Nine Lectures on Bees

GA 351 — 22 December 1923, Dornach

Fünfzehnter Vortrag

Guten Morgen, meine Herren! Eigentlich müssen wir noch etwas über die Frage des Herrn Dollinger sprechen. Er wollte ja in Ihrem Namen wissen — denn das ist wohl für jeden interessant —, wie der Zusammenhang in geistiger Beziehung ist zwischen dieser Herde von Insekten, die sich bewegt, an die Pflanzen herankommt, und dem, was sich in den Pflanzen befindet.

Sehen Sie, meine Herren, ich habe Ihnen ja schon früher gesagt: Es ist um uns überall vorhanden nicht nur so etwas wie Sauerstoff und Stickstoff, sondern es ist in der ganzen Natur vorhanden Verstand, richtig Verstand. Kein Mensch wundert sich, wenn man sagt: Wir atmen die Luft ein -, weil die Luft überall ist und sozusagen die Wissenschaft heute schon so stark in die Schulbücher hineingekommen ist, daß den Leuten gesagt wird: Überall ist Luft, und du atmest die Luft ein. - Aber ich habe zum Beispiel schon Leute gekannt draußen auf dem Lande, die haben das als eine Phantasie betrachtet, weil sie eben nicht gewußt haben, daß draußen Luft ist, ebenso wie die Leute heute nicht wissen, daß überall Verstand ist. Die betrachten es als eine Phantasie, wenn man sagt: Geradeso wie wir mit den Lungen die Luft einatmen, so atmen wir zum Beispiel mit der Nase oder mit dem Ohr Verstand ein. — Und ich habe Ihnen ja früher schon reichlich Beispiele gezeigt, an denen Sie sehen konnten, daß Verstand überall ist. Wir haben ja in der letzten Zeit von einem ganz besonders interessanten naturwissenschaftlichen Kapitel gesprochen, von den Bienen, Wespen und Ameisen. Vielleicht kann man durch wenig von dem, was in der Natur ist, so gründliche Blicke hineintun in die Natur selber wie durch das Treiben der Insekten überhaupt. Die Insekten sind nun einmal ganz merkwürdige Tiere und sie werden noch manches Geheimnis an den Tag bringen.

Es ist jamerkwürdig, daß wir sozusagen unser Insektenkapitel gerade in der Zeit besprechen, in der der hundertste Geburtstag des bedeutenden Insektenforschers Jean-Henri Fabre ist, der am 22. Dezember vor einem Jahrhundert geboren worden ist, und der gerade in die materialistische Zeit hineinfiel, daher alles materialistisch ausgelegt hat, der aber ungeheuer viele Tatsachen aus dem Leben der Insekten ans Licht gebracht hat, so daß es schon ganz natürlich ist, daß wir heute, wo wir über Insekten sprechen, an ihn erinnern.

Nun will ich Ihnen zunächst einmal ein Beispiel von einer Insektenart anführen, die Sie gerade im Zusammenhang mit den Bienen außerordentlich interessieren kann. Die Biene arbeitet ja in einem hohen Grade vollkommen, und es ist schon das Merkwürdigste an der Biene nicht das, daß sie schließlich den Honig hervorbringt, sondern daß sie diese wunderbar gebauten Zellenwaben ganz aus sich selber heraus macht. Sie muß ja dasjenige, was sie als Material verwendet, an sich selber in den Bienenstock hineintragen. Und sie arbeitet eigentlich so, daß sie das Material gar nicht mehr ursprünglich benützt, sondern daß sie das ganz verwandelt in den Bienenstock hineinbringt. Aus sich selber heraus arbeitet sie so.

Nun gibt es aber eine Bienenart, die nicht in dieser Weise arbeitet, die aber gerade durch ihre Arbeit zeigt, was für ein ungeheurer Verstand in der ganzen Natur ist. Wollen wir einmal diese Bienenart, die man gewöhnlich die Holzbiene nennt, die nicht so beachtet wird wie die Hausbiene, weil sie den Menschen meistens lästig wird, in ihrer Arbeit betrachten. Das ist ein ungeheuer fleißiges Tier, und ein Tier, das wirklich, damit es leben kann - nicht das einzelne Tier, aber die ganze Art leben kann -, ungeheure Arbeit zu verrichten hat. Dieses Tier sucht sich Holz auf, das nicht mehr an den Bäumen ist, sondern das schon aus den Bäumen herausgenommen und verarbeitet ist. Sie können diese Holzbiene mit ihren Nestern, die ich Ihnen gleich beschreiben werde, finden, sagen wir, wenn Sie Pflöcke irgendwo eingeschlagen haben, also wo eben das Holz aus den Bäumen herausgenommen ist und scheinbar unbelebtes Holz ist, Pflöcke oder Säulen, die aus Holz sind. Da drinnen können Sie die Holzbiene finden, auch in Gartenbänken oder Gartentüren. Also da, wo man Holz benützt hat, da macht die Holzbiene ihr Nest hinein, aber auf eine ganz sonderbare Weise.

