Esoteric Development

GA 84 — 26 September 1923, Vienna

Die Übersinnliche Erkenntnis -Anthroposophie- Als Zeitforderung

Wer heute von übersinnlichen Welten spricht, setzt sich ja von vornherein dem durchaus begreiflichen Vorwurf aus, daß er gegen eine der allerwichtigsten Zeitforderungen verstoße, gegen die Zeitforderung: daß im Ernste über die höchsten Fragen des Daseins von einem wissenschaftlichen Standpunkte aus nur so gesprochen werden könne, daß die Wissenschaft sich ihrer Grenzen bewußt sei und eben eine klare Einsicht habe in die Tatsache, daß sie sich beschränken müsse auf die sinnliche Welt des irdischen Daseins und einer gewissen Phantastik verfallen würde, wenn sie über diese Grenzen hinausginge. — Nun, gerade diejenige Richtung geisteswissenschaftlicher Anschauung, von der aus ich beim letzten Wiener Kongreß der anthroposophischen Bewegung gesprochen habe und von der aus ich auch heute wiederum sprechen will, nimmt für sich in Anspruch, nicht nur nicht gegnerisch zu sein gegen wissenschaftliche Gesinnung und wissenschaftliche Verantwortlichkeit unserer Zeit, sondern auch durchaus im Sinne dessen zu arbeiten, was gerade als Aufgaben von den gewissenhaftesten wissenschaftlichen Anforderungen auch derjenigen gestellt werden kann, die auf dem Boden strengster Naturforschung stehen. Nun kann man allerdings in verschiedenem Sinne von den wissenschaftlichen Zeitforderungen sprechen, die uns durch das gestellt werden, was in einer so großartigen Weise im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, insbesondere aber des neunzehnten Jahrhunderts an theoretischen und praktischen Ergebnissen in der Menschheitsentwickelung herausgekommen ist. Ich will heute deshalb von übersinnlicher Erkenntnis sprechen, insofern sie gerade diese Zeitforderung erfüllen will, und ich möchte im nächsten Vortrage dann sprechen von der übersinnlichen Menschenerkenntnis als einer Forderung des menschlichen Herzens, des menschlichen Gemütes in der gegenwärtigen Zeit.

Man kann hinsehen auf das, was uns bis in die jüngsten Tage herein die naturwissenschaftliche Forschung Großartiges gebracht hat - Großartiges gebracht hat an Ergebnissen von Zusammenhängen über die äußere Welt. Aber man kann auch in einem anderen Sinne von den Errungenschaften sprechen, die gerade bei dieser Entwickelungsströmung der Menschheit gewonnen worden sind. Man kann nämlich davon sprechen, daß bei den gewissenhaften, ernsten Beobachtungen der Gesetze und Tatsachen der äußeren Sinneswelt, wie sie die Naturwissenschaft geliefert hat, sich ganz besondere menschliche Fähigkeiten ausgebildet haben, und daß gerade von Beobachtung und Experiment ein Licht ausgegangen ist auch auf die menschlichen Fähigkeiten selbst. Aber ich möchte sagen: Viele, die im anerkennenswertesten Sinne auf dem Boden naturwissenschaftlicher Forschung stehen, möchten gerade von diesem Lichte, das auf den Menschen selbst durch seine Forschungen zurückgeworfen wird, nicht viel hören. Wenn wir nur ein wenig uns besinnen auf das, was dieses Licht beleuchtet, so sehen wir, wie das menschliche Denken dadurch, daß es enge und weite Zusammenhänge — das Mikroskopische und das Teleskopische — gesetzmäßig durchforschen konnte, dadurch selber Unendliches für sich gewonnen hat, gewonnen hat an Unterscheidungsvermögen, gewonnen hat an eindringlicher Kraft, die Dinge der Welt zusammenzustellen, so daß sie ihre Geheimnisse verraten, die Gesetze der Weltenzusammenhänge festzustellen und so weiter. Wir sehen, indem dieses Denken entfaltet wird, eine Anforderung an dieses Denken gestellt, und zwar gestellt gerade von den ernstest zu nehmenden Forschern: die Forderung, daß dieses Denken so selbstlos als möglich sich entwickeln müsse in der Beobachtung der äußeren Natur und im Experimentieren im Laboratorium, in der Klinik und so weiter. Und eine große Gewalt hat der Mensch in dieser Beziehung gewonnen. Es ist ihm ja gelungen, immer mehr und mehr Maßregeln solcher Art zu treffen, daß nichts von dem, was im Denken selber als innere Herzenswünsche des Menschen, als Anschauungen, vielleicht auch als Phantasien über sein eigenes Wesen aufsteigt, hineingetragen werde in dasjenige, was er mit dem Mikroskop und Teleskop, mit Maßstab und Waage über die Zusammenhänge des Lebens und des Daseins feststellen soll.

Unter diesen Einflüssen hat sich allmählich ein Denken herausgebildet, von dem man sagen muß, daß es mit einem gewissen inneren Fleiß seine passive Rolle herausgearbeitet hat. Das Denken ist heute durchaus an der Beobachtung, am Experiment, abstrakt geworden, so abstrakt geworden, daß es sich nicht zutraut, etwas an Erkenntnissen und an Wahrheiten aus seinem eigenen Inneren herauszuzaubern.

Diese Eigenschaft des Denkens, die sich da allmählich herausgebildet hat, ist es ja vor allen Dingen, die, wie es zunächst scheint, alles abweisen muß, was der Mensch seinem inneren Wesen nach selber ist. Denn das, was er so selber ist, muß er in Aktivität aus sich herausstellen; das kann niemals eigentlich ganz ohne den Einschlag seines Willens sein. Und so sind wir denn - und auf dem Gebiete der äußeren Forschung mit Recht - dazu gekommen, gerade die Aktivität des Denkens abzuweisen, in der wir uns aber doch bewußt sind, was wir als Menschen im Universum, im ganzen Weltenzusammenhange bedeuten. Ausgeschaltet hat sich in einer gewissen Beziehung der Mensch bei seinem Forschen; er verbietet sich seine innere Aktivität. Wir werden gleich sehen, wie das, was in bezug auf dieses äußere Forschen mit Recht verboten werden muß für das eigene Selbst des Menschen, nun besonders kultiviert werden muß, wenn der Mensch über das Geistige, über das Übersinnliche seines Wesens Aufschluß haben will.

