The Nature of Man in the Light of Spiritual Science
GA 68d — 8 February 1909, Stuttgart
30. Gesundheitsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft
Wenn das Wort «Gesundheitsfragen» ausgesprochen wird, so mag sich wohl mancher unter unsern Zeitgenossen darauf besinnen, wie gerade gegenüber den Tatsachen des Lebens und den Aufgaben des Lebens, auf die damit hingedeutet ist, unsere Anschauungen, unsere Meinungen den Alltag, das Leben überhaupt, das ganze Wohl und Wehe beeinflussen; wenn das Wort «Gesundheitsfragen» ausgesprochen wird, so darf aber hier insbesondere an eine Empfindung erinnert werden, die mehr oder weniger bewusst oder unbewusst in jeder Menschenseele schlummert: daran, dass der Mensch mit Recht die Gesundheit betrachtet als ein hohes Gut in diesem physischen Leben.
Nicht nur derjenige, der mit seiner ganzen Gesinnung, mit all seinen Interessen nur in diesem physischen Leben drinnensteht, betrachtet die Gesundheit als ein hohes Gut, sondern auch derjenige, welcher seinen Sinn richtet auf die höchsten Ideale der Menschheit, welcher seinen Sinn richtet auf das Geistige, auch er muss das anerkennen, welch ein Gut die Gesundheit ist, und auch dann, wenn er sich sagt: Vor allen Dingen ist mir diese Gesundheit wert aus dem Grunde, weil sie mir möglich macht, meine Aufgaben in der Welt zu erfüllen, wenn ich sie habe, weil sie mich hindert, diese Pflichten, diesen Aufgaben im Leben nachzukommen, wenn sie in irgendeiner Weise geschädigt ist.
Wirklich mit unserer höchsten Bestimmung, mit unseren Menschheitszielen hängt für jeden mittelbar oder unmittelbar zusammen dasjenige, was das Wort «Gesundheit» umschließt. Daher mag es wohl manchen bedrücken, der nachdenkt darüber, wie doch Gesundheit und Krankheit in einer gewissen Beziehung anders, wechselnd immer betrachtet werden, je nachdem sich die menschlichen Anschauungen, die menschlichen Meinungen ändern; und der ein aufmerksamer Betrachter des Lebens in seinen Tiefen ist, der mag wohl manche Wandlung in dieser Beziehung gerade in den letzten Jahrzehnten gesehen haben.
Dasjenige, was zugrunde liegt allem Streben in Bezug auf Gesundheit und Krankheit, in Bezug auf die Heilung des Menschen, das ist ja wiederum nur dasjenige, was wir als Wissenschaft vom Leben, als Erkenntnis vom Leben bezeichnen müssen. Welche Wandlungen in Bezug auf die Erkenntnis vom Leben haben sich vollzogen in diesen letzten Jahrzehnten, viel größere, als man gewöhnlich annimmt! Es könnte dem Betrachter des Lebens viel sagen, wenn er die Art betrachtete, wie aus dem wissenschaftlichen Unterbau, aus der wissenschaftlichen Erkenntnis der Welt sich herauferheben die Strömungen, die zu der oder jener Anschauung in Bezug auf Krankheit und Gesundheit führen, wenn er diese Strömungen etwa und diesen Unterbau vergleicht [mit dem] von vor 20, 30, 40 Jahren, wie er da war und wie er heute sich uns darstellt.
Dasjenige, was hier in Bezug auf viele andere Gebiete des Öfteren betont worden ist, dass unser Zeitalter durchgemacht hat einen gewichtigen, bedeutungsvollen Schritt zum Materialismus, das kann insbesondere beobachtet werden auf dem Gebiete, dem unsere heutige Betrachtung gewidmet ist.
Wer zurückzublicken vermag auf den wissenschaftlichen Erkenntnisunterbau, der dem Gebiet unserer heutigen Betrachtung zugrunde liegt, wie er sich gestaltete vor 20, 30, 40 Jahren, dem mag in Betracht kommen, wenn er gerade zufällig dieser Erscheinung gegenübertrat, eine ehrwürdige Persönlichkeit. Mir selbst trat einstmals noch diese chrwürdige Persönlichkeit entgegen, und ich darf wohl, weil sie mir symptomatisch erscheint für dasjenige, was sich da gewandelt hat im Laufe der letzten Jahrzehnte, gerade an die Eigenart dieser Persönlichkeit anknüpfen.
Wer eben jetzt schon vor ziemlich langer Zeit in Wien studieren durfte, konnte kennenlernen in Wien den wissenschaftlichen Unterbau unseres heutigen Betrachtungsgebietes an der medizinischen Fakultät in Wien, der lernte da kennen den damals berühmten und weithin bedeutungsvollen Anatomen Hyrtl, denjenigen Mann, der damals die Grundlage lieferte für Hunderte und Aberhunderte junger Ärzte, die Grundlage, die eben jeder Arzt braucht, die anatomischen Grundlagen ... Wenn er vor seine Zuhörer hintrat und aufbaute den Menschen aus den scheinbar für die wissenschaftliche Betrachtung in trockensten Begriffen auszudrückenden Bestandteilen des menschlichen Organismus, wenn er aus den anatomischen Gliedern den Menschen aufbaute, da hatte man, ihm zuhörend, das Gefühl, dass hinter dieser Beschreibung, dieser Erklärung des Aufbaues des menschlichen Organismus etwas anderes noch lebte, etwas lebte von einem tiefen Verständnis des Geistigen, das aufbaut das wundervolle Gebäude des menschlichen Organismus ... da war nur etwas ... ein ... da hatte man etwas vor sich in Hyrtls Darlegung, was man nur so ausdrücken kann: Wie die schaffende Natur selber, wie der Geist der Natur hervorsprießen lässt aus den einzelnen Gebilden den ganzen Bau des menschlichen Organismus, so baute sich dieser menschliche Organismus vor den Zuhörern anatomisch auf.
Diejenigen von Ihnen, die öfters diese Vorträge hier gehört haben, wissen, dass die Geisteswissenschaft uns sagt, dass dasjenige, was man äußere, physische Körperlichkeit nennt, das, was Augen sehen, Hände greifen und die Ohren und die unteren Sinne des Menschen wahrnehmen können, dass das nur ein Teil der menschlichen Wesenheit ist, nur der äußere sinnliche Teil, dass alles dasjenige auch, was äußere Wissenschaft geben kann, sich im Grunde genommen nur befassen kann mit diesem äußeren Gliede, die wissen auch, dass dann schon als erstes höheres Glied in der Menschennatur wahrhaftig, wirklich lebt für denjenigen, der mit höheren Fähigkeiten den Menschen betrachten kann, das, was wir in der Geisteswissenschaft den Äther- oder Lebensleib nennen: der geheimnisvolle Baumeister, der da ist und der diesen menschlichen Organismus aufbaut.
Dieser Äther- oder Lebensleib ist etwas, was zwar nicht sehen kann das äußere physische Auge, was sehen kann aber als ebensolche Tatsache wie die äußeren sinnlichen Tatsachen das äußere Auge, so das geöffnete «geistige Auge» des Sehers.
Man möchte sagen: Als keuscher Wissenschaftler, als keuscher Arzt stand Hyrtl da; er sprach nichts von diesem Äther- oder Lebensleib, aber wie er sprach davon,
wie das eine aus dem andern sich entwickelte, so war es so, als wenn in seinen Worten lebte jenes Prinzip des Lebensleibes; und dieses war genug, das wirkte ungeheuer anregend, damit beeinflusste er seine Zuhörer so, dass in ihnen etwas lebendig wurde von den geheimnisvollen Tiefen der ganzen menschlichen Natur, dass in ihnen sich etwas entzündete von jenem Streben, das den Menschen immer tiefer und tiefer erfassen will und das nicht an seiner Oberfläche bleibt ...