Denken Sie sich einmal, das wäre solch ein Pfosten (siehe Zeichnung). Das ist also das Holz, das aus dem Baum bereits heraus ist. Jetzt kommt die Holzbiene und bohrt zunächst von außen so in schräger Weise einen Gang hinein. Und wenn sie da drinnen angekommen ist, den Gang ausgeholzt hat, so eine Art Kanal ausgebohrt hat, dann fängt sie an, in ganz anderer Richtung zu bohren. Dann bohrt sie so, daß da zunächst eine kleine ringförmige Höhlung entsteht. Jetzt fliegt das Insekt fort, holt allerlei aus der Umgebung und polstert diese Höhle aus. Und dann, wenn es sie ausgepolstert hat, legt es das Ei hinein, aus dem die Made wird. Das liegt jetzt da drinnen. Wenn es das Ei abgelegt hat, kommt das Bienlein und macht darüber einen Deckel, in dem da in der Mitte ein Loch ist. Und jetzt fängt es an, da oben über diesem Deckel weiterzubohren, legt da drüber eine zweite Wohnung an für eine zweite auskriechende Holzbiene, und legt, nachdem es sie ausgepolstert hat, ein Loch gelassen hat, wiederum ein Ei hinein. Das setzt die Holzbiene fort, bis sie solche übereinandergelegten Höhlungen zu zehn oder zwölf über einander gebaut hat. Überall ist ein Ei drinnen.

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Jetzt kann die Made sich da drinnen in diesem Holzstock entwickeln. Überall legt das Insekt noch Futter neben die Made. Die frißt zuerst von dem Futter, das ihr zubereitet war, und wird dann reif zum Auskriechen. Aber jetzt kommt die Zeit, wo das Insekt sich verpuppt hat und sich verwandelt hat in die geflügelte Biene, die nun ausfliegen soll.

Da drinnen ist das so, daß die Made sich nun entwickelt und nach einiger Zeit richtig ausfliegen kann. Wenn die Zeit ist, wo die Made reif ist, sich verpuppt hat und Insekt wird, ist es ja jetzt so, daß das fertig Insekt durch diesen Gang herausfliegen kann. Dadurch ist durch die Geschicklichkeit der Holzbiene erreicht, daß durch den Gang, der zuerst hineingebohrt worden ist, das fertige Insekt wiederum herausfliegen kann. Ja, schön. Aber wenn jetzt das zweite Insekt hier kommt, das ja etwas jünger ist, und das dritte oben ist wieder etwas jünger, weil das Muttertier erst diese Wohnungen machen muß, da finden diese Tiere keinen seitlichen Ausgang, um herauszukommen. Und die fatale Geschichte bestünde jetzt darin, daß die oberen Tiere allmählich da drinnen zugrunde gehen müßten. Aber das verhindert das Muttertier dadurch, daß es das Ei so legt, daß, wenn die Made, die jünger ist, auskriecht, sie da dieses Loch findet, von dem ich Ihnen erzählt habe; sie läßt sich da herunterfallen und kriecht da aus. Das dritte Tier läßt sich durch die zwei Löcher herunterfallen und kriecht so aus. Und dadurch, daß jedes später auskriechende Tier etwas später kommt, stört es das früher auskriechende Tier unter ihm nicht. Sie kommen nie zusammen, sondern das frühere ist immer schon ausgeflogen.

Sie sehen, das ganze Nest ist so vernünftig angelegt, daß man nur staunen kann darüber. Wenn Menschen heute maschinell etwas nachmachen, so sind meistens die Dinge, die die Menschen nachmachen, solchen Dingen nachgeahmt, aber sie sind meist weit weniger geschickt gemacht. Die Dinge, die in der Natur vorhanden sind, sind außerordentlich geschickt gemacht, und man muß schon sagen: Da drinnen ist durchaus Verstand, richtiger Verstand. —- Und davon, daß in dieser Art, wie die Insekten bauen, wie die Insekten bei der Arbeit sich benehmen, davon, daß da Verstand drinnen lebt, könnte man Hunderte und Tausende von Beispielen anführen. Denken Sie sich nur, wieviel Verstand in dem liegt, was ich Ihnen neulich von der Ackerbauameise gesagt habe, die ihre ganze Wirtschaft anlegt und alles mit einem ungeheuren Verstand anlegt.

Nun haben wir aber noch eine andere Sache betrachtet, gerade als wir diese Insekten, Bienen, Wespen und Ameisen, ins Auge faßten. Ich habe Ihnen gesagt, alle diese Tiere haben in sich etwas, was eine Art giftiger Stoff ist, und dieser giftige Stoff, den alle diese Tiere in sich haben, der ist zu gleicher Zeit, wenn man ihn richtig dosiert, in richtiger Dosis gibt, ein ausgezeichnetes Heilmittel. Das Bienengift ist ein ausgezeichnetes Heilmittel. Das Wespengift ist ein ausgezeichnetes Heilmittel. Und die Ameisensäure, die von den Ameisen abgesondert wird, ist erst recht ein gutes Heilmittel. Aber ich habe Ihnen auch das schon angedeutet: Diese Ameisensäure, die kriegen wir, wenn wir an einen Ameisenhaufen herangehen, die Ameisen herausnehmen, sie dann zerquetschen. Also die Ameisen haben diese Ameisensäure in sich; durch das Zerquetschen der Ameisen kriegen wir die Ameisensäure heraus. Diese Ameisensäure findet sich also eigentlich vorzugsweise bei den Ameisen. Aber wenn Sie wüßten, wieviel - verhältnismäßig natürlich - Ameisensäure in diesem Saal drinnen ist, Sie würden eben recht staunen! Sie werden sagen: Wir können doch nicht hier in einer Ecke einen Ameisenhaufen suchen. — Meine Herren, soviel Sie da sitzen, sind Sie in Wirklichkeit selber solch ein Ameisenhaufen! Denn überall in Ihren Gliedern, Muskeln, in Ihren anderen Geweben, im Herzgewebe, im Lungengewebe, im Lebergewebe, im Milzgewebe namentlich - überall da drinnen ist Ameisensäure, allerdings nicht so konzentriert und stark wie im Ameisenhaufen. Aber dennoch, Sie sind so, daß Sie ganz ausgefüllt sind mit Ameisensäure ganz ausgefüllt. Ja, sehen Sie, das ist etwas höchst Merkwürdiges.

