Sechster Vortrag
Langsam und allmählich lernen erst die Menschen, was ihnen geoffenbart wird im Laufe der Zeit. Und so darf man sagen, daß immer wieder gerade dann, wenn in einem gewissen Sinne neue Offenbarungen kommen, eine Art Rückfall in das Vorhergehende stattfindet. Großes und Bedeutsames ist im Anfange der theosophischen Bewegung geoffenbart worden. Allein gerade das Merkwürdige ist eingetreten, daß gleich vom Beginn an die historische Betrachtungsweise dieses theosophische Leben wenig durchzogen hat. Davon können Sie sich insbesondere überzeugen, wenn Sie einen Blick werfen in ein sonst ausgezeichnetes, verdienstvolles Buch, in den «Esoterischen Buddhismus» von Sinnett. Alle Kapitel, die dort von Geschichte durchdrungen sind, werden für das abendländische Gemüt gut annehmbar sein. Aber daneben ist ein anderes Element, das wir das «unhistorische Element » nennen können, jenes sonderbare Element, wo geredet wird von großen und kleinen Zyklen, von dem Fortgang in Runden und Rassen, und wo immer die Sache so dargestellt wird, als wenn die Wiederholung die Hauptsache wäre, wie auf die zweite Runde die dritte folgt, wie auf die eine Hauptrasse die andere Hauptrasse, auf die eine Unterrasse die andere Unterrasse folgt und so weiter. Man kommt wirklich in eine Art von Räderwerk hinein und legt den Hauptwert auf die Wiederholung. Das war ein Rückfall in eine bereits überwundene Denkweise der Menschheit.
Cite:
GA 139/1912-09-20/p013 · edition original