Man konnte bald nachher sehen, dass diese Zeiten vorübergingen, in denen dieser wissenschaftliche Unterbau in der Weise betrachtet wurde ...
Das sei gleich vorweggenommen: Nicht etwa bloß deshalb war das so gewesen, weil Hyrtl etwa ein besonders großes Genie war, sondern weil er herausgewachsen war noch aus einer Zeit, die, wenn auch nicht gerade Erkenntnis von der geistigen Welt, aber wenigstens das Gefühl hatte für diese geistige Welt. Der, der das Leben betrachtet, der weiß, dass heute aus den Teilen alles zusammengesetzt wird, dass solch eine Darstellung in weiten Kreisen der Wissenschaft es einfach nicht mehr gibt ... daher dürfen wir umso mehr betonen, dass gerade Geisteswissenschaft es ist, die wiederum auf das Ganze, auf das Geistig-Lebendige hinter dem Sinnlichen geht, dass sie wiederum den Beruf hat, zu befruchten, zu beleuchten dasjenige, was auf äußerem, sinnlichem Gebiete gerade für die Horizonte geboten werden kann, die uns heute interessieren, denn auf äußerem, sinnlichem Gebiete wird tatsächlich von unserer bewunderungswürdigen Wissenschaft das Außerordentlichste geleistet ... denn nicht an den einzelnen Forschungen fehlt es, nicht an den Methoden fehlt es, durch die man Einblick gewinnen kann in die einzelnen äußeren Tatsachen des natürlichen Daseins und seine Zusammenhänge ...
Dasjenige aber, was die Geisteswissenschaft wird hinzubringen müssen zu dieser Einzelforschung ... das ist der umspannende Geist der Sache ...
Nun, gerade der angeführte Hyrtl hat einen merkwürdigen Ausspruch getan, einen Ausspruch, der heute unser Leitmotiv sein darf und von dem wir heute ausgehen können. Sonderbar klingt er vielleicht heute für viele und dennoch ist er getan von einem genialen Anatom und Arzte:
Die Krankheiten erkennen kann nur der Arzt, heilen kann jedet, der weiß, was hilfe.
Ein scheinbar recht sonderbarer Ausspruch; nun, wir wollen sehen, wie sich Geisteswissenschaft dazu stellen kann ...
Da müssen wir vor allen Dingen uns über eines verständigen, denn bei der Kürze, welche dem heutigen Vortrage eignen muss — sein Gegenstand könnte 20 bis 40 Vorträge umfassen, ohne alles zu erschöpfen —, bei dieser Kürze ist es notwendig, dass das, was gesagt wird, so aufgefasst wird, dass man die Gesinnung erkennt, aus der heraus es gesagt wird. Diese Gesinnung, sie ist im Grunde genommen dieselbe, die aller Geisteswissenschaft zugrunde liegt; sie kann kurz damit charakterisiert werden, dass man sagt: Geisteswissenschaft hat nicht den Beruf, der einen oder der andern Parteirichtung recht zu geben, sie hat zu stehen auf einer höheren Warte und hat gerade dadurch, dass sie in die Tiefen des Daseins, des Lebens hineinblickt, einen Gesichtspunkt zu gewinnen, der einigend wirken kann ... Derjenige, der Umschau hält im Leben, der weiß, dass die Parteischattierungen, die sich auf dem ... bekämpfen, dass die in der Regel nicht so sind, dass man sagen kann, die eine hat absolut recht, die andere unrecht ...
In der Regel muss man sagen: Diejenigen, die mit einem Schlagworte kämpfen, die eine Fahne tragen, die haben ihre Anschauungen und Meinungen in ganz bestimmten Lebenskreisen gewonnen; diese Lebenskreise haben sozusagen suggestiv auf sie gewirkt, und sie sagen eigentlich nur das, was man auf eine ganz natürliche Weise als eine einseitige Lebensanschauung aus ihrem Lebenskreise gewinnen kann ...
Theosophie nun aber soll nicht agitieren für diese oder jene Richtung, auch nicht auf dem Gebiete, das uns heute interessiert, auf dem Gebiete der Krankheit und Gesundheit und der Heilweise ... Leicht könnte ja vielleicht gerade der Geisteswissenschafter die Versuchung fühlen, für das eine oder andere einzutreten ... denn in wie vielen Parteispaltungen sehen wir heute dasjenige Gebiet zerteilt, in dem das menschliche Herz am meisten vielleicht erahnen möchte von der Einigkeit.
Theosophie hat die Aufgabe, zu sagen, was ist, wie die Dinge sich verhalten im Leben ... und dann hat der Theosoph das Vertrauen, dass der Mensch, wenn er weiß durch seine Erkenntnis, was ist, dass er dann wird durch sich selber dazu kommen, einzusehen, was er soll. Der Standpunkt ist noch nicht theosophisch geworden, der auftritt und sagt: Ich will auch überreden, dass dieses oder jenes getan werden soll, und nicht ...
Mit dem «soll», mit der Forderung soll es eigentlich Theosophie oder Geisteswissenschaft nie zu tun haben, sie soll objektiv erzählen, was ist, und zu dem Menschen das Vertrauen haben, dass, wenn er weiß, was ist, er für sein «sollen» die Richtschnur in seiner eigenen Seele finden wird ...
Nun, wer könnte leugnen, dass uns die mannigfaltigsten, die verschiedensten, die scheinbar entgegengesetztesten Parteirichtungen gerade auf dem Gebiete der Gesundheitsfragen entgegentreten ... und mit welcher Überzeugungskraft und Schärfe wird von der einen und von der anderen Seite gekämpft für die eigene Überzeugung und mit welcher Bitterkeit wird nicht die andere Überzeugung bekämpft! Und auch das sei noch vorausgeschickt, dass insbesondere Theosophie niemals wird wollen absolut etwa gegen die Wissenschaften, gegen den wahren wissenschaftlichen Betrieb irgendetwas tun. Mit trockenen Worten gesagt: Mit dem Dilettantismus gerade auf diesem Gebiete darf Geisteswissenschaft oder Theosophie nicht gehen; am liebsten müsste es ihr sein, einträchtiglich gerade mit denjenigen zu arbeiten, die wenigstens die Gelegenheit dazu haben, Fachleute auf diesem Gebiete zu sein ...
Es können nun natürlich auch nicht alle Parteischattierungen dieses Gebietes hier aufgezählt werden, aber wenn das auch nicht möglich ist, so sollen doch wenigstens in groben Umrissen einige davon charakterisiert werden. Da haben wir zunächst die allopathische Heilweise, diejenige, die so schwer bekämpft wird von der sogenannten Naturheilkunde und dem, was man Homöopathie nennt ... Vieles andere wäre noch zu sagen, aber wir müssen in großen Umrissen zeichnen ... Nicht so sehr sei vorerst dasjenige gesagt, was die Begriffe der Geisteswissenschaft leisten könnten, sondern das, was sozusagen in populärer oder wissenschaftlicher Weise als Charakteristik für die einzelnen Parteischattierungen gesagt wird. Da hören wir, dass die medizinische Heilweise ausgeht davon, dass es eben Krankheiten, Schädigungen der Gesundheit gebe, und dass es eben spezifische Mittel, Heilmittel aus gewissen Reichen der Natur gibt, die in gewisser Weise bestimmten Schädigungen, die wir die Krankheiten nennen, entgegenwirken; für die eine Krankheit wird dieses, für die andere jenes Heilmittel angegeben, und in sorgfältiger, gewissenhafter Weise wird von der Wissenschaft gearbeitet, um durch die Erfahrungen auf dem sinnlichen Gebiete die spezifischen Heilmittel für diese oder jene Krankheitsform zu finden ...