Wozu haben wir denn eigentlich in unserem Körper diese Ameisensäure? Wenn ein Mensch zuwenig hat, so muß man das erkennen. Wenn irgendein Mensch als kranker Mensch auftritt - und die Menschen sind ja meistens eigentlich ein bißchen krank -, so kann er ja hunderterlei Krankheiten haben, die äußerlich alle gleich ausschauen. Man muß erkennen, was ihm eigentlich fehlt; daß er blaß ist, oder daß er nicht essen kann, das sind ja nur äußerliche Dinge. Man muß darauf kommen, was ihm eigentlich fehlt. Und so kann es bei manchem Menschen sein, daß er einfach in sich selber nicht genug Ameisenhaufen ist, nicht genug Ameisensäure produziert. Geradeso wie im Ameisenhaufen Ameisensäure produziert wird, so muß einfach im menschlichen Körper, in allen seinen Gliedern, besonders in der Milz, stark Ameisensäure erzeugt werden. Und wenn der Mensch zuwenig Ameisensäure erzeugt, muß man ihm ein Präparat beibringen, ein Heilmittel, wodurch man ihm äußerlich hilft, genug Ameisensäure zu erzeugen.

Nun muß man aber beobachten, was mit einem Menschen geschieht, der gerade zuwenig Ameisensäure hat. Diese Beobachtungen, die können eben nur dann eintreten, wenn die Leute, die das beobachten wollen, wirklich gute Menschenkenner sind. Man muß sich dann eine Vorstellung darüber bilden, was in der Seele eines Menschen vorgeht, der zuerst genügend Ameisensäure in sich gehabt hat und der nachher zuwenig Ameisensäure in sich hat. Das ist sehr merkwürdig. Solch ein Mensch, der wird Ihnen, wenn Sie ihn in der richtigen Weise fragen, über seine Krankheit das Richtige aussagen. Nehmen Sie an, Sie haben zum Beispiel einen Menschen, der sagt Ihnen, indem Sie ihn auf die Spur bringen: Ach, Donnerwetter, vor einigen Monaten, da ist mir alles gut eingefallen, da habe ich alles gut ausspintisieren können. Jetzt bleibt es aus. Es geht nicht mehr. Wenn ich mich auf etwas besinnen will, da geht es nicht mehr. — Meine Herren, das ist oftmals ein viel wichtigeres Zeichen, als alle äußeren Untersuchungen Ihnen geben können, was man ja heute, mit Recht selbstverständlich, auch tun muß. Aber Sie können heute den Urin untersuchen auf Eiweiß, auf Eiter, auf Zucker und so weiter, Sie kriegen natürlich ganz interessante Resultate heraus; aber unter Umständen kann viel wichtiger sein, daß einem ein Mensch so etwas sagt, was ich Ihnen erzählt habe. Denn dann, wenn er Ihnen so etwas erzählt, müssen Sie natürlich noch einiges andere kennenlernen; aber da können Sie herauskriegen: Es ist in der letzten Zeit die Ameisensäure zuwenig geworden in seinem eigenen Körper.

Jetzt kann einer sagen, der noch äußerlich denkt: Der Mensch hat zuwenig Ameisensäure. Ich quetsche Ameisensäure aus oder stelle sie auf andere Weise her und gebe ihm Ameisensäure ein in entsprechender Dosierung. - Sie können das dann eine Zeitlang machen, und der Patient kommt zu Ihnen und sagt: Aber das hat mir gar nichts geholfen. - Was liegt da wiederum vor? Es hat ihm wirklich nichts geholfen. Es war ganz richtig, er hatte zu wenig Ameisensäure; Sie haben ihm Ameisensäure gegeben und es nützte nichts, hat gar nichts genützt. Was liegt da vor?

Ja, sehen Sie, wenn Sie weiterforschen, so kommen Sie darauf: Bei dem einen Menschen hat die Ameisensäure nicht geholfen, bei anderen Menschen hat sie aber fortwährend geholfen. - Nun, Sie merken nach und nach den Unterschied. Diejenigen Menschen, bei denen die Ameisensäure hilft, die werden namentlich Verschleimungen in der Lunge zeigen. Diejenigen Menschen, bei denen die Ameisensäure nichts hilft, die zeigen die Verschleimungen in der Leber oder in den Nieren oder in der Milz. Es ist das eine sehr eigentümliche Geschichte. Es ist also ein großer Unterschied, ob der Lunge zum Beispiel die Ameisensäure fehlt, oder ob der Leber die Ameisensäure fehlt. Der Unterschied ist der, daß mit dieser Ameisensäure, die im Ameisenhaufen drinnen ist, die Lunge sogleich etwas anfangen kann. Die Leber kann mit der Ameisensäure gar nichts anfangen.

