The Essence of Christianity
GA 68a — 23 February 1910, Cologne
Die Drei Vorchristlichen und die Drei Nachchristlichen Jahrtausende
Mitgliedervortrag
Es könnte dem ernsten Wahrheitssucher, und — nur fehlt ja im Grunde genommen eine gewisse Befriedigung innerhalb der /unleserliches Kürzel, dann Lücke] — es könnte dem ernsten Wahrheitssucher so vorkommen, als ob es möglich wäre, die Wahrheit, die Erkenntnis ein für alle Mal in einer bestimmten Weise aufzuzeichnen, zu verkündigen und dann so der Menschheit zu geben; und auf der anderen Seite könnte es scheinen, als ob es genügen würde, wenn der Mensch sich diese Erkenntnis einmal aneignet und dann besitzt.
Man darf wohl sagen, dass vom ersten Anfang einer Betrachtungsweise an nichts einleuchtender erscheint als dieses, und dennoch, es wäre ein Irrtum, wenn man glauben sollte, dass der einmalige Besitz einer gewissen Summe von Worten genügen könnte für das menschliche Streben. Wenn jemand, der heute verkörpert ist, sagen wir, in einer der vorigen Inkarnationen, vielleicht innerhalb der alten ägyptischen Kultur, zu hohen Erkenntnissen gekommen war und sich heute an jene hohen Erkenntnisse erinnern würde, sodass er das wieder besitzen würde, könnten wir dann sagen, dass die damals erreichten Erkenntnisse durch die bloße Erinnerung auch in der gegenwärtigen Verkörperung schon heilsam wären? — Das können wir nicht sagen. So sonderbar, wie das aussieht gegenüber dem Satz «die Wahrheit ist doch nur eine einzige», so müssen wir doch sagen: Für die menschliche Entwicklung ist es durchaus notwendig, dass in den verschiedenen Zeiten verschiedene Gestalten der Wahrheit des Menschen [an diesen] herankommen, denn im Laufe der Zeiten ändert sich die menschliche Natur. Sie ändert sich so, dass auch die Erkenntniskräfte sich ändern. Der Mensch geht nicht umsonst von Inkarnation zu Inkarnation, er schreitet von Verkörperung zu Verkörperung, weil mit der Veränderung der Welt er etwas Neues in sich aufnehmen kann, und das alte in einer neuen Gestalt.
Daher war es zu allen Zeiten notwendig, dass in den Mysterien Menschen sich zu einer solchen höheren Stufe der Erkenntnis hinaufarbeiteten, dass sie in die Lage kamen, zu beurteilen, wie sich gegenüber früheren Zeiten nun die ganze Erde mit all ihrem Physisch-Geistigen geändert hat und wie sich die menschlichen Seelen innerhalb dieser Erdenentwicklung ändern. Man drückt das in der okkulten Weisheit aus mit den Worten: Es musste immer Menschen geben, die in der Lage waren, die Zeichen der Zeit zu lesen.
Nun, was ist besonders nötig, den Menschen zu lehren, zu verkündigen, diese Notwendigkeit zu erkennen? Dies alles ergibt sich nur dann, wenn man in der Lage ist, die Gesamtsituation der Entwicklung in irgendeiner Zeit voll zu überschauen. Die Zeiten ändern sich und ändern sich eigentlich in kürzeren Zeiträumen, als man gewöhnlich annimmt. Wenn wir die Entwicklung der Menschheit ins Auge fassen, so werden wir zugeben können, dass die interessanten Zeitabschnitte für den gegenwärtigen Menschen diejenigen sind, die etwa drei Jahrtausende vor der Begründung des Christentums und nach der Begründung des Christentums, das erste und zweite vor und nach /Lücke]. Am Ende des zweiten Jahrtausends der nachchristlichen Zeit stehen wir selber, und das dritte kommt heran.
Diese sechs Jahrtausende, in die wir in so eigenartiger Weise hineingestellt sind, sie sind von ganz besonderer Wichtigkeit. Was ist dem Menschen heilsam? Was soll die [Seele] besonders auf sich wirken lassen? Es schließt sich vieles ein in die Menschheitsentwicklung dieser Jahrtausende. Unsere Seelen, die mehrmals in dieser Zeit verkörpert waren, nun, sie werden Wichtiges durchgemacht haben in diesen Zeiträumen, und diese Zeiträume sollen heute einigermaßen charakterisiert werden.
