A Spiritual Scientific View of Nature and Man
GA 352 — 7 January 1924, Dornach
Über die Dickhäuter — Das Wesen der Schalen- und Skelettbildung
Guten Morgen, meine Herren! Wir waren ja jetzt längere Zeit nicht beieinander; vielleicht ist inzwischen jemandem etwas Besonderes eingefallen, das wir heute besprechen sollen?
Fragesteller: Bei den großen Ameisen, die in den Wäldern umher sind, hat es zuunterst in dem Stock eine Art Honig oder Harz; das nimmt man zu kultischen Zwecken, die katholischen Pfarrer haben es gern zu Weihrauch. Ich möchte fragen, aus was das stammt und aus was das zusammengesetzt ist.
Dr. Steiner: In den Harzen, die sich da bilden, ist ja derselbe Stoff drinnen, der im Weihrauch enthalten ist, und es hat also eigentlich keinen anderen Wert, als daß man auf diese Weise billig das Räucherwerk bekommt. Der Ameisenhaufen entsteht ja dadurch, daß die Ameisen mit der Ameisensäure eben auch allerlei, was sie mitbringen aus den harzigen Bestandteilen der Bäume, an denen sie ihre Säfte sammeln, mit absondern. Es ist also nicht eine Art Honig, sondern es ist ein mit Ameisensäure durchmischtes Harz.
Herr Müller: Ich möchte noch einmal auf die Bienen zurückkommen, auf die Holzbienen, die sich in die Bäume einnisten. Ich habe in jungen Jahren einen Fall erlebt in einer Waldung, einem Distrikt, wo das ganze Holz verfault ist, nicht verwertet wurde. Dann ist ein Zimmermeister hergekommen und hat dieses Holz, welches man früher immer nur als Kistenholz verwendet hat, in großen Massen aufgekauft. Er hat dieses Holz für Zimmerarbeiten für Neubauten verwendet, verbaut. Nach einem Jahr hat man innerhalb der Wohnungen eben überall Bienen gefunden. Diese Bienen waren so gefährlich für den Bau, daß nach zwei Jahren der Zimmermeister ihn wieder an sich nehmen mußte, Sämtliches Gebälk bis auf das Dach mußte herunter. Er mußte es vollständig wieder übernehmen, mußte es kaufen.
Dr. Steiner: Das kann ja natürlich einmal passieren, selbstverständlich. Ist das Holz erst auf dem Lagerplatz von den Holzbienen durchsetzt worden oder noch im Wald?
Herr Müller: Es wurde im Herbst versteigert, dann im Frühjahr verbraucht, und im Sommer kamen die Bienen heraus.
Dr. Steiner: Alles das, was auf der einen Seite sehr nützlich werden kann, kann auf der andern Seite auch wieder furchtbar schädlich werden. Das widerspricht aber nicht dem, was ich gesagt habe, daß diese Bienen am Holz durchaus notwendig sind. Wie gesagt, alles, was auf der einen Seite außerordentlich nützlich werden kann, kann auf der andern Seite außerordentlich schädlich werden. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen: Denken Sie, wenn ein kleiner Junge kurzsichtig ist und man gibt ihm eine Brille, so ist das notwendig und unter Umständen sehr nützlich. Wenn nun aber die anderen Jungen das als etwas besonders Vornehmes ansehen und sich auch Brillen aufsetzen wollten, so wäre das nicht nützlich, sondern schädlich. Und so ist es auch: das, was in einem Falle außerordentlich nützlich ist, kann auf der andern Seite außerordentlich schädlich werden. Das ist schon so.
Herr Müllers Möchte noch einmal zurückkommen auf die Bienen und was mit unserem Leben und Treiben zusammenhängt als Bienenzüchter: Es ist mir in letzter Zeit verschiedene Male von meinen Kollegen vorgehalten worden, es wäre schöner gewesen, wenn ich nicht ablesen würde, sondern aus dem Stegreif sprechen würde, Ich muß aber da meinen Kollegen erwidern:; Ich habe auch nur die Volksschule besucht und habe nicht ein besonderes Rednertalent. Ich bin also nicht in der Lage, aus dem Stegreif zu reden. So will ich auch heute ablesen und nicht aus dem Stegreif reden: Über die Bienen, die Königin. (Er kommt vom Bienenstock zu Reklamationen über die Arbeiter und Arbeitgeber; greift zurück bis 1914, äußert sich etwas unzufrieden. Vergleicht: da sind wir auch ein Bienenstock, und so weiter.)