Aber auch ein zweites Element in der menschlichen Wesenheit hat seine besondere Seite darbieten müssen, die menschheitsfremd, wenn auch weltenfreundlich ist in der neueren Forschung mit Bezug auf das menschliche Gemüt, auf das menschliche Gefühl. Es darf in der neueren Forschung dieses menschliche Gefühl nicht mitsprechen; der Mensch muß kalt und nüchtern bleiben. Dennoch könnte man fragen: Wäre es denn aber nicht möglich, innerhalb dieses Fühlens dennoch Kräfte für Welterkenntnis zu gewinnen? Gerade wenn man auf der einen Seite sagen muß: Im Gefühl arbeitet die innere menschliche Willkür, die menschliche Subjektivität, und das Gefühl ist der Quell der Phantasie - so muß man auf der anderen Seite doch wieder sagen: Gewiß, so wie das Gefühl zunächst im alltäglichen oder im wissenschaftlichen Leben ist, so kann diese menschliche Gefühlsseite keine besondere Rolle spielen. Aber wenn wir uns erinnern, wie uns ja die Wissenschaft selber darstellen muß, daß die menschlichen Sinne in der gesamten Menschheitsentwickelung nicht immer so waren, wie sie heute sind, sondern daß sie sich aus verhältnismäßig unvollkommenen Zuständen zu den heutigen Zuständen heraufentwickelt haben, daß sie ganz gewiß in früheren Zeiten nicht so objektiv über die Dinge gesprochen haben wie heute, dann dämmert doch vielleicht die Ahnung auf, daß auch in dem subjektiven Gefühlsleben irgend etwas drinnenstecken könnte, was so herausgeholt werden könnte, wie die menschlichen Sinne selber, und was aus einem Erleben der eigenen menschlichen Wesenheit hinüberführen könnte zu einem Erfassen der Weltenzusammenhänge in einem höheren Sinne. Gerade wenn man das Zurückziehen des Gefühls innerhalb der heutigen Forschung erblickt, muß die Frage aufgeworfen werden: Könnte sich nicht im Gefühl irgendein höherer Sinn erschließen, wenn dieses Gefühl besonders entwickelt würde?

Aber hervorragend anschaulich finden wir bei einem dritten Element in der menschlichen Wesenheit, wie wir von der durchaus anerkennenswerten naturwissenschaftlichen Auffassung hinausgetrieben werden zu irgend etwas anderem: das ist die Willensseite des menschlichen Seelenlebens. Wer wirklich im naturwissenschaftlichen Denken drinnensteht, der weiß, wie es diesem Denken unmöglich ist, anders die Zusammenhänge in der Welt zu denken als im Sinne der ursächlichen Notwendigkeit. In strenger Art verknüpfen wir die nebeneinander im Raume befindlichen Erscheinungen, in strengem Sinne verknüpfen wir die nacheinander in der Zeit folgenden Erscheinungen. Ursache und Wirkung verknüpfen wir, man möchte sagen, nach ihren ehernen Gesetzen. Wer nicht als Dilettant, wer als ein in der Naturwissenschaft Drinnenstehender spricht, der weiß, welche Gewalt einfach die Betrachtung der naturwissenschaftlichen Tatsachenwelten in dieser Beziehung ausübt; er weiß, wie er gefangengenommen wird von dieser Idee einer Allursächlichkeit, und wie er dann gar nicht anders kann, als bei allem, was ihm entgegentritt, in seinem Denken diese Idee der Ursächlichkeit auch geltend zu machen.

Da aber steht dann der menschliche Wille, dieser menschliche Wille, der uns in jedem Augenblicke unseres wachen Tageslebens sagt: Was du in einem gewissen Sinne aus dir selber heraus, aus deinem Willen unternimmst, das ist nicht in demselben Sinne ursächlich bedingt wie irgendwelche äußeren Naturerscheinungen. — Deshalb wird auch ein Mensch, der einfach natürlich über sich selber fühlt, der in unbefangener Selbstbeobachtung in sich hineinschaut, kaum etwas anderes können, als aus der unmittelbaren Erfahrung heraus sich die Freiheit des Willens zuzuschreiben. Wenn er dann aber hinüberblickt zu dem naturwissenschaftlichen Denken, dann kann er diese Willensfreiheit nicht zugeben. Hier ist einer der Konflikte, in die uns die heutige Zeitlage hineinbringt. Wir werden im Verlaufe dieser zwei Vorträge noch manches andere von diesen Konflikten kennenlernen. Aber dieser Konflikt ist für den, der ihn in seiner ganzen Intensität fühlen, man möchte sagen, durchfühlen kann — weil er ehrlich sein muß auf der einen Seite gegen die naturwissenschaftliche Forschung, auf der anderen Seite gegen die Selbstbeobachtung — etwas Zerwühlendes, etwas so Zerwühlendes, daß es ihn in den Zweifel hineintreiben kann, ob überhaupt im Leben irgendwie ein Anhaltspunkt da sei, die Wahrheit zu erforschen.

Man muß solche Konflikte von der rechten menschlichen Seite nehmen können. Man muß sich sagen können: Es treibt einen die Forschung dazu, dasjenige, was man täglich gewahr wird, eigentlich nicht zugeben zu können; da muß irgendwie etwas liegen, was noch andere Zugänge zur Welt bietet als das, was eben in nicht zu widerlegender Weise in der äußeren Naturordnung gegeben ist. Gerade indem wir in einer so starken Weise durch die Naturordnung selbst in solche Konflikte hineingetrieben sind, wird es für uns Menschen der Gegenwart eine Zeitforderung, uns zu gestehen, daß es unmöglich ist, über die übersinnlichen Welten so zu sprechen, wie bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit noch gesprochen worden ist. Wir brauchen nur in die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zurückzugehen, und wir finden, daß damals Geister, die von ihrem Zeitbewußtsein aus die Naturwissenschaft durchaus ernst genommen haben, dennoch hingewiesen haben auf die übersinnliche Seite des menschlichen Lebens, auf diejenige Seite, die dem Menschen eröffnet die Aussicht auf das Göttliche, auf seine eigene Unsterblichkeit, und daß sie damit immer hingewiesen haben auf dasjenige, was wir heute nennen können die «Nachtseiten» des menschlichen Lebens. Ganz ernst zu nehmende Menschen haben hingewiesen auf jene wundersame, aber höchst problematische Welt, in die der Mensch jede Nacht versetzt wird: auf die Traumwelt. Sie haben hingewiesen auf manche geheimnisvollen Zusammenhänge, die diese chaotische Bilderwelt der Träume dennoch mit der Wirklichkeit hat; sie haben darauf hingewiesen, wie das Innere der menschlichen Organisation, insbesondere bei Krankheiten, sich in den phantastischen Bildern des Traumes dennoch in einer gewissen Weise spiegelt, und wie das gesunde menschliche Leben in Sinnbildern, in Symbolen in die chaotischen Traumerlebnisse einzieht. Sie haben darauf hingewiesen, wie manches, was der Mensch mit seinen wachen Sinnen nicht überschauen kann, in den halbwachen Seelenzustand gelegt wird, und man hat aus solchen Dingen seine Schlüsse gezogen. Diese Dinge grenzen dann an das, was auch heute noch von vielen Menschen gepflegt wird, an die unterbewußten Zustände des menschlichen Seelenlebens, die in einer ähnlichen Weise sich äußern.

Alles aber, was in dieser Art an den Menschen herantritt, was eine Vormenschheit noch in einer gewissen Weise befriedigen konnte, das kann für uns heute nicht mehr gelten, kann aus dem Grunde nicht mehr gelten, weil die Art, wie wir in die äußere Natur schauen, eine andere geworden ist. Man muß da schon hineinschauen in die Zeiten, wo es zum Beispiel nur eine mystisch gefärbte Astrologie gegeben hat. Da hat der Mensch in die Sinneswelt so hineingeschaut, daß dieses Hineinschauen weit entfernt war von der Exaktheit, die wir heute als Forderung an die Wissenschaft stellen. Und so konnte er vielleicht auch, weil er sich gestattete, im Sinnlichen nicht jene volle Klarheit zu haben, die wir heute haben, so konnte er im Mystischen, in gewissen halbbewußten Zuständen etwas finden, was ihm Aufschlüsse geben konnte. Das können wir heute nicht. Ebensowenig wie wir imstande sind, aus dem, was die Naturwissenschaft uns direkt gibt, etwas anderes zu holen als Fragen in bezug auf das eigentliche Wesen des Menschen, ebensowenig können wir bei der Naturwissenschaft unmittelbar stehenbleiben und etwa unsere übersinnlichen Bedürfnisse in einer ähnlichen Art befriedigen, wie es die Vorzeit getan hat.

