Lexikonartikel aus Pierers Konversations-Lexikon
Alluvium
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 1, 1888
( Alluvialgebilde, recente Formation, angeschwemmtes Land, geologische Neuzeit), Gesteinsbildungen, die in der Gegenwart od. in histor. Zeit unter Vermittlung v. Wasser u. Luft entstehen. Sie nehmen teil an der Bildung der festen Erdkruste u. geben uns so ein Mittel an die Hand, durch Rückschluss die geologische Bildungsgesetze überhaupt zu erkennen. Denn v. der Annahme ist man längst abgekommen, dass die einzelnen geologische Formationen durch große Zeitabschnitte getrennt u. durch gewaltsame Revolutionen entstanden sind. Man ist heute der Überzeugung, dass die älteren Formationen genau nach denselben Gesetzen gebildet sind, die wir heute noch bei dem Entstehen der Alluvialgebilde beobachten. Wir können freilich nur einen Teil dieser Neubildungen verfolgen, denn der größere erfolgt auf dem Meeresgrunde u. wird erst bloßgelegt werden bei einer Erhebung desselben. Könnten wir auch diese Bildungen beobachten, so ließe sich sehr wahrscheinlich feststellen, dass noch heute alle Arten v. ursprüngl. Schichtgesteinen entstehen. Alle diese neuesten Ablagerungen enthalten Überreste v. solchen Organismen, die heute noch leben od. wenigstens in histor. Zeiten gelebt haben.
Man kann das A. nach der Entstehung in mechanische, chemische u. organische, ferner in Süßwasser- u. Meeresbildungen einteilen.
Zu den mechanischen Ablagerungen gehören: Flussanschwemmungen, Deltabildungen, Dünen u. Sandbänke, vulkan. Tuffbildungen u. Ablagerungen auf dem Meeresboden. Die Flussanschwemmungen entstehen durch die Ablagerung des Sandes u. Schlammes, ferner der Geschiebe, welche Flüsse mit sich führen. Die meisten Alpenseen werden durch diesen Vorgang immer seichter. Die Deltas des Nil, des Ganges [etc.] sind auf diese Weise entstanden. Die Meeresablagerungen entstehen teils ebenfalls durch das Material, das die Flüsse in das Meer mitbringen u. das nicht immer unmittelbar an den Mündungen abgelagert wird, teils durch die Tätigkeit des Meeres selbst, das an der einen Küste Material wegschwemmt u. an der anderen wieder ansetzt. An flachen Küsten erfolgt diese Vergrößerung als Dünen- od. Schlammbildung od. in Form v. Sandbänken. Die vulkan. Tuffbildungen verdanken den v. den Vulkanen ausgeworfenen Schlacken (Lapilli) u. der feinen, staubartigen Asche ihre Entstehung, die in der nächsten Umgebung abgelagert werden. Zuweilen werden diese Produkte in das Meer getragen u. am Meeresboden abgelagert, mit ihnen zugleich Meeresorganismen, die dann als Versteinerungen eine wertvolle Vervollständigung solcher geologische Urkunden sind.
Chemische Ablagerungen entstehen dadurch, dass sich die in den Quellen aufgelöst enthaltenen Substanzen entweder unmittelbar an den Quellenmündungen niederschlagen od. in Wasserbecken zugleich mit Ton u. Mergel. Das Erstere ist der Fall bei kohlensaurer Kalkerde, Eisenoxyd [etc.]. Dadurch entsteht Kalktuff, 'Travertin, Kieseltuff, Kieselsinter u. Raseneisenerz. Wenn wir diese Art der Gesteinsbildung in älteren Formationen nicht finden, so ist dies noch kein Beweis dafür, dass sie daselbst nicht stattgefunden hat, denn die so gebildeten Gesteine erleiden im Lauf der Zeit eine solche Umwandlung, dass in späterer Zeit die ihrem ursprünglichen Bildungsprozess entsprechende Gestalt nur schwer zu erkennen ist. Die Ablagerung in ruhigen Wasseransammlungen ist der Fall bei den in den Quellen aufgelösten Salzen in Salzseen.
Zu den organischen Bildungen ist vor allem die Torfbildung zu rechnen. Gewisse Sumpfpflanzen wachsen übereinander fort, wobei die unteren abgestorbenen zu einer (oft 15 m) dicken Schicht eines filzartigen Pflanzengewebes werden. Hierin haben wir den Anfang der Kohlenbildung zu sehen, wie ja tatsächlich die unteren Partien durch den Druck der oberen braunkohlenähnlich werden. Als den Ursprung neuerer Steinkohlenbildung haben wir auch die Treibholzablagerungen zu betrachten. Sie bestehen darin, dass Flüsse, die durch bewaldete Gegenden fließen, Baumstämme ins Meer führen, wo sie dann v. den Strömungen ergriffen u. irgendwo abgesetzt werden. Ferner gehören hierher die untermeerischen Wälder, die unter dem gegenwärtigen Meeresspiegel (namentlich an den engl. Küsten) beobachtet werden, bestehend aus festsitzenden Baumstämmen u. wahrscheinlich durch eine Senkung des Bodens an ihren jetzigen Ort gelangt. Auch Korallenriffe u. Inseln, die sich im Indischen u. Stillen Ozean heute noch vor unseren Augen bilden u. vergrößern, gehören hierher. Buch u. Ehrenberg haben gezeigt, dass das Vorhandensein solcher Riffe stets mit einem unterseeischen Kraterrand zusammenhängt, auf welchem die Korallentierchen ihre Baue aufrichteten.
Aus den hier beschriebenen Bildungen lassen sich die Gesetze ableiten, nach denen alle Neubildungen u. Umwandlungen v. Stoffen auf der Erdoberfläche erfolgen. Man darf nur die Annahme zugrunde legen, dass die Bildungsgesetze immer dieselben waren u. man wird einfach dadurch, dass man hinsichtlich der Bildungszeiten keinerlei Beschränkung gelten lässt - u. nichts zwingt zu einer solchen -, eine einheitl. Ansicht v. dem geologischen Bau u. der Entwicklung unserer Erde bekommen. Danach sind alle Gebilde derselben im Verlaufe der Zeit durch jene Kräfte entstanden, die wir heute noch unablässig tätig finden. Diese Ansicht ist eine der Grundlagen unserer heutigen Geologie.
Barrande
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
(spr. barangd'), Joachim, Baron v., Geolog u. Paläontolog, geb. 10/8 1799 Saugues (Obere Loire), †5/10 1883 Schloss Frohsdorf; Erzieher des Grafen Chambord, zuletzt Privatgelehrter in Prag. Verdient um Erforschung des silur. Systems in Böhmen. B. schrieb: «Système silurien du centre de la Bohême» (Par. u. Prag 1852-77, Suppl. 1872; der erste Teil Hauptwerk über Trilobiten); «Colonie dans le bassin silurien de la Bohême» (Par. 1860); «Defense des colonies» (ebd. u. Prag 1861) [etc.].
Basatt
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
böhm. čedič, m; dän. Basalt, Seilesten, g; engl. basaltes; frz. basalte, »n; gr. Baoavirng, m; holl. basalt, n; ital. basalto, m; lat. basanites, ae, m; russ. 6asanpis, m; schw. basalt, m; sp. basalto, m; ung. somla; cserkö.
Gestein v. dunkelgrüner bis schwarzer Farbe, das sich durch säulenförmige, oft erstaunlich regelmäßige Formen auszeichnet. Es kommt vor, dass zwei Säulenstücke an ihren Enden so geformt sind, dass sie wie durch ein Gelenk aneinanderschließen (Gelenk-B.); die kugelig-schaligen Massen heißen Kugel-B. Er besteht aus Labradorit, Augit u. Magneteisenstein u. zeigt dichte (sog. kryptokristallinische) Grundmasse, in der Körner v. Augit, Hornblende, Magnesiumglimmer u. Olivin eingewachsen sind. Je nach dem Gestein, das in der Grundmasse vorherrschend ist, unterscheidet man: Feldspat-, Nephelin- u. Leucit-B. Nach der Textur unterscheidet man folgende Varietäten des B-s: 1) gemeinen B., der gar keine od. nur sehr wenige Einschlüsse v. Kristallen, Körnern [etc.] enthält; 2) porphyrartigen B. (B-porphyr) mit deutlichen Kristallen od. kristallinischen Einschlüssen v. Olivin, Augit, Hornblende od. Feldspat; 3) blasigen od. schlackigen B., mit leeren Blasenrändern, heißt auch B-lava, findet sich an Vulkanen; 4) mandelsteinartigen B. (B-mandelstein), mit Blasenräumen, die zum Teil od. ganz mit Zoolith, Kalkspat, Grünerde ausgefüllt sind; 5) wackenartigen B., Basaltwacke; ein stark zersetzter od. nie kristallinisch ausgebildeter B., dicht, weich, fast erdig, bräunlich, grünlich od. gelblich gefärbt, enthält oft die dem B. beigemengten Kristalle in ganz frischem Zustande, auch die Ausfüllungen der Blasenräume (Wackenmandelstein). Der B. gehört zu den vulkan. Gesteinen, d.i. zu denen, die auf feurigem Wege entstanden sind u. zwar so, dass sie als feurigflüssige Masse aus dem Erdinnern emporgedrängt u. an der Oberfläche erstarrt sind. Man hat diese Theorie aufgestellt, weil sein Vorkommen die Ansicht nicht zulässt, dass er durch die Kräfte entstanden ist, denen die Bildungen irgendeiner Formation ihr Entstehen verdanken. Er durchsetzt so ziemlich alle Formationen, muss also, nachdem sie bereits übereinander gelagert waren, sie durchbrochen u. sich eingeschoben haben, wie weithin sich erstreckende B-lager zwischen anderen Gesteinen beweisen. Manchmal erkennt man an seinem Vorkommen deutlich, wie sich v. der empordrängenden Masse einzelne Stücke losgerissen haben. An den Veränderungen, die Letztere in dem umgebenden Gestein hervorgerufen, ersieht man die hohen Hitzegrade, welche die empordrängende Masse hatte. Das häufigste Vorkommen ist aber in Form isolierter Kegelberge, selten zusammenhängender Gebirgsmassen. Man sieht dann deutlich an dem Gange, der unter dem Gebirgskegel ist, dass sich die Masse eine Öffnung gebildet, durch diese emporgeströmt ist u. sich über derselben als Kegelberg angesammelt hat. Der B. zersetzt sich an den Berührungsflächen der Säulen sehr leicht. Zwischen ihm u. den umliegenden Gesteinen finden sich oft Eisenerzlager, die jedenfalls durch Auslaugung des B-s, der sich dann zersetzt findet, entstanden sind. Der durch Verwitterung des B-s entstandene Ackerboden ist durch seinen Kaligehalt sehr fruchtbar. Auf den B-kuppen finden sich meist üppige grüne Buchenwaldungen, mit prachtvoller, mannigfacher Flora, u. weite Strecken verdanken ihre Fruchtbarkeit zersetztem basaltischem Untergrunde, z.B. die Wetterau u. Böhmen. Die säulen- od. kugelförmige Absonderung macht den B. meist zum Baustein untauglich, wo man nicht die langen Säulen als solche zusammenschichten u. verbrauchen kann, z.B. bei starken Festungsmauern u. Uferbauten, wo er dann aber auch fast v. ewiger Dauer ist, wie manche Bauwerke am Rhein beweisen. Ebenso als Pflasterstein u. als Straßenbaumaterial ist er ausgezeichnet u. wird vielfach u. mit Vorliebe dazu verwandt. Einzelne Säulen benutzt man als Ecksteine, zu Geländerpfosten [etc.]. Die Ägypter machten daraus, wiewohl selten, Skulpturen, Löwen u. Sphinxe, die auf uns gekommen sind. Als Flussmittel wird er zuweilen im Hochofen angewandt u. als Zusatz zu der Glasmasse der grünen Flaschen gebraucht. Der B. findet sich immer nur auf kleinen Gebieten u. meist in einzelnen Kuppen zerstreut um eine größere zentrale Masse, die man als Zentraleruptionsherd betrachtet. Die hauptsächlichsten mitteleuropäischen B-gebiete sind: Die Auvergne in Frankreich, wo die ersten klassischen Untersuchungen über die B-e gemacht wurden u. wo dieselben prachtvolle Naturschauspiele bieten, z.B. im Riesendamme des Volant, einem aus aufrechtstehenden B-säulen gebildeten Flussufer. In England kommt B. z.B. auf den Hebriden vor, wo die Fingalshöhle auf Staffa ein bekanntes u. mit Recht gerühmtes Naturwunder bietet, eine 35m hohe Grotte, in die man vom Meere aus hineinfährt. Man nimmt an, dass die Brandung allmählich die unteren Säulen herausgeschlagen u. so die Höhle gebildet habe. In Irland ist die Grafschaft Antrim ein bekanntes B-gebiet. Ferner zeigen ihn die Färöerinseln. In Deutschland finden wir B-e in der Eifel u. im Siebengebirge, mit schöner, säulenförmiger Absonderung, dann im Vogelsberge u. der Rhön, im nördl. Böhmen u. in den Sudeten. Einzelne kleinere Kuppen an manchen Stellen, z.B. am Katzenbuckel im Odenwalde, der durch seinen schönen Nephelindolerit bekannt ist, am Kaiserstuhl im Breisgau, im Erzgebirge, der Lausitz, im nördl. Hessen u. anderen Orten.