Dr. Steiner: Nun, meine Herren, über solche Sachen ist es schwer, aus dem Stegreif gleich zu verhandeln, und da haben wir ja wahrscheinlich alle die Erfahrung: wenn dergleichen Dinge auf die Tagesordnung gebracht werden und man unmittelbar darnach verhandelt, dann geht die Verhandlung in einem anderen Ton, als wenn die Sache gründlich überlegt ist. Daher wollen wir, wenn überhaupt über die Sache weiter verhandelt werden soll, uns die Sache gründlich überlegen. Wir haben ja am Mittwoch wieder eine Stunde zur Verfügung, und ich werde die Herren, die etwas zu sagen haben über diese Sache, dann bitten, daß wir dazu die Mittwochstunde ausersehen.
Es ist ja mit Recht von den Temperamenten geredet worden. Die Temperamente wirken anders, wenn man zwischenhinein einmal geschlafen hat! Ich möchte natürlich die Sache damit durchaus nicht von der Tagesordnung absetzen, denn damit will ich nicht sagen, daß ich nicht selber auch schon etwas zu der Sache am Mittwoch sagen werde. Aber ich denke, wir werden es so machen, daß wir die Sache nicht jetzt gleich, wo sie brühwarm bei manchem aufkochen könnte, verhandeln, sondern daß wir uns bis Mittwoch dazu Zeit lassen. Da werde ich dann bitten, daß die Herren, wenn sie wollen, am Mittwoch dazu das Wort ergreifen.
Wollen wir also heute einmal mehr bei dem bleiben, was uns sonst beschäftigte, bei den Erkenntnisfragen. Und wie gesagt, es soll durchaus die Anregung des Herrn Müller berücksichtigt werden, daß wir am Mittwoch dann uns über die Sache äußern. Und was ich selber zu sagen habe, werde ich dann auch sagen.
Sehen Sie, über Wissenschaftliches ist es für jemanden, der ganz drinnensteht, verhältnismäßig gut, ganz gut möglich, auch ohne Vorbereitung manches zu sagen; aber die ganze Sache, die hier vorgebracht worden ist, möchte ich auch noch einmal durchdenken. Es ist Ihnen doch so recht? (Zustimmung.) Hat jemand noch eine Frage?
Herr Dollinger: Es ist in letzter Zeit viel die Frage aufgeworfen worden, in sämtlichen Zeitungen hat man davon geredet, daß man nie weiß, wo die toten Elefanten bleiben, weil man nie die Überreste von ihnen findet. Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob es vielleicht interessant wäre, darüber zu reden?
Dr. Steiner: Beim Elefanten ist das eine interessante Sache! Es ist ja so, daß man Überreste von Elefanten der Vorwelt, der alten Zeiten, in manchmal ganz ausgezeichnetem Zustande findet. Und die Art und Weise, wie man diese Elefanten der Vorzeit findet, bezeugt, daß gerade diese Tiere, die man ja in der Naturgeschichte Dickhäuter nennt, immer da, wo man sie als vorweltliche Tiere findet, so umgekommen sein müssen — das heißt, sie müssen so erhalten geblieben sein -, daß sie auf einmal eingehüllt worden sind von dem umliegenden Erdreich. Also ich meine damit: so gut erhalten konnten diese Dickhäuter nur dadurch bleiben, daß sie nicht etwa nach und nach, sagen wir von Wasser und Erdreich und Schlamm durchsickert worden sind, sondern es mußte so sein, daß sie in einer Höhle gelegen haben und durch einen Erdrutsch ganz plötzlich vom Erdreich eingehüllt worden sind. Dadurch ist es gekommen, daß, wenn das fremde Erdreich um das Knochengerüste herum das Fleisch aufgelöst hat, die an sich feste Hülle das Knochengerüste außerordentlich gut erhalten hat. Überall in den Museen finden Sie gerade von diesen mächtigen Tieren der Vorwelt die schönsterhaltenen Exemplare.