Und jetzt kommt etwas anderes, meine Herren! Jetzt müssen Sie, wenn Sie bemerken, daß der Mensch an der Leber oder namentlich in den Gedärmen nicht ganz in Ordnung ist und ihm die Ameisensäure nichts hilft, trotzdem er zu wenig Ameisensäure in sich hat, ihm Kleesäure geben. Das heißt, Sie müssen den gewöhnlichen Sauerklee oder den Klee überhaupt, der auf den Äckern ist, zerpressen, diese Säure herausnehmen und ihm eingeben. Also Sie sehen: Bei einem, der in der Lunge etwas hat, müssen Sie Ameisensäure eingeben; bei einem, der in der Leber oder in den Gedärmen etwas hat, müssen Sie Kleesäure eingeben. Das Eigentümliche ist aber das, daß nun der Mensch, dem Sie die Kleesäure eingeben, aus der Kleesäure in sich selber nach einiger Zeit, nachdem Sie ihm die Kleesäure eingegeben haben, Ameisensäure macht! Also es kommt darauf an, daß man nicht bloß von außen her die Dinge in den Menschen hineinbringt, sondern man muß wissen, was der Organismus selber aus sich macht. Wenn Sie ihm die Ameisensäure eingeben, sagt der Organismus: Das ist doch nicht für mich, ich will arbeiten - man gab ihm die fertige Ameisensäure -, an der habe ich nicht zu arbeiten, die schaffe ich nicht in die Lunge herauf. - Natürlich müssen Sie das in den Magen geben. Da kommt es in die Därme zuletzt. Da sagt der seinerseits dem menschlichen Körper, der nun arbeiten will: Was setzt man mir vor? Ich soll nicht erst selber Ameisensäure schaffen, sondern die Ameisensäure, die man mir vorsetzt, soll ich aus dem Magen in die Lunge schaffen? Das tue ich nicht. - Er will Kleesäure haben, und aus dieser macht er die Ameisensäure.

Ja, meine Herren, das Leben besteht aus der Arbeit, nicht in Stoffen, und das ist das Allerwichtigste, daß man weiß, daß das Leben gar nicht im Verzehren von Kohl und Rüben besteht, sondern darin, was der Körper tun muß, wenn in ihn der Kohl und der Rübenstoff hineinkommt. Jedenfalls darf er aber nicht wieder Kohl fabrizieren aus seinem Kohl heraus. Das ist aber dasjenige, was unserer heutigen Zivilisation ganz besonders merkwürdig zugrunde liegt.

Sie sehen aber daraus, was für eine merkwürdige Beziehung in der Natur besteht. Da sind draußen die Pflanzen. Der Klee ist ja nur besonders charakterisiert. Kleesäure findet sich aber in allen Pflanzen, ist beim Klee nur am meisten vorhanden; deshalb reden wir von «Kleesäure». Aber geradeso wie Ameisensäure überall in der Natur und überall im menschlichen Körper sich findet, so findet sich überall in der Natur und im menschlichen Körper die Kleesäure.

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Nun gibt es etwas anderes Interessantes. Nehmen Sie an, Sie nehmen eine Retorte, wie man sie im chemischen Laboratorium hat; Sie machen darunter eine Flamme und geben nun in diese Retorte Kleesäure hinein — das ist so salzige, bröselige Asche -, dann geradesoviel Glyzerin. Das mischt man durcheinander und erhitzt es. Dann dampft mir die Geschichte da herüber (siehe Zeichnung). Ich kann das, was ich da bekomme, auffangen. Aber zu gleicher Zeit merke ich: Da geht Luft weg. Die geht da überall weg. - Wenn ich diese Luft, die da weggeht, untersuche, so finde ich: Diese Luft ist Kohlensäure. Also da geht überall Kohlensäure heraus. Und hier, wo ich auffange, bekomme ich dann Ameisensäure. Da ist jetzt Ameisensäure drinnen. Da, in der Retorte, habe ich Kleesäure und Glyzerin drinnen gehabt. Das Glyzerin bleibt liegen; das andere geht da herüber, die flüssige Ameisensäure tropft da herunter und die Kohlensäure geht hier fort.

Nun, schauen Sie sich die Geschichte da nur einmal ordentlich an, dann werden Sie sagen können: Nehmen wir einmal an, statt dieser Retorte wäre hier die menschliche Leber oder, sagen wir, irgend etwas, ein menschliches oder tierisches Gewebe (es wird gezeichnet), irgendein Organ des tierischen Unterleibes, Leber, Milz oder so etwas. Ich bringe durch den Magen Kleesäure herein. Die Glyzerinkraft hat der Körper selber. Da habe ich ja in meinen Gedärmen drinnen zusammen Kleesäure und Glyzerin. Und was geschieht? Nun, schauen Sie sich jetzt den menschlichen Mund an, dann kommt da Kohlensäure heraus und von der Lunge herunter tropft überall in den menschlichen Körper die Ameisensäure gegen die Organe herein. Also das Ganze, was ich Ihnen hier aufgezeichnet habe, haben wir in unserem eigenen Körper. Wir erzeugen immerfort in unserem Körper aus Kleesäure Ameisensäure.