[Gehen wir] zurück in das dritte Jahrtausend vor der Begründung des Christentums, so ist es die Zeit, in welcher für die Menschen gerade begonnen hat das kleine Kali Yuga, das Finstere Zeitalter. Als was stellt sich [der] Mensch dieses Zeitalters dar? /Lücke] So dass wir sagen können: Vorher waren doch für eine größere Anzahl von Menschen die letzten Reste des alten, dämmerhaften Hellsehens [da]. Nicht nur die physische Welt konnten sie sehen, sondern [durch diese] hindurch in die geistige Welt. Sie konnten hinuntertauchen in die Seele und dort ein geistig zugrunde Liegendes finden. Auf zwei Wegen konnten sie dahin gelangen. Hinter dem Sinnenteppich sahen sie die schaffenden führenden geistigen Wesenheiten, die nicht hinuntergestiegen waren in eine Erdeninkarnation. Sie wussten - wie wir wissen, dass es Erde, Luft, Wasser gibt —, dass es geistige Hierarchien gibt. Und andererseits, wenn sie [in] die physische Welt des Fühlens, Wollens, Denkens stiegen, fanden sie die geistigen Untergründe auf einem zweiten Wege,
Das hörte auf vor dem Beginne des dritten Jahrtausends. Da war der Mensch immer mehr und mehr in die Notwendigkeit gedrängt, in die physische Sinneswelt zu schauen. Hatte er früher den mystischen Blick hineingerichtet in seine Gefühls- und Willenswelt, so sagte er jetzt: «Ich will, ich denke, ich fühle», und konnte nicht mehr hinter dem reinen Menschendenken, -fühlen und -wollen das geistige Reich, aus dem alles und er selber seinen Ursprung hat, wahrnehmen.
Aber die Weltentwicklung ging einen solch eigentümlich gleichmäßigen Gang; sie erweist sich für den tieferen Blick überall von Weisheit durchdrungen. Es wurde der Menschheit auf der andern Seite gegeben, was ihr auf der einen Seite genommen worden war, nämlich zu finden den Weg in die Geisteswelt zurück, indem [der Mensch] das, was ihm in der sinnlichen Welt gegeben wurde, in der rechten Weise anwandte.
Wie geschah das? Was wurde dem Menschen eigentlich dadurch gegeben, dass er herausgedrängt wurde aus der geistigen Welt? - Es wurde ihm das Ichbewusstsein gegeben. Gerade in den wichtigsten Zuständen in jenen Zeiten war er ohne ein Selbstbewusstsein; erst als er hinschaute in die Sinneswelt, kam es ihm, aber es schwieg vollständig sowohl in jenen Augenblicken, wo er durch den äußeren Sinnesteppich das Geistige schauen konnte — jeder war dann völlig entrückt, in Ekstase.
Den Eingeweihten war dies vor allem in den nördlichen Ländern gegeben. In den alten Zeiten finden wir in den Gegenden von Britannien, Russland bis Persien Einweihungsstätten, im Westen die Stätten der Druiden, im Osten der Trotten. Dort findet sich die Möglichkeit, dass sie in Ekstase kamen, wo sie entrückt waren, aber sich als Glied fühlten der ganzen Welt. Sie wurden angeleitet, den Gang mitzumachen zum Beispiel der Sternenwelt. [Es war] nicht so, dass die Menschen in den engsten Kreis des Erdendaseins hinein gebannt waren; sie erlebten mit die großen Weltereignisse. Die Sonne hat einen anderen Stand um unsere Weihnachtszeit. Die Sonne entzieht einen gewissen Teil ihrer Kräfte dem Erden-Dasein. Das, was der heutige Mensch nur noch schwach empfindet, wenn der Herbst kommt, wenn die Vegetation sich verliert, die Wehmut des Herbstes, das wurde gesteigert bei jenem Menschen zu einer ungeheuer intensiven Empfindung, sodass er miterlebte, was die Sonne erlebte, bis zum Tiefstand der Sonne.