Das aber beweist Ihnen, daß diese Tiere die Eigentümlichkeit haben, wenn es ans Sterben geht, sich in Höhlen zurückzuziehen. Nicht wahr, so ganz strikte, wie Sie es vorhin gesagt haben, ist ja die Sache nicht zu nehmen, sondern man kann nur sagen: in sehr häufigen Fällen - man finder natürlich schon auch tote Elefanten - fehlt vom Elefanten, der vorher noch ganz gut gesehen werden konnte, jede Spur. Diese Tiere haben nämlich die Eigentümlichkeit, wenn sie den Tod heranrücken sehen, sich in Höhlen zurückzuziehen und in Höhlen zu enden. Sehen Sie, meine Herren, das hängt aber damit zusammen, daß diese Tiere — und das, was Sie gesagt haben, bezieht sich im wesentlichen nur gerade auf Dickhäuter — eben diese außerordentlich dicke Haut haben. Und was bedeutet denn diese dicke Haut? Sehen Sie, die harten Teile eines Tieres sind ja dasjenige, was am meisten mit der Erde verwandt ist. Auch Ihre Nägel an Ihnen selber sind am meisten mit der Erde verwandt. Und die Elefantenhaut, die ist so, daß sie tatsächlich außerordentlich erdverwandt ist. Dadurch fühlt sich der Elefant sein ganzes Leben eigentlich von der Erde umgeben, nämlich von der Erde in seiner Haut, fühlt sich nur wohl, wenn er umgeben ist von seiner Haut. Nun, in der Haut stirbt der Elefant eigentlich fortwährend. Wenn nun der Tod heranrückt — das ist das Eigentümliche bei diesen Dickhäutern -, so fühlen das diese Tiere gerade bei ihrer dicken Haut ganz außerordentlich stark. Dann wollen sie mehr von der Erde in ihrer Haut drinnen haben; das ist ihr Instinkt, daß sie sich dann in Erdhöhlen aufhalten. In diesen Erdhöhlen sucht man sie eben nicht. Würde man sie in Erdhöhlen suchen, würde man schon mehr dort, wo Elefanten sind, tote Elefanten finden. Man findet sie nicht auf freiem Feld.
Aber diese Tatsache beweist eben, wie die Tiere überhaupt viel mehr als der Mensch eine Ahnung haben von ihrem Tode, und zwar gerade diejenigen Tiere am meisten, welche von dicken Häuten umgeben sind; aber auch wiederum am meisten jene Tiere, welche niedere Tiere sind, klein sind, also zum Beispiel Insekten, die ja auch von hornartigen Häuten umgeben sind. Und sehen Sie, bei diesen kleinen Tieren muß man schon sagen: Es ist so, daß sie nicht nur ihren Tod fühlen, sondern daß sie ja auch, wenn sie an den Tod kommen, alle möglichen Vorkehrungen treffen, daß der Tod da erfolgt, wo er am besten erfolgen kann. Gewisse Insekten ziehen sich zurück in die Erde, um dort ihren Tod zu erleben.
Nicht wahr, beim Menschen ist es eben so, daß er seine Freiheit damit erkauft, daß er eigentlich möglichst wenig Ahnungsvermögen hat. Die Tiere haben keine Freiheit, alles ist bei ihnen unfrei. Aber sie haben dafür ein starkes Ahnungsvermögen, und Sie wissen ja, daß wenn zum Beispiel Gefahren, erdbebenartige Gefahren drohen, die Tiere auswandern, während der Mensch richtig überrascht wird von solchen Dingen.
Wir können sagen: Es ist für den Menschen außerordentlich schwer, sich in die Seele der Tiere hineinzuversetzen. Aber wer wirklich Tiere beobachten kann, wer einen Sinn dafür hat, Tiere zu beobachten, der wird durchaus finden, daß die Tiere für ihr Leben überall außerordentlich prophetisch handeln. Und die besprochene Eigentümlichkeit hängt eben schon mit dem prophetischen Leben in diesen Tieren zusammen. Man muß aber auch nicht wiederum die Tiere, wenn sie so etwas tun, ganz mit dem Menschen vergleichen!