Literatur: Lasaulx, Der Streit über die Entstehung des B-s (Verl. 1869); Zirkel, Untersuchungen über die mikroskop. Zusammensetzung u. Struktur der B-steine (Bonn 1870).
Berthierit
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
Mineral, natürlich vorkommende Verbindung von Schwefelantimon mit Schwefeleisen (FeS+Sb?S?) in stängeligen u. faserigen Aggregaten v. stahlgrauer Farbe. Härte 2-3; spez. Gew. 4-4,3. Findet sich bei Braunsdorf (Sachsen), bei Chazelles (Auvergne), bei Anglar (Depart. de la Creuse); schmilzt auf Kohle leicht unter Entwicklung v. Antimondämpfen. In Frankreich als Antimonerz (Ausbeute bis 60% Antimon) benutzt.
Beryll
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
(der Smaragd der Alten, die aber auch andere grüne Edelsteine so nannten), Silikatmineral in hexagonalen Kristallen, die säulenförmig, einzeln eingewachsen od. zu Drusen vereinigt sind. Härte 7-8, spez. Gew. 2,6-2,7, farblos, doch meist grünlichweiß, seladongrün, ölgrün, berggrün u. gefärbt. Glasglanz, durchsichtig bis durchscheinend. Muscheliger Bruch. Negative Doppelbrechung, mit oft in zwei Hyperbeln getrenntem Kreuz. Chemische Zusammensetzung: Be’(AP)Si°O'*, gewöhnlich mit etwas Eisenoxyd. Der schöne B. v. der Insel Elba soll nur 3,3% B-erde enthalten. Smaragd ist der durch Chromoxyd grün gefärbte B. vom Habachtal (Salzburg), Muzo (Columbia), Rosseir (Ägypten), am Takowoiafluss (Ural), Mourne Mountains (Irland). Alle anderen Varietäten heißen B., die bis 2m langen u. bis 30 Zentner schweren, fast undurchsichtigen Kristalle gemeiner B. Das eigentümliche Verhalten der B-s dem Erwärmen gegenüber macht sie geeignet, in bestimmter Richtung geschnitten als wirkliches Prachtstück zu dienen. Vorkommen: Mursinka, Schaitanka, Miask am Ural, Altai, Grafton zwischen Connecticut u. Marimac. - Der Smaragd sowie der blaue u. gelbe B. sind als Edelsteine schr beliebt.
Berzelit
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
(Kühnit), seltenes Mineral, Kalk- u. Magnesiaarseniat mit etwas Manganoxydul. Kommt bei Longbanshytta in Schweden vor.
Besteg
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
die Grenzfläche eines Erzganges gegen das Nebengestein, wenn ein dünner Streifen v. Ton od. Lehm dazwischen liegt.
Beudant
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
(spr. bödáng), Francois Sulpice, Mineralog u. Physiker, geb. 5/9 1787 Paris, f 10/12 1850 ebd. 1811 wurde B. Prof. der Mathematik am Lyceum Avignon, 1813 Prof. der Physik am Collöge in Marseille, 1815 Unterdirektor der Mineraliensammlung Ludwigs XVIII. Seitdem wandte er sich speziell der Mineralogie zu. Seine 1818 unternommene mineralogische Forschungsreise in Ungarn beschrieb er in: «Voyage minralogique et geologique en Hongrie» (Par. 1822, 3 Bde., nebst Atlas). Noch durchschlagender war sein: «Traite elömentaire de mineralogie» (Par. 1814, 2. Aufl. 1830; deutsch Lpz. 1826). 1824 wurde B. Mitglied der Pariser Akademie. Seinen Spezialforschungen unterwarf B. bes. den Zusammenhang zwischen Kristallisation u. chem. Zusammensetzung, das Fortleben v. Seemollusken in süßem Wasser, das spez. Gewicht u. die chem. Analyse der Mineralien. B. schrieb ferner noch: «Traité élémentaire de physique» (6. Aufl. Par. 1838); «Cours élémentaire de mineralogie et de géologie» (Par. 1841, 16. Aufl. 1881; deutsch Stuttgart. 1858).
Beyrich
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 2, 1889
1) Ferdinand, chem. Techniker, geb. 25/11 1812 Berlin, 1 29/8 1869 das.; seit 1838 Apotheker das., widmete er sich später der chemischen Technologie, bes. der Herstellung v. Chemikalien für fotografische Zwecke u. wurde dadurch zum Begründer dieser jetzt blühenden Industrie in Deutschland. B. beteiligte sich auch hervorragend an der Gründung des «Photographischen Vereins» (1864) u. des «Vereins zur Förderung der Photographie» (1869).
2) Heinrich Ernst, Geolog u. Paläontolog, geb. 31/8 1815 Berlin; Prof. der Mineralogie u. Geologie an der dortigen Universität, seit 1853 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, jetzt auch Vorstand der geologischen Landesanstalt. Von seinen Schriften sind bes. zu nennen: «De goniatitis in montibus rhenanis occurrentibus» (Verl. 1837); «Krystallsysteme des Phenakits» (ebd. 1857); «Ueber die Entwicklung des Flözgebirges in Schlesien» (ebd. 1844); «Untersuchungen über Trilobiten» (ebd. 1846, 2 Bde.). Hervorzuheben sind bes. seine Verdienste um die Herausgabe einer genauen geologische Karte v. Deutschland. Seine Untersuchungen beziehen sich hauptsächl. auf das rheinische Schiefer- u. Grauwackegebirge. - B-s Gattin, geb. 9/10 1825 Delitzsch, ist unter dem Namen Klementine Helm als Jugendschriftstellerin bekannt.
Dyasrormation
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 4, 1889
(permische Formation; siehe hierzu die Tafel «Dyasformation»), in der Geologie die oberste Schicht der paläozoischen Periode, d.i. die Schicht unmittelbar über der Kohlenformation. Der Name permische Formation rührt davon her, weil sie bes. reich im Gouvern. Perm in Russland entwickelt ist. Sie nimmt daselbst einen Flächenraum ein, der dem v. Frankreich gleichkommt. Dyas heißt sie, weil sie sich in Deutschland u. England in zwei Hauptschichten zerlegen lässt: das Rotliegende u. den Zechstein. Die untere Schicht od. das Rotliegende (Lower-new-redsandstone bei den Engländern), die durchschnittlich eine Mächtigkeit v. 500 m, in Bayern selbst bis 2000 m erreicht, besteht namentlich aus Strandbildungen, nämlich rotem Sandstein u. Konglomeraten; die obere Abteilung od. der Zechstein (Magnesian-limestone in England), besteht aus bituminösem Schiefer, der viel Kupfer enthält, weshalb diese Formation auch Kupfergebirge genannt wird; ferner aus grauem, unreinem, marinem Kalkstein. In Nordamerika, Russland u. anderen Ländern besteht diese Teilung in zwei Schichten nicht; in Österreich ist v. der D. nur das Rotliegende vorhanden. Wo das Rotliegende so vereinzelt vorkommt, ist es eine Süßwasserbildung; wo es aber v. Zechstein bedeckt ist, da ist es eine Strandbildung, während sich der Zechstein selbst als ein Meeresprodukt zeigt, das sich bei fortgesetzter Bodensenkung ablagerte. Im Rotliegenden unterscheiden wir ein unteres Rotliegendes, das reich an grauem Sandstein u. Schieferton ist, u. ein oberes Rotliegendes, wo rote Sandsteine u. Konglomerate mit Lagern v. Schieferton wechseln. Die meist runden Gerölle in den Konglomeraten werden durch ein quarziges, toniges od. sandsteinartiges, durch Eisenoxid rot gefärbtes Bindemittel verkittet. Sie sind zumeist Trümmer aus älteren Gesteinen. Die Sandsteine sind rot, grün od. grau u. haben ein kalkiges od. kaolinhaltiges Bindemittel. Im oberen Rotliegenden im Mansfeldischen finden wir weiße u. graue Schichten (Weißliegendes od. Granlie‚gendes) mit dazwischenliegendem blut- od. bläulichroten Schieferletten od. Rötelschiefer. In das Rotliegende hinein erstreckt sich auch die Kohle, doch nicht in der Mächtigkeit wie in der Steinkohlenperiode. Organische Reste sind im Rotliegenden sehr spärlich. Bes. bemerkenswert ist der Archegosaurus, der zuerst in der Kohlenperiode auftritt u. als der Stammvater der Saurier aufgefasst werden kann. Er wurde 1847 v. Dechen in drei verschiedenen Spezies im Kohlenfeld Saarbrück beim Dorfe Labach zwischen Straßburg u. Trier aufgefunden. Die Archegosaurier waren luftatmende Reptilien u. hatten Füße mit deutlichen Zehen. Die Glieder waren schwach u. dienten offenbar nur zum Schwimmen od. Kriechen. Der größte dieser Art ist der Archegosaurus Decheni (Fig. 1). Von Pflanzenformen des Rotliegenden sind hervorzuheben: Calamites gigas, Walchia piniformis (Fig. 13). Die Zechsteinformation ist schon reicher an Organismen. Der Mergelschiefer enthält schöne Exemplare fossiler Fische: Palaeoniscus Freieslebeni Ag. (Fig. 2), Platysomus gibbosus Blainv. (Fig. 3), Pygopterus, Caelacanthus, durchweg Schmelzschupper mit unsymmetrischer Schwanzflosse. Der darüber gelagerte fossilifere Kalkstein enthält: Gervillia keratophaga (Fig. 4), eine zweischalige Muschel, Spirifer undulatus Sow. (Fig. 6), eine Brachyopodenform, Orthis pelargonata Schl. (Fig. 7), Productus horridus Sow. (Fig. 8), bes. im Magnesian-limestone, u. Fenestella retiformis Schl. (Fig. 9), eine Bryozoenform. Von Krinoideen heben wir hervor: Poteriocrinus, Cyathocrinus (z.B. C. ramosus Schl., Fig. 10), Pentremites, Actinocrinus, Platycrinus. Eine der obersten Schichten ist der kristallinische od. konkretionäre Kalkstein; er enthält Schizodus Schlotheimii Sow. (Fig. 5) u. Mytilus septifer. Von Pflanzenformen heben wir noch die Farne Neuropteris flexuosa Brogn. (Fig. 11) u. Sphenopteris trifoliata Brogn. (Fig. 12) hervor, die in mannigfaltigeren Formen allerdings in der Kohlenperiode entwickelt vorkommen. In die Zeit des Rotliegenden fallen viele Eruptionen, woher die zahlreichen Felsitporphyre, Granitporphyre, Porphyrite stammen, die den Sedimentgesteinen hier eingesprengt sind. Die D. ist die oberste der paläozoischen Periode, am Ende derselben erloschen die meisten bis dahin lebenden organischen Formen, u. es entstand eine neue, formenreichere organische Welt.
Literatur: Geinitz, Dyas (Lpz. 1861, Nachträge dazu 1880 u. 1882); Speier, Die Zechsteinformation des westlichen Harzrandes (Berl. 1880); Weiß, Fossile Flora der jüngsten Steinkohlenformation u. des Rotliegenden im Saar-Rhein-Gebiet (Bonn 1869-72).