Natürlich kann hier nicht auf Einzelheiten eingegangen werden, nur auf das Charakteristische soll, wie gesagt, hingewiesen werden. Da hören wir nun aber von vielen anderen, die eben auf dem Standpunkte der sogenannten Naturheilweise stehen, dass das alles, was die sogenannte allopathische Heilweise sagt, im Grunde genommen auf einem Irrtum beruht ... Denn sie nehme zu wenig Rücksicht auf die tieferen Ursachen der Krankheit; sie sähe auf die Art und Weise, wie sich die Krankheit äußert, aber man müsse tiefer gehen, voraussetzen, dass die Ursachen tiefer liegen, dass da, wo eine Krankheitsform auftritt, tiefer liegende Störungen des Organismus vorliegen, die man nur dadurch beheben kann, dass man in diesen Organismus so eingreift, wie die Natur selbst eingreifen würde, wenn sie den Organismus in ganz normaler Weise dirigieren und lenken würde.
Wir hören da, dass vor allen Dingen es ankäme nicht so sehr darauf, die einzelnen Krankheiten zu bekämpfen, sondern jene Tätigkeiten im Organismus auszuforschen, jene Funktionen auszuforschen, welche untergraben sind und als deren Folge die Krankheit auftritt, und die wiederum in das rechte Gleise zu bringen sind durch entsprechende Maßnahmen, und nun werden mancherlei Heilweisen angegeben, mancherlei physikalische und andere Heilmittel ...
Vor allen Dingen wird hier bekämpft das spezifische Heilmittel, das als erfahrungsgemäß da ist, um diese oder jene Krankheit zu bekämpfen. Mit Bitternis wird gekämpft von der einen Seite nach der andern Seite hinüber ..
Nun wollen wir noch kurz charakterisieren, gleichgültig, wie der eine oder der andere oder ich selber darüber denkt, wie nun zum Beispiel die homöopathische Heilweise wiederum in ihren Hauptgrundzügen denkt; sie sagt: In dem, was uns zunächst entgegentritt in der Krankheit, haben wir gar nicht das, worauf es zunächst als Schädigung, als etwas Ungesundes ankommt, sondern wir haben in den Erscheinungen, die uns entgegentreten, vor uns eine Art von Kraft, die aufgerufen wird in dem Organismus, um die eigentliche Schädigung, die tiefer liegt, zu bekämpfen. Wir haben also in dem, was uns entgegentritt als das Krankheitssymptom, etwas, was der Organismus ins Feld führt, um die eigentliche, tiefer liegende Schädigung herauszubekommen. Wir haben deshalb achtzugeben darauf, was hervorruft gerade dasjenige, was als solche Symptomerscheinungen in der Krankheit hervortritt, wir haben nachzuforschen, welches Mittel wir finden können in den Naturreichen, das gerade beim gesunden Menschen gerade die Erscheinungen hervorruft, welche beim Kranken uns entgegentreten. Wir unterstützen dann das, was die Natur eingeleitet hat ...
Was uns als Krankheit erscheint, das hat die Natur eingeleitet, und wir sollen ihr zu Hilfe kommen, indem wir die Mittel anwenden, die beim gesunden Menschen dieselben Erscheinungen hervorrufen, um zu unterstützen den Kampf gegen die eigentliche Schädigung.
Man möchte sagen bei all diesen Parteischattierungen, soweit es zunächst auf die Theorien ankommt, auf das, was als logische Grundlage gegeben wird, man möchte sagen, man kann überall eine weite, weite Strecke mitgehen und man erkennt bald, wenn man ein wenig hineinblickt in die Dinge, wie wenig zutreffend eigentlich die Einwendungen der entsprechenden Gegner sind; und eigentlich können wir sagen, dass auf allen diesen Gebieten doch Gewichtiges die Anhänger für ihre Überzeugungen ins Feld führen. Oder ist es nicht wahr, wenn heute die wissenschaftliche Medizin hinweist durch eine leicht aufzustellende Statistik auf die großen Erfolge, namentlich in der äußeren Gesundheitspflege, wie auf die Hebung des Gesundheitsstandes in den Städten unter dem Einfluss gerade dieser medizinischen Heilweise ... und wie dann darauf hingewiesen wird, wie Wohltätiges gerade in dieser Beziehung durch die Erforschung so manches spezifischen Heilmittels in den letzten Jahrzehnten bewirkt worden ist ... Da kann auf große Erfolge hingewiesen werden; die die Gesundheitsverhältnisse in den Städten etwa vor einem Jahrhundert vergleichen würden mit den heutigen, die würden ungerecht sein, wenn sie das nicht anerkennen würden, was hier die medizinische Wissenschaft geleistet hat. Auf der andern Seite wiederum hören wir, und wir müssen es gewiss zugeben, dass, wenn auch diese Verhältnisse sich gebessert haben, auf der andern Seite nicht abzuleugnen ist, dass gewisse Krankheitsformen, Herzkrankheiten, Nervenkrankheiten und ähnliche in erschreckender Weise zunehmen ... und das muss auch wiederum zugegeben werden ...
Und darf nicht auch da manchmal der Laie dieses oder jenes Wort sprechen davon, dass, wenn es auch in gewisser Bezichung richtig ist, dass viele Verhältnisse sich gebessert haben, so sich doch mancherlei bedenkliche soziale Folgen einstellen ...
Man denke nur zum Beispiel daran, dass bei einer Krankheit, die verhältnismäßig erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt worden ist, die Genickstarre, hingewiesen wird auf einen Krankheitskeim, von dem mit Recht gesagt wird, dass ihn gerade gesund bleibende Menschen mit sich herumtragen können und andere dann davon krank werden ...
... Wohin käme man ...
Es ist zum Beispiel durchaus möglich und Tatsache, dass ganze Schulen angesteckt worden sind mit dieser oder jener übertragbaren Krankheit und es hat sich herausgestellt, dass ganz gesund bleibende Lehrer oder Lehrerinnen die Träger der Keime waren; sie selbst wurden nicht befallen davon. Welche Tyrannis käme heraus, wenn man eine dogmatische Gesetzgebung auf solche Fälle aufbauen wollte?
...Wie wächst dasjenige, was man nennen könnte die Furcht vor der Krankheit, die Furcht vor den geheimnisvollen Quellen der Krankheit, durch eine Denkweise, die sich gerade sehr leicht auf solche gar nicht anzuzweifelnde Versuche begründen kann ...
Man muss wirklich Parteimann sein, wenn man mit gewissen Schlagworten dieses oder jenes bekämpfen will ...
Manche Schlagworte der Naturheilkunde zum Beispiel sind so, als ob alle spezifischen Heilmittel ausgerottet werden müssten, als ob man nur durch physikalische oder andere Methoden auf die Grundlagen der Krankheit zurückgehen, die Funktionen unterstützen müsste ... ein Schlagwort hört man immer wieder: Gift; alle spezifischen Heilmittel sind Gifte, ein Gift aber könne unter gar keinen Umständen irgendetwas Dienliches sein. - Und man kann erleben, wie das Wort «Gift» mitunter mit ungeheurer Suggestion auf ganze Versammlungen wirkt. Man braucht nur diese Suggestionen wirken zu lassen und ruft dadurch Überzeugungen hervor, die außerordentlich weit wirksam sind. Wer aber weiß, was Gift ist in Wirklichkeit, der weiß, dass diejenigen sich am wenigsten Rechenschaft gegeben haben über das, was Gift ist, welche solche Schlagworte benutzen. Was ist Gift? Die Erscheinungen, die Tatsachen der Natur, namentlich diejenigen im Menschenleben, sind so ungeheuer kompliziert, dass die Beantwortung dieser Frage gar nicht so einfach ist. Was ist Gift in der Natur?