Alles das wurde nicht nur wie ein Begriff, sondern wie ein tiefes Mitfühlen von der Seele erlebt. Wenn diese Wehmut aufs Höchste gesteigert war, dann wurde ihr sozusagen ein Ersatz gegeben, die Seele lernte fühlen; die äußere Sinneswelt bot nichts Freudiges, aber etwas wie einen Gegenschlag, was so kam wie eine elastische Kugel, wenn sie, auf einer Seite zusammengedrückt, sich ausdehnt, dann erlebt diese Seele etwas; nach dem erschloss sich der Seele der Blick für die der Welt zugrunde liegenden Kräfte. Die geistigen Sinne gingen auf, der Mensch war hingegeben dem Geist der Sonne. Er sah hinein, wenigstens fühlend, in die Hierarchien des Daseins. Und wenn dann die Sonne wieder mehr Kraft auf die Erde sandte, so lebte der Mensch mit /Lücke]. Die Sonne hatte ein gewisses Symbolum, und in den Tempelstätten konnte man an dem Schatten, den die Sonne warf, konnte man dort miterleben, wie die Sonne wirkt, sodass der Dienst des Geistes ein solcher war, der sich eingliederte dem Dienste der Natur. Der Mensch lebte mit, als die Tage [es] ihm wieder möglich machten, den Blick wieder auf die Sinneswelt [zu] richte[n]. Er erlebte das in jauchzender Freude bis zu jenen Tagen, wo die Sonne ihm am stärksten schien.
Zwei Augenblicke im Lauf des Jahres: erstens, wo er dem Geistigen auch hingegeben war in Ekstase, zweitens, wo er jauchzend dem Äußern hingegeben war; dazu wurden die Menschen angeleitet in den Stätten der nordischen Mysterienstätten. Einmal fühlte er nicht mehr die Keime des Ich, er war wie ausgegossen in die ganze Welt.
Immer weniger wurde es dem Menschen möglich, sich in diese Stimmung zu versetzen. Aber ein anderes wurde ihm gegeben. Sie konnten ihr Ichgewissen nun immer mehr in ihr Ich stellen, die Ekstase wurde genommen, das Ich wurde gefestigt. Für die Menschen wurde derjenige Augenblick vorbereitet, in dem jene Wesenheit kommen sollte, die nicht in Ekstase dem Mensch kommen kann, sondern in das tiefste Innere des Menschen hineingehen konnte. Die Christus-Wesenheit nahm eine solche Gestalt an, dass der Mensch sich in seinem Ich so fühlen konnte, als wenn er in sein Ich die Wesenheit gießen könnte. Früher war er außer sich, außerhalb der Welt, aus der er genommen war. Durch die Erscheinung des Christus sollte dem Menschen möglich gemacht /Lücke]. Wenn ich nacherlebe, was Christus erlebt hat, so erlebe ich in mir etwas Göttliches. Das konnte vorbereitet werden. Das wurde durch die drei Jahrtausende vor der Begründung des Christentums vorbereitet. Da tritt uns Abraham entgegen. Seine Mission hatte er /Lücke?]. Er erhob sich mit seinem Ich zuerst zu der Gottheit, die hinuntersteigen wollte. Völlig zu erkennen war die Gottheit erst, nachdem sie heruntergestiegen. Das wurde gewöhnlich gemacht dadurch, dass aus der gesamten Menschheit dasjenige physische Individuum, das imstande war, Gott nicht in Ekstase zu schauen und auch nicht in das menschliche Innere [sich versenken musste], sondern durch die Intelligenz etwas hellsehend Gott sehen [konnte]. Er hatte dasjenige physische Instrument in seinem Gehirn, dass er mithilfe des physischen Instruments zusammenfassen konnte die äußeren physischen Verhältnisse und in diesem Kombinieren verstand er: Es liegt zugrunde der ganzen Welt etwas, was zugrunde liegt dem Menschen-Ich. Als Welten-Ich konnte zuerst Abraham erkennen die Gottheit. Diese Fähigkeit war geknüpft an die physische Leiblichkeit. Früher war es nicht gebunden an das physische Instrument, sondern der Mensch musste zu einer leibfreien Anschauung kommen. Das war die besondere Mission des Abraham. [Sein Zeitalter ist das dritte Jahrtausend vor Christus.] Die Gotteserkenntnis war bis in das Physische des Gehirns hinein begriffen. In allen alten Zeiten war Gottes- und Geisteserkenntnis gebunden an das Verlassen des physischen. Mit Abraham trat zuerst eine Persönlichkeit ein, die zu einer Gotteserkenntnis gelangen konnte mit dem physischen Gehirn. Dieses konnte er der Menschheitsentwicklung einpflanzen.