In diese Zeitforderung hinein schaut jene übersinnliche Erkenntnisart, von der ich hier sprechen will. Sie schaut darauf hin, wie das Denken, Fühlen und Wollen des Menschen geworden sind gerade durch die Naturwissenschaft, und sie fragt auf der anderen Seite: Ist es möglich, gerade mit dem, was sich der heutige Mensch da im Denken, Fühlen und Wollen erobert hat, nun mit derselben Klarheit, die auf naturwissenschaftlichem Gebiete herrscht, weiter zu schreiten in das Übersinnliche hinein? Durch Schlußfolgerungen, durch Logik und so weiter kann das nicht geschehen, denn mit Bezug auf ihr eigenes Wesen deutet die Naturwissenschaft mit Recht ihre Grenzen an. Aber ein anderes kann geschehen: daß die inneren menschlichen Seelenfähigkeiten von dem Punkte an, an dem sie stehen, wenn wir innerhalb der gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschung sind, weiterentwickelt werden; so daß wir jetzt jene Exaktheit, an die wir uns in bezug auf das äußere Forschen im Laboratorium und in der Klinik gewöhnt haben, anwenden auf die Entwickelung unserer eigenen Geistesfähigkeiten. Vorerst will ich das in bezug auf das Denken selber ausführen.

Es kann das Denken, das sich für das äußere Forschen seiner passiven Rolle immer mehr und mehr bewußt geworden ist und diese nicht verleugnen will, innerlich sich zur Aktivität erkraften, so erkraften, daß es jetzt nicht in der Weise exakt ist, wie man sonst mit Messen, Wägen und so weiter in der äußeren Forschung exakt ist, aber so exakt, daß es in bezug auf seine eigene Ausbildung exakt ist, so wie der äußere Forscher, der Mathematiker zum Beispiel gewohnt ist, jeden Schritt mit vollem Bewußtsein zu verfolgen. Das aber geschieht, indem jene übersinnliche Erkenntnisart, von der ich hier spreche, an die Stelle des alten verschwommenen Meditierens, an die Stelle des alten verschwommenen Sichversenkens in das Denken nun eine wirkliche exakte Entwickelung dieses Denkens setzt.

Ich kann das, was ich in bezug auf eine solche exakte Entwickelung des Denkens in meinen Büchern «Geheimwissenschaft im Umriß» oder «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen ausgeführt habe, hier nur prinzipiell andeuten. Der Mensch sollte es wirklich über sich bringen, solange als es für jeden notwendig ist — was sich ergibt aus der verschiedenen menschlichen Veranlagung -, die Rolle, die er sonst im Denken einnimmt und mit Recht einnimmt: sich passiv der äußeren Welt hinzugeben -, zu vertauschen mit jener anderen: seine ganze innere Seelenaktivität in dieses Denken zu legen, indem er zum Beispiel Tag für Tag, wenn auch jeweils nur für kurze Zeit, mit Zurückziehung seines Gemütes von der Außenwelt, irgendeinen Gedanken, auf dessen Inhalt es zunächst nicht ankommt, in seine Seele hereinnimmt und alle seine inneren Seelenkräfte in innerer Konzentration auf diesen einen Gedanken hinlenkt. Dann tritt dadurch etwas ein, was man in bezug auf die Ausbildung jener Seelenfähigkeiten vergleichen kann mit dem, was sich ergibt, wenn irgendwelche Muskeln am menschlichen Leibe, zum Beispiel die Armmuskeln, ausgebildet werden sollen: die Muskeln werden durch Gebrauch, durch Übung stärker, werden kräftiger. So werden die Seelenfähigkeiten durch das Hinlenken auf einen bestimmten Gedanken innerlich aktiver, kräftiger. Und man muß nun die Sache so einrichten, daß man wirklich exakt vorgeht, daß man jeden Schritt, den man mit seinem Denken macht, so überschaut, wie der Mathematiker seine Operationen überschaut, wenn er ein geometrisches oder arithmetisches Problem lösen will. Das kann man auf die verschiedenste Weise machen. Trivial sieht es aus, wenn ich sage, man solle zu diesem Konzentrationsinhalt etwas benutzen, was man in irgendeinem Buche findet, meinetwillen in einem alten Schmöker, von dem man ganz bestimmt weiß, daß man ihn noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Es kommt zunächst nicht darauf an, was der Wahrheitsgehalt dieser Sache ist, sondern es kommt darauf an, daß man einen solchen Gedankeninhalt voll überschaut. Das kann man nicht, wenn man aus seinem Gedächtnis heraus einen Gedankeninhalt nimmt; denn mit einem solchen hängt vieles in der unbestimmtesten Weise für den Menschen zusammen, vieles, was im Unterbewußten oder Unbewußten spielt, und man kann nicht exakt sein, wenn man sich darauf konzentriert. Etwas also, was einem ganz neu ist, was man nur seinem unmittelbaren Inhalte nach vor sich hat, womit sich noch nicht eine seelische Erfahrung verknüpft hat, das stellt man in den Mittelpunkt seines Bewußtseins. Es kommt auf die Konzentration der Seelenkräfte an und auf die daraus hervorgehende Verstärkung. Ebenso ist es gut, kein Vorurteil dagegen zu haben, wenn man zu jemanden geht, der auf diesem Gebiete Fortschritte gemacht hat, und sagt, er solle einem einen solchen Inhalt geben. Dann ist einem der Inhalt neu und man kann ihn überschauen. Viele Menschen fürchten, sie würden dadurch abhängig werden von dem anderen, der ihnen einen solchen Inhalt übermittelt. Das ist aber nicht der Fall; in Wahrheit werden sie unabhängiger, als wenn sie aus ihren Erinnerungen und Erfahrungen einen solchen Gedankeninhalt, der mit allerlei unterbewußten Erlebnissen verbunden ist, hervorholen. Und für den, der im wissenschaftlichen Arbeiten einige Erfahrungen hat, ist es gut, wenn er wissenschaftliche Ergebnisse als Konzentrationsstoff benutzt; die erweisen sich sogar als dafür am allerfruchtbarsten.