Belladonna zum Beispiel ist Gift für den Menschen; das Kaninchen kann ganz gut davon fressen.
Schierling ... Sokrates musste den Schierlingsbecher trinken, um das Todesurteil an sich zu vollziehen, für die Ziege ist Schierling gar kein Gift ...
Schwefelwasserstoff ist gewiss etwas sehr Giftiges für den Organismus in gewisser Beziehung; es gibt aber kleine Organismen, sogenannte Schwefelbakterien, eine Art von Spaltalgen, die leben fast ausschließlich von diesem Stoff: Aus dem Schwefel bauen sie sich in ganz merkwürdiger Weise ihren Organismus auf ... und wenn man ihnen den Schwefelwasserstoff entzieht, so sterben sie. Diese Tatsache gibt ein Beispiel, wie das Materielle eingepasst werden kann in die Lebenserscheinungen ...
Also das Schlagwort «Gift» darf sich durchaus auch nicht als dasjenige aufspielen, das einem sagt, was eigentlich zu bekämpfen ist ...
Wir kommen erst weiter im Grunde genommen, wenn wir versuchen, die ganze Betrachtung immer mehr und mehr der Geisteswissenschaft zu nähern ...
Welches ist nun eigentlich der Unterschied zwischen medizinischen Heilweisen und der Naturheilkunde ... den Prinzipien nach? Da sehen wir einen großen Unterschied, den der Geisteswissenschafter ziemlich genau charakterisieren kann von seinem Standpunkte aus ohne Parteiergreifung für die eine oder andere Richtung ...
Für den, der die Dinge kennt, ist es einfach ein Unsinn, zu sagen, es gebe keine spezifischen Heilmittel für diese oder jene Krankheit. Aber worauf geht das Heilen mit solchen?
Dass da eine Schädigung vorliegt in der Krankheit und das Heilmittel diese Schädigung bekämpft, dass das geschehen kann, dagegen ist nichts einzuwenden. Gegen das Positive, gegen dasjenige, was erfahrungsgemäß gewonnen ist, etwas einzuwenden, ist eben Engherzigkeit und wäre nicht Geisteswissenschaft. Aber womit hat man es denn zu tun am Menschen, wenn man so heilt, dass man durch ein Heilmittel irgendeine Schädigung der Gesundheit bekämpft mit den äußeren Mitteln? Man hat es zu tun mit dem physischen Menschenleib, dem äußeren Glied der menschlichen Natur. Da der Mensch diesen physischen Menschenleib hat, so ist es durchaus zweifellos, dass dieser auch mit einem solchen äußeren Heilmittel behandelt werden kann.
Die Naturheilweise hat eine gewisse Ahnung, dass es etwas Geheimnisvolles, Übersinnliches hinter dem physischen Menschenleib gibt, dass dasjenige, was den physischen Leib zusammensetzt, beherrscht ist von dem Äther- oder Lebensleib ... Der Arzt braucht ihm nicht zu glauben, aber er stellt sich durchaus auf den Standpunkt, dass da etwas ist, was als Lebendiges wirkt und webt hinter dem physischen Apparat. Der Naturheilarzt hat eine Ahnung von diesem Äther- oder Lebensleib und versucht sozusagen, nicht so viel zu geben auf das, was sich bloß äußerlich mit physischen Mitteln konstatieren lässt, sondern er geht zurück auf das, was hinter dem Physischen, Feststellbaren liegt. Das ist ganz wichtig, aber es ist der Druck der materialistischen Denkweise viel zu stark, als dass er zur wirklichen geistigen Erkenntnis der Menschennatur heraufrücken könnte. Schauderhaft würde man es ja empfinden, wenn irgendjemand, der Anspruch macht auf Wissenschaftlichkeit, davon sprechen wollte, dass das Sichtbare im Unsichtbaren, das Sinnliche im Übersinnlichen seine Gründe
hat. Daher darf man höchstens ahnen, dass es so etwas gibt, aber man darf ja nicht davon als von einer Realität sprechen. Spricht man davon und hat man sich aus der Geisteswissenschaft die Überzeugung herausgeholt, hat man erkannt die inneren Gründe, die zu diesem übersinnlichen Gliede der Menschennatur führen, dann kann man nicht stehen bleiben, dann geht man auch noch zu andern Gliedern der Menschennatur über ... dann tritt man mit reinster Geisteswissenschaft ein in die Geheimnisse des Unsichtbaren, das aber deshalb doch sehr real und wirklich ist.
Dann geht man weiter und lernt, dass es in diesem physischen Menschenleib nicht nur gibt einen Ätheroder Lebensleib, der den Menschen unterscheidet von allem, was als scheinbar Lebloses uns umgibt ... Dieser Äther- oder Lebensleib, er ist ein fortdauernder Kämpfer dagegen, dass der physische Leib seinen physischen Stoffen und chemischen Kräften folgt während des Lebens. Denn wenn sich dieser Lebensleib zurückzieht vom physischen Leib, dann folgt der physische Leib des Menschen den physischen Stoffen und Kräften, dann ist er aber Leichnam. Während des Lebens aber ist der Äther- oder Lebensleib fortwährender Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes ...
So haben wir im Ätherleib den Bildner, den Baumeister des physischen Leibes des Menschen oder jedes Lebewesens, der hinter diesem physischen Leib steht.
Dann schreiten wir vor zu dem, was wir nennen den astralischen Leib. Dieser ist der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von all den auf- und abwogenden Empfindungen und Vorstellungen, von allem dem, was Trieb, Begierden und Leidenschaften, was Instinkte sind. Aber darüber hinaus kommen wir dann auch noch zu einem vierten Gliede, dem Träger des eigentlichen Selbstbewusstseins, dem Träger des Ich.
Diese vier Glieder machen erst den ganzen Menschen aus, und wollen wir den ganzen Menschen betrachten, so dürfen wir ihn nicht anders betrachten, als dass die höheren, die übersinnlichen Glieder die eigentlichen Schöpfer der unteren, der mehr sinnlichen Glieder sind. Alles, was in den unteren Gliedern vor sich geht, das geht hervor aus dem, was in den oberen Gliedern vorgeht ...
Daher dürfte man nicht nur vorschreiten bis zur Ahnung eines Äther- oder Lebensleibes, sondern man muss in Erwägung ziehen, dass tiefere Ursachen, viel tiefere Ursachen liegen müssen gerade im astralischen Leib und im Seelisch-Geistigen des Menschen, wenn man zu einem Verstehen von Krankheit und Gesundheit kommen will. Hier sind die Ursachen der Krankheiten nicht so leicht zu finden. Dieser Träger von Lust und Leid, Instinkt, Begierde und Leidenschaften, der drückt dasjenige, was in ihm ist, in dem Ätherleib und in dem physischen Leib aus. Lebt in dem astralischen Leibe etwas Ungesundes von verkehrten Leidenschaften, Trieben, Instinkten, so muss das wirken auf den Ätherleib und den physischen Leib:
Ja, aber, sagt uns jemand, betrachten wir einmal einen Menschen; welcher Widerspruch kann herrschen zwischen dem, was seine gesunden Empfindungen, seine gesunden Triebe sind, und den Krankheiten, die er trotzdem hat! Da muss man denn auch ganz mitgehen mit der Geisteswissenschaft und klar sein, dass das, was wir die innerste Wesenheit des Menschen nennen, die eigentliche Individualität des Menschen, dass das etwas ist, was wie von der physischen Hülle nur eben umhüllt ist, was ganz andere Wege in seiner Entwicklung macht als diese physische Hülle. Da, wenn man auf den Kern des Menschen sieht, da sagt man: Dieser Mensch fließt zusammen aus zwei Strömungen ...
