Übersetzungen der Werke von Dr. R. Steiner
Wir möchten hierdurch die Freunde von den Beschlüssen unterrichten, die auf der Generalversammlung vom 8. Februar 1925 gefasst wurden, um die um das Goetheanum in Dornach gruppierten Institutionen im Geiste der Neugestaltung der anthroposophischen Bewegung auf der Weihnachtstagung 1923 zu führen. Wir geben zunächst einen Auszug aus den Worten, die Herr Dr. Steiner anlässlich der Generalversammlung vom 29. Juni 1924 über diese Fragen sprach:
«Diese Weihnachtstagung, meine lieben Freunde, sollte ja durchaus einen neuen Zug in die ganze anthroposophische Bewegung bringen, und es sollte vor allen Dingen bei diesem neuen Zug in der Zukunft vermieden werden, dass die Dinge bei uns auseinanderstreben, und es sollte bewirkt werden, dass sie in der Zukunft eigentlich wirklich auch aus der anthroposophischen Bewegung geleitet werden. Sie wissen, es wurde damals ein Vorstand am Goetheanum hier bei dieser Weihnachtstagung eingesetzt, der nun als initiativer Vorstand mit voller Verantwortung sich gegenüber dem fühlt, was in der Anthroposophischen Gesellschaft geschieht. Und die Durchführung dieser Intention ist nur möglich, wenn die Anthroposophische Gesellschaft in der Zukunft auch gegenüber der vollen Öffentlichkeit als dasjenige dasteht, was real die Dinge gestaltet, was real sich auch voll verantwortlich fühlt für alles dasjenige, was ist. Das kann nur erreicht werden, wenn wir in der gegenseitigen Beziehung der einzelnen Betätigungen nun auch eine einheitliche Konstituierung herbeiführen ... Dann aber wird es nötig sein, dass aus dem ganzen Geist der Anthroposophischen Gesellschaft heraus, wie sie jetzt besteht, die Anthroposophische Gesellschaft auch als der handelsregisterlich eingetragene Verein funktioniert, also nach außen hin diejenige Institution ist, welche alles hier in Dornach zu vertreten hat. Es wird also notwendig sein, dass da bestehen werden: die «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft» als handelsregisterlich eingetragener Verein; innerhalb dieser Anthroposophischen Gesellschaft werden vier Unter-Abteilungen zu unterscheiden sein. Diese vier Unter-Abteilungen sind von mir in der Weise projektiert, dass ich dabei durchaus keine abstrakt programmatischen Dinge, sondern nur die rein realen Dinge berücksichtige. Reale, vom Anfang an in lebendiger organischer Tätigkeit wirkende Institutionen haben wir in vier Strömungen, die da vorliegen, erstens in der Anthroposophischen Gesellschaft selber. Die wird als Anthroposophische Gesellschaft im engeren Sinne als die erste Unter-Abteilung fortbestehen. Sie ist ja völlig unabhängig von alledem, was seit 1919 an Programmatischem aufgetreten ist. Als Zweites innerhalb unserer Bewegung haben wir den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag, der ja jetzt nach Dornach übergesiedelt ist, und der nicht anders behandelt werden kann als ein integrierender Teil der anthroposophischen Bewegung selber. Es trat ja immer wiederum und wiederum die Bestrebung auf, diese Anschauung, die eigentlich im Wesen der Sache liegt, von da oder dorther zu durchkreuzen. Aber wenn ich auf national-ökonomischem Gebiete z.B. die eine oder die andere Sache mit irgendeiner aus dem Realen und nicht aus dem Programmatischen heraus arbeitenden Institutionen vergleichen wollte, so könnte ich doch nur immer wiederum den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag anführen, der nicht aus einem großen Programm sich entwickelt hat, sondern vom Kleinen auf, indem man mit zwei Büchern angefangen hat und dann ganz langsam weitergearbeitet hat, sodass er fortwährend aus dem Realen heraus arbeitete und niemals von irgendeiner Seite her einen anderen Zuschuss erhalten hat, als einen solchen, der aus der Sache entsprang, und der die Deckungsmöglichkeiten absolut in realer Weise hatte. Sodass in Bezug auf national-ökonomische Führung dieser Philosophisch-Anthroposophische Verlag schon damals sogar als ein Beispiel angeführt werden konnte, an das man sich halten konnte, wenn man National-Ökonomie aus dem Leben heraus begründen will. Das würde die zweite Unter-Abteilung sein. Die dritte Unter-Abteilung - wie gesagt, ich zähle historisch auf -, sie würde der durch den bisherigen Verein des Goetheanum zu errichtende Bau selber sein, der als dritte Institution entstanden ist und auch in sich nur gearbeitet hat aus anthroposophischen Prinzipien heraus. Er würde also auch eine Unter-Abteilung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft bilden können. Und als Viertes würde sich dann angliedern das Klinisch-Therapeutische Institut, das ja von Frau Dr. Wegman begründet worden ist, aus anthroposophischen Grundgedanken heraus. Und indem ich zu rechtfertigen habe