Jetzt denken Sie sich die über die Erde ausgebreiteten Pflanzen. Da ist überall Kleesäure drinnen. Und jetzt denken Sie sich die Insekten. Bei denen kommt das nur in der merkwürdigsten Weise heraus. Denken Sie sich zunächst die Ameisen. Die gehen an diese Pflanzen und so weiter heran, oder sie gehen auch an das heran, was aus den Pflanzen vermodert. Da ist also überall diese Kleesäure drinnen, und diese Tiere machen sich gerade so, wie sie sich der Mensch selber macht, daraus Ameisensäure. Und die Ameisensäure ist überall vorhanden. Durch die Insekten ist überall Ameisensäure vorhanden.

Ja, da schaut der Philister so in die Luft hinein und sagt dann: In der Luft, da ist Stickstoff, Sauerstoff. - Aber, meine Herren, in ganz geringer Menge ist dadurch, daß die Insekten die Luft durchschwirren, immer Ameisensäure vorhanden. Das heißt, wir haben auf der einen Seite den Menschen. Der ist eine kleine Welt. Der macht in sich Ameisensäure und durchdringt namentlich seinen Atem fortwährend mit Ameisensäure. Und in der großen Welt draußen, da ist statt dessen, was im Menschen vor sich geht, das Heer der Insekten. Es wird der große Atem der Luft, der um die Erde herum ist, fortwährend mit Ameisensäure durchdrungen, die aus der Kleesäure der Pflanzen gemacht wird. Es ist schon so.

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Wenn man richtig beobachtet und sich den Unterkörper des Menschen anschaut mit den darinnenliegenden Gedärmen, dem Magen, der Leber, den Nieren, der Milz, dann weiter drinnen liegen die Gedärme, so ist es schon so, daß da fortwährend die Kleesäure in die Ameisensäure verwandelt wird, und diese Ameisensäure geht mit der Luft, die der Mensch einatmet, in alle Teile des Körpers über. So ist es im Menschen.

Draußen auf der Erde haben Sie überall die Pflanzen. Dann haben Sie die Insekten in der verschiedensten Weise, die darüber flattern. Da drunten haben Sie die Kleesäure. Die Insekten flattern heran, und durch ihre Begegnung entsteht die Ameisensäure und die füllt die Luft aus. So daß wir immer auch aus der Luft Ameisensäure einatmen. Dasjenige, was nun die Wespen haben, das ist ein der Ameisensäure ähnliches Gift, nur etwas umgewandelt. Und was die Bienen als Bienengift in ihrem Stachel haben - aber eigentlich hat es ihr ganzer Körper -, ist wieder umgewandelte Ameisensäure, höher verwandelte Ameisensäure. Wenn man dies anschaut, da sagt man sich: Wir schauen uns diese Insekten an, Ameisen, Wespen, Bienen; die führen äußerlich etwas ungemein Gescheites aus. Warum führen sie etwas ungemein Gescheites aus? Wenn die Ameise keine Ameisensäure hätte, würde sie all das, was ich Ihnen als etwas so Schönes geschildert habe, ganz dumm schaffen. Nur dadurch, daß die Ameisen so beschaffen sind, daß sie die Ameisensäure erzeugen können, erscheint alles so vernünftig und verständig, was sie bauen. Ebenso bei den Wespen und bei den Bienen.

Haben wir jetzt nicht alle Veranlassung, wenn wir selber in uns diese Ameisensäure erzeugen, uns zu sagen: Draußen in der Natur ist überall Verstand; der kommt durch die Ameisensäure. In uns ist auch überall Verstand, weil wir die Ameisensäure haben. - Und die Ameisensäure wäre nicht da, wenn nicht zuerst die Kleesäure da wäre. Nun ja, da flattern die Tierlein über den Pflanzen herum und sind die Veranlassung, daß die in den Pflanzen befindliche Kleesäure sich in Ameisensäure verwandelt, eine Metamorphose eingeht.

Diese Dinge, die begreift man erst, wenn man sich jetzt frägt: Ja, wie ist es mit der Kleesäure? Sehen Sie, die Kleesäure ist überall da, wo Leben sein soll. Wo etwas lebt, ist die Kleesäure da. Da ist aber auch ein Ätherleib. Der Ätherleib macht, daß die Kleesäure eben gleich erneuert wird. Aber die Kleesäure wird niemals für den menschlichen oder tierischen Organismus brauchbare Ameisensäure, wenn sie nicht durch einen Astralleib aus der Kleesäure in die Ameisensäure umgewandelt wird. Denn die Ameisensäure, die ich hier aus der Retorte genommen habe, die hilft dem menschlichen und tierischen Leib nichts. Da täuscht man sich, wenn man glaubt, daß die etwas Wirkliches hilft, die ist tot. Die Ameisensäure, die hier und hier - im Menschen und durch die Insekten — erzeugt wird, die ist lebendig, und die tritt überall auf, wo Empfindung, wo Seelisches auftritt. Der Mensch muß Ameisensäure in sich entwikkeln, wenn er aus dem bloßen Leben, das in seinem Unterleibe ist, wo die Kleesäure eine große Rolle spielt, das Seelische hervorbringen will. Dann lebt in der Ameisensäure im Atem das Seelische und geht hinauf nach dem Kopfe und kann im Kopfe weiter wirken. Das Seelische braucht diese Verarbeitung der Kleesäure in die Ameisensäure im Menschen.