Der Mensch, der im Leben uns entgegentritt, schauen wir ihn uns an. Er ist zunächst ein Ergebnis der Vererbung, ein Ergebnis dessen, was kommt von Vater, Mutter Llnd den V0rhergehenden Ahnen ...
Aber in all dem, was so durch die Generationen sich fortsetzt, in all dem lebt etwas ganz anderes, etwas, was nun zu tun hat mit astralischem Leib und Ich. Und wenn uns ein Mensch entgegentritt, so sehen wir nicht nur dasjenige, was wir aus der Generationenreihe haben, sondern auch dasjenige, was heruntergestiegen ist aus der geistigen Welt als der geistige Wesenskern. Wir blicken da auf dasjenige, was man Wiederverkörperung oder Reinkarnation nennt, auf den innersten Wesenskern, der sich von Leben zu Leben zieht. Das vereinigt sich mit dem, was in der Vererbungslinie liegt, das durchdringt und durchkraftet dasjenige, was von Vater und Mutter vererbt wird. Und wenn wir auch heute nicht sehen, wie die Instinkte und Triebe der Individualität krank machend oder gesund machend auf den physischen Leib wirken, so würden wir das sehen, wenn wir hinsehen würden auf das, was der Mensch in seinem früheren Leben gewesen ist.
Erkennt man dies, so kann man in einem jetzigen Leben die Leidenschaften und Triebe und Begierden sehen lernen, die von dem ausgehen, was wir mitgebracht haben aus diesen früheren Leben und was in diesem jetzigen Leben als Krankheitsursachen wirkt, wenn es auch nicht in diesem Leben erworben ist.
Und hier beginnt dasjenige, was die Erkenntnis des Wesenskernes des Menschen als eine richtige Grundlage abgeben kann gerade für die Beurteilung der Heilweise.
Können wir irgendwie sehen, wie der astralische Leib anzeigt, was er zu sagen hat in Bezug auf das, was den physischen Leib gesund oder krank macht?
Ein Beispiel: Jemand hat ein Kind zu erziehen ... der Kindesnatur sei dieses oder jenes gut, hat man die schablonenhafte Anschauung. An Stelle strenger Individualisierung auch in Bezug auf Gesundheit hat man die Meinung: Viele Krankheiten gibt es, aber nur eine Gesundheit. In Wahrheit aber gibt es so viele Gesundheiten, als es Menschen gibt. Jeder Mensch hat seine eigene Gesundheit, die eigenen Bedingungen seines Gesundseins. Mit schablonenhaften Begriffen aber kann man am Kinde alles Mögliche verderben. Das Kind will zum Beispiel diese oder jene Speise nicht essen. Das ist natürlich Ungezogenheit, meint man. Viel richtiger aber wäre es, wenn man sagte: Das ist ein Beweis, dass da Sympathie und Antipathie nichts anderes ist, als dass der astralische Leib empfindet: Das muss ich haben, wenn ich in der richtigen Weise auf meinen physischen Leib wirken will, und das, was das Kind abweist, das kann es nicht brauchen.
In dem, was der Gaumen des Kindes abweist oder verlangt, drückt sich aus, was ihm gesund ist. Es ist daher richtig, sorgfältig zu beobachten, was das Kind verlangt, worauf es erpicht ist. Wann empfindet der astralische Leib etwas als Genuss, namentlich im kindlichen Alter? Wenn das, was er genießt, in sich gleichsam der Anlage nach etwas hat, was in günstiger Weise sich dem Organismus einverleibt. Nur dann, wenn schon etwas verdorben ist in der Ordnung der gesunden Menschennatur, dann ist der Genuss kein richtiger Führer mehr ... Dass dasjenige, was für ihn gesund ist, ihm auch schmeckt, und dasjenige, was ihn krank macht, ihm nicht schmeckt, das ist überhaupt das einzige Richtmaß für die Gesundheit, dass ein der Sache entsprechendes Empfinden für alles dasjenige, was wir in unseren Organismus aufnehmen, da ist. So handelt es sich darum, dass wir möglichst lebendig in uns machen sollen das Bewusstsein von dem, was uns gut ist, dass wir unseren astralischen Leib, den Träger von Genuss und Begierde, lebhaft machen für das, was unserem Organismus gesund ist ...
Da gibt es nun Mittel, um in dieser Beziehung viel zu erreichen ... Die Menschennatur ist verschieden bei den verschiedenen Menschen, weil eine verschiedene Individualität das Äußere durchdringt und durchkraftet.
Ein Fall, der vorgekommen ist: Da gab es einen Menschen, der hatte von frühester Kindheit an einen furchtbaren Widerwillen gegen jedes Fleisch; er konnte Fleisch sozusagen nicht riechen. Er konnte es eben nicht riechen, er aß es nicht. Erst war er in einer Umgebung, die tolerant war. Aber es kamen doch Tanten und Onkels, die fanden, dass es etwas ganz Verdrehtes sei, kein Fleisch zu essen ... Und da ließ sich der gute Mann bereden, erst wenigstens mit etwas Brühe anzufangen, dann überzugehen zu Kalbfleisch und so weiter ... er kam aber auch dann zu Hammelfleisch ... und er endete bald mit einer
schweren Gehirnentzündung, weil für diesen Menschen es absolut unmöglich war, dass der Organismus durch die in ihm befindlichen Kräfte das leisten konnte, was zur Fleischverdauung nötig ist. Er war so eingerichtet, dass er ganz gut empfand, was ihm gesund ist, von frühester Jugend an ...
Würde man aber nun dieselbe Nahrung, die für diesen Menschen die einzig Richtige war, einem anderen geben, so würde dieser den größten Schaden davon haben können ...
Alle Menschen müssen als Individualitäten betrachtet werden. Und es gibt unzählige Menschen, die unmöglich, wenn sie so weiterleben wollen, wie sie eben leben, nimmer mehr zum Vegetarismus ohne Weiteres übergehen können.
Es ist gesagt worden, nun, die menschliche Natur sei nicht fähig, diejenige Arbeit zu übernehmen, die notwendig ist, um dasjenige, was wir aus Pflanzen übernehmen, umzuwandeln in dasjenige, was der menschliche Organismus braucht. Bei Pflanzennahrung müsse vom Menschen in seinem Innern eine solche Arbeit geleistet werden, die er nicht aufbringen könne. Die Arbeit, die da geleistet werden muss, die wird ihm zum Teil abgenommen dadurch, dass er seine Nahrung aus dem Tierreich einnimmt, wo ein Teil dieser Arbeit schon geleistet ist und er nun geringere Arbeit zu leisten hat. Dies gilt aber nicht für alle, nur für viele Menschen. Für viele wäre es ungesund, wenn sie die starken Kräfte der Verdauung, der Verarbeitung, die notwendig ist, um Pflanzennahrung zu verdauen, wenn sie diese starken Kräfte nicht anwenden könnten ...
Um dies zu verstehen, muss man sich einlassen auf den radikalen Unterschied zwischen Pflanzen- und Menschenreich ... das Tierreich liegt mitten darin.
Es ist ein Gegensatz zwischen dem Menschen und der Pflanze ... wir können uns diesen Gegensatz zuerst charakterisieren, dass etwas, was rein in der physischen Natur vorhanden ist ...