Da wollen wir etwas anderes noch besprechen, was sich auf Elefanten bezieht, und gerade aus dem wird uns das, was Sie gefragt haben, noch weiter verständlich sein. Sehen Sie, es ist wiederholt beobachtet worden, daß, sagen wir irgendeine kleine Elefantenherde zur Schwemme geführt wird, wie wir hier sagen würden: zum Saufen. Nun, da könnte irgendein nichtsnutziger Bube dastehen, wenn die Elefanten hingehen, und er bewirft einen Elefanten. Der Elefant scheint zunächst ein geduldiges Tier zu sein und tut nichts dergleichen, verhält sich ziemlich gleichgültig dagegen. Der nichtsnutzige Junge wartet und will den Elefanten wieder beschmeißen, wenn er zurückkommt. Aber siehe da, wie der Elefant zurückgeht, hat er sich in seinem Rüssel eine richtige Ladung Wasser zurückbehalten. Und wie er zurückkommt und den Buben wieder sieht, spritzt er, bevor der Bube ihn beschmeißen kann, den Buben mit dieser Ladung Wasser ganz von oben bis unten voll. Diese Dinge sind wiederholt beobachtet worden. Da könnte man nun sagen: Donnerwetter, der Elefant ist ja viel gescheiter als ein Mensch, denn der Elefant muß eine ungeheure Weisheit haben, wenn er so etwas wie diese Beleidigung, die ihm der Junge zugefügt hat, im Gedächtnis behält und jetzt diese Ladung Wasser in seinem Rüssel zurückbehält und nachher sich rächt!
Ja, meine Herren, der Gedanke, den man dabei hat für den Elefanten, der ist nicht ganz richtig. Sie müssen das nicht mit der Gescheitheit des Menschen vergleichen, sondern Sie müssen das mit etwas anderem beim Menschen vergleichen. Wenn sich Ihnen eine Fliege hier auf das Auge setzt, so machen Sie so: Sie wischen die Fliege ab, ohne daß Sie viel dabei nachdenken, Man nennt das in der Wissenschaft, wo man viele Ausdrücke für die Dinge hat, die man manchmal viel weniger versteht, Reflexbewegung. Also man wischt einfach aus einer Art Instinkt heraus, aus einer Art Abwehrbewegung heraus dasjenige fort, was einem unter Umständen schädlich werden könnte. Solche Dinge kommen ja am Menschen immer wieder vor. Bei einer solchen Handlung, wo der Mensch einfach eine Fliege wegwischt, da ist es so, daß sein Gehirn gar nicht tätig ist; da sind nur diejenigen Nerven tätig, die zum Rückgrat gehen. Nicht wahr, wenn der Mensch sich etwas überlegt, dann ist das so: Hier oben hat er sein Gehirn, dann geht zum Beispiel, wenn er das oder jenes gesehen hat, sein Augennerv zum Gehirn, vom Gehirn aus geht dann durch den übrigen Organismus der Wille, der irgend etwas tut. Aber wischt der Mensch einfach ab, wenn eine Fliege dasitzt, dann geht der Nerv gar nicht ins Gehirn - selbst wenn es am Kopfe ist -, sondern er geht direkt ins Rückgrat, und ohne daß man mit dem Gehirn sich das überlegt, wird die Fliege weggewischt. Also da ist es das Rückenmark, das eigentlich in uns diese Tatsache bewirkt, daß wir als Menschen instinktiv uns wehren, wenn irgend etwas in dieser Weise an uns herantritt.