Eiszeit
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 4, 1889
(Glazialperiode), geologische Periode des Diluviums, am Ende der Tertiärperiode, also unmittelbar vor dem Beginn der geologischen Gegenwart. Die E. ist ein Zeitraum, in dem eine sehr niedrige Mitteltemperatur herrschte, sodass die Gletscher sich über ein weit größeres Gebiet v. Europa verbreiteten als jetzt. Wir können diese größere Gletscherentwicklung aus vielen Einzelheiten nachweisen. Wo Gletscher über Felsoberflächen vorrücken, finden wir überall glatt polierte Kuppen, feine Ritzen, parallel nebeneinander laufende Rinnen u. Furchen, die v. der Friktion des bewegten Eises mit dem Gesteine herrühren. Dann nimmt der Gletscher auch die Friktionsprodukte mit sich u. setzt sie als Moränenschutt ab. Auch größere Gesteinstrümmer (Findlinge, erratische Blöcke) können durch Gletscher v. ihren ursprünglichen Orten an neue transportiert werden, sodass sie dann in einer geologisch ihnen ganz fremden Umgebung auftreten. Wo wir nun deutliche Spuren solcher Wirkungen wahrnehmen, da müssen wir voraussetzen, dass der Boden einst mit Gletschern bedeckt war. So finden wir in den Alpen, dass einst die Gletscher des Berner Oberlandes bis zum Jura gereicht haben müssen. Man kann nämlich den Weg derselben genau durch Moränen, erratische Blöcke, ringförmige Felsstücke [etc.] angeben. Pierre de Bot z.B. ist ein erratischer Block v. 10 m Umfang auf einem 275 m hohen Berg im Jura, der nur durch einen Gletschertransport aus dem S. dorthin gekommen sein kann, denn er besteht aus einem Material, das nur in den Alpen vorkommt. Bei Zürich finden sich Felstrümmer der Glarner Alpen u. am Nordufer des Bodensees in Bayern u. Baden solche aus den hintersten Tälern v. Graubünden. Der Pflugstein bei Zürich, aus den Glarner Alpen stammend, hat eine Höhe v. 20 m. Man findet fast überall auf den Wegen, welche diese Wanderblöcke genommen haben müssen, Bruchstücke, die sich beim Transport abgebröckelt haben. Es ist unmöglich, dass die Beförderung dieser Felsmassen auf eine andere Weise als durch Gletscher geschehen ist, denn um v. Flüssen befördert worden zu sein, sind dieselben zu groß; wäre aber die Gegend vom Meere bedeckt gewesen u. hätte dieses die Trümmer v. ihrem ursprünglichen Orte weggeführt, dann hätten sie sich nur am Meeresgrunde ablagern können u. nicht in Höhen bis über 700 m Meereshöhe, in der sie sich finden. Auch wäre dann nicht zu erklären, warum das transportierte Gesteinsmaterial z.B. links vom Reußtal ein anderes ist als rechts v. demselben. Wäre die Gegend einstmals Meeresgrund gewesen, dann könnten die jetzigen Flusstäler noch gar keine Rolle gespielt haben. Verfolgt man die angeführten Gletscherspuren, so gelangt man zur Annahme folgender großer Gletscher, die in der E. in den Alpen existiert haben müssen: a) Der Arvegletscher, vom Montblanc bis zum SWRande des Schweizer Jura. b) Der Rhönegletscher, vom St. Gotthard u. Monte Rosa; breitete sich fächerartig aus u. erstreckte sich einerseits bis Genf, andrerseits bis Solothurn. c) Der Aargletscher, vom Berner Oberland bis über Bern. d) Der Reußgletscher, vom St. Gotthard über den Vierwaldstätter u. Zuger See. e) Der Linthgletscher, vom Tödi bis Zürich. f) Der Rheingletscher, aus Graubünden bis zum Wallensee, ja stellenweise bis zur Donau. g) Die vier Gletscher des Ticino, der Adda, des Oglio, des Mincio. Auch wenn wir weiter nach Osten gehen, finden wir deutliche Spuren solcher Gletscher: den Iller-, Inn-, Salzachgletscher. Auch die Pyrenäen waren v. Gletschern bedeckt. Ferner nehmen wir Spuren wahr im französischen Mittelgebirge, in den Vogesen, im Schwarzwald, Böhmerwald, Thüringerwald, Frankenwald, im Vogtlande, Riesengebirge, am Harz, in den Karpathen u. in Skandinavien. Die nördl. Gegenden v. Russland sowie Schottland u. England hatten eine mächtige Gletscherentwicklung u., wie Abich u. der Genfer Geolog Favre jüngst nachgewiesen haben, auch der Kaukasus zeigt die Wirkungen ehemaliger Gletscherbedeckung. Auf der Balkanhalbinsel fehlen sie. Wie weit sie sich in Asien erstrecken, wissen wir nicht genau. Dass der Altai frei davon ist, haben Bernhard v. Cotta u. G. v. Helmersen nachgewiesen. Aus alledem geht hervor, dass in ganz Mitteleuropa u. in einem Teile Asiens (vielleicht bis zum Altai) eine E. geherrscht haben muss, in welcher die Gletscher eine mit der jetzigen gar nicht zu vergleichende große Ausdehnung hatten.
Nun finden wir aber auch in der Norddeutschen Tiefebene erratische Blöcke, die wegen ihrer eckigen Form u. ihren Schrammen u. Ritzen kaum etwas anderem als Gletscherwirkungen ihre gegenwärtige Lage verdanken können. Daneben findet sich auch Geschiebelehm, eine schichtungslose Masse, die weit cher wie die Grundmoränen der Gletscher als wie etwa Wasserablagerungen aussehen. Zu gleicher Zeit aber treten uns ganz deutliche Diluvialbildungen entgegen, die wieder deutlich darauf hinweisen, dass diese Gegenden einst vom Wasser bedeckt waren. Der letztere Umstand führte zur sog. Drifttheorie, wonach auch die erratischen Blöcke in die Norddeutsche Ebene nur auf schwimmenden Eisbergen v. Skandinavien herabgekommen u. beim Schmelzen des Eises auf dem Meeresgrunde liegen geblieben wären. Das Wahrscheinlichste ist aber, dass die Gegenden Mitteleuropas v. einem seichten Meere bedeckt waren, u. dass sich die Wirkung der Gletscher mit jener des Wassers vereinigte. Wenn die Eismassen an den Gletscherenden mächtiger waren als die Tiefe der See, dann konnten sie sich nicht loslösen u. fortschwimmen, sondern sie rückten auf dem Seeboden vor, unter sich jene ungeschichteten Lagen v. Geschiebelehm absetzend. Wo dies nicht der Fall war, da schwammen die Eisstücke v. dem Gletscherrande ins Meer, die eingefrorene Grundmoräne (s. Gletscher) taute auf u. fiel nebst größeren Felstrümmern in die Tiefe, wo sie sich in regelmäßigen Lagen absetzte. Wie in Europa u. Asien, so scheinen auch in Nordamerika die Gletscher einst eine viel weitere Verbreitung gehabt zu haben als heute. Man findet Gletscherschliffe u. -schrammen in Kanada, Neuschottland u. Neubraunschweig und in den nördlichen Gegenden der Vereinigten Staaten. Auch Moränenzüge u. erratische Blöcke sind Zeugen für diese Gletscherentwicklung. Der Umstand, dass nur die nördl. Abhänge der Berge und Hügel die Spuren der Gletscher tragen, spricht dafür, dass sich dieselben v. Norden nach Süden erstreckten.
Man hat auch auf der südlichen Halbkugel der Erde eine mit der nördlichen gleichzeitige E. annehmen wollen. Namentlich wollte Agassiz auf seiner Reise durch Südamerika, 1865, Beweise dafür gefunden haben; es stellte sich aber alles als irrig heraus. Die erratischen Blöcke in Südamerika können ebensogut einer früheren od. späteren Zeit ihre Entstehung verdanken als die im N., sodass die südliche E., wenn überhaupt vorhanden, jedenfalls nicht mit der nördlichen zusammengefallen sein muss. Man hat auch noch ältere E-en, als die am Ende der Tertiärperiode ist, nachweisen wollen. So glaubten Gastaldi in den miocänen Schichten v. Turin, Godwin-Austen in der Kreide Englands u. in der Steinkohlenformation Frankreichs, Escher v.d. Linth in der Kreide der Alpen, Ramsay im Dyas Englands, Sorby im Old red Sandstone v. Schottland Spuren einer E. entdeckt zu haben. Alle diese Behauptungen sind aber solange mit Vorsicht aufzunehmen, als sie nicht eine genauere Bestätigung gefunden haben. Vorläufig kann es nur die Sache der Geologie sein, die besprochene, unzweifelhaft vorhanden gewesene E. der nördlichen Hemisphäre zu erklären; denn gegenüber der heute allgemeingültigen (Kant-Laplace’schen) Anschauung, dass die gegenwärtigen Temperaturzustände der Erdkugel durch allmähliche Abkühlung aus einem feurig-flüssigen Zustand entstanden sind, erscheint es als ein vollständiger Widerspruch, dass auf die viel wärmeren Perioden, die der E. unbedingt vorausgegangen sein müssen, ein Kältezustand, wie der beschriebene folgte. Man hat nun verschiedene Erklärungen der Eiszeit versucht. Die wichtigen derselben sind folgende: 1) dass unser Sonnensystem abwechselnd wärmere u. kältere Raumteile zu durchlaufen hätte; 2) Änderungen in der ausgestrahlten Wärmemenge; 3) größere Höhe der Gebirge; 4) die Umwandlung afrikanischer Seebecken in eine Wüste u. infolgedessen die Verwandlung der über die nördl. Gegenden streichenden Winde aus kalten in warme; 5) Veränderungen in der Verteilung v. Land u. Wasser auf der Erdoberfläche; 6) periodische Veränderungen in der Achsenstellung der Erde. Von allen diesen Annahmen sind nur die beiden Letzteren zu berücksichtigen, die drei Ersteren sind durch keinerlei Tatsachen gestützte, ganz grundlose Hypothesen; die vierte wird durch den Einwand Doves beseitigt, dass bei der jetzigen Ausdehnung des Saharabeckens für den Fall, dass es ein Seebecken war, jene Erklärung nur für ein östlicher als die Alpen gelegenes Feld ausreichen würde. Nähme man aber selbst eine größere Ausbreitung der Sahara an, so könnte man vielleicht die Eisbildungen der Alpen, keineswegs aber die der Vogesen, Englands, Schottlands u. Skandinaviens erklären. Man kann aber sehr bedeutende klimatische Änderungen erklären, wenn man eine Veränderung in der Verteilung v. Wasser und Land annimmt. Man ersieht das daraus, dass gegenwärtig auf der südlichen Halbkugel, wo ungleich viel mehr Wasser ist als auf der nördlichen, wesentlich andere Temperaturverhältnisse unter gleichen Breiten herrschen. Auf der Südspitze Amerikas, an den Küsten v. Chile ragen in der gleichen geografischen Breite, wie die unserer Alpen ist, Gletscher bis zum Meere herab. Nun geht aber aus dem Früheren hervor, dass zwischen den beiden Gebieten, dem der Alpen einerseits u. dem englischen, schottischen u. skandinavischen Gletschergebiete andrerseits, ein Seegebiet gewesen sein muss. Gleichzeitig geht aus der Beschaffenheit der Koralleninseln hervor, dass höchstwahrscheinlich in jener Zeit größerer Wassermasse auf der nördlichen, eine Solche größerer Landmasse auf der südlichen Halbkugel geherrscht haben muss. Darwin hat ja aus dem Bau dieser Inseln nachgewiesen, dass das Land da in einer jüngeren geologischen Periode um 1000-3000 Fuß gesunken sein muss. Eine Senkung des Bodens auf der südlichen Halbkugel war aber stets begleitet v. einem Wasserabfluss v. der nördlichen, sodass wir es mit einer wahren Umsetzung der Meere zu tun haben, die jene E. erklärlich macht. Ein auf das Frühere gestütztes Bild der Verteilung v. Land u. Wasser auf der nördlichen Halbkugel während der E. wäre etwa folgendes: Europa bildete eine lang gestreckte, v. O. nach W. ausgedehnte Insel; die nördlichen Küstenländer dieses Kontinents, wie Holland, Norddeutschland, Dänemark, Polen, Russland zum großen Teile, waren unter Wasser; die englischen, schottischen, skandinavischen Gletscher ragten inselartig aus diesem Meere empor. Die Steppen Sibiriens zwischen Altai u. Ural waren ebenfalls v. diesem Meere bedeckt, u. es existierte wahrscheinlich eine Wasserstraße v. diesem Meere zum Mittelländischen Meere. Das Südufer des großen Meeres war wohl längs einer Linie gelegen vom Ural über Tula, durch Polen, längs der Sudeten u. des Riesengebirges, über Thüringen, wendete sich dann nordöstlich bis zum Harz, ging längs des Nordrandes des Letzteren durch das südliche Hannover, Westfalen bis Bonn u. dann durch Belgien nach Calais. Zwischen dem Lausitzer- u. dem Erzgebirge scheinen einige nach Böhmen hineinragende Buchten gewesen zu sein.