Der Mensch atmet, er atmet ein den Sauerstoff der Luft und atmet die Kohlensäure aus. Die Pflanze nimmt die Kohlensäure auf, trennt die Verbindung, entnimmt ihr die in ihr enthaltene Kohle und baut sich daraus ihren Organismus auf aus unlebendigem, bloß physischem Kohlenstoff und gibt den Sauerstoff wieder zurück. So ist eine Wechselwirkung zwischen Mensch und Pflanze. Dies drückt uns in einem äußeren Gleichnis aus eine geistige Wechselwirkung. Hinter der Pflanze steht ihr Geistiges, hinter dem Menschen sein Geistiges. Sie wissen, dass eine Pflanze nicht gedeihen kann, wenn ihr das Licht entzogen wird. Sehen Sie sie an, wie sie da verkümmert. Dasjenige, was die Pflanze aus leblosen Stoffen aufbaut, das baut sie auf unter dem Einfluss des Lichtes ... Licht! Wie viel wir ihm verdanken ... entnehmen ihm so viel wir brauchen ...
Aber wir müssen nicht bloß sehen, auch beim Lichte, nicht bloß schen auf das Physische. In dem, was physisch im Lichte ist, in dem ist auch ein Geistiges enthalten. Hinter dem physischen Lichte steht auch ein Geistiges. Dieses Geistige, das mit den Lichtstrahlen uns zuströmt von der Sonne auf die Erde her, dieses ist dasselbe, was in unserem astralischen Leibe lebt, jenes innere Licht, das in uns wirkt und schafft — in dem geistigen Lichte, der geistigen Aura. Sie sind nichts anderes als der Geist des physischen Körpers, das unsichtbare Licht, das in uns wirkt als der astralische Leib. Das wirkt in uns! Und draußen wirkt auf die Pflanzen das physische Licht der Sonne. Und das ist die eigentümliche Beziehung zwischen dem physischen Licht draußen, das auf die Pflanzen wirkt, dass sie wachsen und blühen ... und dem geistigen Licht, das als unser astralischer Leib in uns ist. Das ist die Beziehung, dass sie einander entgegengesetzt sind ...
Dasjenige, was die Pflanzen aufbaut, das wird abgetragen, zersetzt, zerstört durch den Prozess, den das geistige Licht in uns entfacht. Und unser Leben im physischen Leibe als geistiges Wesen könnte nicht bestehen, wenn wir nicht würden in allem, was wir aufnehmen, sozusagen Zerstörungsprozesse einrichten. Wir tragen wieder ab, was die Pflanzen aufgebaut haben. Wir setzen in entgegengesetzter Weise fort, was die Pflanzen angefangen haben ... So stehen wir geistig im Gegensatz zur Pflanze. Und das, was uns als Nahrung aus dem Pflanzenreiche gegeben wird, das zerstören wir in Wahrheit ...
Unser Denken ist in seinem physischen Ausdruck ein Zerstörungsprozess. Das, was wir aufnehmen, das muss wieder abgetragen werden, das muss wieder zerschellt werden. Dadurch erhalten wir ein Innenleben ...
Jungfräulich wird uns dasjenige gegeben, was uns aus dem Pflanzenreich als Nahrungsmittel gegeben wird. Nicht so jungfräulich wird uns dasjenige gegeben, was uns aus dem Tierreich gegeben wird ... Indem das Tier zwischendrinnen steht zwischen Pflanze und Mensch, vollzieht das Tier dasjenige, was der Mensch zu vollziehen hat bis zu einem gewissen Grade ... leistet schon das bis zu einem gewissen Grade, was der Mensch in sich sonst zu leisten hätte ... und der Mensch kann erst anfangen da mit seiner eigenen Tätigkeit, wo dasjenige sich befindet, was er erhalten hat. Er bekommt erst das, was das Tier schon daraus gemacht hat ...
Sehen wir uns den Menschen an; er ist wirklich ein Mikrokosmos, eine Zusammenfassung alles dessen, was draußen vor sich geht ...
Sein Ernährungsprozess ist dasjenige, was das im Pflanzenreiche Ausgedehnte heraufhebt und so umwandelt, dass dieser Menschenleib zum Werkzeug des Bewusstseins werden kann. Er ist in dieser Beziehung eine Ganzheit, eine Totalität. Das Tier ist für den Geisteswissenschafter nichts anderes als eine einseitige Ausbildung menschlicher Eigenschaften. Jedes Tier, jede Tiergattung stellt dar für den Geisteswissenschafter gewisse Eigenschaften, besonders ausgebildet ...
Alle diese Eigenschaften, zusammengefasst zu einer Harmonie, nehmen Sie das eine gemindert durch das andere, das eine durch das andere ausgeglichen, so erhalten Sie den Menschen ...
Das Tier vollbringt bis zu einer gewissen Einseitigkeit den Naturprozess ... Diese Einseitigkeit eignen wir uns an, wenn wir die nicht mehr jungfräuliche Nahrung aus dem Tierreich nehmen ...
Nehmen wir nun an, wir seien wirklich so organisiert, dass wir wirklich die Kräfte aufbringen könnten, die notwendig sind, um Pflanzennahrung zu verarbeiten, wir haben dieses starke Kraftreservoir in uns, das nur verwendet wird, wenn wir Pflanzenkost nehmen. Was ist, wenn wir es nicht tun, wenn wir diese Umwandlung nicht vollbringen vom Pflanzlichen zum Menschlichen herauf? Dann suchen sich die Kräfte, die unverwendet bleiben, andere Betätigungen in unserem Organismus.
Der französische Abb€, von dem ich Ihnen erzählt habe, der hatte eben solche Kräfte in sich. Sie sind da und sie müssen wirken und werfen sich schließlich, wenn sie keine gesunde Wirkungsmöglichkeit finden, auf ein anderes Betätigungsfeld. An dem, was so dann an großen Kräften in unrichtiger Weise auftrat, starb dann dieser Abbe.
Nehmen wir dagegen einen anderen Menschen, etwa einen Bankdirektor, der sonst nichts kennt als seinen Beruf. Wenn wir ihm zumuten wollten, er solle sich vegetabilisch ernähren so könnte er das nicht. Er wird nicht damit bestehen können. Er kann die pflanzlichen Stoffe nicht bis dahin bringen, wo sie ihm dienen können für die Ausübungen seines Organismus; er muss sich abnehmen lassen einen Teil der Arbeit
Wir sehen damit auch einen gewichtigen Unterschied und Gegensatz zwischen der Art, wie Pflanzennahrung, und der Art, wie Tiernahrung auf den Menschen wirkt. Was muss derjenige in sich entfalten, der Pflanzennahrung verdauen will? Was tut er in dem Falle, wenn er Pflanzenkost genießt? Da muss er gewisse Kräfte, die von unten [aus] wirken, von der Pflanze [aus] wirken, aufbringen. Das sind Kräfte, die mehr im Mittelpunkt seines Wesens sind als jene, die er braucht zur Verarbeitung von Tiernahrung. Das sind Kräfte, die in ihm sind, deren Arbeit ihm keiner abnehmen kann. Dass er diese im Innern vollbringt, dadurch hat er auch einen inneren Selbstständigkeits- und Kräftequell. Sein inneres Leben wird dadurch reger und intensiver. Durch das, was er aus dem Pflanzenreiche genießt, wird in der Tat sein inneres Leben reger. Allerdings ist dabei vorausgesetzt ein umfassenderes geistiges Leben, das auf die Betrachtung, auf die Erkenntnis der großen Zusammenhänge des Lebens gerichtet ist ... Wenn der Mensch dann seine Nahrung aus dem Tierreich nimmt, dann ist das nur richtig, wenn er eben diese Selbstständigkeitskräfte nicht hat. Für diejenigen Nahrungsmittel, die der Mensch aus dem Tierreich nimmt, wird er innerliche Kräfte anwenden, die weniger ihn selbstständig machen, da er einen Teil der Arbeit sich abnehmen lässt ...