Wenn man dies durch längere Zeit, vielleicht durch Jahre tut — das alles muß mit Geduld und Ausdauer geschehen, bei manchem dauert es wenige Wochen oder Monate, bis ein Erfolg sich einstellt, bei manchem Jahre -, dann kann der Mensch dahin kommen, diese Methode auf die innere Ausgestaltung seines Denkens so exakt anzuwenden, wie der Physiker oder Chemiker die Methoden des Messens und Wägens anwendet, um der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen; was man da gelernt hat, wendet man auf die Weiterentwickelung des eigenen Denkens an. Es kommt dann in einem gewissen Zeitpunkt eine bedeutsame innere Erfahrung des Menschen. Die besteht darin, daß man sich nun nicht nur im Bilddenken fühlt, das die äußeren Ereignisse und Tatsachen abmalt, und das im Grunde genommen um so treuer ist, je weniger es Kraft in sich selber hat, je mehr es bloßes Bild ist; sondern man kommt dazu, zu diesem Denken hinzuzufügen die innere Erfahrung von erlebtem Denken, von innerlich durchkraftetem Denken. Das ist eine bedeutsame Erfahrung. Und ich möchte sagen, es wird dadurch das Denken etwas, was man anfängt so zu erleben, wie man sonst seine Muskelkräfte erlebt, wenn man irgend etwas angreift oder an etwas stößt. Das Erlebnis einer Realität, wie man es sonst hat in bezug auf seine Atmungszirkulation oder in seiner Muskeltätigkeit, dieses innere Aktive zieht in das Denken ein. Und da man jeden Schritt auf diesem Wege exakt erforscht hat, so erlebt man sich mit voller Besonnenheit, mit voller Klarheit in diesem erstarkten, aktiven Denken. Wenn etwa eingewendet wird, daß Wissenschaft ausgehen müsse von Erfahrung und Logik, so ist das kein Einwand; denn was da erlebt wird, das wird erlebt mit voller innerer Klarheit, aber zugleich wird es so erlebt, daß dieses Denken eine Art seelisches Tasten wird. Man fühlt sich, indem man einen Gedanken ausbildet, wie wenn man einen Fühler ausstreckt — jetzt nicht wie wenn die Schnecke einen Fühler ausstreckt in der physischen Welt, sondern wie wenn man einen Fühler ausstrect in einer geistigen Welt, die, wenn man bis zu dieser Stufe gediehen ist, zunächst nur gefühlsmäßig da ist, aber die man mit Recht erwarten kann. Denn man hat die Empfindung: Dein Denken hat sich verändert zu einem geistigen Tasten; wenn das immer mehr und mehr in dir der Fall sein kann, dann darfst du erwarten, daß dieses Denken auch auf geistig Wesenhaftes aufstößt, wie dein Finger hier in der physischen Welt auf physisch Wesenhaftes aufstößt.

Wenn man eine Zeitlang in diesem innerlich erkrafteten Denken lebt, dann ist erst die volle Selbsterkenntnis dem Menschen möglich. Denn man weiß dann: Durch diese Konzentration ist das Seelische zu einer erlebbaren Realität geworden.

Man kann jetzt in seinem Üben fortfahren und kann dazu schreiten, diese Gedankeninhalte, auf die man sich konzentriert hat, die einen dazu gebracht haben, ein reales seelentastendes Denken zu haben, diese Seeleninhalte nun auszuschalten, wegzuschaffen, gewissermaßen das Bewußtsein von dem, was man selbst in dieses Bewußtsein hineingebracht hat, leer zu machen. Es ist verhältnismäßig leicht, im gewöhnlichen Leben das Bewußtsein leer zu bekommen; man braucht nur einzuschlafen. Aber es ist eine intensive Kraft dazu notwendig, wenn man sich zu konzentrieren gewohnt ist auf einen bestimmten Gedankeninhalt, gerade bei verstärktem Denken, bei realisiertem Denken einen solchen Gedankeninhalt wegzuschicken. Aber ebenso, wie man zuerst die starke Kraft bekommen hat, sich zu konzentrieren, so bringt man es jetzt dazu, diesen Gedankeninhalt wieder wegzuschaffen. Hat man es aber dazu gebracht, dann tritt etwas vor die Seele, was man vorher nur in Form eines episodischen Erinnerungsbildes haben konnte: Es tritt in einer neuen Weise das ganze innere Leben des Menschen vor sein Seelenauge, wie er es in diesem irdischen Dasein durchgemacht hat seit der Geburt oder seit dem Zeitpunkt, bis zu dem man sich zurückerinnert, wo man bewußt in dieses irdische Dasein eingetreten ist. Für gewöhnlich kennt man ja von diesem irdischen Dasein nur das, woran man sich gedächtnismäßig erinnert; man hat die Bilder der Erlebnisse. Was man aber jetzt durch das erkraftete Denken erlebt, ist nicht von derselben Art. Es tritt auf wie in einem mächtigen Tableau, so daß man sich an das, was man vor zehn Jahren etwa durchgemacht hat, nicht wie in einem blassen Bilde bloß erinnert, sondern es tritt so auf, daß man das innere Erlebnis hat: Man geht im Geiste die Zeit zurück. Macht man meinetwillen in seinem fünfzigsten Jahre eine solche Übung, die zu dem Angedeuteten führt, dann wird es so, daß einem die Zeit gestattet, wie durch einen «Zeitweg» zurückzugehen bis meinetwillen zu den Erlebnissen in seinem fünfunddreißigsten Jahre. Man schreitet durch die Zeit, man fühlt nicht bloß eine blasse Erinnerung an das, was man vor fünfzehn Jahren durchgemacht hat, sondern man fühlt sich in aller Lebendigkeit drinnen wie in einem gegenwärtigen Erlebnis. Man schreitet durch die Zeit, der Raum verliert seine Bedeutung, die Zeit liefert einem ein mächtiges Erinnerungstableau. Dasjenige wird exaktes Bild des Menschenlebens, wovon selbst naturwissenschaftliche Denker zugeben, daß es in einer episodischen Weise auftritt, wenn der Mensch zum Beispiel beim Ertrinken einem großen Schreck, einem Schock ausgesetzt ist, wo er für Augenblicke etwas von seinem ganzen Erdenleben in Bildern vor die Seele gestellt hat, an die er dann später mit einem gewissen schauernden Entzücken noch zurückdenkt. Was sich also in einem solchen Falle wie in einer Naturgewalt vor die Seele stellt, das tritt aber dann in dem angedeuteten Zeitpunkte wirklich vor die Seele hin, indem das ganze Erdenleben wie in einem mächtigen, aber nur zeitlich angeordneten Geist-Tableau vor einem steht. Jetzt erst erkennt man sich selber, jetzt erst hat man wirkliche Selbstbeobachtung.

Man kann sehr wohl dieses Bild des menschlichen Inneren von dem unterscheiden, was bloß Erinnerungsbild ist. Das bloße Erinnerungsbild zeigt, wie Menschen, Naturereignisse oder Kunstwerke von außen an den Menschen herankommen; man hat mehr die Art, wie die Welt an einen herankommt, in diesem Erinnerungsbilde vor sich. In demjenigen aber, was da als ein übersinnliches Erinnerungstableau vor den Menschen hintritt, tritt ihm mehr dasjenige entgegen, was von ihm selbst ausgegangen ist. Hat man zum Beispiel in einem bestimmten Zeitpunkte seines Lebens die Freundschaft mit einer geliebten Persönlichkeit begonnen, so tritt einem im Bilde entgegen, wie diese Persönlichkeit in einem gewissen Zeitpunkte auf einen zugekommen ist, wie sie zu einem gesprochen hat, was man ihr verdankt und so weiter. In diesem Lebenstableau tritt einem entgegen, wie man sich zu diesem Menschen hingesehnt hat, und wie man jeden Schritt zuletzt so gemacht hat, daß er einen hinführen mußte zu dem Wesen, von dem man erkannt hat, daß es zu einem paßt.