Wir Menschen, wir haben ja wenigstens im Physischen keine dicke Haut, sondern eine sehr dünne Haut. Unsere Haut ist ja so dünn, daß sie sogar durchsichtig ist, denn die Haut des Menschen besteht aus drei Lagen: die innere ist die sogenannte Lederhaut, dann kommt eine Schichte, das ist die sogenannte Malpighische Schichte, und dann ist die äußere Haut da, die ist schon ganz durchsichtig. Wir haben auch eine Haut, wie der Elefant, nur ist sie ganz winzig dünn. Die äußere Haut ist ganz durchsichtig. Dadurch, daß wir eine Haut haben, die durchsichtig ist, stehen wir mit unseren ganzen Gefühlssinnen auch mit der Umgebung in einem Kontakt, und dadurch, daß wir mit der Umgebung in Kontakt sind, sind wir innerlich denkende Menschen und überlegen uns die Dinge. Der Elefant ist eben ein Dickhäuter auch im physischen Sinne, Menschen sind es oftmals im moralischen Sinne. Was bewirkt das aber? Sie können sich jetzt leicht vorstellen nach dem, was ich Ihnen gesagt habe, daß der Elefant außerordentlich unempfindlich ist für seine Umgebung. $o ein Elefant, der fühlt eigentlich im Grunde genommen gar nichts, und alles, was er von seiner Umgebung wahrnimmt, das muß er sehen; er ist wie eine in sich abgeschlossene Welt. Das Gemüt eines Elefanten eingehend zu studieren, ist ja für manche Menschen etwas außerordentlich Interessantes. Manchmal müßte sich der Mensch geradezu außerordentlich wünschen, um in der Erkenntnis weiterzukommen, ein Elefant zu sein. Denn sehen Sie, wenn der Mensch seine Überlegung noch dazu hätte — dazu, daß er Elefantengemüt hätte -, dann würde er allerdings so gescheit werden, daß man es gar nicht aussprechen könnte, wie gescheit! Aber der Elefant hat nicht das Gehirn dazu, so gescheit zu werden. Dadurch, daß er in sich ganz abgeschlossen ist, verlängern sich seine Reflexbewegungen, seine Abwehrbewegungen. Das dauert lange. Wenn Sie eine Fliege auf sich sitzen hätten und nicht den Instinkt so schnell hätten, daß Sie sie gleich wegstreichen würden, so würde ja die Fliege von selber zuerst wegfliegen. Beim Elefanten ist es nun so: Eine Fliege würde er sitzen lassen, weil die Geschichte, daß er sie wegstreifen würde, bei ihm vielleicht erst nach einer Stunde kommen würde, so langsam wirkt die Reflexbewegung, die Abwehrbewegung. Und das, was der Elefant tut mit dem Rüssel, das ist nichts anderes als eine solche Reflexbewegung, die nur längere Zeit dauert. Und es ist nicht so, daß er sich überlegt: Der Bube, der hat mich beleidigt, ich muß ihm eine Ladung voll Wasser über den Kopf spritzen —, das überlegt sich der Elefant nicht. Aber er will, indem der Bube dasteht, ihm eigentlich mit seinem Rüssel eine herunterhauen; doch das dauert lange beim Elefanten. Wenn Sie ein Bube mit Dreck beschmeißt, so hauen Sie ihm gleich eine herunter, ohne daß Sie viel nachdenken. Der Elefant aber, der ist ein langsames Tier, gerade weil er ein Dickhäuter ist, und deshalb dauert es lange, das Hingehen und Hergehen, bis er seinen Rüssel ausgestreckt hat und dem Buben eine herunterhauen will. Aber indem er nun in der Zwischenzeit säuft, merkt er: Wenn das Wasser in seinem Rüssel ist, dann ist sein Rüssel stärker, das verstärkt seinen Rüssel; er will seinen Rüssel stärker machen dadurch, daß er Wasser da drinnen zurückbehält. Und er fühlt, der Rüssel wird länger. Es ist einfach der verlängerte Rüssel, mit dem er ihm eine herunterhauen will, wenn er die Wasserladung herausspritzt. Das ist dasjenige, was man sich überlegen muß. Man darf nicht einfach dem Elefanten menschliche Weisheit zuschreiben, sondern man muß auf das ganze Gemüt des Elefanten eingehen, und dann findet man so etwas. Und so ist es ja beim Elefanten, daß er innerlich eine abgeschlossene Wesenheit ist und alles merkt, und gerade das am meisten merkt, was in seinem Innern vorgeht. Dadurch merkt er auch das Herankommen des Todes und kann sich zurückziehen.
Es ist so, daß es ja eine tierische Seelenkunde eigentlich heute überhaupt sehr wenig gibt. Nicht wahr, man beobachtet ja schon die Tiere und findet, wie ich Ihnen ja auch schon erzählt habe, allerlei interessante Tatsachen. Doch das eigentliche Hineinschauen in die tierische Seele, das ist etwas, was heute eben außerordentlich selten ist. Aber man muß, wenn man auf diese Dinge kommen will, seine Sinne stärken, um das Leben überhaupt zu betrachten.