Das ist in den Urkunden in einer so tiefen Stimmung ausgedrückt, dass man gerade in Erstaunen und Bewunderung fällt. Zum Beispiel von Joseph wird uns erzählt, dass er zu Träumen gekommen ist. Das soll uns andeuten, dass er aus der Art gefallen ist; sie sollten ja gerade nicht Anschauung durch traumhaftes Hellsehen haben. Es war als Erbstück bei ihm vorhanden, er konnte also in der geraden Linie nicht zur Entwicklung gebraucht werden und wurde deshalb von seinen Brüdern ausgestoßen. Solch eine Fähigkeit — mit dem physischen Hirn zu schauen — konnte nur durch leibliche Vererbung fortgepflanzt werden, da es eine leibliche Fähigkeit war.
Die Menschheit, die diese Mission hatte, musste empfinden, dass so gerade diese physische Eigenschaft von Gott geschenkt war. Man zeigte denjenigen, die diese Mission finden sollten, [dadurch], dass man ihnen zeigte, dass es eine Gottesgabe war, dadurch, dass Abraham aufgefordert wird, dass er Isaak opfern sollte. Damit hätte er das ganze Volk geopfert, denn von ihm sollte das ganze hebräische Volk abstammen. Indem er Isaak zurückempfing, bekam er die Möglichkeit, die leibliche Eigenschaft zu vererben. Die Mission trat dem Volk als ein Geschenk entgegen. So tief werden diese Dinge dargestellt in den okkulten Urkunden. Wenn wir zurückgehen in das erste Jahrtausend des Kali Yuga, finden wir dasjenige, [wo]durch der Menschheit das Ichbewusstsein gegeben wurde für das Hellsehen.
Aber das alles musste gesteigert werden. Der nächste Schritt wurde gemacht im zweiten Jahrtausend des finstern Zeitalters, dadurch, dass jetzt durch besondere Entwicklungsvorgänge derjenige, der fähig geworden war, die aus der Mission durch die vererbten Merkmale aus der äußeren Natur den äußeren Gott wahrzunehmen — Moses konnte den Ich-Gott, den der Mensch wahrnimmt, in seinem eigenen Ich wahrnimmt, [direkt wahrnehmen in den elementaren Ereignissen der Welt]. Das [zweite Jahrtausend des finsteren Zeitalters vor Christus — Beginn des Finsteren Zeitalters, des großen Kali Yuga 3101 vor Christus, Ende 1899 nach Christus —] ist das Moses-Zeitalter, wo der Ichgott wahrgenommen wird in der Natur.
Drittes Jahrtausend — [das erste Jahrtausend vor Christus]: Am Ende steht die Offenbarung jener selben Wesenheit, jener Wesenheit, die den Isaak zurückgegeben hat und die im brennenden Busch erschien, sie inkarnierte sich nun in Menschengestalt. Vorbereitet [dazu], dieses Ereignis in sich aufzufassen, sollte die Menschheit werden durch jene Führer, die sich anknüpfen an den Namen des Salomo. Seine Weisheit sollte in dem letzten Jahrtausend dazu da sein, dass die Menschheit verstehen könnte, wie sich diese Wesenheit menschlich inkarnierte. Sodass wir in der okkulten Weisheit nennen dieses Jahrtausend das Salomonische.
