Three Lectures on the Mystery Dramas
> Und es nahten die Nornen, von Niemand gesehen, > Zu geräuschlosem Reigen und machten die Runde > Um diese Verlobten. Ein leiser Lufthauch, > Das war die Meinung der Minneberauschten, > Winde sich murmelnd herein zum Kamine; > Doch hinunter zur Nachtwelt, zu Nibelheims Tiefen, > Und hinauf zu den Wolken zu Walhalls Bewohnern > Erklang nun für andre als irdische Ohren > Vernehmlich wie Seesturm der Nornen Gesang: > Dein eigen ist alles > Dein Heil wie dein Unheil, > Dein Wollen und Wähnen > Dein Sinnen und Sein. > Wohl kommen, gekettet > In ewige Ordnung > Die Larven des Lebens > Die Scharen des Scheins; > Sie ziehen die Zirkel > Sie zeigen die Ziele > Sie impfen den Abscheu > Sie wecken den Wunsch; > Doch dein ist das Dünken > Und wie du geworden > So wirst du dich wenden, > Wir wissen die Wahl. > Es formt unser Finger > Aus ewigem Vorrat > Den Faden des Lebens > Das einzelne Los. > Wir spinnen und spulen > Und weifen und weben > Den Teppich der Taten > Am Webstuhl der Welt. > Gezogen vor Zeiten > Von uns ist der Zettel, > Dein eigen der Einschlag, > Das Muster, o Mensch! > Doch je schöner dein Schiffel > Die mächtigen Maschen > Zum Bilde verbunden > Je näher der Neid. > Wohl gönnen’s die Götter > Des lauteren Lichtes > Allmählich zu mehren > Das menschliche Maß. > Doch die Nachtwelt beneidet > Das Wachstum gen Walhall > Und Teil hat die Tiefe > Am sterblichen Stoff. > Sie mengt in das Muster > Verbotene Bilder: > Da trübt sich die Treue > Da schwindet der Schwur; > Da knüpft sich der Knoten, > Verwirrt das Gewebe > Und schnell dann zerschneidet’s > Die Schere der Schuld. > Der Sonnengott senkte > Zum Schoße der Schönsten > Zu lauterstem Streben > Den leuchtendsten Strahl. > Da sandten Versucher > Die Goldesbegierde, > Die trüglichen Träume > Wir wußten die Wahl! > Dein eigen ist Alles > Dein Heil wie dein Unheil, > Es lenken die Lose > Dein Herz und sein Hang. Dein Stern war im Steigen, Nun winkt ihm zur Wende, Beneideter Sigfrid, > Der Nornen Gesang. > So hallte gen Himmel und nieder zu Hela, > Wie, an Felsen gebrochen, das Brausen der Brandung, > Wie Wettergedröhne die Weise der Drei. > Doch bewußtlos umweift und umwoben vom Schicksal, Hielten sich herzend der Held und Krimhilde > Und tauschten die Seelen in süßestem Taume] > Mit Lippen, erglühend von Lust und von Glück.
Cite:
GA 127/1911-12-19/p026 · edition original