Was sich durch die Entfaltung der Seelenkräfte gebildet hat, das tritt einem in diesem Lebenstableau mit exakter Klarheit entgegen. Viele Menschen lieben solche exakte Klarheit nicht, weil sie ihnen Aufschluß gibt über manches, was sie lieber in einem anderen Lichte sehen würden als in dem Lichte der Wahrheit. Aber man muß es ertragen, daß man in voller Unbefangenheit auf sein eigenes Innere schauen kann, auch wenn dieses eigene Innere vor dem forschenden Blicke vorwurfsvoll einem begegnet. Ich habe diese Stufe des Erkennens die imaginative Erkenntnis oder Imagination genannt.

Nun kann man aber von dieser Stufe aus weiterschreiten. In dem, was man erkennt durch dieses Erinnerungstableau, hat man diejenigen Kräfte gegeben, die einen in Wirklichkeit als Mensch gebildet haben. Man weiß jetzt, indem man vor diesem Lebenstableau steht: In dir entwickeln sich die Kräfte, die an den Substanzen deines physischen Leibes gestalten; in dir haben sich, besonders in der Kindheit, diejenigen Kräfte entwickelt, welche die nach der Geburt noch ungeordnete Gehirn-Nervenmasse zur plastischen Ausgestaltung bis etwa zum siebenten Jahre hin gebracht haben. Man hört endlich auf, dasjenige was da innerlich gestaltet im Menschen, jenen Kräften zuzuschreiben, die an den materiellen Substanzen haften; man hört damit auf, wenn man dieses Erinnerungstableau vor sich hat, wenn man schaut, wie in alle Ernährungs- und Atmungskräfte und in alle Blutzirkulation hineinströmen die Inhalte dieses Erinnerungstableaus, die selbst Kräfte sind — Kräfte, ohne die keine Blutwelle kreist, ohne die kein Atmungsvorgang sich vollzieht. Man lernt jetzt erkennen, wie der Mensch seinem inneren Wesen nach geistig-seelisch ist.

Was einem da aufgeht, läßt sich am besten durch einen Vergleich charakterisieren. Denken Sie sich, Sie gehen eine Strecke über einen Boden, der durch den Regen erweicht ist, und Sie haben auf Ihrem Wege überall Spuren oder Furchen, welche Menschenfüße oder vielleicht Wagenräder gemacht haben. Nehmen wir nun an, es käme ein Wesen vom Monde und sähe diesen Zustand des Bodens, aber keine Menschen, so käme es vielleicht darauf, zu sagen: Da unter der Erde müssen allerlei Kräfte sein, die diese Spuren aufgewühlt und die Erde so konfiguriert haben. - Ein solches Wesen könnte in der Erde die Kräfte suchen, die die Furchen veranlaßt haben. Wer aber die Sache durchschaut, der weiß, das hat nicht die Erde gemacht, sondern das ist durch Menschenfüße und Wagenräder entstanden.

Wer nun die Dinge so überschaut, wie ich es eben beschrieben habe, der schaut dadurch wahrhaftig nicht mit geringerer Ehrfurcht zum Beispiel in die Furchungen des menschlichen Gehirnes hinein. Aber wie er weiß, daß jene Spuren auf der Erde nicht von Kräften in der Erde herstammen, so weiß er jetzt: Diese Furchungen des Gehirns rühren nicht von Kräften her, die in dem materiellen Gehirn stecken, sondern da ist das Geistig-Seelische des Menschen, das man selber jetzt geschaut hat, und das arbeitet so, daß unser Gehirn diese Furchungen hat. Das ist das Wesentliche: hingetrieben werden zu dieser Anschauung, so daß der Mensch zur Anschauung des eigenen geistig-seelischen Wesens kommt, daß der Seelenblick wirklich hingelenkt wird auf das Geistig-Seelische und auf sein Auftreten im äußeren Leben.

Aber es kann nun weitergeschritten werden. Nachdem man erst im Konzentrieren auf einen bestimmten Gedankeninhalt das eigene Innere erkraftet hat und dann das Bewußtsein leer gemacht hat, so daß einem statt der eigenen geformten Bilder jetzt der eigene Lebensinhalt vor die Seele getreten ist, kann man nun auch dieses Erinnerungstableau so aus dem Bewußtsein wieder herausbringen, wie man vorher eine einzelne Vorstellung herausgebracht hat, so daß das Bewußtsein von ihr leer geworden ist. Jetzt kann man die starke Kraft anwenden lernen, dasjenige was man zuerst in einer gesteigerten Selbstbeobachtung als ein geistig-seelisches Wesen erkannt hat, nun wieder aus seinem Bewußtsein auszulöschen. Man löscht ja dabei nichts Geringeres aus als das Innere seines Seelenlebens selbst. Das Äußere von sich auszulöschen, hat man zunächst gelernt in der Konzentration; man hat dann gelernt, den Seelenblick auf das eigene Geistig-Seelische hinzulenken; das füllt dieses ganze Erinnerungstableau aus. Gelangt man jetzt dazu, dieses Erinnerungstableau selbst auszulöschen, dann tritt das ein, was ich wirklich «leeres» Bewußtsein nennen möchte. Man hat vorher gelebt in dem Erinnerungstableau oder in dem, was man selbst vor die Seele gestellt hat; jetzt tritt etwas ganz anderes auf. Was in einem selbst lebte, hat man unterdrückt, und man setzt sich nun mit leerem Bewußtsein der Welt aus. Das bedeutet für das Erleben der Seele etwas außerordentlich Bedeutsames. Und im Grunde genommen kann ich es zunächst nur vergleichsweise schildern, was da für die Seele eintritt, indem man durch eine starke innere Kraft, die man anwendet, den eigenen Seeleninhalt auslöscht. Man braucht nur dessen zu gedenken, wie ein Mensch, vor dem die äußeren Sinneseindrücke allmählich schweigen, bei dem das Sehen, das Hören, vielleicht auch das deutliche Tasten aufhört, in einen Zustand versinkt, der einem Schlafzustande durchaus ähnlich ist. Jetzt aber, wenn man den eigenen Seeleninhalt auslöscht, kommt man zu einem zwar leeren Bewußtsein, aber nicht zu einem schlafenden; man kommt zu einem Zustande, den ich den Zustand des «bloßen Wachens», nämlich des Wachens mit leerem Bewußtsein, nennen möchte. Dieses leere Bewußtsein kann sich uns vielleicht dadurch vor die Seele stellen, daß ich sage: Man denke sich eine moderne Großstadt mit all ihrem Lärmen und Getöse. Man kann sich von ihr entfernen, es wird immer stiller und stiller um einen. Dann aber kommt man vielleicht in das Innere eines Waldes; es ist ein völliger Kontrast gegenüber dem Lärmen der Großstadt da: man lebt in völliger innerer Stille, Jautlose Ruhe ist um einen.