Neben der eben angeführten Erklärung behauptet sich noch jene andere, auf astronomische Verhältnisse gestützte. Infolge der Exzentrizität der Erdbahn bewegt sich die Erde nicht immer mit derselben Geschwindigkeit, sondern schneller in der Sonnennähe, langsamer in der Sonnenferne. Es hat deswegen auch diejenige Halbkugel, welche ihren Winter innerhalb der sonnennahen Zeit hat, einen längeren als die andere. Nun ändert aber die Achse der Erde ihre Lage zur Sonne; deshalb wird jene Zeit eines längeren Winters nicht immer für dieselbe Halbkugel stattfinden. Die Erdachse beschreibt nämlich in 21000 Jahren eine volle Umdrehung, u. während dieser Zeit werden zweimal (einmal für die nördliche, einmal für die südliche Halbkugel) die Winter u. Sommer wirklich gleich sein. 10500 Jahre lang aber wird die nördliche u. ebenso lange die südliche Halbkugel längere Winter haben. Wenn aber auf einer Halbkugel wesentlich längere Winter als Sommer sind, dann kann die mittlere Jahrestemperatur so weit sinken, dass eine Kälteperiode möglich ist. Diese Differenz kann aber, nach astronomischen Berechnungen, bis zu einem Maximum v. 36 Tagen anwachsen. Es ist nun sowohl diese wie die vorige Erklärung möglich, u. es könnte die E. aus einem Zusammenwirken der beiden Ursachen entstanden sein. Wir müssen nur in beiden Fällen annehmen, dass die E-en für die nördliche und südliche Halbkugel nicht gleichzeitig gewesen seien, was ja, wie erwähnt, durch nichts erhärtet ist.
Literatur: Heer, Die Urwelt der Schweiz (Zür. 1865); Völker, Eine auf physische u. mathematische Gesetze begründete Erklärung der Ursache der E. (St. Gallen 1877); Kjerulf, Die E. (Berl. 1878); Penck, Die Vergletscherung der deutschen Alpen (Lpz. 1882); Ders., Die E. in den Pyrenäen (ebd. 1885).
Fraas
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 5, 1890
2) Oskar F., Geolog, geb. 17/1 1824 Lorch (Württemberg), studierte zuerst Theologie u. wandte sich sodann den Naturwissenschaften zu. Bis 1847 war er Vikar in Balingen u. ging in demselben Jahre nach Paris, um d’Orbigny u. Elie de Beaumont zu hören. 1848 wurde er Vikar in Leutkirch, hierauf Pfarrer in Lauffen, seit 1853 ist er Konservator des Naturalienkabinetts in Stuttgart. F. richtete seine hauptsächlichste Tätigkeit auf die geologische Durchforschung v. Süddeutschland. 1864 bereiste F. den Orient, wo er dem Jura Palästinas besondere Aufmerksamkeit schenkte. 1866 machte er die wichtige Entdeckung der Schussenrieder Menschenreste, beschrieben in seiner Schrift: «Die Funde an der Schussenquelle in Schwaben» (Stuttg. 1867) u. ebenso 1871 weitere Höhlenausgrabungen. Ferner widmete er sich als Stuttgarter Stadtrat der Grabung artesischer Brunnen, der Kanalisations- u. Abfuhrfrage, übernahm die Leitung der Württemberg. Weinverbesserungsgesellschaft u. durchforschte 1875 in geologische Beziehung den Libanon im Auftrage Rustem Paschas, Generalgouverneurs des Libanon. 1872 ff. war F. Mitvorstand der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft. Er schrieb: «Die nutzbaren Mineralien Württembergs» (Stuttg. 1860); «Fauna v. Steinheim, mit Rücksicht auf die miocänen Säugetier- u. Vögelreste» (ebd. 1870); «Aus dem Orient» (ebd. 1867); «Vor der Sündflut» (3. Aufl. ebd. 1870); «Drei Monate am Libanon» (2. Aufl. ebd. 1876); «geologische Beobachtungen am Libanon» (ebd. 1878); «A&tosaurus ferratus, die gepanzerte Vogelechse aus dem Stubensandstein bei Stuttgart» (ebd. 1877); «Württembergs Eisenbahnen mit Land- u. Leuten an der Bahn» (ebd. 1880); «Geognostische Beschreibung v. Württemberg, Baden u. Hohenzollern» (ebd. 1882).
Fritsch
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 6, 1890
5) Karl v. F, Geolog u. Reisender, geb. 11/11 1838 Weimar, seit 1876 ordentl. Prof. der Geologie an der Universität Halle; studierte 1860-62 in Göttingen Naturwissenschaften, bereiste 1862 Madeira u. die Kanarischen Inseln, habilitierte sich 1863 in Zürich, machte 1866 eine Reise nach Santorin, wurde 1867 Dozent für Mineralogie u. Geologie am Senckenbergschen naturwissenschaftlichen Museum in Frankfurt a.M.; als dessen Direktor bereiste er 1872 Marokko u. kam 1873 als Prof. nach Halle. Er schrieb: «Reisebilder v. den Kanarischen Inseln» (Gotha 1867); «Das Gotthardgebiet» (Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz, 15. Liefg., Bern 1873); «Allgemeine Geologie» (Stuttg. 1888); mit Hartung u. Reiß: «Tenerife, geologisch u. topographisch dargestellt» (ebd. 1867); mit Reiß: «Geologische Beschreibung der Insel Tenerife» (Winterthur 1868).
Gelbeisenerz
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 6, 1890
(Gelbeisenstein, gelber Glaskopf, gelber Eisenocker, Xanthosiderit), Mineral aus der Gruppe der Sulfate, in nierförmigen, knolligen Formen, erdig, ockergelb. Härte 2,5-3; Dichte 2,7-2,9; chemische Zusammensetzung: K?SO? + 4(Fe2)S’O" + 9H?O*. Fundorte: Kolosoruck u. Tschermig, Böhmen; Modum, Norwegen. Wird auf Eisen verhüttet.
Geologie
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 6, 1890
böhm. zemäzpyt, m; zemöväda, fi zemäslovi, n; dän. Geologi, g; engl. geology; frz. geologie, f; gr. yealoyin, holl. geologie, f ital. geologia, f, lat. geologia, f; schw. geologi, f; sp. geologia, f; ung. földtan.
G. (griech., v. g Erde, lögos Wissenschaft), die Wissenschaft v. dem Bau u. der Entwicklung der festen Erdbestandteile. Begriff u. Einteilung. Die G. zerfällt in einen beschreibenden Teil, Geognosie, der uns mit der Zusammensetzung der Erde in ihrem gegenwärtigen Zustande bekannt macht, u. in einen spekulativen, Geogenie, der uns zeigt, wie sich dieser gegenwärtige Zustand allmählich entwickelt hat. Von der G. im allgem. wird gewöhnlich der Teil, der sich mit der uns allein zugänglichen festen Erdrinde beschäftigt, als spezielle G. abgesondert behandelt u. in folgende Abschnitte geteilt: 1) Petrographie (Lithologie), d.i. die Lehre v. den Gesteinen, welche die feste Erdrinde bilden; 2) die Geotektonik, d.i. die Lehre v. den Schichten(Stratigraphie) u. Lagerungsverhältnissen der Gesteine u. 3) die Formationslehre (historische G.), d.i. die Lehre v. der Aufeinanderfolge der Schichten, ihrem allmählichen Werden u. ihren entwicklungsgeschichtlichen Beziehungen zur Fauna u. Flora der Gegenwart (Petrefaktologie, Paläontologie, Versteinerungskunde).
Geschichte. Die Ursprünge geologischer Wissenschaft sind einerseits in den Mythen u. Sagen der Völker über die Entstehung hervorragender Naturphänomene, andrerseits in den philosophisch-theologischen Anschauungen der Bibel u. der älteren Philosophen wie Empedokles, Megasthenes, Hekatäos, über die Bildung der Erde zu suchen. Aristoteles bildete schon eine vollständige geologische Hypothese dahingehend aus, dass die Erde ein großer Organismus sei, an dem die verschiedenen Teile zu verschiedenen Zeiten einen anderen Feuchtigkeitsgrad haben u. folgerte daraus einen periodischen Wechsel v. Land u. Wasser. Leonardo da Vinci schloss aus dem Vorhandensein v. Versteinerungen auf ehemaligen Meeresboden. Im Mittelalter war bei der völlig v. der Theologie abhängigen Wissenschaft eine Entwicklung der G. nicht möglich. Dazu bedurfte es auch erst einer gründlichen Kenntnis der Mineralien, in welcher Richtung der deutsche Arzt Georg Agricola (1490-1555) durch Begründung der wissenschaftlichen Mineralogie bahnbrechend wurde. Fabius Colonna unterschied 1616 Land- u. Meereskonchylien. Der Ruhm aber, die G. zuerst als eine besondere Wissenschaft eingeführt zu haben, gebührt Niels Stenon (1631-86), einem Dänen; er gab 1669 «De solido inter solidum naturaliter contento» heraus, wovon 1831 Elie de Beaumont in den «Ann. des sc. nat.» T. XXV einen Auszug geliefert hat. Stenon erkannte bereits, dass die feste Erdrinde aus über einander gelagerten Schichten mit charakteristischen Fossilien besteht, die durch Erdbeben u. vulkanische Eruptionen aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht worden sind. Die Gänge führte er auf die Ausfüllung v. Spalten zurück, die durch jene Störungen in der regelmäßigen Aufeinanderfolge der Schichten entstanden sind. Der Engländer Martin Lister (1638-1712) erklärte die Vulkane durch Zersetzung u. Entzündung unterirdischer Schwefellager. Sein Landsmann Robert Hooke (1635-1703) suchte in seinen «Lectures on Earthquaques» nachzuweisen, dass alle Versteinerungen v. ausgestorbenen Organismen herrühren. Aus den Versteinerungen in England schließt er, dass dieses Land einst vom Meere bedeckt war. Ed. Eloyd spricht 1689 in seinem Werke: «Iconographia lithophilocii britanici» die Ansicht aus, dass es in jeder Schichte ganz bestimmte Fossilien gibt. Bei ihm ist also schon die erst in unserem Jahrh. v. V. Smith begründete Theorie der Leitfossilien vorgebildet. John Woodward hat in seinem Werke: «Essay towards a natural history of the earth» nachgewiesen, dass die Versteinerungen teils v. Land-, teils v. Meeresorganismen herrühren. Es ist bei ihm also bereits ein Anklang an die durch Voltz im 19. Jahrh. begründete Faciestheorie enthalten. J. Petifer liefert 1702 die ersten Abbildungen v. Pflanzenversteinerungen. Gottfr. Mylius stellt 1709 eine Schichtenfolge des thüringischen Zechsteins auf. Ant. Valisneri spricht 1721 die Ansicht aus, dass die Versteinerungen durch das Meer u. die Flüsse abgelagert worden sind, u. dass dabei die Sintflut keine Rolle gespielt habe. 1740 tritt Lazaro Moro mit dem Buche auf: «Dei crostacei e degli alteri marini corpi che trovamo nei monti». 1756 gewann Füchsel die Anschauung v. einer ursprünglich horizontalen Lagerung aller Gebirgsschichten, schrieb die ungleichförmige Lagerung derselben einer Hebung u. Verschiebung des Bodens zu u. führte zuerst den Begriff der Formation ein. Hervorzuheben sind in dieser Zeit noch PS. Pallas (1741-1811) u. Horace de Saussure (1740-99). 1780 etwa schuf dann Abr. Gottl. Werner ein vollständig neues geognostisches System. Er beobachtete zuerst die Schichtung u. Lagerung der Gesteine genauer u. bildete den Begriff der Formation dahin aus, dass er darunter eine unter gleichen Verhältnissen entstandene geologische Schichtenfolge verstand. Die Bildung der festen Erdrinde betrachtete er rein neptunisch u. die vulkanische Tätigkeit als vollständig untergeordnet. Erdbrände sind ihm die Ursache der vulkanischen Tätigkeit. Hebungen u. Senkungen der Schichten ließ er nicht gelten. Die Schichten sollen vollkommen regelmäßig durch sukzessiven Absatz aus dem Wasser entstanden sein. Er hat eine große Anzahl v. Schülern gewonnen, obwohl seine Theorie heftig angegriffen wurde. Seine Gegner waren Füchsel, Voigt, Charpentier, namentlich aber der Engländer James Hutton (1726-97), der die Hypothese aufstellte, dass alle kristallinischen Gesteine feuerflüssig emporgestiegen seien. Die beiden widerstreitenden Anschauungen Werners u. Huttons teilten die Geologen der Zeit in zwei v. einander streng geschiedene Parteien, die sich in der heftigsten Weise befehdeten.