In geistiger Beziehung ist das, was aus dem Tierreich stammt, anregend auf das, was den Menschen stark und kräftig macht ohne sein Zutun.
Derjenige, der nicht aus sich heraus Tatkraft und Energie für das Leben gewinnen kann, für den wird die Pflanzenkost nichts taugen, der wird durch die Pflanzenkost nur geschwächt werden, der muss sich sozusagen seine Stärke, seine Kräfte geben lassen vorbereitet durch das Tier.
Aus solchen Zusammenhängen heraus werden wir nun auch leicht verstehen können, wie es kommt, dass Völker, die von Pflanzennahrung leben, ein mehr der Betrachtung ... gewidmetes Leben führen ... während solche mit Tiernahrung mehr kriegerische Eigenschaften aufweisen.
So ist das, was sozusagen als Gesundheitsfrage und Ernährungsfrage zugleich gelten muss, durchaus an die Individualität des Menschen gebunden, daran, was der Mensch innerlich an Kräften aufbringen kann. Und wir sehen am Menschen, ob der Mensch durch eine Pflanzenernährung nicht teilweise sich erwirbt starke Selbstständigkeitskräfte seines Innenwesens ...
Durch Pflanzenernährung sehen wir ihn also sich aneignen alle diejenigen Kräfte, welche er braucht, um sozusagen ein umfassender Mensch zu werden, um ein Mensch zu werden, der Verschiedenes im Leben überblicken kann. Durch das, was er sich aneignet aus der Tiernahrung, durch das sehen wir ihn zu den Spezialgebieten hingeleitet werden ...
So sehen wir aus der Wechselwirkung ... durch das, was ... sich regeln die großen Daseinsfragen für alle Einzelheiten des Lebens ... Da sehen wir sozusagen des Menschen innere Natur sich so äußern, dass starke Kräfte in ihm sind ... oder dass er sich diese starken Kräfte geben lassen muss ... Wir sehen sozusagen den astralischen Leib in ihm wirken ... und wie dieses Wirken sein muss, wenn das Gleichgewicht im menschlichen Organismus hergestellt sein soll ...
Und wenn wir das verstanden haben, dann werden wir nicht mehr daran zweifeln, dass viel, viel davon abhängt, wie wir imstande sind zu wirken gerade auf den astralischen Leib ... aber auf diesen nicht nur, sondern auch, wie wir wirken können physisch auf den physischen Leib und ätherisch auf den ätherischen Leib ...
Eine materialistische Anschauung wird mehr auf das Physische nur wirken wollen ... Nehmen wir den Fall eines Kranken. Der materialistisch Denkende wird sich anschauen diese Krankheitserscheinungen und er wird rechnen darauf: In dieser oder jener Gegend, da ist diese oder jene Luft, da sind diese oder jene Bedingungen, die wie ein Physisches auf ein anderes Physisches, so auf den kranken Organismus wirken ...
Derjenige, der auf geisteswissenschaftlichem Boden steht, der wird wissen, dass dies in vielen Fällen eine recht irrtümliche Folgerung ist. Er wird wissen, dass radikaler, gründlicher es wirken muss, wenn der Mensch dorthin versetzt wird, wo seine inneren Erlebnisse in der entsprechenden Weise angeregt werden können, wo er so recht froh sein kann, so recht harmonisch in sich selber werden kann. Insbesondere bei gewissen Krankheitsformen, namentlich Nervenerkrankungen, da wird es das Wichtigste sein, dass wir direkt auf den astralischen Leib wirken und durch dasjenige, was starke Kräfte im astralischen Leibe anregen kann ...
So kann durchaus, wenn jemand jene starken Kräfte in sich entwickelt, die durch die Pflanzenernährung entwickelt werden, es ein gutes Heilmittel sein, um selbst schwere Schädigungen des Organismus auszugleichen. Das, was da im Innern wirkt, wenn da wachgerufen werden die inneren Kräfte, die den ... jungfräulichen pflanzlichen Nahrungsstoff umarbeiten müssen, das kann schwere Schäden beseitigen.
Sie können es einem Menschen anschauen, ob er sich auch herbeilässt, die Pflanzennahrungsstoffe, in denen wenig Fett ist, durch seine eigenen inneren Kräfte in Fett umzuwandeln, oder ob er sich das lieber abnehmen lässt, indem er tierisches Fett genießt ... jene starken, ihn selbstständig machenden Kräfte in seinem Innern zu ... mit anderen Worten, ob der Mensch nicht zu bequem ist, ein wenig auch zu seiner eigenen Fettbildung beizutragen ... aus dem Auge blickt dies, ob es geschieht oder nicht ...
Der sich nicht überfüttert mit tierischem Fett, der wird auch wiederum in sich die Möglichkeit finden, die starken Kräfte in sich zu entwickeln, und diese liegen immer mehr gegen das Geistige zu, gegen das Spirituelle zu ...
Und nun gibt es ein großes, umfassendes Gesetz ... das besagt: Alles, was der Mensch nur als Sinnliches genießt und anschaut, das wirkt auf die verdorrenden, absterbenden Kräfte in ihm ... und alles dasjenige, was er anschaut als Spirituelles, Geistiges, das wirkt auf die belebenden, gesund machenden Kräfte des Menschen ... und umgekehrt kann der, der sich zu Hilfe kommen will in dieser Richtung, dies dadurch tun, dass er neben dem Fleisch auch genügend Pflanzenkost zu sich nimmt, der kann sich dadurch unterstützen in Bezug auf das Regemachen der Interessen für die übersinnliche Welt ...
Derjenige, der sich dazu bequemt, auch etwas dazu zu tun, dass er aus den fettarmen Pflanzen-Nahrungsmitteln sich sein eigenes Fett bereitet, der wird viel geistiger werden können als derjenige, der sich alles Fett von den Tieren bereiten lässt ...
Eine groteske Bestätigung ergibt sich aus folgendem Vorkommnis. Da gibt es in Berlin eine sogenannte NacktKultur. Da ging jemand hin zunächst aus rein künstlerischem Interesse, wollte sich das auch ansehen und ließ das Publikum und dann auch das auf sich wirken, was da vorgestellt worden ist. Dann lief diese Persönlichkeit schnell davon. Es war ein merkwürdiges Publikum, fast lauter alte Herren ...
Da, wo man in der Tat darauf ausgeht, dass das Sinnliche auf das Sinnliche wirkt, da besteht ein Anziehungsband auf das, was im Leben absterbend ist. Und wer das Sinnliche als Sinnliches bloß sucht, der wird sehen können, dass auf die absterbenden Teile seines Wesens besondere Wirkungen ausgeübt werden ... wogegen das geistige Interesse ... auf die keimenden, wachsenden Teile des Menschenwesens besonders wirken wird.
Die Geistesforschung beginnt dem Menschen zu geben etwas, was allerdings nicht so bequem ist wie dasjenige, was man bloß beschreibt ... und auch nicht so bequem wie das Anhören eines Vortrags, wo man Bilder an die Wand projiziert. Dabei braucht man wenig mitzuarbeiten innerlich.