Sehen Sie, ich muß einen trivialen Vergleich anwenden, wenn ich das Weitere charakterisieren will. Die Frage müssen wir aufwerfen: Kann diese Ruhe, diese Stille noch zu etwas anderen gemacht werden? Wir können ja diese Ruhe, diese Stille als «Null» bezeichnen, in unserem Wahrnehmen der Außenwelt. Aber wenn wir zum Beispiel ein gewisses Vermögen haben, und wir nehmen von diesem etwas weg: es wird weniger, wir nehmen noch mehr weg: es wird wieder weniger; dann kommen wir zur Null, haben nichts mehr - können wir dann noch weiter gehen? Vielleicht ist es für die meisten nicht erwünscht, aber für viele ist es so, daß sie es durchaus tun: man verringert das Vermögen, indem man Schulden macht. Man hat weniger als die Null und kann immer weniger haben. Gerade so kann auch wenigstens zunächst gedacht werden, die Ruhe, die der Null des Wachens gleicht, noch über diese Null weiterzutreiben in eine Art negativen Zustand hinein. Es kann eine Über-Ruhe, eine Über-Stille zur Ruhe hinzukommen. Das erfährt derjenige, der seinen eigenen Seeleninhalt auslöscht: er kommt in einen Zustand der negativen, der unter der Null liegenden Seelenruhe hinein. Innere Seelenstille in gesteigertstem Maße tritt auf bei vollem Wachsein.

Das allerdings ist nicht zu erreichen, ohne daß es von etwas anderem begleitet ist; das ist nur zu erreichen, wenn man einen gewissen Zustand, der mit den Bildvorstellungen auch des eigenen Selbstes verknüpft ist, in einen anderen übergehen fühlt. Derjenige, der zunächst das erste Übersinnliche im eigenen Selbst empfindet, anschaut, er ist in dem Zustande eines gewissen Wohlbehagens, jenes Wohlbehagens und jenes inneren Glückes, auf welches ja die verschiedenen Bekenntnisse hinweisen, indem sie auf das Übersinnliche hindeuten und zugleich den Menschen aufmerksam machen, wie das Übersinnliche ihm in seinem inneren Erleben Glückseligkeit bringt. Ja, bis zu dem Punkte, wo man sein Inneres selbst ausgeschaltet hat, war es ein gewisses Wohlbehagen, eine gesteigerte Glückseligkeit. In dem Moment aber, wo die innere Seelenruhe auftritt, da tritt an die Stelle des inneren Wohlbehagens durchaus innerer Schmerz, innere Entbehrung, wie man sie vorher nicht gekannt hat, daß man jetzt fern ist von dem, womit man im irdischen Leben durchaus verbunden ist, fern nicht nur von dem Erfühlen seines eigenen Leibes, sondern fern von dem Erfühlen der eigenen Erlebnisse seit der Geburt. Und das bedeutet eine Entbehrung, die sich zu einem ungeheueren seelischen Schmerz steigert. Vor dieser Stufe schrecken manche zurück; sie finden nicht den Mut, den Übergang zu tun von einem gewissen niederen Hellsehen, und unter Ausschaltung des eigenen Seeleninhaltes nun einzutreten in ein Bewußtsein, wo jene innere Ruhe vorhanden ist. Tritt man aber mit vollem Bewußtsein in dieses Stadium ein, dann beginnt an die Stelle der Imagination dasjenige zu treten, was ich in meinen schon genannten Büchern — man stoße sich bitte jetzt nicht an den Ausdrücken — die Inspiration genannt habe: das Erleben einer wirklichen geistigen Welt. Nachdem man so vorher die Sinneswelt ausgeschaltet hat und ein leeres Bewußtsein in unsäglichem Seelenschmerz hergestellt hat, tritt einem die äußere geistige Welt entgegen. Man wird in der Inspiration gewahr, daß in der Umgebung des Menschen, wie die Sinneswelt für die äußeren Sinne, so eine geistige Welt vorhanden ist.

Und das erste, was man wiederum in dieser geistigen Welt erblickt, ist das eigene vorirdische Dasein. Wie man sonst durch die gewöhnliche Erinnerung auf Erdenerlebnisse zurück schaut, so geht einem jetzt ein kosmisches Gedächtnis auf: Man schaut zurück in vorirdische Erlebnisse, wie man war als geistig-seelisches Wesen in einer rein geistigen Welt, bevor man durch die Geburt zu diesem irdischen Dasein heruntergestiegen ist, indem man von seinem geistigen Wesen aus eingriff in die Ausgestaltung des eigenen Leibes. So schaut man zurück auf das Geistige, Ewige in der menschlichen Natur, auf das, was sich einem enthüllt als das vorirdische Dasein, von dem man jetzt weiß, es hängt nicht ab von Geburt und Tod des physischen Leibes, denn es ist das, was vor der Geburt, vor der Empfängnis war, was diesen physischen Leib aus der Materie, der Vererbung, selbst erst zum Menschenwesen gemacht hat. Jetzt erst gelangt man zu einem wahren Begriff auch der physischen Vererbung, da man sieht, was in diese hineinspielt an übersinnlichen Kräften, die man aus der rein geistigen Welt mit der man sich jetzt verbunden fühlt wie hier im Erdenleben mit der physischen Welt — sich aneignet. Und jetzt wird man gewahr, wie trotz der großen Fortschritte, welche die Entwickelung der Menschheit durchgemacht hat, manches verloren gegangen ist, was älteren instinktiven Anschauungen, die wir heute nicht mehr brauchen können, noch eigen war. Dieses vorirdische Leben stand vor der instinktiven übersinnlichen Anschauung einer Menschheit der Vorzeit so, wie die menschliche Unsterblichkeit, von der wir gleich nachher sprechen werden. Denn in alten Zeiten hat man die Ewigkeit so verstanden, daß man ihre zwei Seiten aufgefaßt hat. Wir sprechen heute — selbst unsere Sprache hat nur dieses Wort — von der Unsterblichkeit der Menschenseele; aber man hat einmal gesprochen, und die älteren Sprachen weisen noch solche Worte auf, von der «Ungeborenheit» als der anderen Seite der Ewigkeit der Menschenseele. Jetzt sind ja die Zeiten etwas andere geworden. Was aus der Menschenseele wird nach dem Tode, dafür interessieren sich die Menschen, weil es erst kommt; für das aber, was war vor der Geburt oder der Empfängnis, dafür interessiert man sich weniger, weil es ja «vergangen» ist und man doch da ist. Aber eine wirkliche Erkenntnis der menschlichen Unsterblichkeit kann nur aufgehen, wenn man die Ewigkeit nach den beiden Seiten betrachtet: nach der Unsterblichkeit und der Ungeborenheit.