Gehen Sie zu ganz kleinen Tieren, wie es solche auch gibt. Es gibt ganz kleine Tiere, die bestehen überhaupt nur aus einer weichen, schleimigen Masse (siehe Zeichnung). Diese weiche, schleimige Masse, die kann, wenn in der Nähe irgendein Körnchen ist, aus der Masse so etwas wie einen Fühlfaden herausstrecken. Da wird ein Arm erst aus der Masse herausgebildet. Der kann wiederum zurückgenommen werden. Aber sehen Sie, solche Tiere sondern von sich Kalk- oder Kieselschalen ab, so daß sie mit Kalk- oder Kieselschalen umgeben sind. Nun, an so einem kleinen Tiere, das eine Kalk- oder Kieselschale absondert, kann man noch nicht viel bemerken. Aber es gibt dann etwas vollkommenere Tiere, und da kann man schon mehr bemerken. Es gibt Tiere, die bestehen auch aus einer solchen schleimigen Masse, aber da drinnen ist etwas, was, wenn man genau hinschaut, sich wie kleine Strahlen ausnimmt; und dann haben sie ringsherum wiederum eine Schale, und an der Schale sind Stacheln. Alles dasjenige, was sich dann zu den Korallen auswächst, schaut ja so aus.
Nehmen Sie solch ein Tier, das eine Schale hat mit Stacheln und innerlich in seiner weichen Masse solche strahligen Gebilde. Was ist das? Wenn man nun wirklich nachforscht, so findet man, daß diese Strahlen im Innern nicht von der Erde bewirkt sind, sondern von der Umgebung der Erde, von den Sternen bewirkt sind. Diese weiche Masse, die ist aus dem Himmel herein bewirkt, und die harte Masse, oder die Masse mit den Stacheln, die ist vom Innern der Erde bewirkt. Wie kommt so etwas zustande? Nun, meine Herren, wenn Sie wissen wollen, wie so etwas zustandekommt, so denken Sie sich: Da hier ist ein Stückchen — ich zeichne es recht vergrößert - von einem solchen schleimigen Tierchen. Jetzt bildet sich hier durch eine von weit her kommende Sterneneinwirkung innerlich ein Stückchen von einem solchen Strahl. Dadurch, daß sich das bildet, drückt die Sterneneinwirkung die übrige Masse hier ziemlich stark. Die aber drückt noch stärker hier an die Wand. Dadurch bildet sich an der Schale da drinnen, weil das stärker drückt, eine stärkere Ausbuchtung, ein Stachel von der umgebenden Kalk- oder Kieselmasse. So daß von außen, von der Erde dieser Stachel bewirkt wird, von innen dieser Strahl aber durch die Einwirkung des Sternes. Kann man das verstehen?
Das da drinnen, was sich hier bildet, ist der Anfang einer Nervenmasse; das, was sich da draußen bildet, ist der Anfang einer Knochenmasse. So daß man bei diesen niederen Tieren sieht: Nerven bilden sich unter dem Einfluß der äußeren Weltumgebung, des Außerirdischen. Alles das, was knochig, schalig ist - nur einen Außenknochen haben ja die niederen Tiere -, bildet sich unter der Einwirkung der Erde.
Je mehr man nun vollkommenere Tiere betrachtet, desto mehr ist es so, daß die Schalenbildung aufhört und die Skelettbildung eintritt, die dann am vollkommensten beim Menschen vorhanden ist. Aber sehen Sie doch das menschliche Skelett an. Wenn Sie das menschliche Skelett ansehen, dann kommen Sie dazu, eigentlich den Kopf vergleichen zu können mit einem niederen Tier, denn der hat eine Art Schale. Innerlich ist er weich. Das ist ein großer Unterschied gegenüber dem übrigen Knochenbau des Menschen. Ihre Beinknochen, die tragen Sie innerlich, und das Fleisch bedeckt sie. Da ist die weiche Masse äußerlich. Da hat der Mensch das Knochenskelett in sich hineingenommen. Nun, dieses, daß das äußerliche Knochenskelett nicht wie beim Kopf, sondern wie beim übrigen Menschen in sich hineingenommen wird, das hängt damit zusammen, daß sich das Blut bei diesen höheren Tieren und auch beim Menschen in einer gewissen Weise ausbildet. Wenn Sie solche niederen Tiere betrachten, so ist alles eine weiße Masse. Auch dasjenige, was in ihnen als Blut rinnt, ist weiß. Diese niederen Tiere haben also eigentlich weißes und gar nicht warmes Blut. Je höher die Tiere werden und je mehr wir uns von der tierischen Organisation herauf dem Menschen nähern, desto mehr wird der Mensch, der ja hell bleibt, durchsetzt von der Blutmasse. Und je mehr der Nerv von der Blutmasse durchsetzt wird, desto mehr zieht sich das Skelett, das vorher nur eine äußere Schale ist, auch in das Innere des Organismus hinein zurück.