Was geschieht denn da eigentlich, wenn die Kleesäure in die Ameisensäure umgewandelt wird? Sehen Sie, das kann das erste, was ich Ihnen gesagt habe, lehren. Diese Holzbiene, von der ich sprach, ist ganz besonders interessant, denn sie arbeitet ja in das Holz hinein, das nicht mehr ein lebendiges ist. Und wenn diese Holzbiene nicht dieses Holz ordentlich brauchen könnte, dann würde sie eben woanders ihren Aufenthalt suchen. In die Bäume hinein macht gerade diese Biene ihr Nest nicht, sondern in vermoderndes Holz, wo schon die Pfosten und Pfeiler anfangen zu vermodern, da legt sie die Eier hinein, nachdem sie sich ihr Nest gebaut hat.

Wenn man nun den Zusammenhang des Vermodernden mit den Holzbienen studiert, dann kriegt man heraus, daß das, was da vor sich geht im vermodernden Holz, im menschlichen Körper fortwährend vor sich geht. Er fängt an zu modern, und wenn er zu stark modert, dann stirbt er. Und was da draußen vor sich geht, das muß der Mensch fortwährend tun: er muß die Zellen aufbauen. Und das kann er nur dadurch, daß er das Pflanzliche, das von der Kleesäure durchdrungen ist, in die Ameisensäure umwandelt, in dasjenige umwandelt, was von der Ameisensäure durchdrungen ist.

Jetzt können Sie sagen: Was hat denn das ganze für eine Bedeutung für die Natur? - Nun, meine Herren, denken wir einmal an einen solchen Pfeiler oder Pfosten, der aus Holz ist und der vermodert. Wenn da niemals eine solche Holzbiene an einen Pfosten herankommt, so ist das dem Menschen sehr angenehm, denn sie breiten sich ziemlich aus, und der Pfosten fällt das nächste Jahr um, weil sie ihn hohl machen. Den Menschen ist das nicht sehr angenehm, aber der Natur ist es um so angenehmer. Denn wenn alles Holz, das aus den Pflanzen kommt, ohne diese Bienennester weiterexistieren würde, wo würde dieses Holz nach und nach - Sie sehen ja das dem Moder an - zerbröckeln, verstauben und würde ganz unbrauchbar werden. Das Holz aber, worinnen eine Holzbiene gearbeitet hat, das zerstiebt nicht, sondern das belebt sich wiederum. Und aus all dem Holz, das durch diese Holzbienen ein bißchen wiederum belebt wird, entsteht vieles von dem - ebenso aber durch die anderen Insekten -, was macht, daß unsere Erde einmal nicht ganz vermodert, im Weltenraum zerstäuben wird, sondern weiterleben kann, weil sie von diesen Insekten belebt wird. Wir Menschen atmen die Ameisensäure ein. In der Natur wirkt die Ameisensäure, die von diesen Insekten aus der Kleesäure der Pflanzen bereitet wird, so, daß die Erde überhaupt weiterleben kann.

Betrachten Sie jetzt den Zusammenhang. Hier haben wir den Menschen, hier die Erde (es wird gezeichnet). Betrachten wir zuerst den Menschen. Nehmen wir an, er ist ein junges Kind. Er verwandelt, wenn er ein junges Kind ist, mit Leichtigkeit die im Unterleib befindliche Kleesäure in Ameisensäure. Die Organe kriegen genug an Ameisensäure. Die menschliche Seele entwickelt sich im Kinde. Wir haben also die Ameisensäure als die Grundlage für Seele und Geist. Und wenn der Mensch alt wird und nicht mehr genügend Ameisensäure entwickeln kann, gehen die Seele und der Geist fort. Die Ameisensäure also, die zieht Seele und Geist heran; sonst geht der Geist fort. Es ist sehr interessant.

Wenn Sie zum Beispiel einen Menschen, der sehr viel innere Eiterprozesse hat, richtig beobachten, so können Sie finden, daß ihm die Ameisensäure hilft, diese Eiterprozesse zu überwinden. Dann tritt das rechte Verhältnis ein zwischen dem Astralleib und seinem Körper, was durch die Eiterprozesse verhindert war. So daß immer die Ameisensäure gebraucht wird gerade in der richtigen Weise als die Grundlage für Seele und Geist. Wenn der Körper eben zuwenig Ameisensäure hat, vermodert er und kann die Seele nicht mehr haben; der Körper wird alt, die Seele muß fort.

Nun haben wir auf der einen Seite hier den Menschen, auf der anderen Seite die Natur. In der Natur wird auch fortwährend aus Kleesäure Ameisensäure gebildet, so daß die Erde immerfort die Möglichkeit hat, umgeben zu sein nicht nur von Sauerstoff und Stickstoff, sondern auch von Ameisensäure (es wird gezeichnet).

