Dritter Vortrag
So können wir sagen: Es entwickelte sich in unserem Inneren etwas, was ein schwacher Abglanz dessen ist, was wir die Sphärenharmonie nennen und die Wirkung des Lebensäthers. Aber in demselben Maße, wie sich der Mensch innerlich erfüllt fühlte mit Empfindungen, mit Wahrnehmungen, die ihm die äußere Welt wiederholten und die sein heutiges Innenleben ausbildeten, in demselben Maße schwand für ihn die Sphärenmusik. Und in demselben Maße, wie sich der Mensch fühlte als eineIch-Wesenheit, schwand für ihn hin die Wahrnehmung des die Welt durchpulsenden göttlichen Lebensäthers. Der Mensch mußte sich den jetzigen Zustand dadurch erkaufen, daß er gewisse Seiten des äußeren Lebens verlor. So fühlte der Mensch als Erdenwesen in sich abgeschlossen das Leben, das er als direkt von der Sonne ausstrahlend nicht mehr wahrnehmen konnte; und nur einen schwachen Abglanz hat er von dem gewaltigen kosmischen Leben, von Sphärenklang und Lebensäther, heute in seinem Innenleben. ‚Auch für das menschliche Erkennen entwickelte sich wie eine Wiederholung das, was sich für die Erde selbst entwickelt hat. Die Erde wäre, als sie sich von der Sonne abgetrennt hatte, in sich verschlossen worden, wäre verhärtet worden, wenn sie weiter verbunden geblieben wäre mit all den Substantialitäten, mit denen sie sich von der Sonne getrennt hatte. Die Sonne konnte mit ihren Wirkungen zunächst nicht in das Erdenwerden eingreifen, und das dauerte so lange, bis die Trennung des Mondes von der Erde eintrat. Deshalb haben wir in dem, was die Erde als Mond aus sich herauswarf, eine Abstoßung all derjenigen Substantialitäten zu erblicken, welche es der Erde unmöglich machten, die direkten Sonnenwirkungen zu empfangen. Und indem sie den Mond aus sich heraussetzte, öffnete sie dadurch ihr Sein und ihr Wesen erst so recht den Einflüssen, den Wirkungen der von ihr getrennten Sonne, kam gleichsam der Sonne entgegen. Entgegen jener Richtung, in der sich die Erde selbst von der Sonne getrennt hatte, schickte sie einen Teil ihres eigenen Wesens, den Mond, der dann die Wirkung des Sonnenwesens der Erde reflektiert wiedergab, wie er äußerlich das Licht wiedergibt. In der Abspaltung des Mondes von der Erde liegt also etwas höchst Bedeutungsvolles vor: das Sich-Öffnen der Erde gegenüber den Sonnenwirkungen.
Cite:
GA 123/1910-09-03_02/p018 · edition original