William Smith (1769-1834) erkannte auf seinen zahlreichen Reisen die gleichmäßige Lagerung der Gesteine im südöstlichen England u. benutzte in geschickter Weise die Versteinerungen zur Identifizierung der einzelnen Schichten u. legte somit den Grund zur heutigen Formationslehre. Durch seine Bemühungen entstand die Geological society of London (1810) u. die erste geognostische Karte v. England mit genauen Profilen (1815).
Von den zahlreichen Schülern Werners ist bes. Leopold v. Buch (1774-1853) zu erwähnen. Seine ausgedehnten Reisen befähigten ihn, in größerem Maßstabe Beobachtungen anzustellen. In Italien, u. namentlich in der Auvergne (1812), gewann er die Überzeugung, dass Vulkane doch etwas v. Erdbränden Unabhängiges sein müssten, u. dass die mit den Laven in innigster Beziehung stehenden Basalte, für deren wässerige Entstehung er einst der eifrigste Verteidiger gewesen, sowie auch der Granit vulkanische Bildungen seien. Hier fasste er die Idee der Erhebungskrater, welche, weiter ausgeführt, bald zu der Vorstellung der großartigsten vulkanischen Hebungen führen sollte. Buch machte darauf aufmerksam, dass die Vulkane sehr verschiedener Gegenden eine reihenweise Anordnung besitzen, u. dass diese Reihen großen Spalten entsprächen, aus welchen sie durch unterirdische Kräfte emporgetreten sind. Auch über die Porphyre u. die Umwandlung des Kalksteines in Dolomit durch Eindringen vulkanischer Magnesiadämpfe stellte Buch zahlreiche Aufsehen erregende Untersuchungen an. Alex. v. Humboldt (1769 bis 1859) gewann auf seinen Reisen nach Amerika u. dem asiatischen Russland wichtige Aufschlüsse, sowohl über die Vulkane u. Erdbeben als auch über die allgemeinen geognostischen Verhältnisse jener Gegenden. In der Schule Werners erzogen, verfocht er anfangs gleich seinem Freunde L.v. Buch die neptunische Entstehung der Basalte, schloss sich dann jedoch gleichfalls der vulkanischen Richtung an. In Frankreich wurden trotz der objektiven verdienstvollen Darstellungen in- u. ausländischer Verhältnisse durch Faujas de Saint-Fond (17411819) u. Dolomieu (1750-1801), vielleicht als Reaktion auf die hypothetischen Erdbildungstheorien v. Buffon u. de la Mötherie, durch d’Aubuisson (1769-1841), Heron de Villefosse (1774-1852) [etc.] die Wernerschen Lehren eingeführt. In Deutschland war es namentlich A. Boue, der sich Huttons Ideen aneignete.
Die für die G. wichtigsten Untersuchungen in dieser Zeit wurden v. G. Cuvier u. Alex. Brongniart geliefert; diese stellten zuerst die Abweichung der organ. Reste auch in den jüngsten Perioden v. der Jetztwelt fest u. dadurch wurde bereits die scharfe, durch Erdrevolutionen erklärte Abgrenzung der einzelnen Formationen erschüttert. Schon v. Buch hatte säkulare Hebungen u. Senkungen großer Gebiete nachgewiesen, nahm aber für die Erhebung der Gebirge doch noch plötzliche Dislokationen an. Hier wurde zuerst durch de la Beche u. Poullet Scrope, namentlich aber durch Karl v. Hoff (1771-1837) in der gekrönten Preisschrift «Geschichte der durch Überlieferung nachgewiesenen natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche» auf die Wirkung in längeren Zeiträumen analog den heutigen vor sich gehenden Veränderungen der festen Erdrinde hingewiesen. Da gab Charles Lyell in den Jahren 1831-32 seine «Principles of geology» heraus u. wies darin nach, dass man durch den Wechsel der Verteilung v. Wasser u. Land, durch langsame Hebung u. Senkung des Bodens zu denselben Resultaten gelangen könne wie durch die ganz hypothetischen u. unwissenschaftlichen Katastrophen. Lyell führt die fortlaufenden Veränderungen in ihren langsamen, aber durch die Länge der Zeit mächtigen Wirkungen an u. erläutert sie an vielen genau ausgeführten Beispielen, wobei ihm seine auf ausgedehnten Reisen gesammelten Beobachtungen zustatten kamen. Vorurteilsfrei gibt er an, welche Ausdehnung man den Wirkungen bestehender Veränderungen geben könne, u. zeigt, in welcher Weise die vulkanischen Kräfte für die Theorie verwertet werden dürfen. Die v. Lyell angegebenen langsamen Veränderungen in der festen Erdrinde schufen dem v. Bou& näher bezeichneten Metamorphismus einen günstigen Boden, u. die Geologen beeilten sich, den Einzelheiten dieses schnell zu Ehren kommenden Entwicklungsmomentes nachzuforschen u. die eingehendsten, selbst chemischen Untersuchungen anzustellen. Am erfolgreichsten in der Ausbeutung chemischer Vorgänge im Dienste der G. war G. Bischof, der das große Verdienst hat, die Chemie in den Dienst der G. gestellt zu haben. Er hat als der Erste auf die Wichtigkeit chemischer Analysen bei der Erklärung der Entstehung v. Erdprozessen hingewiesen. Gegenwärtig betrachtet es die G. als ihre Aufgabe, durch vollständige erfahrungsmäßige Erkenntnis der Zusammensetzung der ganzen Erdrinde, soweit Vollständigkeit möglich ist, allmählich den Prozess ihrer Entstehung zu begreifen.
Literatur: Karten: Dumont, Carte geologique de la Belgique, 1:833333 u. 1:160000 (1836-49); Ders., Carte geologique de l’Europe, 1:4000000 (Par. u. Lütt. 1850); Dufrenoy u. Elie De Beaumont, Carte geologique de la France, 1:500000 (Par. 1840); Gümbel, Geognostische Karte des Königreichs Bayern u. der angrenzenden Länder, 1:500000 (Münch. 1855); Bach, Geognostische Übersichtskarte v. Deutschland, der Schweiz u. der angrenzenden Länder (Gotha 1855, 9 Blatt); Ders., Geologische Karte v. Zentraleuropa (Stuttg. 1859), 1:450000 (ebd. 1860); Staring, Geol. kaart van Nederland, 1:200000, mit einer Übersichtskarte in 1:1500000 (Haarlem 1858-67); Phillips, Geological map of the British Isles and adjacent coast of France, 1:1500000 (2. Aufl. Lond. 1862); Studer u. Escher v. der Linth, Carte geologique de la Suisse, 1:760000 (2. Aufl. Winterthur 1867; Übersichtskarte in 1:380.000, 2. Aufl. ebd. 1872); Hauer, Geologische Übersichtskarte der österr.-ungar. Monarchie, 1:576000 (Wien 1867-76, 12 Blatt); Ders., Geologische Karte v. Österreich-Ungarn, 1:2026000 (4. Aufl. ebd. 1884); Dechen, Geognostische Übersichtskarte v. Deutschland, Frankreich, England u. den angrenzenden Ländern, 1:2500000 (2. Ausgabe Berl. 1869); Ders., Geologische Karte v. Deutschland, 1:2000000 (ebd. 1870); Marcon, Carte geologique de la terre, 1:23000000 (Zür. 1875); Carta geologica d’Italia, 1:1111111 (Rom 1881); Fraas, Geognostische Wandkarte v. Württemberg, Baden u. Hohenzollern, 1:280000 (Stuttg. 1882); Geologische Karte v. Schweden (1862 bis jetzt, noch unvollendet), 1:5000; Theodor Kjerulf, Geologisk overtigts kart over det sydlige Norge (Christiania 1871). - Vgl. auch den Artikel Geologische Landesanstalten. Lehrbücher: Lyell, Principles of geology (Lond. 18301832; 12. Aufl. 1876, 2 Bde.); Ders., Elements of geology (ebd. 1838, 6. Aufl. 1865); Naumann, Lehrbuch der Geognosie (2. Aufl. Lpz. 1858-72, unvollendet); Quenstedt, Epochen der Natur (Tübing. 1861); Bischof, Lehrbuch der chemischen u. physikalischen G. (2. Aufl. Bonn 1863-66); Vogelsang, Philosophie der G. u. mikroskopische Gesteinsstudien (ebd. 1867); Senft, Lehrbuch der Mineralien- u. Felsartenkunde (Jena 1869); Ders., Synopsis der Mineralogie u. Geognosie (Hannov. 1876 u. 78, 2 Tle.); Ders., Fels u. Erdboden (Münch. 1876); Stoppano, Corso di geologia (Mail. 1871); Pfaff, Allgemeine G. als exakte Wissenschaft (Lpz. 1873); Cotta, G. der Gegenwart (4. Aufl. ebd. 1874); Hauer, Die G. u. ihre Anwendung auf die Kenntnis der Bodenbeschaffenheit der österr.-ungar. Monarchie (2. Aufl. Wien 1877); Brauns, Die technische G. (Halle 1878); Daubree, Etudes synthetiques de g&ologie exp&rimentale (Par. 1879; deutsch v. Gurlt, Braunschw. 1880); Heer, Urwelt der Schweiz (2. Aufl. Zür. 1879); Vogt, Lehrbuch der G. u. Petrefaktenkunde (4. Aufl. Braunschw. 1879); Roth, Allgemeine u. chemische G. (Berl. 1879ff.); Dana, Manual of geology (10. Aufl. Philad. 1880); Gümbel, Grundzüge der G. (Kass. 1884 ff.); Leonhard, Grundzüge der Geognosie u. G. (4. Aufl., hrsg. v. Hörnes, Lpz. 1885); Geikie, Textbook of geology (2. Aufl. Lond. 1885); Suess, Das Antlitz der Erde (Prag u. Lpz. 1885, Bd. 2, 1888); Neumayr, Erdgeschichte (Lpz. 1886 u. 1887, 2 Bde.); Credner, Elemente der G. (6. Aufl. ebd. 1887); v. Fritsch, Allgemeine G. (Stuttg. 1888); Reyer, Theoretische G. (ebd. 1888). - Mikroskopische G.: Zirkel, Die mikroskopische Beschaffenheit der Mineralien u. Gesteine (Lpz. 1873); Cohen, Sammlung v. Mikrophotographien zur Veranschaulichung der mikroskopischen Struktur v. Mineralien u. Gesteinen (Stuttg. 1884); Rosenbusch, Mikroskopische Physiographie der petrographisch wichtigen Mineralien (2. Aufl. ebd. 1885); Ders., Mikroskopische Physiographie der massigen Gesteine (2. Aufl. ebd. 188687, Abt. 1 u. 2); Ders., Hilfstabellen zur mikroskopischen Mineralbestimmung in Gesteinen (ebd. 1888). — Paläontologische G.: Goldfuß, Petrefacta Germaniae (Düsseld. 1826-44); Quenstedt, Petrefaktenkunde Deutschlands (Tübing. u. Lpz. 1846 ff., unvollendet); Ders., Handbuch der Petrefaktenkunde (3. Aufl. Tübing. 1885); Zittel, Aus der Urzeit (2. Aufl. Münch. 1875); Ders., Handbuch der Paläontologie (ebd. 1876ff., Paläophytologie v. Schimper u. Schenk bearbeitet); Hörnes, Elemente der Paläontologie (Lpz. 1884); Schenk, Die fossilen Pflanzenreste (Bresl. 1888). - Werke geschichtlichen Inhalts: Hoffmann, Geschichte der Geognosie (Berl. 1838); Cotta, Beiträge zur Geschichte der G. (Lpz. 1877).
Zeitschriften [etc.]: Außer den Mitteilungen der verschiedenen geologischen Landesanstalten («Jahrbuch» der königl. preuß. Geologischen Landesanstalt u. Bergakademie zu Berlin, «Jahrbuch» der k. k. Geologischen Reichsanstalt zu Wien, «Abhandlungen» der großherzogl. hess. Geologischen Landesanstalt zu Darmstadt [etc.]) «Jahrbuch für Mineralogie u. G.» (Stuttg., seit 1830, als Fortsetzung des «Mineralogischen Jahrbuchs», 1807 v. Leonhard gegründet); «Zeitschrift der deutschen Geologischen Gesellschaft» (Berl., seit 1848); «Transactions», «Proceedings» u. «Quarterly Journal» der Geological Society of London; «Geological Magazine» (Lond., seit 1864); «Bulletin de la Societ£ geologique de France» (Par.); «Bulletino del R. comitato geologico d’Italia»; «Mineralogische u. petrographische Mitteilungen» (hrsg. v. Tschermak, Wien, seit 1878); «Palaeontographica» (Cass., später Lpz.); «Paläontologische Abhandlungen» (hrsg. v. Dames u. Kayser, Berl.). Vgl. auch die Literatur zu dem Artikel Gesteine.
