V. Höhere Welten und Ihr Zusammenhang mit der Unsrigen
Worin nun die Grenze besteht, welche der Körper der Aufnahme der Fähigkeiten entgegensetzt, sei durch folgendes Beispiel erläutert: Es hat jemand bei der Geburt ein unmusikalisches Ohr mitbekommen. - Es ist nämlich, um ausübender Musiker sein zu können, eine feine Struktur dieses Organes nötig, so fein, daß sie der wissenschaftlichen Beobachtung entgeht. - Wenn nun ein solcher Mensch viel auf musikalischem Gebiet studiert, so wird das, was er tags aufnimmt, nachts in geistige musikalische Kraft umgewandelt, kann jedoch beim Eintritt in das unvollkommene physische Organ nicht zum Ausdruck kommen. Dieses Beispiel zeigt einen der Fälle, in welchem die Unfähigkeit, das physische Organ umzugestalten, der Verwertung der geistigen Kräfte eine unüberwindliche Schranke setzt. Der Mensch muß in solchen Fällen resignieren und die Disharmonie zwischen seinem Körper und den gefesselten Kräften ruhig dulden. Wer tiefer zu blicken imstande ist, weiß, daß jeder viele Erlebnisse hat, die ihn ganz umwandeln würden, wenn er sie dem physischen Menschen einverleiben könnte. Alle diese Fähigkeiten, die sich nicht manifestieren können, all diese Sehnsucht, die am ungeschmeidigen Körper abprallt, sammelt sich nun im Laufe des Lebens an und bildet ein Ganzes, welches dem hellseherischen Blicke deutlich sichtbar ist.
Cite:
GA 118/1910-04-12/p012 · edition original