So daß man sagen kann: Warum hat der Mensch innerlich gestaltete Knochen wie an seinen Armen und an seinen Beinen? Weil er seine Nervenmasse durchsetzt hat von der Blutmasse. So daß man sagen kann: Innerlich brauchen die höheren Tiere und der Mensch das Blut, damit sie äußerlich die Schale in sich hereinnehmen können. Kann man das verstehen?
Damit kann man aber ja auch sagen: Solch ein niederes Tier, das weiß ja nichts von sich. Der Mensch aber und die höheren Tiere, die wissen von sich. Wodurch weiß man von sich? Dadurch, daß man in sich das Knochengerüst hat, dadurch weiß man von sich. Wenn man also frägt: Ja, wodurch hat denn der Mensch eigentlich sein Selbstbewußtsein, wodurch weiß er von sich? — dann muß man nicht auf die Muskeln, dann muß man nicht auf Weichteile hinweisen, sondern da muß man gerade auf sein festes Knochengerüst hinweisen. Durch das feste Knochengerüste weiß der Mensch von sich. Und die Sache ist diese, daß es außerordentlich interessant ist, gerade das Knochengerüst des Menschen zu betrachten.
Nehmen Sie einmal an, Sie haben hier den Menschen und ich zeichne ganz roh wiederum sein Knochensystem ein (siehe Zeichnung). Nun ist es außerordentlich interessant: Wenn Sie ein Skelett anschauen, so müssen Sie sich denken, dieses Skelett war im Menschen drinnen; aber dieses Skelett des Menschen, das ist ganz überzogen von einer Haut. Wenn ich diese Haut hier zeichnen soll, so müßte ich sie so zeichnen. Wenn der Mensch nämlich lebt, so ist sein gesamtes Knochensystem wie in einem Sack, der ihm nur sehr angepaßt ist, in einer Haut drinnen, der sogenannten Beinhaut. Also denken Sie sich hier ein Gelenk, hier hat ein Knochen einen Schenkelkopf, und der greift, sagen wir, in eine Gelenkpfanne ein. Mit der Knochenhaut ist das so: Da ist die Knochenhaut; der ganze äußere Knochen ist von der Knochenhaut umgeben, und da geht die Knochenhaut so weiter, da kommt sie wieder an, geht über das Skelett drüber. Also wenn Sie sich einfach das Skelett im Menschen drinnen vorstellen, so ist ja das Skelett ganz abgesondert im Menschen. Zwischen allen übrigen Teilen des Menschen und dem Skelett ist eine sackartige Haut. Es ist wirklich so, wie wenn Sie am lebenden Menschen das Skelett nehmen und Sie sich denken würden, Sie breiteten über das ganze Skelett einen Sack und faßten das überall an, so daß außen der Sack überall das Skelett bedecken würde. Sie brauchen das aber gar nicht zu machen, denn das ist schon von der Natur gemacht; das ganze steckt in einem Sack drinnen, in der Beinhaut. Und das Interessante ist: Die Blutgefäße, die gehen nur bis zu der Beinhaut — die Beinhaut ist davon durchzogen -, dieses Blut ernährt, soweit ernährt werden soll, den Knochen, aber innerhalb des Sackes ist der Knochen ganz Erde: kohlensaurer Kalk, phosphorsaurer Kalk, Asche, Salze und so weiter. So daß Sie die merkwürdige Tatsache haben: Sie sind also Muskeln, Leber und so weiter und haben Ihre Blutgefäße in sich, und das Blut bildet nun zunächst einen Sack. Der Sack schließt Sie nach innen ab. Innerhalb dieses Sackes ist ein Hohlraum, aber in diesem Hohlraum ist erst das Knochengerüste drinnen. Es ist also wirklich so, wie wenn Ihre Knochen in Ihnen stecken würden, und Sie Ihre Knochen durch einen Sack, die Beinhaut, abgeschlossen hätten. Und diese Knochen sind ganz erdig, sie sind innerlich Erde. Sie können sie nicht spüren innerlich. Sie spüren Ihre Knochen durch das, was die Knochen sind, ebensowenig, wie wenn Sie ein Stück Kreide nehmen. Wenn Sie ein Stück Kreide nehmen, spüren Sie es auch nicht, das ist außer Ihnen. So ist der Knochen außer Ihnen, und Sie sind durch einen Sack von ihm getrennt. Sie haben alle in Ihrem Skelett etwas in sich, was Sie selber gar nicht sind, was in Knochenform gebildete Erde ist, phosphorsaurer Kalk, Salze, kohlensaurer Kalk; das tragen Sie in sich, nur daß Sie es umgeben haben von einem Sack, der Beinhaut.
