Über das rechte Verhältnis zur Anthroposophie
Was hiermit gesagt sein soll, wird uns noch viel klarer werden, wenn wir die Frage etwas anders stellen, wenn wir sie so stellen: Warum wird denn überhaupt heute so, wie es geschieht, Anthroposophie gelehrt? Warum werden Mitteilungen gegeben über die höheren Welten, Mitteilungen, die Ergebnisse der geistigen Forschung, des hellseherischen Bewußtseins sind? Könnte es vielleicht nicht so sein, daß in ganz anderer Weise vorgegangen würde, daß man vielleicht damit begänne, einem jeden gewisse Anweisungen zu geben, wie er seine eigenen, inneren, in der Seele schlummernden Fähigkeiten entwickeln kann, so daß er sozusagen durch diese Anweisungen empfangen würde die Möglichkeit, nach und nach selber hinaufzudringen in die geistigen Welten, auch bevor er irgend etwas, wie es heute geschieht, mitgeteilt erhält von dem, was Tatsachen in den höheren Welten sind? Man muß sagen, es ist in einer gewissen Weise früher die Gepflogenheit so gewesen; sie war so vor unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung im modernen Sinne des Wortes. Da hat man lange Zeiten hindurch gesagt: Es nützt ja eigentlich nicht viel, wenn irgend jemand hintritt vor die Welt und die Ergebnisse der geistigen Forschung mitteilt. - Und man hat sich so zurückhaltend wie möglich benommen in bezug auf solche Mitteilungen. Man hat eigentlich sich darauf beschränkt, den Menschen gewisse Regeln zu geben, wie sie die in ihrer Seele schlummernden Fähigkeiten entwickeln sollen, und hat dann, im Grunde genommen, sie nicht mehr wissen lassen als das, was sie sich so selber durch eigene Anschauung langsam in den höheren Welten erworben haben. Es könnte nun die Frage entstehen: Warum wird dieser Weg heute nicht eben ausschließlich eingeschlagen, sondern warum wird heute aus den Ergebnissen der Geistesforschung Anthroposophie mitgeteilt?
Cite:
GA 117/1909-11-13/p005 · edition original