Diese drei Zeitalter haben wir skizzenhaft dargestellt als erste drei im finsteren Zeitalter. Dann kommen Zeitalter, die man [nur] verstehen kann, wenn man ein gewisses Gesetz der Menschheitsentwicklung kennt. Früher vorhandene Ereignisse wiederholen sich in einer gewissen Weise, aber man muss wissen, wie. Manche Ereignisse wiederholen sich so: 1., 2., 3., dann 3., 2., 1. [Nur] dann kann man [sie] verstehen, wenn man genau weiß, wie sie sich wiederholen. Kein Schema dürfen wir anwenden, denn dadurch entsteht die Mannigfaltigkeit, dass die Wiederholung verschieden ist. Die Wiederholung der ersten drei Zeitalter wiederholte sich umgekehrt; für diejenigen, die die gesamte Weltlage beurteilen konnten, [war das klar: Sie] wussten, dass das erste Zeitalter nach der Begründung des Christentums eine Wiederholung des salomonischen Zeitalters ist. Es war auch eine Wiederinkarnation des Salomo: Der ganze Geist, der aus der Weisheit des Salomo ausgeflossen ist, beherrscht das Verständnis, das sich allmählich heranentwickelt für den Christus-Impuls.
Im zweiten Jahrtausend der Moses-Impuls: Umgekehrt hat sich das Ereignis vom Sinai tatsächlich wiederholt. Als Moses die Ich-Gottheit wahrnahm im brennenden Busch, da war es die Wahrnehmung der Gottheit außen durch die Naturelemente. Das umgekehrte Ereignis fand im zweiten Jahrtausend statt. Es bestand darin, dass jetzt durch einen tiefen Einblick in die Seelen sich die Ich-Gottheit ankündigte. In den Mysterien des Mittelalters lebten die Individualitäten, die dies erleben durften durch das Hineinsteigen in die Seele. Ein umgekehrtes Moses-Erlebnis: Die Ich-Gottheit offenbart sich den christlichen Mystikern in der eigenen Seele. Jetzt strahlt die Gottheit aus der Seele heraus. Wie Moses eine Art Gesinnungsgenossen hatte, so hatte auch er die andern Mystiker als Gesinnungsgenossen.
Wir leben in einem besonderen Zeitalter, in dem [man] den Abschluss des zweiten Jahrtausends herankommen sieht. In dem dritten Jahrtausend wird sich ankündigen eine Wiederholung des abrahamitischen Zeitalters, ganz langsam und allmählich, aber charakterisiert wird es sein, dass das Abrahamereignis [auf] umgekehrte Weise geschieht. Was früher nur in Ekstase gefunden wurde, wurde durch Abraham als Selbstbewusstsein erlebt. Der Mensch wird zu diesen Fähigkeiten die alten hellseherischen Fähigkeiten hinzuerobern. Durch die Mission des Abraham ist hingeflossen in das Gehirn dasjenige, was früher unmittelbar gefunden wurde. Hinaustreten wird der Mensch müssen aus dem unmittelbaren Kreis seines Bewusstseins, dieses Bewusstsein sich bewahrend zu einer Geisterkenntnis mit Kräften, die an den physischen Leib gebunden sind.
In gewisser Beziehung führt sich eine Entscheidung herbei für die Erkenntnis des dritten Jahrtausends [dadurch], dass wir jetzt selber in einer wichtigen Zeitepoche stehen. Das Kali Yuga war 1899 abgelaufen. Jetzt gehen wir der Entwicklung ganz neuer Fähigkeiten entgegen.
Die Menschheit läuft in zwei Strömungen. Die eine geht durch die Mysterien, [die] alten nicht, die heutigen. Durch diese Strömung hat sich der Mensch anzueignen, die Fähigkeiten hinaufzuentwickeln zu hellsichtiger Anschauung. Ohne diesen Weg kann die Menschheit nicht sein, weil ohne ihn keine Orientierung möglich wäre. Daneben geht eine andre Strömung, innerhalb welcher die Menschheit sich auf naturgemäße Weise ändert.
Man muss durchaus ins Auge fassen, dass diese zwei Strömungen vorhanden sind. Alle Seelen, die heute hier sind, waren auch früher vorhanden. Wenn eine Seele im alten Ägypten durch die Geburt ins Dasein trat, erlebte sie etwas ganz Bestimmtes und musste etwas Bestimmtes erleben. Man kann in einem spätern Zeitalter nicht das wiedererleben, was man früher hätte erleben müssen.