Sehen Sie, meine Herren, da ist nicht der Platz für irgend etwas Ungeistiges; denn wenn Sie in sich irgendeinen Splitter Erde bringen, so muß der herausschwären. Der Knochen schwärt nicht heraus. Warum? Weil an der Stelle, wo Sie tot sind in sich, wo der Knochen innerhalb der Beinhaut tot wirkt, durch und durch Geist sitzt. Sehen Sie, das ist der wunderbare Instinkt, warum die einfachen Leute, die oftmals mehr gewußt haben als die Gelehrten, sich unter dem Skelett den Tod vorgestellt haben, weil sie gewußt haben, im Skelett sitzt der Geist. Und daher haben sie sich vorgestellt, wenn ein Geist herumwandelt, so müßte der auch in Skelettform erscheinen. Das ist eine richtige bildliche Vorstellung. Denn solange der Mensch lebt, macht er sich Platz für den Geist durch seine Knochen.
Das ist etwas, was wir dann in der allernächsten Zeit weiter besprechen wollen. Aber Sie sehen daraus auch, der Mensch verwendet viel darauf, in seine Knochen hinein den Geist zu bringen. Der Elefant läßt für den Geist noch Platz in seiner dicken Haut. Und dadurch, daß der Elefant für den Geist noch Platz läßt in seiner dicken Haut, kann der Geist, den der Elefant dann fühlt, wahrnehmen, wenn ihn die Außenwelt zerstört. Der Mensch weiß von seinem Tode deshalb nichts, weil seine Haut zu dünn ist. Wäre er auch physisch ein Dickhäuter, so würde er sich auch in eine Höhle zurückziehen und in einer Höhle sterben. Und man würde durchaus auch sagen: Wo kommen die Menschen hin? Sie fahren zum Himmel, wenn sie sterben! — Ja, meine Herren, von denjenigen Menschen, die in gewissen Volkskreisen sehr stark verehrt worden sind, hat man nämlich dasselbe gesagt wie vom Elefanten. So zum Beispiel von Moses, von dem man gesagt hat, man habe seinen Leichnam nicht gefunden. Er ist verschwunden, weil man sich vorgestellt hat, daß das bei ihm wirklich eingetreten ist. Er ist so weise geworden, haben sich die Leute vorgestellt, wie ich es Ihnen vorhin gesagt habe. Wenn der Mensch physisch ein Dickhäuter wäre und sein Gehirn hätte, dann wäre er so gescheit, daß man gar nicht aussprechen kann, wie gescheit er ist! Und solche Zusammenhänge haben die Leute gewußt. Denken Sie, man erstaunt ja, was die Leute gewußt haben! Von Moses sagen die Leute, er war schon so gescheit, wie er geworden wäre, wenn er eine dicke Haut gehabt hätte; daher hat er sich auch zurückgezogen, und sein Leichnam ward nicht gefunden. Es ist ein sehr interessanter Zusammenhang. Erscheint Ihnen das nicht so? Alte Sagen stehen vielfach im Zusammenhange mit der reinen schönen Tierverehrung.
Nun, davon wollen wir das nächste Mal weiter reden, wenn uns die Verhandlung, die man uns heute aufgeladen hat, Zeit dazu läßt.
Also am nächsten Mittwoch, meine Herren.