Sammlungen: In den meisten Residenzen als Staatssammlungen, ferner in Verbindung mit den geologischen Landesanstalten, vielen Hochschulen [etc.] als Hilfsmittel zum Studium der G. vorhanden.
Geologisch-Agronomische Flachlandsaufnahme
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 6, 1890
Eine v. der Geologischen Landesanstalt in Preußen besorgte Karte, auf welcher die geologischen Verhältnisse des norddeutschen Flachlandes insoweit dargestellt werden, als sie für die Landwirtschaft v. Wichtigkeit sind. Es wird dabei der geologische Bau des Bodens bis zu einer solchen Tiefe berücksichtigt, als er für die Landwirtschaft noch Bedeutung hat. Eine solche Karte bietet Aufschluss über Orografie u. Topografie einer Gegend, die geologische Abhängigkeit u. das relative Alter der Schichten (durch verschiedene Farben u. Buchstabeneinschreibung), dann die Gesteinsverschiedenheit der einzelnen Schichtenteile in einer u. derselben Schichte (durch verschiedene Schraffierung), ferner Angaben über die Mächtigkeit der Bodenkrume u. des Untergrundes. Die Ablagerungen bestehen aus Alluvium u. Diluvium, also aus Lehm-, Mergel-, Ton-, Sand-, Geröll-, Geschiebe- u. Torfschichten [etc.] Findet man also auf einer Karte angegeben, 179 T6-8 so bedeutet diese Bezeichnung, dass auf einer $ Sandunterlage 6-8 cm dick eine Torfschichte u. 7-9 cm dick eine Lehmschichte liegt. Diese Angaben werden aufgrund v. Bohrungen gemacht, v. denen immer eine größere Zahl zusammengenommen u. das arithmetische Mittel der dabei gewonnenen Messungen auf den Karten eingetragen wird. Man kann aber auf besonderen Wunsch die Ergebnisse sämtlicher Bohrungen, auf besonderen Karten eingetragen erhalten. Auf jeder Karte findet man am Rande die entsprechenden Bodenprofile angegeben, ferner eine Erklärung der Farben u. der Zeichen. Die jedem Blatte beigegebene Erklärung enthält geologische u. petrografische Angaben sowie Analysen der Bodenarten. Der Maßstab der Karten ist 1:25000. Bereits aufgenommene Gegenden sind: Umgegend v. Berlin, Elbegebiet, Havelgebiet, Uckermark, Ost- u. Westpreußen. Man hat ähnliche Aufnahmen auch für Sachsen u. die Straßburger Gegend hergestellt.
Geologische Formationen
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 6, 1890
(Gebirgsformationen, geologisches System; siche hierzu die Tafel «Geologische Formationen»), durch gemeinsame Eigenschaften der Lagerung, Struktur [etc.] gekennzeichnete Gebirgsglieder. Die geschichteten Gebirgsglieder unserer Erde lassen durch ihre Übereinanderlagerung eine gewisse Altersfolge erkennen u. zwar so, dass sich die Glieder umso jünger erweisen, je weiter oben sie zu liegen kommen. Man ersieht dies daraus, dass die Tierreste umso vollkommener werden, je höher die Schichten liegen. Eine Schichtengruppe, die in ihren organischen Resten gegenüber anderen eine gewisse Gleichförmigkeit erkennen lässt, heißt eine Formation u. der Zeitraum, der zu ihrer Bildung notwendig ist, eine geologische Periode. Wenn die Bildung der Formationen ohne jede Störung ruhig vor sich gegangen wäre, dann müssten dieselben stetig ineinander übergehen, u. auch die Organismenreste müssten v. unten nach oben eine stetige Entwicklungsreihe vom unvollkommensten Wesen bis zur heutigen Lebewelt bilden. Das ist aber nicht der Fall. Es ist vielfach später Festland geworden, was einst Meeresboden war, wodurch die Schichtenbildung für lange Zeit unterbrochen wurde, od. es haben andere ähnliche Störungen stattgefunden. Das nötigt uns oft, wenn wir ein geologisches System der Formationen aufstellen wollen, die ergänzenden Übergangsglieder zweier übereinanderliegender Schichten in örtlich weitabliegenden Gebieten zu suchen, wo gerade die Verhältnisse wieder dem Absetzen dieser Glieder günstig waren. Im Verlaufe einer Formation sind gewöhnlich gewisse organische Typen herrschend, die ihr dann den Charakter geben u. die man Leitfossilien nennt. Beginnen wir mit der obersten geologischen Periode, so ergibt sich folgende absteigende Reihe der Formationen: Tabelle der Formationen. IMAGE Geologische Gesellschaften Geologische Landesanstalten Glasartig Gold Hammerschmidt Hauer Haushofer
Die anthropozoische Periode od. Jetztzeit der Erde. Alluvium od. jungquartäre Gebilde mit rezenten Süßu. Salzwasserbildungen, Torfmooren, Korallenbauten u. modernen vulkanischen Produkten. Diluvium od. altquartäre Gebilde, zerfallen in die postglaziale Stufe, in die Eiszeit u. in die präglaziale Stufe. In dieser Periode finden wir bereits den Urmenschen u. das Mammut. Man bezeichnet die Jetztzeit auch als die Zeit der dritten großen Säugetierfauna. Man findet Reste v. Mammut, Höhlenbär, Auerochs, Moschusochs, Pferd [etc.]. Nach den Gerätschaften, die man in letzterer Zeit in Höhlen, Seen u. Mooren der Jetztzeit entdeckt hat, teilt man sie ein in die Stein-, Bronze- u. Eisenzeit, je nach den Stoffen, aus denen diese Gerätschaften gemacht sind. Die känozoische Periode od. die Neuzeit der Erde zerfällt in die Neogenformation od. jüngere Tertiärformation und Eocänformation od. ältere Tertiärformation. Die erste wird wieder eingeteilt in a) eine Süßwasserstufe, b) eine sarmatische Stufe, teilweise aus Meeres-, teilweise aus brackischen Ablagerungen bestehend; c) eine mediterrane Stufe. Das Eocän besteht aus einer oberen Abteilung u. einer unteren Abteilung. Das Neogen enthält die zweite große Säugetierfauna (Mastodon, Dinotherium), das Eocän die erste (Palaeotherium). Die Neuzeit enthält feste Konglomerate, Kalke, Sandsteine, Schiefer, losen Sand, Tegel. Die marinen Ablagerungen enthalten viel Salz, Gips, Schwefel u. Petroleum, die Süßwasserschichten Braunkohlen. Deshalb nennt man sie auch Braunkohlengebirge. Die mesozoische Periode od. das Mittelalter der Erde. Hierher gehören: die Kreideformation, bestehend aus einer oberen (Kreide, Pläner, Quadersandstein enthaltend), einer mittleren (Kalk, Sandstein, Ton, Mergel) u. einer unteren Abteilung. In der oberen Abteilung treten die ersten Laubhölzer auf; in der unteren u. mittleren sind Ammoniten u. Belemniten häufig, die in der oberen bereits erlöschen. Zwischen der Kreide und der nächst tiefer liegenden Formation liegt die sog. Wäldertonformation (englisch Wealden) eingelagert, mit großen Landsauriern. Die Juraformation zerfällt ebenfalls in eine obere Abteilung (Malm od. weißer Jura) mit den ersten Knochenfischen, Schildkröten, Flugechsen u. Vögeln; eine mittlere Abteilung (Dogger od. brauner Jura) mit Beuteltieren u. großen Belemniten; eine untere Abteilung (Lias od. schwarzer Jura) mit Pentakriniten, Belemniten, Ammoniten u. Meeressauriern. Die Flora besteht aus Kryptogamen, Koniferen u. Cykadeen. Das Übergangsglied zur nächsten Gruppe bildeten die sogenannten rhätischen Schichten mit den ältesten Säugetierresten (Microlestes, eine Art Beutelratte). Die Triasformation od. das Salzgebirge, bestehend aus einer oberen Abteilung (Keuper) mit Froschsauriern u. Krokodilen; mittleren Abteilung (Muschelkalk) mit Seelilien u. den ersten langschwänzigen Krebsen. In der Trias der Alpen finden sich die ersten Ammoniten; einer unteren Abteilung (bunter Sandstein) mit riesigen Schachtelhalmen, Palmen u. Nadelhölzern.
Die paläozoische Periode od. das Altertum der Erde. Zerfällt in die permische Formation (Dyas od. Kupfergebirge). Hier treten die ersten Reptilien u. Amphibien auf, viele ungleichschwänzige Schmelzschupper (Ganoidei). Sie gliedert sich in eine obere Abteilung (vorwiegend aus Kupfer bestehend) u. eine untere Abteilung (Rotliegendes); die karbonische Formation od. das Steinkohlengebirge; enthält eine obere Abteilung (produktives Kohlengebirge) mit den ersten Spinnen u. Insekten u. eine untere Abteilung (Bergkalk, Kulmschichten) mit vielen Krinoidenformen. Die devonische Formation od. das jüngere Grauwackengebirge. In dem alten roten Sandstein v. Schottland, welcher die oberste Abteilung bildet, treten als charakteristische Form Panzerfische auf; in der mittleren Abteilung finden wir Landkryptogamen, Korallen; in der unteren Abteilung Mollusken u. Trilobiten. Die silurische Formation od. das ältere Grauwackengebirge enthält die reichsten Gold-, Eisen-, Blei- u. Kupfererze, ist das Zeitalter der Trilobiten (die bereits im Karbon erlöschen) u. Graphtolithen. Die archaische Periode od. die Urzeit der Erde. Hier sind die ältesten Gesteinsbildungen der Erde enthalten, die man kennt u. die man als Grund- od. Urgebirge bezeichnet. Sie sind reich an nutzbaren Mineralien; v. edlen Metallen kommen vor: Gold, Silber, Platin; v. unedlen: Blei, Kupfer, Zinn, Eisen, Kobalt, Nickel, Antimon; v. Edelsteinen: Diamant, Rubin, Saphir, Spinell, Smaragd, Aquamarin, Zirkon, Topas, Granat, Beryll, Turmalin. Die Gesteine dieser Periode sind azoisch, d.h. sie enthalten keine sichtbaren organischen Reste. Man darf daraus aber nicht schließen, dass in dieser ältesten geologischen Periode keine organischen Wesen gelebt haben; sie haben sich nur so stark der Mineralform genähert, dass für uns ihr organischer Ursprung nicht zu erkennen ist. - Die Literatur siehe unter den Artikeln Geologie u. Gesteine.
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Wissenschaftliche Vereine zum Zweck der geologischen Erforschung der einzelnen Länder. Solche Gesellschaften sind: Geological Society of London, Royal geological Society of Ireland, die deutsche G.G. in Berlin, die Societ& g&ologique de la France, Societe Belge de G£ologie, de Pal&ontologie et d’Hydrologie, Societä Italiana di Scienze Naturali in Mailand u. Societä Geologica Italiana in Rom; auch Schweden u. die Schweiz haben ähnliche Körperschaften. Seit 1878 ist in den internationalen Geologenkongressen ein Institut geschaffen zum Gedankenaustausche aller Geologen. Sie haben hauptsächlich die Aufgabe, eine Einigung zu erzielen behufs Nomenklatur, Farbengebung u. Zeichen auf geologischen Karten u. in Büchern. Ferner liegt ihnen ob die gemeinschaftliche Herausgabe einer geologischen Übersichtskarte. Geologische Kongresse waren: 1878 Paris, 1881 Bologna, 1885 Berlin, 1889 London.
