Zwölfter Vortrag
Dieser Ahriman wirkt durch die mannigfaltigsten Mittel und Wege auf den Menschen ein. Ich habe Sie darauf aufmerksam machen können, daß es ein großer Moment war für die Entwicklung der Welt, als das Ereignis von Golgatha eintrat. Da erschien der Christus in der Welt, die der Mensch nach dem Tode betritt. In dieser Welt war der Einfluß des Ahriman noch viel stärker, als er in der Welt war, die hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod zu sehen ist. Gerade in der Welt zwischen dem Tode und der neuen Geburt wirkten mit einer furchtbaren Gewalt und Macht die Einflüsse des Ahriman auf den Menschen. Und wenn nichts anderes eingetreten wäre, so wäre der Mensch zwischen dem Tode und der neuen Geburt in dem Schattenreiche - wie es mit Recht der alte Grieche empfunden hat allmählich verfinstert worden. Eine unendliche Vereinsamung und Zurückführung auf die menschliche Egoität wäre eingetreten in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Und der Mensch würde bei der Wiederverkörperung so in sein Leben hineingeboren werden, daß er zu einem krassen, zu einem furchtbaren Egoisten geworden wäre. So ist es daher mehr als eine bloß bildliche Redeweise, daß nach dem Ereignis von Golgatha, in dem Moment, als auf Golgatha das Blut aus den Wunden rann, der Christus in der jenseitigen Welt, in dem Schattenreiche erschien und Ahriman in Fesseln legte. Wenn auch der Einfluß Ahrimans blieb, und im Grunde auf ihn alle materialistische Denkweise der Menschen zurückzuführen ist, wenn auch dieser Einfluß nur dadurch paralysiert werden kann, daß die Menschen das Ereignis von Golgatha in sich aufnehmen, so ist doch dieses Ereignis das geworden, aus dem die Menschen Kraft saugen, um dadurch wieder hineinzukommen in die geistig-göttliche Welt.
Cite:
GA 107/1909-01-01/p016 · edition original