Diese Ameisensäure, die macht nun, daß die Erde überhaupt nicht, ich möchte sagen, jedes Jahr abstirbt, sondern weiter jedes Jahr sich beleben kann da oben. Dasjenige, was unter der Erde ist, das sehnt sich als Same nach der Ameisensäure, die da oben ist. Und in dem besteht das Wiederaufleben. Jedesmal im Winter ist es so, daß der Geist der Erde selber eigentlich bestrebt ist, wegzugehen. Und im Frühling ist es so, daß der Geist der Erde sich wiederum belebt. Der Geist der Erde macht die Erde erstarren im Winter; im Frühling belebt er sie wieder. Das macht [er], weil dasjenige, was als Same unter der Erde wartet, an die Ameisensäure herankommt, die erzeugt worden ist im letzten Jahr durch den Verkehr der Insektenwelt mit der Pflanzenwelt. Und jetzt kommen die Samen nicht nur herauf in Sauerstoff, in Stickstoff und in Kohlenstoff, sondern jetzt kommen die Pflanzen herauf in Ameisensäure. Und diese Ameisensäure, die regt sie an, selber wiederum Kleesäure zu entwickeln, wodurch die Ameisensäure im nächsten Jahr da sein kann. Geradeso aber wie die Ameisensäure im Menschen die Grundlage sein kann für Seele und Geist, so ist die Ameisensäure, die im Weltenall ausgebreitet ist, die Grundlage für das Geistige und Seelische der Erde. So daß wir also sagen können: Auch bei der Erde ist die Ameisensäure die Grundlage für Erdseele und Erdgeist.

Es ist tatsächlich viel schwerer zu telegraphieren in einer Gegend, wo gar keine Ameisenhaufen sind, als in einer Gegend, wo Ameisenhaufen sind, weil die Elektrizität und der Magnetismus, die zum Telegraphieren-Können gehören, von der Ameisensäure abhängen. Wenn die Telegraphendrähte durch Städte gehen, wo keine Ameisen sind, dann muß schon von außen, wo sie durch die Felder gehen, die Kraft darinnenliegen, daß sie überhaupt durch die Städte durchgehen, die magnetischen und die elektrischen Strömungen. Aber natürlich breitet sich ja die ‚Ameisensäure aus und erfüllt auch die Luft der Städte.

Nun, sehen Sie, meine Herren, so können wir sagen: Was im Menschen drinnen ist - auch in bezug auf die Erzeugung der Ameisensäure -, das ist auch draußen in der Natur. - Der Mensch ist eine kleine Welt. Nur ist es beim Menschen so, daß er während seines Lebens bis zum Tode hin geeignet ist, aus Kleesäure Ameisensäure zu machen. Dann wird er ungeeignet, dann stirbt sein Körper ab. Er muß erst wieder einen Körper bekommen, der im Kinde in der richtigen Weise aus der Kleesäure Ameisensäure macht. Bei der Natur geht es immer weiter: Winter, Sommer; Winter, Sommer. Es wird immer Kleesäure in Ameisensäure umgewandelt.

Wenn man so einen sterbenden Menschen betrachtet, so hat man eigentlich das Gefühl: er probiert zunächst, indem er stirbt, ob sein Körper noch genügend geeignet ist, Ameisensäure zu entwickeln. Dann, wenn er nicht geeignet ist, tritt eben der Tod ein. Dann geht der Mensch in die geistige Welt über und er hält es eben in seinem Körper nicht mehr aus. So daß wir sagen können: Ein Mensch stirbt in einem gewissen Zeitpunkt. Dann vergeht eine lange Zeit und er kommt wiederum in einen anderen Körper. Dazwischen ist er in der geistigen Welt.

Wenn nun im Bienenstock eine junge Königin ausschlüpft, dann ist, wie ich Ihnen gesagt habe, etwas in den Bienen, was diese Bienen stört. Vorher leben die Bienen in einer Art Dämmerung. Dann sehen sie diese junge Königin aufleuchten. Was ist denn verknüpft mit diesem Aufleuchten dieser jungen Königin? Mit diesem Aufleuchten der jungen Königin ist das verknüpft, daß die junge Königin der alten Königin die Kraft des Bienengiftes wegnimmt. Und das, meine Herren, ist die Furcht des ausziehenden Schwarmes, daß er das Bienengift nicht mehr hat, sich nicht mehr wehren, retten kann; er zieht weg. Geradeso wie die menschliche Seele wegzieht im Tode, wenn sie nicht mehr die Ameisensäure haben kann, so zieht die alte Bienenbrut weg, wenn nicht genug verwandelte Ameisensäure — Bienengift — da ist. Und wenn man jetzt den Bienenschwarm anschaut, so ist der zwar sichtbar, aber er schaut just so aus wie die Menschenseele, die den Körper verlassen muß. Es ist ein großartiges Bild, so ein fortschwärmender Bienenschwarm. Wie die Menschenseele den Körper verläßt, so verläßt, wenn die junge Königin herangewachsen ist, die alte Königin mit ihrem Anhang den Bienenstock, und man kann richtig am ausziehenden Schwarm ein Bild von der ausfliegenden Seele des Menschen sehen.