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Anstalten, die aus Landesmitteln erhalten werden u. sich die geologische Durchforschung der betreffenden Länder zur Aufgabe machen. Es liegt ihnen ob die Überwachung aller Erdarbeiten, insofern sie in Bezug zur Geologie stehen, der Bohrungen sowie der Anfertigung geologischer Karten, bes. insofern sie für den Bergbau, die Landwirtschaft u. das Forstwesen wichtig sind. Das erste Beispiel gab England 1835 mit dem Geological survey of the United Kingdom u. mit dem damit verbundenen Mining record office, Gouvernement school of mines u. dem Museum of practical geology. Die daselbst angefertigten Karten sind im Maßstabe v. 1:21 120. Seither wurden nach diesem Muster ähnliche Anstalten in allen bedeutenderen Staaten gegründet. So 1873 in Preußen (seit 1875 mit der in Berlin 1860 gegründeten Bergakademie vereinigt). Diese Anstalt ist heute eine der großartigsten ihrer Art. Ihre Aufgabe besteht darin: 1) eine geologische Spezialkarte v. Preußen u. den thüring. Staaten aufgrund der sog. Messtischblätter des Generalstabs anzufertigen (Maßstab 1:25000). Bisher sind 40 Lieferungen v. derselben erschienen; 2) wissenschaftliche Abhandlungen über die geologischen Verhältnisse des Landes zu veröffentlichen u. 3) ein geologisches Landesmuseum anzulegen. Ferner bestehen in Deutschland g.L. in Sachsen, Elsass-Lothringen u. Baden. In Württemberg wird eine geologische Spezialkarte (Maßstab: 1:50000) vom Statistischen Landesamt veröffentlicht, die bis auf wenige Blätter vollendet ist, in Hessen-Darmstadt vom Mittelrheinischen Geologenverein u.v. der 1885 errichteten Geologischen Landesanstalt. In Bayern veröffentlicht das Geognostische Bureau (1869 gegründet) eine geologische Karte u. dazugehörige Publikationen (Maßstab 1: 100000). Österreich hat seit 1849 die «Geologische Reichsanstalt» in Wien, welche «Verhandlungen», «Abhandlungen» u. ein «Jahrbuch» herausgibt. Die Kartenaufnahmen erfolgen in verschiedenen Maßstäben in den einzelnen Ländern 1 zu 28000, 1:144000 u. 1:288000. Außerdem sind eine große Anzahl v. Spezialkarten für die einzelnen Landesgebiete geliefert worden. Seit 1869 besteht in Pest eine selbstständige Geologische Landesanstalt für die ungar. Länder. In Frankreich liegt abgeschlossen die Carte geologique de la France (Maßstab: 1:500.000) vor, außerdem einzelne geologische Spezialkarten für Departements. Seit 1867 arbeitet man an der Carte geologique detaillde aufgrund der Generalstabskarten, die 1890 fertig werden soll. In Belgien fehlt es gegenwärtig an einer dem Stande der Gegenwart entsprechenden Karte. Es wird in Regierungskreisen über eine Umarbeitung der älteren Karten (1:160000 u. 1:833000) verhandelt. Die Niederlande sind eben mit der Anfertigung einer geologischen Karte nach dem Muster der preuß. beschäftigt. In Portugal ist die Comissäo geologica, in Spanien die Comision del mapa geologica d’Espafia mit der Anfertigung v. geologischen Karten beschäftigt (Maßstab: 1:100000 u. 1:200000). In Italien sorgt seit 1861 ein Comitato geologico für die Herstellung v. geologischen Karten. In der Schweiz arbeitet eine Kommission an der Carte g&ologique de la Suisse (1:380000). In Schweden besteht seit 1858 eine Sveriges geologisca undersökning, die eine Karte (1:50000) herausgibt, über Norwegen existiert ebenfalls eine geologische Karte (1:200000). In Russland besteht eine solche Anstalt noch nicht; in Nordamerika haben wohl die einzelnen Staaten solche Institute, eine gemeinschaftliche Anstalt für Nordamerika ist in Washington im Entstehen begriffen. In Japan ist seit 1876 eine Geologische Landesanstalt.
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(hyalin), der Zustand bei Mineralien od. Gesteinen, bei welchem sie mit bloßem Auge gar keine individuellen Teile unterscheiden lassen. Man hielt solche Mineralien früher überhaupt für durchaus gleichartig, was aber vor der mikroskopischen Untersuchung nicht aufrecht zu erhalten ist. Man hat auch in vielen früher für g. gehaltenen Individuen kleine Kristalle (Mikrolithen) nachgewiesen. Selbst so vollkommen g. aussehende Gesteine wie Obsidian, Pechstein, Perlit, Basalt, Melaphyr, Diabas sind voll v. solchen Mikrolithen. Am häufigsten treten Feldspat, Hornblende, Augit u. Apatit als Mikrolithe auf. Diese Einschlüsse sind haarförmig (Trichite), nadelförmig, stachelig, keulenförmig, sternförmig, schleifenförmig, schraubenförmig, perlschnurartig. Manchmal sind diese Einschlüsse in Form v. Wellenlinien (Mikrofluktuationsstruktur) angeordnet, woraus hervorgeht, dass die durch Erstarren entstandene Glasmasse, nachdem sie die Mikrolithe bereits umschlossen, noch im Zustande der Zähflüssigkeit war, sodass sie in einer Art durcheinanderfließender Bewegung war. Man nennt die glasige Masse, in der die Mikrolithe eingebettet sind, auch Glasbasis. Vgl. auch den Artikel Entglasung.
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böhm. zlato, n; dän. Guld, n; engl. gold; frz. or, m; gr. xovo&c, m; holl. goud, n; ital. oro, m; lat. aurum, n; schw. guld, n; sp. oro, m; ung. arany.
G. (Aurum), Au, Atomgewicht 196,6, spez. Gew. im Mittel 19,3 (geschmolzen 19,3, pulverförmig bis 19,7). Inhalt: Eigenschaften; Mineralogisches; Vorkommen; Gewinnung; Verwendung; Geschichtliches u. Statistisches; Literatur. - Eigenschaften. Das G. ist ein rein gelbes, stark glänzendes Metall; das natürlich vorkommende bildet zuweilen reguläre Oktaeder. Das dehnbarste v. allen Metallen; es lässt sich zu Drähten, v. denen 150m 0,6g wiegen u. Blättchen bis 0,0001 mm Dicke verarbeiten. Solche Blättchen sind je nach ihrer Dicke mit blauer od. grüner Farbe durchsichtig. Noch viel dünner sind die dennoch vollkommen zusammenhängenden G-überzüge, die man, wie bei der Darstellung der G-tressen, durch Ausplätten u. Ausziehen v. vergoldetem Silber erhält. Es schmilzt erst bei 1240° zu einer hellgrünen Flüssigkeit, zieht sich beim Erkalten stark zusammen u. kann deswegen nicht in Formen gegossen werden. An der Luft (selbst schwefelwasserstoffhaltiger), im Wasser, in Berührung mit Alkalien u. Säuren bleibt das G. bei allen Temperaturen unverändert, nur Königswasser u. alle Flüssigkeiten, welche freies Chlor enthalten, lösen es auf. In chemischer Beziehung zeichnet sich das G. durch seine Abneigung, mit anderen Elementen (namentlich mit Sauerstoff) Verbindungen einzugehen, sowie durch die leichte Zersetzbarkeit seiner Verbindungen aus; nur mit Chlor u. Brom verbindet es sich leicht u. direkt. Aus seinen Lösungen wird es durch die meisten anderen Metalle u. durch reduzierend wirkende Stoffe wie Eisenvitriol, Oxalsäure als braunes glanzloses Pulver od. in glänzenden Kristallflittern gefällt. Siehe auch den Artikel Goldproben.
Mineralogisches. Das G. ist ein Mineral aus der Gruppe der Elemente. Es kristallisiert tesseral (Oktaeder, Hexaeder, Rhombendodekaeder, Ikositetraeder u. Kombinationen); die Kristalle sind oft undeutlich u. verzerrt, die Flächen uneben; häufig Zwillingskristalle mit einer Oktaederfläche als Zwillingsebene; kommt blech-, platten-, baum-, moos-, draht-, haarförmig, gestrickt vor. Bruch hackig; Härte 2,5-3; geschmeidig u. dehnbar; messinggelb, speisgelb (umso lichter, je reicher an Silber); chem. Zusammensetzung: Elementgold, mit kleineren od. größeren Mengen v. Silber, auch mit geringen Quantitäten v. Kupfer, Eisen [etc.] gemengt; schmilzt vor dem Lötrohr leicht.
Vorkommen. Das G. kommt gediegen fast immer mit Quarz (G-quarz, Berggold) zusammen vor, der dann entweder auf Lagern od. Gängen in kristallinischen Schiefern sich findet. Gewöhnlich tritt dann auch Pyrit od. Brauneisenerz als Begleiter auf. Auf primärer Lagerstätte findet man G-quarz in kristallinischen Schiefern, manchmal auch in Granit, z.B. in NAmerika (Georgia, Carolina, Virginia), Brasilien, am Radhausberge bei Gastein. Als Begleiter v. Trachyt- u. Porphyrgesteinen u. anderen Eruptivgesteinen erscheint das G. bei Verespatak in Siebenbürgen, in Peru, Mexiko, Australien; bei Nagyäg in Ungarn u. in Kalifornien erscheint das G. mit Tellur zusammen; mit Silbererzen kommt es bei Schemnitz u. Kremnitz vor. Auf sekundärer Lagerstätte findet sich G. als Waschgold, im Goldseifengebirge u. im Sande vieler Flüsse: am Ural u. Altai, Lappland, Brasilien, Mexiko, Peru, Guayana, Kalifornien, Oregon, Viktorialand (in Australien), St. Domingo, Borneo, an den Küsten Afrikas, in den Flüssen: Donau, Rhein, Isar, Edder, Schwarza, Göltzsch, Stringis. Die G-erze sind v. geringer Bedeutung. Schrifterz (Sylvanit) enthält 26,2% G., daneben 59,5 Tellur u. 14,3 Silber, Ersteres oft durch Antimon, Letzteres durch Kupfer od. Blei ersetzt. Eine Varietät davon ist Weißtellur (Gelberz) mit 28% G. Blättertellur (Nagyagit, Blättererz) enthält 9% G. Selten kommt das G. in größeren Klumpen (G-klumpen) vor. Beispiele sind: ein G-stück bei Miask, das 36,02 kg wiegt u. 1842 gefunden wurde; 1857 wurde in Australien ein 70 cm langer u. 25 cm breiter G-klumpen v. 50 kg gefunden u. 1858 im Kristallpalast v. Sydenham (London) ausgestellt; er wurde auf 8000 Pfd. Sterl. geschätzt. Außerdem hat man noch G-stücke v. 92 u. 105 kg in Australien u.v. 70 kg in Kalifornien gefunden.
Die Gewinnung des G-es geschieht je nach Art des Vorkommens entweder auf rein mechanischem Wege (Verwaschen u. Schlämmen) od. auf chemischem (Verschmelzen goldhaltiger Kiese, Blenden, Kupfererze, Bleierze od. durch Extraktion mit Chlorwasser, Amalgamation [etc.]) od. durch eine Verbindung v. mechanischen u. chemischen Prozessen (Verwaschen u. Amalgamieren, Verwitternlassen u. Verwaschen, Rösten u. Amalgamieren). Erze, aus denen man G. nur durch chemische Prozesse gewinnen kann, sind entweder güldische Dürrerze od. güldische geschwefelte od. steingebende Erze, je nachdem das G. in erdigen (bez. oxydischen) Substanzen od. an Schwefel gebunden vorkommt. Die Methoden der G-gewinnung sind: zur Gewinnung aus G-sand:
Verwaschen (entweder in Schüsseln, wie in Amerika, od. in Kürbisschalen, wie in Afrika, od. mittels Maschinen, wie in Russland, Kalifornien, Australien). Das Verwaschen ist ein unvollkommener Prozess, weil sowohl die an Ton gebundenen festen G-teile, wie die ganz feinen, die vom Wasser mit fortgerissen werden, verloren gehen.
Verwaschen u. Amalgamieren: Der gewaschene G-sand wird in Schalen (od. Mörsern) mit Quecksilber umgerührt, das dadurch gebildete G-amalgam durch Leder gepresst u. dann ausgeglüht, wobei G. zurückbleibt. Diese Methode findet bes. in Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien, Russland, Portugal, Brasilien u. Tibet Anwendung.
Verschmelzen des eisenhaltigen G-sandes auf Roheisen u. Abscheidung des G-es durch Schwefelsäure.
Gewinnung aus goldhaltigen Kiesen:
Zu Marmato in Amerika werden Kiese gemahlen, durch Waschen konzentriert, der Verwitterung ausgesetzt u. dann alle Bestandteile bis auf G. durch neuerliches Verwaschen zum Verschwinden gebracht. Eine andere Methode besteht in der Verbindung v. Mahlen u. Amalgamieren. Das Erstere kann dabei in Mühlen od. in Fässern vor sich gehen. Das Letztere ist weniger vorteilhaft, weil das taube Gestein die Einwirkung des Quecksilbers auf das G. hindert. Die Methoden sind dabei verschieden: In Piemont werden die Kiese für sich u. dann mit Wasser u. Quecksilber auf Mühlen gemahlen, das so gewonnene Amalgam wird durch Leder gepresst u. in eisernen Retorten ausgeglüht. In Siebenbürgen verwäscht man die G-erze auf Handtrögen u. Flammöfen u. überlässt die Schlieche der Amalgamation in Mörsern. In Schmölnitz wird die sog. Quecksilbersäule für solche Erze angewendet, die G. nur ganz fein verteilt enthalten. Durch dieselbe werden größere Erzmengen zugleich verarbeitet. Wenn das G. mit Selen, Tellur od. Arsenkies vorkommt, so müssen die Erze erst geröstet werden. In Salzburg wird der Kies gewaschen, geröstet, dann abermals (auf Mühlen) gewaschen, mit Kochsalz versetzt, dann durch Gemsleder gepresst u. zuletzt in einem Glockenapparate ausgeglüht. Aus G-erzen, die das G. in fein verteiltem Zustande enthalten u. sich beim Rösten vollständig oxydieren lassen, wird das G. mittels Chlorwasser u. Ausfällen aus der Chlorgoldlösung durch Plattners Methode gewonnen. Plattner hat ursprünglich einfach Chlorwasser verwendet. Lange hat versucht, Chlorkalk, Salzsäure u. auch gasförmiges Chlor zu verwenden.