Sie werden sagen: Das ist ja etwas furchtbar Entmutigendes. Was versäumt ist, wäre ja unwiederbringlich verloren. Jetzt kommt man zur Erkenntnis und kann es doch gar nicht mehr ändern. — Es ist dies so, weil durch alle früheren Inkarnationen die Menschen eigentlich gar nicht in der Lage waren, etwas zu versäumen. Jetzt erst fängt die Zeit an, früher wurden die Menschen von der geistigen Welt aus geführt. In den Zeitaltern, die dem Kali Yuga vorangegangen sind, wirkten die alten Impulse noch nach. Jetzt wird [der Mensch] frei, er muss in die Hand nehmen [seine] eigene Entwicklung; in dem Zeitalter, wo es dem Menschen erst möglich wird, etwas zu versäumen, wird auch dafür gesorgt, dass die Menschen sich bewusst werden, dass sie nichts versäumen dürfen. Immer freier wird der Mensch bei jeder Inkarnation. Man erlebt zwei bis drei Inkarnationen in einer solchen Zeit, und erst die fünfte ist so weit, dass es unwiederbringlich verloren ist. Wer heute nicht zur T[heosophi]e herankommt, ohne ein Bewusstsein [zu] erringen, der wird in der nächsten oder der zweitnächsten Inkarnation das empfangen können. Ein Beispiel, das zeigt, wie es wahr ist, dass es nicht genügt, allgemeine Wahrheiten mitzuteilen, sondern das notwendig sind Individualitäten, die die gesamte Lage beurteilen können. — Die wissen, dass jetzt eine neue Zeit beginnt zu der Menschheit Heil und Fortentwicklung. Für jede Zeit ist es notwendig, die besondere Form der Worte zu finden. Wir müssen noch erkennen, wie diese Fähigkeiten der Menschen sich weiterentwickeln. Diese Fähigkeiten, in die die Menschen hineinwachsen werden, werden darin zu suchen sein, dass die Menschen zu den alten Seelenfähigkeiten neue entwickeln, nämlich ätherisches Hellsehen. Eine bestimmte Anzahl von Menschen wird auf der Erde herumwandeln, [und in der Lage sein], durch die natürliche Entwicklung nicht nur den physischen Leib, sondern auch den Ätherleib zu sehen. Diese Fähigkeit schwand mit dem Herankommen von Kali Yuga. Sie beginnt wieder.
Zweit[ens] /?}: Wenn die Menschen sich ein genügendes Verständnis erworben haben, dann werden sie das zur rechten Zeit beurteilen können, was wirklich kommt. Sie werden wissen, wie es sich damit verhält, wenn jemand sagt, er sieht etwas, was den physischen Leib durchdringt. Wir treiben Theosophie, weil wir die Verantwortlichkeit fühlen, dass wir den Menschen das verständlich machen müssen. Es könnte auch sein, dass die Menschen im materialistischen Sumpf stecken bleiben, dann würde das eintreten, dass diejenigen, die auf so etwas sehen, als kranke Menschen angesehen werden. Sie werden zertreten werden von der materialistischen Anschauung.
