Neunter Vortrag
Wir haben vorgestern innerhalb der menschlichen Wesenheit dasjenige betrachtet, was von dem Menschen dem Erdendasein eigentlich angehört. Denn wir haben betont, daß in der menschlichen Natur Kräfte wirken, daß in ihr Wesenhaftes zu finden ist, was als ein Erbstück zu betrachten ist aus den früheren Verkörperungen der Erde selbst, dem, was wir immer zu nennen gewohnt sind «aus der alten Saturnzeit», «aus der alten Sonnenzeit» und «der alten Mondenzeit». Wir wissen, daß innerhalb des menschlichen physischen Leibes, des ätherischen und des astralischen Leibes, diese Erbstücke uralter Entwickelungsepochen, uralter Entwickelungskräfte vorhanden sind. Was wir aber im physischen Leibe zu suchen haben als spezielles Erdenprodukt, herrührend speziell aus den Erdenkräften, das ist, daß dieser physische Leib das Instrument, das Werkzeug des gegenwärtigen menschlichen Bewußtseins ist. Was wir im Ätherleibe des Menschen zu suchen haben als spezielles Erdengut, das ist, daß dieser Ätherleib der Träger, das Werkzeug für alles Gedächtnismäßige, für alles Erinnerungsmäßige im Menschen ist. Vom astralischen Leib haben wir einfach zu sondern, was sich früher schon auf dem Vorgänger unserer Erde, auf dem alten Mond, entwickelt hat für den Menschen als Inhalt des astralischen Leibes. Und auf der Erde ist dann alles dazugekommen, was wir einschließen können in die Wirksamkeit des menschlichen Karma. Dann haben wir aber zum Schlusse außerdem noch zu betonen gehabt, daß auch etwas sich als Tätigkeit, als Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit findet, das spezieller geknüpft ist an die eigentliche Ich-Natur des Menschen, die ja der Mensch erst während der Erdenentwickelung bekommen hat. Alles was dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem astralischen Leibe dadurch hinzugefügt werden mußte, daß der Mensch ein Ich-Mensch geworden ist, das ist eben eingeschlossen in das Tagesbewußtsein, in das Gedächtnismäßige und in den karmischen Verlauf. Von dem Ich selber haben wir gesagt, daß es seine Kräfte nun nach außen sendet, nach der geistigen Außenwelt, und daß nicht so wie das Gedächtnis oder wie das Karma diese Kräfte unbedingt mit der menschlichen Wesenheit verbunden bleiben müssen. Des Menschen Erinnerungen, des Menschen Gedächtnis bleiben mit ihm verbunden - von seinem Bewußtsein ist es ja selbstverständlich, daß es nur für ihn eine Bedeutung hat, denn andere Wesen haben andere Bewußtseinszustände -, und vom Karma wissen wir, daß es mit dem Menschen insofern verbunden ist, als es während der Erdeninkarnationen zum Ausgleich des menschlichen Karma wirksam zu sein hat. Was wir aber Gedankenformen, Gefühlsformen, Empfindungskräfte oder auch Gefühls- und Gedankenkräfte nennen können, das sondert sich noch als etwas Besonderes von dem eigentlichen Ich des Menschen ab und gewinnt in einer gewissen Beziehung eine selbständige Wesenheit; das bleibt nicht so mit ihm verknüpft wie die anderen erwähnten Kräfte.
Cite:
GA 133/1912-06-20/p003 · edition original