Aber gerade um mit der letzteren zusammenzuhängen, und zwar gerade in einem exakten Hellsehen, dazu ist noch ein Drittes notwendig. Wir fühlen uns eigentlich recht als Menschen, wenn wir unser Gefühl jetzt nicht mehr ganz aufgehen lassen im Erdenleben. Denn das, was wir als vorirdisches Leben nun erkennen, das dringt bildhaft in uns ein, stellt sich hinzu zu dem, was wir von dieser unserer Menschheit erfühlt haben, macht uns erst zu einem Vollmenschen. Da wird unser Fühlen wie von einem inneren Licht durchschlagen, und wir wissen: wir haben jetzt unser Gefühl zum Sinnesorgan für das Geistige ausgebildet. — Aber wir müssen weitergehen und müssen auch das Willenselement zu einem Erkenntnisorgan für das Geistige machen können. Dazu muß etwas eintreten für die menschliche Erkenntnis, was sonst mit Recht von denjenigen, die auf dem Erkenntnisgebiete ernst genommen werden wollen, nicht als eine Erkenntniskraft angesehen wird. Daß es eine Erkenntniskraft ist, wird man erst gewahr, wenn man in die übersinnlichen Gebiete eintritt: es ist die Kraft der Liebe. Man muß nur beginnen, diese Kraft der Liebe in einem höheren Sinne auszubilden, als der ist, durch den uns die Natur die Liebe geschenkt hat mit all ihrer Bedeutung für das natürliche und menschliche Leben. Es wird vielleicht paradox erscheinen, was ich als die ersten Schritte zu schildern habe für das Entfalten einer höheren Liebe im menschlichen Leben.

Wenn Sie versuchen, mit voller Besonnenheit der einzelnen Schritte in einem gewissen Sinne anders die Welt zu erfühlen, als man sie gewöhnlich fühlt, dann kommen Sie zu dieser höheren Liebe. Nehmen Sie an, Sie gehen am Abend, vor dem Schlafengehen, daran, das Tagesleben so vorzustellen, daß Sie beim letzten Ereignis des Abends beginnen, es möglichst genau vorstellen, dann das vorletzte in derselben Weise vorstellen, dann das drittletzte und so, bis zum Morgen rückwärtslaufend, Ihr Tagesleben überschauen, dann ist das ein Vorgang, bei dem es viel mehr auf die innere Energie ankommt als darauf, ob man das einzelne Ereignis mehr oder weniger genau vorstellt. Es kommt auf diese «Umdrehung» des Vorstellens an. Wir betrachten sonst die Ereignisse so, daß erst das Frühere und dann das Folgende betrachtet wird in einer fortlaufenden Gliederung. Durch eine solche Übung, wie ich sie eben angegeben habe, drehen wir das ganze Leben um: wir denken und fühlen dem Tageslauf entgegengesetzt. Wir können es an unseren Tageserlebnissen machen, wie ich es andeutete, und man braucht dazu auch nur einige Minuten; man kann es aber auch anders machen: Man versuche, den Hergang eines Dramas sich so vorzustellen, daß man es, von dem fünften Akt angefangen, zum vierten, dritten, nach vorwärts vorstellt; oder man kann eine Melodie in umgekehrter 'Tonfolge sich vorstellen. Wenn man auf diese Weise immer mehr solche inneren Seelenerlebnisse durchmacht, dann wird man finden, wie sich das innere Erleben losreißt von dem äußeren Naturgange, wie man tatsächlich immer selbständiger und selbständiger wird. Aber trotzdem man sich so immer mehr und mehr individualisiert und es zu immer größerer und größerer Selbständigkeit gebracht hat, lernt man auch, sich mit voller Bewußtheit an das andere, äußere Leben hinzugeben; denn jetzt erst wird man gewahr: je stärker wir diese vollbewußte Hingabe an das andere Wesen übend in uns entwickeln, desto größer wird dadurch unsere Selbstlosigkeit, und desto größer muß die Liebe dafür sein. Auf diese Weise fühlt man, wie dieses Nicht- in-sich-Leben, sondern In-einem-anderen-Wesen-Leben, dieses Hinüberschreiten von dem eigenen Wesen in das andere Wesen immer stärker und stärker wird. Und man gelangt dazu, daß man zu der Imagination und Inspiration, die man zuerst ausgebildet hat, nun hinzufügen kann das wahre intuitive Hineinsteigen in ein anderes: Man gelangt zur Intuition, so daß man nicht mehr sich selbst nur erlebt, sondern in aller Individualisiertheit, aber auch in aller Selbstlosigkeit das andere erleben lernt.

Da wird die Liebe zu etwas, was einem allmählich möglich macht, noch weiter zurückzuschauen als in das vorirdische geistige Leben. Wie man in seinem jetzigen Leben zurückschaut auf die gegenwärtigen Ereignisse, so lernt man durch eine solche Steigerung der Liebe zurückzuschauen auf frühere Erdenleben, und man lernt auf diese Weise das ganze Menschenleben erkennen als eine Folge von aufeinanderfolgenden Erdenleben. Daß sie einmal einen Anfang haben und ebenso ein Ende haben werden, soll im nächsten Vortrage berührt werden. Aber man lernt das Menschenleben erkennen als eine Folge von Erdenleben, zwischen denen immer rein geistige Leben sind zwischen dem Tode und der nächsten Geburt; denn auch den Tod lernt man durch diese gesteigerte, ins Geistige hinaufgetragene und zur Erkenntniskraft gewordene Liebe in seiner wahren Bedeutung kennen. Nachdem man, wie ich es für die Imagination und Inspiration geschildert habe, so vorgeschritten ist, um diese gesteigerten inneren Kräfte geistig liebefähig zu machen, lernt man tatsächlich im unmittelbaren exakten Hellsehen jenes innere Erlebnis kennen, von dem man sagt: der Mensch erlebt sich geistig ohne seinen Körper, außer seinem Körper. Das Heraustreten aus seinem Körper wird auf diese Weise für die Seele, wenn ich mich so ausdrücken darf, wirklich erlebbar, gegenständlich. Hat man dieses Geistige in dem Dasein in der Erkenntnis «hellseherisch», möchte ich sagen, einmal erlebt, außer dem Körper, dann weiß man, was das Ereignis bedeutet: den physischen Leib im Tode ablegen, durch die Todespforte hindurchschreiten zu einem neuen, geistigen Leben. So lernt man auf der dritten Stufe einer exakten Clairvoyance die Bedeutung des Todes und damit auch die Bedeutung der Unsterblichkeit für den Menschen kennen.

Durch die Art und Weise, wie ich geschildert habe, wollte ich anschaulich machen, wie diejenige übersinnliche Erkenntnisart, von der ich hier spreche, darauf hinarbeitet, in die menschlichen Erkenntnisfähigkeiten selber etwas zu tragen, was im Hineintragen ganz exakt, Schritt für Schritt, wirkt. Der Naturforscher wendet die Exaktheit auf das äußere Experiment, auf die äußere Beobachtung an; er will die Gegenstände so nebeneinander sehen, daß sie exakt im Messen, Zählen, Wägen ihre Geheimnisse offenbaren. Der Geistesforscher, von dem ich hier spreche, wendet die Exaktheit auf die Entwickelung der eigenen Seelenkräfte an. Was er aus sich macht, damit dann eine geistige Welt und mit ihr die ewige Wesenheit des Menschen, das Wesen der menschlichen Unsterblichkeit vor die Seele tritt, das was er aus sich macht, wird auf eine exakte Weise gemacht, um das Goethesche Wort zu gebrauchen. Bei jedem Schritt, den so der Geistesforscher macht, damit zuletzt die geistige Welt vor seinem Seelenauge ausgebreitet liege, fühlt er sich vor dem Erkenntnisgewissen so verantwortlich, wie nur der Mathematiker sich verantwortlich fühlt für jeden seiner Schritte; denn so wie dieser in voller Klarheit alles durchschauen muß, was er auf das Papier bringt, so muß der Geistesforscher in voller Exaktheit das durchschauen, was er aus seinen Erkenntniskräften macht. Dann weiß er, daß er mit derselben inneren Notwendigkeit ein «seelisches Auge» aus der Seele herausgeformt hat, wie die Natur aus dem Körperlichen ein körperliches Auge. Und er weiß, daß er mit demselben Recht von geistigen Welten reden darf, wie er für das physische Auge von physisch-sinnlichen Welten spricht. In diesem Sinne wird die Geistesforschung, von der hier die Rede ist, der Zeitforderung genügen, die mit der herrlichen Naturwissenschaft — deren Gegner diese Geistesforschung nicht ist, sondern die sie gerade weiter ausbilden will — gegeben ist.

