Neunter Vortrag
Was heißt das? Das heißt: Die Krankheit des achtunddreißig Jahre lang Kranken hing zusammen mit seiner Sünde. Ob diese Sünde begangen ist in diesem oder in einem früheren Leben, das wollen wir jetzt nicht erörtern. Für uns handelt es sich darum: Es hat der Christus in seine Seele die Kraft gegossen, etwas zu tun, was hineingreift bis in die moralisch-seelische Natur des anderen. Da haben wir wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Vorher handelte es sich bloß um etwas, was so weit wirken sollte, daß Physisches geschah. Jetzt aber ist eine Krankheit da, von welcher der Christus selber sagt, daß sie zusammenhängt mit der Sünde des Kranken. Der Christus weiß in diesem Moment einzugreifen in die eigene Seele des Kranken. Vorher bedurfte es des Vaters noch; jetzt wirkt die Christus-Kraft in die Seele des Kranken hinein, was dadurch noch einen besonderen Zauber erhält, daß es am Sabbat geschieht. Der heutige Mensch hat keinen rechten Sinn mehr für solche Dinge. Für einen Bekenner des Alten Testamentes aber hatte es etwas zu sagen, daß es am Sabbat geschah. Das war etwas ganz Besonderes. Daher waren auch die Juden über den Kranken besonders erregt, weil er am Sabbat sein Bett trug. Das ist ein außerordentlich wichtiger Zug. Die Menschen sollten denken lernen, wenn sie die Evangelien lesen! Sie sollten es nicht für etwas Selbstverständliches halten, daß der Kranke geheilt werden konnte, daß derjenige, der seit achtunddreißig Jahren nicht hat gehen können, jetzt geht; sie sollten nachdenken über eine solche Stelle:
Cite:
GA 112/1909-07-02/p036 · edition original