Ach, meine Herren, das ist furchtbar großartig! Nur, die Menschenseele, die hat es nie dazu gebracht, ihre Kräfte bis zu kleinen «ViecherIn» auszubilden. In uns ist fortwährend auch die Tendenz dazu; wir wollen lauter kleine «Viecherl» werden. Wir haben eigentlich das in uns, daß wir uns innerlich immer in krabbelnde Bazillen und Bakterien umbilden wollen, in solche kleinen Bienen, aber wir unterdrücken das wieder. Dadurch sind wir ein ganzer Mensch. Aber der Bienenstock ist kein ganzer Mensch. Die Bienen können nicht den Weg in die geistige Welt hinein finden. Wir müssen sie in einem anderen Bienenstock zur Wiederverkörperung bringen. Das ist direkt ein Bild von dem sich wiederverkörpernden Menschen. Und der, der so etwas beobachten kann, der hat einen ungeheuren Respekt vor diesen schwärmenden alten Bienen mit ihrer Königin, die eigentlich sich so benimmt, wie sie sich benimmt, weil sie in die geistige Welt hinein will. Aber sie ist so materiell physisch geworden, daß sie das nicht kann. Und da schmusen sich die Bienen zusammen, werden ein einziger Körper. Sie wollen zusammen. Sie wollen aus der Welt heraus. Sie wissen ja: Während sie sonst fliegen, setzen sie sich nun an einen Baumstamm oder so etwas an, kuscheln sich zusammen, um zu verschwinden, weil sie in die geistige Welt hinein wollen. Und dann werden sie wieder der richtige Bienenstock, wenn wir ihnen helfen, wenn wir sie wieder zurückbringen in den neuen Bienenstock.

Also man kann schon sagen: Die Insekten lehren uns geradezu das Allerhöchste in der Natur. Daher hat immer der Anblick von den Pflanzen die Menschen, die in alten Zeiten noch Instinkte gehabt haben über das, was ich Ihnen da auseinandergesetzt habe, was der heutigen Wissenschaft ganz verlorengegangen ist, in der richtigen Weise aufgeklärt. Diese Menschen haben in besonderer Art hingeschaut auf die Pflanzen. Jetzt, in dieser Zeit, werden ja die Menschen an manches erinnert in der neueren Zeit, wenn sie einen Tannenbaum hereintragen und sich einen Christbaum daraus machen. Dann werden die Menschen daran erinnert, wie dasjenige, was in der Natur draußen ist, im Menschenleben herinnen etwas werden kann, was im sozialen Leben wirkt. Es soll ja ein Sinnbild für die Liebe sein, dieser zum Christbaum umgewandelte Tannenbaum.

Man glaubt gewöhnlich, der Christbaum sei sehr alt. Aber der Tannenbaum wird erst vielleicht seit hundertfünfzig oder zweihundert Jahren als Christbaum verwendet. Früher gab es diese Sitte nicht. Aber dennoch, zu Weihnachten wurde schon eine Art Gesträuch verwendet. Zuın Beispiel bei diesen Weihnachtspielen, die in den Dörfern auch schon im 15., 16. Jahrhundert gemacht wurden, da lief einer, um sie anzukündigen, immer herum und hatte auch eine Art Christbaum in der Hand. Aber das war der sogenannte - in Mitteldeutschland so genannte — Kranewittbaum; das war der Wacholderbaum, der diese wunderbaren Beeren hat. Und in diesem Wacholderbaum sahen die Leute damals ihren Christbaum. Warum? Weil diese Wacholderbeeren, auf die die Vögel so gerne gehen, ihnen zeigten diese geringe Giftwirkung, die da kommt und die durchdringen muß das Irdische, damit das Geistige im Irdischen erstehen kann. Geradeso wie wenn die Ameise an das Holz oder die Holzbiene an die Pfähle geht, so wird jeden Morgen, wenn der Baum da draußen steht und der Vogel heranpickt, überall auch eine, aber eine viel schwächere Säure erzeugt. Das wußten instinktiv die alten Völker und sagten sich: Im Winter, wenn der Wacholderbaum dasteht und die Vögel an seine Beeren herankommen, da wird durch den Wacholderbaum die Erde wieder belebt. - Und das war ihnen ein Bild der Belebung der Erde durch den Christus im moralischen Sinne.

So daß wir schon sagen können: Richtig natürlich betrachtet ist das so, daß man in dem, was in der Natur draußen vorgeht, wirklich Sinnbilder, Bilder von dem sehen kann, was im Menschenleben vorgeht. Die alten Leute sahen, wenn in einem Wacholderbaum die Vögel saßen, diese Vögel mit derselben Liebe, wie man heute die kleinen Gebäckstücke oder die Geschenke am Weihnachtsbaum sieht. So daß der Wacholderbaum für die Leute draußen eine Art Christbaum war, den sie hereintrugen in ihre Stuben. So ist aus dem Wacholderbaum eine Art Christbaum gemacht worden.

Wir müssen nun aber abschließen. Ich wollte aber die heutige Stunde nicht vorübergehen lassen — da Sie ja in dieser Zeit jetzt besonders angestrengt sind -, ohne daß wir über ein ganz wichtiges Thema gesprochen haben und wir es bis zur Betrachtung eines solchen Strauches gebracht haben, der wirklich wie ein Christstrauch angesehen werden kann, der Wacholderstrauch, der dasselbe für die Vögel gibt, was für die Bienen die Pflanzen, für die Ameisen und die Holzbienen das Holz, überhaupt die Insekten das Holz ist. Und am Schlusse möchte ich dies noch dazu benutzen, um Ihnen ein recht frohes, freudiges, innerlich seelenerhebendes Weihnachtsfest zu wünschen.

Den nächsten Vortrag werden wir Ihnen dann ansagen lassen; es wird nicht in allzuferner Zeit sein.

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