Die v. Richter verbesserte Plattner’sche Methode ist folgende: In ein verpichtes Holzfass, auf dessen Boden ein verpichtes Holzkreuz u. darauf eine durchlöcherte verpichte Holzscheibe angebracht ist, wird eine Schicht v. Quarzstücken gegeben, darauf das geröstete Erz; dann wird das Ganze mit einer durchlöcherten Holzscheibe zugedeckt u. das Chlorwasser fein verteilt auf das Erz gebracht. Aus der Lösung wird das G. durch Eisenvitriol, Arsenchlorür, Kupfer od. Eisen ausgeschieden od. mittels Schwefelwasserstoff gefällt u. mit Blei abgetrieben. Diese Methode ist die weitaus verbreitetste. Aus goldhaltigen Kupfer-, Blei- u. Nickel- [etc.] Erzen wird das G. durch Rösten u. dann durch Amalgamation od. Chloration gewonnen. Auch kann man dasselbe durch Konzentrationsschmelzen in einem Regulus ansammeln u. dann mit Blei od. mit Zink behandeln. Dieselben verbinden sich mit dem G-e u. man kann es daraus durch Abtreiben od. Destillation gewinnen. Goldhaltiges Schwarzkupfer wird jetzt gewöhnlich so verarbeitet, dass man die Legierung granuliert (zerkleinert) u. die Granalien mittels konzentrierter Schwefelsäure auflöst. Das G. bleibt ungelöst u. kann durch Blei abgetrieben werden.
Das gewonnene G. ist immer noch mehr od. weniger mit Silber gemengt u. muss v. diesem geschieden werden. Dazu hat man verschiedene Methoden. Die Scheidung kann auf nassem od. trockenem Wege erfolgen. Der trockene gestattet nur eine unvollkommene Trennung u. kommt deshalb jetzt selten zur Anwendung. Der nasse Weg besteht in der Scheidung mittels Salpetersäure (Quartation). Sie ist lästig, kostspielig u. jetzt fast überall aufgegeben. Oder in der Scheidung mit Schwefelsäure (Affination), welche jetzt die fast allein angewendete ist. Sie beruht auf der Unlöslichkeit des G-es in konzentrierter Schwefelsäure u. der Löslichkeit des Silbers in derselben. Die G.-Silberlegierung wird granuliert (zerkleinert) u. die Granalien in Gefäßen aus Platin, G., Gusseisen od. Porzellan mittels konzentrierter Schwefelsäure aufgelöst; dadurch erhält man G., schwefelsaures Silber (Silbervitriol) u. schweflige Säure. Silbervitriol wird durch Kupfer u. Silber metallisch ausgeschieden; die schwefelige Säure entweicht durch den Schlot u. wird v. Kalkbrei absorbiert, das zurückbleibende G. wird noch mehrmals mit Schwefelsäure ausgekocht u. zur völligen Entfernung des Silbers mit doppeltschwefelsaurem Natrium od. Kalium geschmolzen.
Um chemisch reines G. zu erhalten, wird G. in Königswasser gelöst, die Lösung bis zur Trockne eingedampft u. das G. daraus mittels Eisenvitriol gefällt. Wenn man zu einer konzentrierten G-chloridlösung kohlensaures Kali u. kristallisierte Oxalsäure setzt u. die Lösung rasch bis zum Sieden erhitzt, so erhält man G. in Form eines gelben Schwammes. Im Handel unterscheidet man blasses, hochgelbes u. ganz reines (Jungfern-) G. G-sand ist G. in Körnern, G-barren in Stangen, G-staub in ganz feinen Teilen. G. wird nie rein, sondern in Legierungen mit Kupfer od. Silber verwendet.
Verwendung. Die Alchimisten legten dem G. heilkräftige Wirkungen bei u. sahen darin ein Mittel, Krankheiten zu heilen u. das Leben zu verlängern. Jetzt verwendet man es als Schmuck (s. Goldschmiedekunst), zum Plombieren der Zähne u. zum Einhüllen v. Pillen; weitaus am wichtigsten ist jedoch seine Verwendung als Zahlungsmittel.
Geschichtliches u. Statistisches. G. war schon in den ältesten Zeiten bekannt. Schon im 1. Buch Mosis findet man es erwähnt; Abraham schickte der um Isaak werbenden Rebekka goldene Armbänder. Eine Stelle im Buch Hiob deutet bereits darauf hin, dass man G. aus goldhaltigem Gestein schmolz. In Indien scheint G. schon in den ältesten Zeiten bekannt gewesen zu sein. Das Hauptland der G-erzeugung war im Altertum Ägypten. Die Sage vom König Midas weist auch auf bedeutenden G-reichtum in Kleinasien hin. Die Lydier sollen zuerst G-münzen geschlagen haben. Die Griechen kannten das G. ebenfalls sehr früh u. verwendeten es zu Gefäßen, Statuen [etc.], in ‚Rom prägte man seit 207 vor Chr. G-münzen. Im Mittelalter spielte die Goldgewinnung in Böhmen, Ungarn u. Siebenbürgen eine große Rolle. Vom 14. bis zum 18. Jahrh. war G. aus anderen Metallen zu erzeugen ein Ziel bei den Alchimisten. Durch die Entdeckung Amerikas wurden für Europa neue G-quellen eröffnet, die jedoch anfangs v. geringer Bedeutung waren, da in den ersten 3 Dezennien nach der Entdeckung kaum 100000 Mk. G. nach Europa kamen. Dann allerdings nahm die Einfuhr rasch zu u. hatte ein enormes Steigen fast aller Preise zur Folge. 1521 betrug in Mexiko die G-produktion 79 Mill. Piaster; Richthofen veranschlagt die Menge des 1690-1852 produzierten G-es auf 126919162 Mill. Piaster. Die Auffindung des brasilianischen G-es geschah 1590 durch Alfonso Sardicha. Die Produktion hat sich übrigens in diesem Jahrh. wesentlich vermindert. In Russland ist die G-produktion erst seit 1743 (Entdeckung des G-lagers v. Jekaterinenburg) v. Bedeutung. 1745 wurden dann noch andere bedeutende G-stätten im Ural gefunden. Seit 1842 ist auch eine großartige G-ausbeute in Sibirien zu verzeichnen. Bedeutende Lager sind auch noch in Österreich-Ungarn u. außerhalb Europas in Borneo u. im Innern Afrikas. Seit 1848 sind nun die großen Goldlager Kaliforniens durch Marshall erschlossen worden; auch in anderen Staaten Nordamerikas (1856 in British Columbia) wurden Goldlager entdeckt. Endlich entdeckte 1851 Hangreaves in Australien reiche G-stätten, woran sich andere Entdeckungen in diesem Erdteile anschlossen. Die Entdeckung eines G-lagers in einem fremden Weltteile zog zumeist eine große Menge gewinnsüchtiger Menschen dahin, die größtenteils nur Enttäuschungen erlebten. Nur wenige erlangten große G-schätze, mit denen sie dann die Preise der Waren des Weltmarktes steigerten. Das bewirkte eine Erhöhung der Produktion, Anlage neuer Unternehmungen [etc.], wodurch ein großartiges Angebot v. Waren entstand, dem die entsprechende Nachfrage fehlte. Dadurch entstanden Krisen; Leute, die erst reich geworden, mussten ihre Waren zu geringen Preisen absetzen u. gingen zugrunde. Das wiederholte sich öfter. Denn wenn der billige Vorrat aufgebraucht war, entstand neue Nachfrage u. steigerte wieder die Preise. Wir stellen hier die G-produktion nach Clarence King (Production of the precious metal 1882) zusammen, wonach die jährliche G-produktion in den verschiedenen Ländern der Erde in Dollars sich folgendermaßen stellt:
Vereinigte Staaten 33379663 Dollars; Mexiko 989 161; Britisch Kolumbien 910804; Afrika 1993 800; Argentinische Republik 781546; Kolumbien 4000000; das übrige Südamerika 1933 800; Australien 29018223; Österreich 1062031; Deutschland 205 361; Italien 72375; Russland 26584 .000; Schweden 1994; Japan 466548; was die jährliche Gesamtproduktion an G. auf der Erde v. 100756306 Dollars ergibt.
Literatur: Historisches: King, Nat. history of precious stones and metals (New York 1870); Merkantiles u. Münzpolitisches in Soetbeer (Ergänzungsheft zu Petermanns geograph. Mitteilungen 57); ders., Kritik der bisherigen Schätzungen der Edelmetallproduktion (Preuß. Jahrbücher, Bd. 41); Säß, Die Zukunft des G-es (Wien 1877); L. Simonin, L’or et l’argent (Par. 1877, populär-technol.); Vom Rath, über das G. (Berl. 1879).
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 7, 1890
Karl, genannt Abdullah Bei, Mineralog, geb. 1800 Wien, 1 30/8 1874 Kleinasien; widmete sich zuerst der Rechtswissenschaft, wurde Redakteur der «Landwirtschaftl. Zeitung» u. studierte dann noch Medizin. 1848 musste er wegen Teilnahme an der Revolution fliehen, trat in die ungar. Armee u. wurde mit vielen Mitkämpfern v. Siebenbürgen aus, wo er unter Bem kämpfte, auf türk. Gebiet gedrängt. H. wurde nun Lehrer der Medizin in Konstantinopel; musste aber auch diesen Posten auf Betreiben der österr. Regierung verlassen. Er ließ sich in Damaskus als Arzt nieder, diente während des Krimkrieges als türk. Militärarzt u. wurde 1873 als Kommissär der Türkei auf die Wiener Weltausstellung geschickt. Seit dieser Zeit wirkte er als Lehrer der Mineralogie u. Zoologie in Konstantinopel, wo er ein naturgeschichtliches Museum begründete. H. lieferte wichtige Arbeiten zur Kenntnis der geologischen Verhältnisse des Balkans.
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 7, 1890
Franz, Ritter v., Geolog u. Paläontolog, geb. 30/1 1822 Wien, studierte an der Bergakademie in Schemnitz, wurde 1846 Assistent am montanistischen Museum in Wien, 1849 erster Bergrat an der Geologischen Reichsanstalt u. 1866 Direktor derselben; 1886 auch Intendant des naturhistorischen Hofmuseums, dessen «Annalen» er seit 1886 redigiert. Schon als Assistent veröffentlichte er seine erste größere Arbeit: «Die Kephalopoden des Salzkammerguts» (Wien 1846). Außer zahlreichen Schriften in den Jahrbüchern der Reichsanstalt u. der Akademie veröffentlichte er noch: «Geologische Übersicht des Bergbaus der österreichischen Monarchie» (ebd. 1855); «Geologie Siebenbürgens» (ebd. 1863, mit Stache); «Die Bodenbeschaffenheit der österreichischen Monarchie» (ebd. 1875; 2. Aufl. 1878) sowie geologische Karten v. Siebenbürgen (1866) u.v. Österreich-Ungarn (4. Aufl. 1884).
Pierers Konversations-Lexikon, 7. Aufl., Bd. 7, 1890
2) Karl H., Mineralog, geb. 28/4 1839 München, studierte 1857-63 das., in Prag u. Freiberg Bergbau, habilitierte sich 1865 in München als Mineralog u. wurde an der Technischen Hochschule das. 1868 außerord., 1880 ord. Prof. der Mineralogie u. Eisenhüttenkunde. Von seinen Werken ist die Schrift «Ueber den Asterismus u. die Aetzfiguren am Calcit» (Münch. 1846) grundlegend für eine neue kristallophysikalische Richtung gewesen. Außerdem schrieb H. noch: «Ueber die Konstitution der natürlichen Silikate» (Braunschw. 1874); «Franz v. Kobell» (Münch. 1884); «Mikroskopische Reaktionen» (Braunschw. 1885). Ferner redigierte er die «Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins» u. gab eine Reihe v. geologischen Wandtafeln für den Unterricht heraus.