Rudolf Steiner's handwritten draft of the 1911 Annual Report

Dear Mrs. Besant!

Mit dem Ausdruck der herzlichsten Hochachtung und mit brüderlichen Grüßen habe ich die Ehre, Ihnen den Jahresbericht der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu unterbreiten. Es ist in dieser Sektion auch in diesem Jahre ein Fortschritt in jenen Richtungen zu verzeichnen, in welchen es bisher gelungen ist, das theosophische Leben zu fördern. In den einzelnen Zweigen, zu welchen in diesem Jahre ... neue hinzugetreten sind, nimmt nicht nur die Mitgliederzahl zu, sondern es vertieft sich die Arbeit und das Verständnis für die theosophischen Gedanken und die entsprechende Gesinnung. Und auch für die öffentlichen Vorträge ist die Zahl der Zuhörer und das tiefere Interesse in stetem Wachstum begriffen. Neue Zweige sind gegründet worden zu ... . Die Gesamtzahl der Zweige ist nun ... und ... Zentren. ... Mitglieder sind während des Jahres neu aufgenommen worden, ... sind gestorben, ... fallen weg oder sind ausgetreten. ... sind in andere Sektionen übergetreten. Die Zunahme der Mitglieder beträgt ... . Die effektive Zahl ist augenblicklich . Auch in diesem Jahre konnte die Vortragsarbeit Dr. Rudolf Steiners in derselben Art wie in den vorigen Jahren fortgesetzt werden. Die Probleme konnten vertieft und erweitert werden sowohl in den Einzelvorträgen wie auch in den Vortragszyklen. Solche Zyklen fanden statt in Stuttgart und Prag.

Einzelne Vorträge wurden in fast allen Städten gehalten, in denen die Sektion Logen hat und auch in andern Städten, z.B. in Triest. Gelegentlich der Generalversammlung der skandinavischen Sektion konnte Dr. Steiner 4 Vorträge in Kopenhagen halten. Auch die Tätigkeit unserer übrigen vortragenden Mitglieder erweitert sich zusehends. Dr. Carl Unger pflegt den Ausbau der theosophischen Gedanken nach der philosophischen Seite hin und kann zu einem immer mehr sich erweiternden Zuhörerkreis sprechen. Herr Adolf Arenson wirkt in Stuttgart und auch in andern süddeutschen Städten in segensreicher Art für die Verbreitung unserer Weltanschauung. Ebenso betätigt sich Fräulein Völker von Stuttgart aus, wo sie eine hingebungsvolle Arbeit verrichtet, auch in anderen Zweigen unserer Gesellschaft. In München entfalten Fräulein Stinde und Baronin v. Gumppenberg eine immer mehr sich steigernde Tätigkeit. In Nürnberg und von da aus in andern Zweigen wirkt Michael Bauer. In Hamburg hat Frau Camilla Wandrey das vergangene Jahr hindurch ständig und von da aus in andern Zweigen sich betätigt. In Wien und Linz arbeitet Frau Reif-Busse; in Leipzig Frau Wolfram. Es ist unmöglich, die Tätigkeit unserer Mitglieder im Einzelnen hier anzuführen; genannt von Vortragenden seien noch: Herr Walther, Herr G. Wagner, Frau v. Reden, Herr v. Rainer, Frl. Scholl, Frau Peelen, Herr Uehli, Herr O. Grossheintz, Dr. Peipers, Frl. Waller, Frl. Garmatter u.a. Es kommt hinzu, dass wir zahlreiche Mitarbeiter in den einzelnen Zweigen haben, welche in den entsprechenden Kreisen in reger Art für die Ausbreitung und Vertiefung des theosophischen Lebens wirken. Von besonderer Bedeutung erscheint es, dass durch die Anwendung der Theosophie auf die Heilkunst, wie sie durch Dr. Peipers in München gepflegt wird, dem Eindringen unserer Weltanschauung in andre Zweige des Kulturlebens Rechnung getragen wird.

Die Arbeit in den «Kunst- und Musikzimmern», die in den letzten Jahresberichten beschrieben worden ist, wurde fortgesetzt und fand immer größeres Interesse.

Einen Fortschritt hat unsere Arbeit auch noch dadurch erfahren, dass dem Vortragszyklus, welchen Dr. Rudolf Steiner im August in München gehalten hat, nicht nur, wie im vorigen Jahre zwei, sondern diesmal drei dramatische Festaufführungen vorangehen konnten. Es wurden aufgeführt: Ed. Schurés «Das heilige Drama von Eleusis» und Rudolf Steiners Mysteriendramen «Die Pforte der Einweihung» und «Die Prüfung der Seele». Wie in den vorangegangenen Jahren wurde die Aufführung sowie die Herstellung des gesamten szenischen Apparates nur von unseren Mitgliedern unter Leitung Dr. Steiners besorgt. Wir haben wieder der hingebungsvollen Tätigkeit der darstellenden Mitglieder, wie Frl. v. Sivers, Herrn Doser, Herrn Seiling, Frl. Waller, Dr. Peipers und vieler anderer, sowie der genialen künstlerischen Leistung von Frl. v. Eckardtstein, der musikalischen Arbeit Adolf Arensons, der szenischen Malereien der Herren Volckert, Hass und Linde, der organisatorischen Arbeit Frl. Stindes und der Gräfin Kalckreuth dankbarst zu gedenken.

Mit tiefer Befriedigung muss ferner erwähnt werden, dass die angestrengte und verständnisvolle Arbeit unserer Stuttgarter Mitglieder dazu geführt hat, dass in dieser Stadt die drei dort wirkenden Logen nunmehr ihre Tätigkeit in einem eignen Hause werden entfalten können. Durch die Munifizenz eines Mitgliedes und die Opfer anderer konnten wir im Januar dieses Jahres den Grundstein zu dem Stuttgarter theosophischen Heim legen und am 15. Oktober die Einweihung unter zahlreicher Beteiligung deutscher Mitglieder und auswärtiger Freunde vornehmen. Die Inneneinrichtung des Hauses ist ganz nach okkulten Grundsätzen ausgeführt, das Haus mit tiefem theosophischen Verständnis von unserem Mitgliede, dem Architekten Herrn Schmid, gebaut.

Die Generalversammlung der Sektion wird in Berlin, vom 10.-16. Dezember stattfinden.

Wir schicken die wärmsten Grüße unserer verehrten Präsidentin und allen in Indien versammelten Brüdern

Dr. Rudolf Steiner
General Sekretär.

German original of 1911 Annual Report for the German Section of the Theosophical Society · ← Previous · Next →