VI. Der heutige Stand der Philosophie und Wissenschaft
Und nicht minder bedeutsam ist, daß der Franzose Poincare diese verschiedenen Theorien sehr geistvoll erkenntnistheoretisch verarbeitet hat. Dadurch allerdings kommt man, wenn man bei der bloßen Verwertung dieser außereuklidischen Festsetzungen bleibt, ohne den Schritt machen zu wollen ins Gebiet der Geisteswissenschaft, eben zu dem, wozu Poincaré gekommen ist: in allen unseren geometrischen Feststellungen nichts anderes zu sehen als Formeln, die unser Erkenntnisvermögen hat, um in möglichst bequemer Weise die Tatsachen zu umfassen. Und das ist bei Poincaré sehr klar herausgearbeitet. Und auch der Deutsche hat Gelegenheit, durch die verdienstvollen Übersetzungen dieser Bücher, die der Münchner Mathematiker Lindemann besorgt hat, sich eine Erkenntnis zu verschaffen von der Bedeutung dessen, was der ganzen Sache eigentlich zugrunde liegt.
Cite:
GA 125/1910-08-26/p018 · edition original