann würde der Polizeihund noch sicherer finden, weil dann in seinen Riechhaaren - bei dem Hund sind es nämlich auch die Riechhaare - noch sicherere chemische Wirkungen auftreten würden.

Also alles, was Sie überhaupt von Tieren wissen können, geht darauf hin, daß man, sobald man ins Tierreich kommt, von solchen bewußten Sinnen beim Tiere absehen muß, und man muß in den Geruchs- und Geschmackssinn, das heißt in die chemischen Sinne herunterkommen.

Sie meinten dann ferner, junge Bienen stechen nicht. Es ist ja aber wohl sehr erklärlich, daß junge Bienen eben noch nicht das Organ des Stechens, die ganze innere Organisation noch nicht so ausgebildet haben. Das kommt erst mit dem Älterwerden. Das ist ja nichts Besonderes und widerspricht nicht dem, was ich gesagt habe.

Herr Müller frägt über das künstliche Füttern. Er nehme vier Liter Wasser, fünf Kilo Zucker, füge noch Thymian dazu, Kamillentee und eine Prise Salz. Was das für Wirkungen haben könne?

Dr. Steiner: Darüber können wir ja ganz besonders Aufschluß geben aus dem Grund, weil auf solchen Prinzipien, wie sie da instinktiv gemacht werden, zum Teil unsere Heilmittel beruhen. Nicht alle, aber eine Anzahl von unseren Heilmitteln beruht darauf.

Wenn Sie die Bienen mit Zucker füttern, so ist das ja eigentlich zunächst ein Unfug, denn die Bienen haben von der Natur aus nicht den Zucker als ihre Nahrung, sondern den Nektar und den Pollen, den Blütenstaub.

Herr Müller: Man muß zum Beispiel die Waldtracht entleeren, selbst die Brutwaben, weil die Bienen sonst die Ruhr bekommen. Und dann haben manchmal die Bienen nur zwei bis drei Kilo, das reicht nicht aus.

Dr. Steiner: Die Bienen sind im allgemeinen gewöhnt, nicht Zucker zu fressen, sondern sie sind eigentlich gewöhnt, den Honig als Nahrung zu haben. Das sind sie eigentlich gewöhnt. Das ist von ihrer Natur aus so. Nun ist das Eigentümliche, daß die Biene im Winter jede Nahrung, die sie bekommt, in eine Art von Honig verwandelt. Die Nahrung wird ja von dem Wesen, das sie aufnimmt, wieder verwandelt. Also die Biene ist fähig, während des Winters das, was sie aufnimmt für sich, während der Verdauung in eine Art von Honig zu verwandeln. Und Sie können sich vorstellen, daß das eigentlich eine Prozedur ist, zu der eine größere Kraft gehört, als wenn man die Bienen mit Honig füttert. Da brauchen sie die Kraft nicht aufzuwenden, in ihrem Organismus drinnen wiederum den Zucker in Honig zu verwandeln.

Was für Bienen werden denn das sein, die in ausgiebiger Weise in sich selber den Zucker in Honig verwandeln? Das werden allein die starken Bienen sein, diejenigen, die man gut brauchen kann. Schwache Bienen kann man nicht dazu bringen, den Zucker in sich selber in Honig zu verwandeln. Daher sind sie mehr oder weniger unbrauchbar.

Nun aber sagte ich vorhin: Die Sache ist für uns besonders erklärlich, wenn Sie zum Beispiel Kamillentee dazunehmen, denn da nehmen Sie nämlich der Biene schon wiederum einen Teil ab von dem, was sie sonst in ihrem eigenen Körper ausführen muß. Wenn Sie den Zucker mit Kamillentee versetzen, dann ist die Substanz der Kamille dasjenige aus der Pflanze, was in der Pflanze den Honig hervorbringt. Denn die Substanz, die im Kamillentee enthalten ist, die ist ja nicht bloß in der Kamille enthalten, sondern in jeder Pflanze, die Honig in sich hat. Aber die Kamille enthält natürlich diese Substanz in stärkerem Maße, und darum kann man sie als Honigpflanze eigentlich schon wiederum gar nicht gebrauchen. Aber wenn Sie eine Pflanze haben, so ist in der Pflanze viel sogenannte Stärke drinnen. Die Stärke hat fortwährend die Tendenz, sich in Zucker zu verwandeln. Auf die Stärke wirkt nun der Kamillensaft schon in der Pflanze drinnen so, daß er den Zuckersaft in der Pflanze nach dem Honig hin dirigiert. Wenn Sie nun also dem Tier Kamillentee beibringen, dann unterstützen Sie es dadurch in der inneren Honigwirkung. Sie machen den Zucker schon ähnlich dem Honig, wenn Sie den Kamillentee beimischen.

So machen wir es auch mit unseren Heilmitteln. Wenn Sie irgendein Metall haben, kann man das dem Menschen nicht ohne weiteres beibringen, weil es wiederum herausginge mit der Verdauung, sondern man muß es mit irgend etwas versetzen, weil es dann leichter aufgenommen wird. So ist es auch mit dem Kamillentee, den Sie dem Zucker zusetzen.

Das Salz muß aus dem Grunde noch beigesetzt werden, weil das Salz überhaupt die sonst unverdaulichen Dinge verdaulich macht. Der Mensch nimmt instinktiv zu seiner Suppe und so weiter Salz, weil das Salz die Eigentümlichkeit hat, sich rasch im Körper auszudehnen und die Speisen verdaulich zu machen.

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