Ich weiß gar wohl: Jeder, der irgend etwas im Leben vertreten will, sei es aus diesem oder jenem Motiv heraus, macht sich dadurch wichtig, daß er es als eine «Zeitforderung» hinstellt. Das habe ich nicht beabsichtigt, will es auch im nächsten Vortrage nicht, sondern ich möchte im Gegenteil zeigen, wie die Zeitforderungen schon da sind, und wie gerade diese Geisteswissenschaft sich bei jedem ihrer Schritte bemüht, diesen Zeitforderungen Genüge zu tun. Und so kann man sagen: Nicht einer, der in dilettantischer oder laienhafter Art auf die Natur hinschaut, will der Geistesforscher sein, von dem hier gesprochen werden soll. Nein, er will gerade im wahren Sinne und in der wahren Gewissenhaftigkeit dieser Naturwissenschaft weiterschreiten; er will die wahrhaft exakte Clairvoyance für das Beschreiben einer geistigen Welt. Aber ihm ist zugleich klar: Indem man im Laboratorium den menschlichen Leichnam zu erforschen versucht, um das Leben, das aus ihm gewichen ist, zu deuten, oder indem man mit dem Teleskop in die Weltenräume hineinschaut, da entwickelt man Fähigkeiten, die sich zunächst nur anpassen wollen dem Mikroskop oder Teleskop, die aber ein inneres Leben haben und die sich verleugnen in ihrer Form. Wenn wir den menschlichen Leichnam sezieren, wissen wir: Wahr ist, daß nicht die Natur dies unmittelbar aus dem Menschen gemacht hat, sondern das hat die menschliche Seele, die jetzt aus ihm gewichen ist, aus ihm gemacht. Wir deuten die menschliche Seele aus dem, was wir hier als ihr physisches Resultat haben, und derjenige wäre wahnsinnig, der etwa voraussetzen wollte, jene Gestaltung der menschlichen physischen Kräfte und Formen sei nicht aus dem gekommen, was dem jetzigen Zustande dieses Menschen vorangegangen ist. Aber aus allem, was wir dann zurückhalten, indem wir auch die tote Natur durchforschen mit denjenigen Kräften, bei denen der Mensch mit Recht die innere Aktivität verleugnet, wird durch diese Zurückhaltung die Anlage geschaffen zu einer Weiterbildung dieser menschlichen Seelenkräfte. Gerade so wie der Pflanzenkeim unsichtbar unter der Erde liegt, wenn wir ihn in die Erde gesenkt haben, wie aber aus ihm die Pflanze wird, so versenken wir in die Seele, gerade wenn wir gewissenhafte Naturforscher sind, einen Keim. Und wer ernsthafter Forscher in dieser Beziehung ist, in dem ruht der Keim zur imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis. Er braucht ihn nur zu entwickeln. Und er kann dann wissen: wie die Naturwissenschaft eine Zeitforderung ist, so ist auch übersinnliche Forschung eine Zeitforderung. Man möchte sagen: Es spricht jeder, der aus dem Geiste der Naturwissenschaft spricht, auch im Geiste übersinnlicher Forschung, nur weiß er es nicht. Und was für viele Menschen heute — auch das wird sich im nächsten Vortrage zeigen — eine unbewußte, tiefinnerste Sehnsuct ist: übersinnliche Forschung will sich aus dem Keim entfalten.

Gerade denjenigen gegenüber, die sich dann von einem vermeintlichen naturwissenschaftlichen Standpunkte aus gegen diese Geistesforschung wenden, möchte man schon sagen, obwohl hier nichts Schlimmes damit gemeint ist, man wird an einen allzubekannten Ausspruch des Goetheschen Faust erinnert, den man dann in einer anderen Weise wendet: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.» Nun, darüber will ich mich jetzt nicht auslassen. Aber in einer anderen Wendung tritt einem das, was in diesem Ausspruche liegt, entgegen in dem, was als Zeitforderung heute vorhanden ist. Die, welche heute richtig über die Natur sprechen, sie sprechen eigentlich schon unbewußt den «Geist» selbst aus. Und man möchte sagen: Viele sind es, die den Geist niemals bemerken wollen, wenn er spricht, obgleich sie in ihren eigenen Reden ihn fortwährend zum Ausdruck bringen!

Der Keim zu übersinnlicher Schauung ist eigentlich heute viel verbreiteter, als man denkt - aber er muß entwickelt werden. Daß er entwickelt werden muß, das lehrt uns wahrhaftig auch der Ernst der Zeit in bezug auf die äußeren Erlebnisse. Wie gesagt, über das einzelne möchte ich das nächste Mal sprechen; aber es darf zum Schluß noch angedeutet werden, daß ja heute draußen in der Welt furchtbar Katastrophales zur ganzen Menschheit eigentlich aus den verschiedensten Zeichen heraus spricht, und daß man gewahr werden kann, wie diesem großen Ernste der Zeit sich Aufgaben entringen werden, an denen die Menschen der allernächsten Zukunft viel, viel werden zu arbeiten haben. Dieser äußere Ernst, mit dem uns heute die Welt, namentlich die Welt der Menschheit anschaut, er deutet auf einen notwendigen inneren Ernst. Und von diesem inneren Ernste, in der Hinlenkung des menschlichen Gemütes auf die eigenen Geisteskräfte des Menschen, die seine eigentlichen Wesenskräfte sind, von diesem Ernste wollte ich heute sprechen. Denn wenn es wahr ist, daß der Mensch gerade die stärksten äußeren Kräfte wird aufwenden müssen gegenüber den ernsten Ereignissen, die ihm über die ganze Erde hin bevorstehen, dann wird er auch einen energischen inneren Mut dazu brauchen. Solche Kräfte und solcher Mut wird aber nur kommen können, wenn der Mensch sich bewußt mit seinem innersten Wesen, nicht nur theoretisch sich ergreifend, sondern praktisch wissend, erfühlen und auch wollen kann. Das kann er nur, wenn er dieses seinWesen als aus jenem Quell stammend erkennt, aus dem es in Wirklichkeit stammt: aus dem Geistesquell; wenn er immer mehr und mehr - nicht nur theoretisch, sondern praktisch erlebend wissen lernt: Der Mensch ist Geist, im Geiste kann er nur seine wirkliche Befriedigung finden, und seine höchsten Kräfte wie sein höchster Mut kann ihm nur aus dem Geist, das heißt aus dem Übersinnlichen kommen!

German original of Supersensible Knowledge: Anthroposophy As a Demand of the Age · Next →