Zehnter Vortrag
Denn diese Wissenschaft begeht wirklich fast auf jeder Seite ihrer Literaturwerke logische Schnitzer von der Art, wie der ist, auf den in humoristischer Weise einer unserer Freunde wiederholt aufmerksam gemacht hat, hinweisend darauf, daß es der logische Schnitzer des Professors Schlaucherl aus den «Fliegenden Blättern » ist, der beweisen will, wodurch ein Frosch eigentlich hört. Der Professor Schlaucherl läßt dazu den Frosch auf den Tisch springen, schlägt dann auf die Tischplatte. Der Frosch hüpft fort; also hat er es gehört. Aber dann reißt er ihm die Beine aus und klopft dann wieder auf die Tischplatte. Der Frosch hüpft jetzt nicht fort; also ist es klar, daß der Frosch mit den Beinen gehört hat. Denn als er noch die Beine hatte, da hüpfte er fort, als auf die Tischplatte geklopft wurde, nachher nicht. - Mit dem Frosch machen zwar auch Gelehrte allerlei Experimente; aber ihre logischen Schlußfolgerungen auf anderen Gebieten sind genau nach diesem Beispiele, so zum Beispiel bei der vielgerühmten Gehirnforschung. Da macht man darauf aufmerksam: Wenn dieser oder jener Teil des Gehirnes vorhanden ist, kann man zum Beispiel ein Wortgedächtnis haben, oder man kann diese oder jene Gedanken hegen; wenn dann dieser Teil nicht mehr da ist, kann man die Gedanken nicht haben oder verliert das Wortgedächtnis - ganz nach dem Beispiele des Frosches, der mit den Beinen hört. Es gibt keine Logik in diesen Dingen. Denn dafür, daß der Mensch mit einem Teile seines Gehirns denken kann oder daß er nicht denken kann, wenn er diesen Teil des Gehirnes nicht hat, dafür gibt es keine anderen Gründe, als die sind, daß der Frosch nicht hört, wenn ihm die Beine ausgerissen worden sind. Es ist ganz dasselbe, nur merken die Leute nicht, daß die ganze Schlußfolgerung auf nichts anderem beruht als auf Denkfehlern. So könnte man Denkfehler über Denkfehler nachweisen in allem, was heute als festes wissenschaftliches Resultat geglaubt wird. Aber je mehr man Fehler macht, desto stolzer wird man auf die Wissenschaft und schimpft auf die spirituelle Wissenschaft.
Cite:
GA 139/1912-09-24/p021 · edition original