Die Prüfung der Seele — Fünftes Bild

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Seit vielen Jahren muß ich euch bewundern. Doch war auch mir bis jetzt der Sinn verschlossen, Der euren sonderbaren Worten eigen ist. FELIX BÄLDE: Er wird sich euch gewiß erschließen. Ihr strebt mit gutem Geist und edlem Herzen; Da müssen auch die Zeiten kommen, Wo ihr der Wahrheit Stimme hört. Ihr achtet nicht, wie inhaltreich Der Mensch als Bild der Weltenreiche ist. Sein Haupt, es ist des Himmels Spiegelbild; Durch seine Glieder wirken Sphärengeister; In seiner Brust bewegen Erdenwesen sich; Und allen stehn entgegen, machtvoll ringend, Dämonen aus dem Mondbereich, Die jener Wesen Ziele kreuzen müssen. Was als ein Menschenwesen vor uns steht, Was als die Seele wir erleben, Was als der Geist uns leuchtet: Es schwebte vielen Göttern vor seit Ewigkeiten, Und ihre Absicht war, Aus allen Welten Kräfte zu verbinden, Die im Verein den Menschen bilden. CAPESIUS: Fast ängstlich werde ich bei diesem Wort, Das kühn als aller Götter Leistung Des Menschen Wesenheit betrachten will. FELIX BÄLDE: Darum ist höchste Demut jenem nötig, Der Geisteswissenschaft erlangen will. Und wer in Hochmut und in Eitelkeit Sich selbst erkennen will, Dem öffnen sich die Wissenspforten nicht. (Felix Bälde geht ins Haus.) CAPESIUS: Wie schon so oft wird mir auch dieses Mal Die liebe Frau Felicia wohl helfen, Daß meine Seele sich zum Bilde wende Und, an dem Bild erwärmend, eure Worte In rechter Art zu fassen fähig wird. FRAU BÄLDE: Es hat der liebe Felix Mir öfter schon die Worte wiederholt, Die er soeben sprach. Sie lösten aus dem Herzen mir Ein Bild, von dem ich mir schon immer sagte, Ich müßt' es euch erzählen. CAPESIUS: O tut es, liebe Frau —, Mich dürstet nach Erquickung Aus eurem Bilderschatze. FRAU BÄLDE: Es sei . Es war einmal ein Knabe, Der wuchs als armer Förstersleute einzig Kind In Waldeseinsamkeit heran. - Er lernte außer seinen Eltern Nur wenig Menschen kennen. Er war von schwachem Gliederbau: Durchscheinend fast war seine Haut. Man konnte lang ins Aug' ihm schaun;

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