Die Geisteswissenschaft spricht ja vom Übersinnlichen, und das kann man eben nicht so bequem haben. Sie appelliert an etwas in der Menschennatur, dem gegenüber er mitarbeiten muss, dem gegenüber er die regsamsten Kräfte in seinem Innern in Mitarbeit versetzen muss ... Diese Geisteswissenschaft geht damit direkt auf das Spirituelle ... auf die Wege der Seele ... Für Augen ist das nicht da ... Und niemand behauptet, dass die Begriffe und Vorstellungen und Ideen der Geisteswissenschaft in dem Sinne wirklich sind, dass sie handgreiflich sind. In diesem Sinne sollen sie nicht wahr sein. Aber das, was man heute kaum kennt in weiten Kreisen, diese sogenannten unwirklichen Vorstellungen, was sind sie für Vorstellungen? Das sind gerade die gesunden, die starken Vorstellungen, die, wenn sie nur genügend in der menschlichen Natur wirken, zu gleicher Zeit die starken, die kräftigen und bis in den Ätherleib hinein wirksamen, gesund machenden Vorstellungen sind.
Wenn die Geisteswissenschaft uns führt ... so erregt sie in uns Vorstellungen, die im eminentesten Sinne von innen heraus gesundend wirken ... organische Substanz so, dass es sozusagen seine Ursprünge schon verlassen hat, nicht wieder durch sich selbst ausgebessert werden kann ... Je höher in der Organismenreihe wir steigen ...
Wo Innenkräfte entwickelt werden sollen zur Gesundung, da ist die stärkste Kraft diejenige, die aus dem Geiste des Menschen herausströmt, die auf das Verjüngende und Wachsende sich richtet, und derjenige, der an diese Kräfte appelliert der steht auch im gesundheitlichen Sinne auf einer guten Grundlage ... die starken Kräfte im Innern entfesselt bis in die höheren Gebiete der Gesundheitsfrage hinauf ... Kaum ein Anfang ist allerdings da gemacht ...
Man versteht kaum etwas mehr als ein physisches Wirken auf den Menschen ... Da ist die Geisteswissenschaft berufen, die Fragen der Gesundheit so aufzunehmen, dass Heilmittel gefunden werden und da sein werden, die nicht bloß auf das Physische wirken, sondern direkt auf das Geistige, das heißt auf das Astralische; und auf dem Umwege über das Astralische physisch gesundend wirken. Hier wird in der Tat Theosophie eine große Aufgabe haben. Sie wird sie lösen können, denn sie kann tief eindringen in das Leben, das uns täglich umgibt, in das Leben des gesunden und kranken Menschen.
Und da ist es wirklich mit großer Befriedigung zu begrüßen, dass es gelingt, schon auf dem Boden der theosophischen Forschung einen schönen Anfang zu machen, indem Dr. Peipers in München eine Art Farbentherapie in Anwendung bringt, die durchaus auf der Grundlage theosophischer Anschauung, auf der Grundlage der Geisteswissenschaft aufgebaut ist ... der Farbe ihre Geheimnisse, ihre tieferen geistigen Untergründe, abgelauscht sind.
Hier denkt man nicht an die physischen Wirkungen ... nicht das Licht wirkt in diesen Dingen, die Farbe muss erst Vorstellung werden, muss erst im astralischen Leibe erglänzen und aufleuchten ... als Farbenvorstellung auf dem Umwege über den astralischen Leib wirken sie hinaus in die Peripherie ... Wenn das auch zunächst nur für gewisse Formen von Erkrankungen gebraucht werden kann, so ist doch damit ein Anfang gemacht ...
Und diese theosophische Strömung wird in diesen und mancherlei anderen Dingen, indem sie in die Tiefen der Dinge eindringt, noch mancherlei schaffen, wovon sich die heutige materialistische Gesinnung nichts träumen lässt. Was man auch sagen mag ... die Wahrheit, die Wahrheit des Geistigen, sie wird sich durchringen. So ... einige Gesichtspunkte, die mit diesem Thema im Zusammenhang stehen. Es wird sich Ihnen gezeigt haben, wie auf der einen Seite Geisteswissenschaft niemals einseitig sein kann ...
Nehmen wir einmal an, nun, da habe einer Migräne. Was nimmt der? Etwa Migränin. Das ist nichts! Oder es wird ihm irgendein anderes Mittel verordnet. Aber er hat vielleicht keine Zeit, um alles das zu tun, was man ihm vorschreibt ... Es kann durchaus ein Mensch so stark sein, dass er es gut erträgt, dass man seinen physischen Organismus auf gewissen Gebieten physisch behandelt.
Aber das Problem ist in Wahrheit nur individualistisch zu lösen. Durch eine tiefere Erkenntnis der Menschennatur wird man darauf kommen, dass in der Geisteswissenschaft selbst eine Grundlage liegt, um gesunde Triebe, gesunde Instinkte hervorzurufen ... das spirituelle Leben dasjenige ist, was ...
Hinter aller Materie liegt Geist ... und das, was sich als Inhalt ... in der Materie zeigt, das ist nur ein Ausdruck geistiger Vorgänge ... So ist es auch mit dem Essen: Es soll schmecken, denn dass es schmeckt, das ist der Ausdruck, dass es sich einfügt in gesunder harmonischer Weise in den Organismus.
So wird man durch Geisteswissenschaft dazu kommen, Gefühle und Instinkte in gesunder Weise anregen zu können, und es wird die Folge sein, dass diejenigen, die sich mit den spirituellen Weistümern beschäftigen, gesund werden ...
So wie die Tiere draußen auf der Wiese grasen und in ihrem Instinkte das Richtige finden ... so wird dem Menschen auf einer höheren Stufe Spiritualität und Geisteswissenschaft wiederum einpflanzen dasjenige, das ihm zeigt in voller Bewusstheit, was ihm dient, was ihm gesund ist ... sodass ihm Geisteswissenschaft selbst ein großes Heilmittel, ein großes Gesundungsmittel ist ... da sie ihm bringt die richtige Erkenntnis für das, was individuell ihm im einen oder andern Fall notwendig ist.
Die Krankheit in ihrer Beziehung auf den Menschen als Ganzes erkennen, das wird es dahin bringen, auch auf diesem Gebiete zu wissen, was hilft ... und so meinte Hyrtl, der ... etwas sehr Schönes, als er aus seiner Erfahrung heraus sagte: ... Krankheiten erkennen kann nur der Arzt ... und er meinte: Das andere ist schwieriger, er meinte: Helfen kann man nicht immer schon, wenn man Krankheiten erkennen kann, heilen kann nur derjenige, der weiß, was hilft ... Wissen, was hilft kann nur derjenige, der imstande ist, tief, ganz tief in die Untergründe der Menschennatur hineinzuschauen.
Fragenbeantwortung [Auszüge]
Frage: [Nicht überliefert.]
Antwort: Es ist streng zu unterscheiden zwischen den Unregelmäßigkeiten, die durch äußere Schäden entstanden sind und wogegen er höchstens das Mittel hat zu korrigieren durch die im Menschen liegenden inneren Kräfte und zwischen inneren Krankheiten ... ein äußerer Schaden, ein Beinbruch zum Beispiel ... Dasselbe ist es aber auch, wenn durch ein ungeeignetes Nahrungsmittel im Innern des Magens zum Beispiel irgendein Unheil angerichtet wird. ... ebenso wenig wie beim Beinbruch ist bei solchen äußeren Schädigungen vom astralischen Leib aus zu wirken ... Wichtig dennoch, dass mehr auch über die Gesundung aus dem Innern des Menschen heraus gesprochen wird als über Krankheitsformen ... mehr über die Wege zur Gesundung als über Krankheiten.
Frage: [Nicht überliefert.]
Antwort: [...] Feuerbach sagte: Der Mensch ist, was er isst. Das ist richtig, wenn er durch die Art seiner Nahrung sich verlegt die Mittel, höher hinauf zu kommen ... Er soll so essen, dass er gerade dadurch nicht ist, was er isst.