Die Prophetie wird falsch sein, wenn diese Fähigkeiten unberücksichtigt werden. Es hängt von den Menschen ab, wie sie ein Ereignis empfangen und verstehen können, wenn die Menschen sich Verständnis erwerben werden des Erlebens, das noch in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts als eine natürliche Eigenschaft der Menschen [sich] entwickelt. Die ersten Untergründe der Einweihung werden sich natürlich entwickeln. Die ersten, die ohne Initiation dies erhalten werden, werden sich zeigen zwischen 1930, -40, -50. So zeigt sich der Fortschritt. Für diejenigen, welche in so früher Zeit, welche in so früher Zeit das noch nicht erleben können, ergibt sich die Möglichkeit, es in den nächsten 2500 Jahren zu erlangen. In dieser Zeit wird eine genügend große Zahl, wenn die Menschheit sich würdig erweist, diese Fähigkeit erworben [haben]. Es ist gleichgültig, ob man lebt in dem Leben zwischen Geburt und Tod oder auch in der Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt. Denn dies Ereignis bedeutet etwas sehr Wichtiges. Die Menschen werden erleben eine Erneuerung des Ereignisses von Damaskus und immer mehr werden es erleben in den nächsten 2500 Jahren. Am Beginn war der Christus physisch inkarniert, jetzt steigen die Fähigkeiten des Menschen hinauf, und er kann den Christus mit höher entwickelten Fähigkeiten wahrnehmen. Einmal war Christus physisch inkarniert, seit der Zeit sieht der Initiierte ihn in seinem Ätherleib. Wenn dieses Ereignis eintritt, wenn das Hineinleuchten des Christus in unsere Erde [ein]tritt, dann bedeutet das nicht nur etwas für die Zeit zwischen Geburt und Tod, sondern wie dazumal der Christus hinunterstieg zu den Seelen, die zwischen Tod und einer neuen Geburt waren, so erstreckt sich das Ereignis, das wir als das Christusereignis des 20. Jahrhunderts bezeichnen — wird er hinabsteigen zu denen, die sich das Verständnis dafür in der physischen Welt erworben haben.
Ist ein Mensch, der verständnislos vorübergegangen, so bringt er sich die Möglichkeit des Christusverständnisses nicht mit und er muss warten, bis er sich in einer neuen Inkarnation vorbereiten kann. Das Verständnis muss hier erschlossen werden. Das Leben hier ist wichtig.
Dieses Verständnis ist sozusagen das letzte, was wir uns aneignen müssen aus dem Kali-Yuga-Zeitalter durch das Gehirn. Es wird ein eigentümlicher Zeitpunkt sein, in dem das Wiederschauen des Christus eintritt im 20. Jahrhundert. Den Menschen entschwinden nach und nach die äußeren christlichen Urkunden. Von allen Seiten wird gearbeitet, die Urkunden zu zerpflücken und den Christus überhaupt zu leugnen. Kurzsichtig sind diejenigen, die da glauben, das Alte bewahren zu können. Mit einer riesigen Schnelligkeit wird sich verbreiten bei der sogenannten aufgeklärten Menschheit die Anschauung, dass die [Wahrheit der] Evangelien nicht festzustellen ist /Lücke]. Die sich dagegen sträuben, die da sagen: Bleibt [der] Mensch stehen mit der T{heosophi]e /Lücke?], sind so kurzsichtig wie möglich.
Ist so die Krisis aufs Höchste gekommen, dann wird der Christus da sein vor den Menschen. Dann werden [für] sie keine Urkunden da sein und nicht mehr nötig sein. Wie vieles ein Unglaubliches war, so werden es die Menschen werden; wie vieles ein Glaubliches wurde durch das Anschauen, so werden die Menschen ohne historische Urkunden wissen, was Christus ist, die ihn im Hellsehen wahrnehmen werden. Die Theosophen werden geprüft werden in diesem Zeitalter. Es wird der Fall sein, dass in den nächsten Jahrzehnten einfach alles verkündigt werden [wird], und die Materialisten werden nichts anderes glauben können. /2 Leerseiten] Es muss ein sinnliches Wahrnehmen sein. Es wird sich eindrängen der Glaube an ein leibliches Wiederkommen. Ob sie reif sein werden, an das Geistige zu glauben, oder ob sie es nur glauben werden, wenn es ihnen in fleischlicher Gestalt entgegentritt? Besetzen werden eine Anzahl von Menschen den Glauben an die Wiederkunft des Christus und sich als falsche Messiasse in die Welt hineinstellen.
Der Mensch muss jetzt bewusst seine Entwicklung in die Hand nehmen können. Es hat oft schon falsche Messiasse gegeben, sie fanden alle Glauben. Damals ging es noch ohne besonderen Schaden für die Menschheit ab, weil der Mensch noch nicht selbst sein Schicksal in der Hand [hatte]. Jetzt muss er lernen, das Wirkliche zu unterscheiden von der Maja.
Das Zeitalter, wo der Christus als ätherische Wesenheit erscheinen wird, ist die Zeit, wo das erste ätherische Hellsehen sich zeigt und sich /Stenogramm bricht ab.]