Giordano Bruno Association

GA 51 — 15 October 1902, Berlin

Diskussion mit Voten Rudolf Steiners

Dr. Steiner entgegnete, sein Vortrag habe nur den Zusammenhang zwischen dem Monismus und der Weltanschauung hervorheben wollen, die schon in den Tagen der Vedantaphilosophie Indiens sich in modernen Gleisen bewegte. Darin bestände der seit dem 4. Jahrhundert im Christentum einsetzende Dualismus, daß er wohl für die Erkenntnis der Erscheinungswelt das Auge und die Sinne gelten lasse, aber für die Erkenntnis über unser Woher und Wohin nicht ebenfalls die Mittel unserer Erkenntnis zulasse, sondern uns auf den Glauben, auf die Offenbarungen alter Bücher und Propheten verweise. Der Monismus verheißt aber eine Erkenntnisentwickelung, ebenso wie er für die Lebewesen eine Artentwickelung habe feststellen können. In den Schriften der Vedantaphilosophie existiere ein Gespräch, worin ein Jünger den Lehrer fragt: Was geschieht, wenn ich sterbe?... Der Lehrer erwidert: Das Feste und Flüssige deines Leibes wird wieder zum Festen und Flüssigen, denn der Mensch ist wie ein Stein und Tier, auch die Äußerungen deines Denkens und Handelns lösen sich auf in deiner Umgebung, aber es bleibt übrig die «Entwicklung», der Grund dessen, was deine Persönlichkeit gebildet hat. — So monistisch im Keime denke schon die Vedantaphilosophie. Was im Tier nur im Unbewußten lebe, nämlich der Drang zur Entfaltung seiner Persönlichkeit, müsse im Menschen ins vollste Bewußtsein treten und im Bewußtsein als Ideal aufgehen.

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