dasjenige, um was es sich dabei handelt, dass man es dabei wirklich mit einer realen anthroposophischen Sache zu tun hat, so muss ich es in der folgenden Weise tun. Ich muss Ihnen auseinandersetzen, dass ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen diesem Klinisch-Therapeutischen Institut und anderen ähnlichen Institutionen. Man kann geradezu sagen: Wenn gar nichts von all den programmatischen Einrichtungen entstanden wäre, dieses Klinisch-Therapeutische Institut, das aus den Intentionen der Anthroposophie hervorgegangen ist, selbstverständlich aus ärztlichen Intentionen, dieses Klinisch-Therapeutische Institut wäre dann doch da. Denken wir uns alles dasjenige weg, was seit 1919 entstanden ist, das Klinisch-Therapeutische Institut hat nicht nur keine Notwendigkeit gehabt, jemals auf all das Rücksicht zu nehmen, sondern im Gegenteil ist sogar für die anderen Dinge in einem entscheidenden Momente eingesprungen, sodass also wir hier eine Institution haben, die sich unterscheidet in ihrer ganzen Entstehung und in ihrem ganzen Bestande, auch in der Art und Weise, wie sie sich darlebt; sie ist nämlich eine fruchtbare Institution, eine solche, die sich selbst trägt, die in sich selbst auch aussichtsvoll ökonomisch besteht. Sodass also diese Institution durchaus hineingehört in diejenigen, die jetzt Unter-Abteilungen der Anthroposophischen Gesellschaft sein sollen. Deshalb ist auch der Anthroposophischen Gesellschaft die Klinik als solche eingegliedert und wird einen integrierenden Teil der anthroposophischen Bewegung in der Zukunft bilden. Das sind die Dinge, die sich rein aus der Sache selber heraus ergeben. Ich möchte sagen, man kann gar nicht anders über die weitere Gestaltung der Dinge hier denken, wenn man die Sache auf eine gesunde Basis in der Zukunft stellen will. Alle anderen Maßnahmen ergeben sich als notwendige Konsequenzen.»
Die «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft» umfasst also (It. Beschluss der Generalversammlung vom 8. Februar 1925 und Eintragung in das Schweiz. Handelsregister vom 7. März 1925) die folgenden vier Unter-Abteilungen a) die Administration der Anthroposophischen Gesellschaft, b) den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag, c) die Administration des Goetheanum-Baues, d) das Klinisch-Therapeutische Institut.
Die Funktionen des unter diesem Namen nun nicht mehr bestehenden bisherigen «Vereins des Goetheanum» werden hierdurch in Zukunft von der «Administration des Goetheanum-Banes» (Unter-Abteilung c der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft) im Wesentlichen übernommen. Die bisherige Einteilung in ordentliche, außerordentliche und beitragende Mitglieder kommt in dieser Art in Wegfall.
Es werden in Zukunft die Mitglieder der «Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft» sein: a) «ordentliche Mitglieder» (dies sind alle Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft), b) «beitragende Mitglieder» (d.h. solche, welche insbesondere für den Bau des «Goetheanums» jährliche Beiträge leisten).
Die ordentlichen Mitglieder entrichten durch ihre Landesgesellschaft bzw. selbstständigen Gruppen (wie bisher) einen jährlichen Beitrag von Schw. Fr. 15.- an die «Administration der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft».
(«Einzelmitglieder», welche keiner Landesgesellschaft etc. angehören, sondern direkt der Zentrale in Dornach angeschlossen sind: Schw. Fr. 30.-.)
Die beitragenden Mitglieder (d.h. die bisherigen Mitglieder des Vereins des Goetheanum bzw. die nunmehr neu Hinzukommenden) entrichten einen jährlichen Beitrag von mindestens Schw. Fr. 50.- an die «Administration des Goetheanum-Baues».
Wir möchten die Mitglieder bei dieser Gelegenheit bitten, die Korrespondenz über Fragen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft über den Wiederaufbau-Fonds, über Bücherbestellungen beim Philosophisch-Anthroposophischen Verlag etc., über Bestellung der Zeitschrift «Das Goetheanum» etc. (wenn auch im gleichen Couvert) doch weitmöglichst jede auf getrenntem Bogen zu führen, und bei Einsendung von Beiträgen und Schecks immer genau deren Bestimmung anzugeben, weil dies sowohl die bessere und raschere Durchführung der Wünsche unserer Freunde als auch die Arbeitslast der Goetheanum-Leitung wesentlich erleichtert und dadurch beiderseits die Kräfte für wichtige Fragen der anthroposophischen Bewegung frei werden.
Durch die nunmehr vollzogene Eingliederung dieser Institutionen in den Gesamt-Organismus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft wird der Geist der anthroposophischen Bewegung in diesen vier Strömungen, die aus ihr hervorgegangen sind, in einheitlicher Kraft dauernd wirksam sein.
Der Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.