Die Prüfung der Seele — Dreizehntes Bild

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So wird er furchtlos sich gestehen können, Daß seine Seele alter Fehler Wirkung Noch durch die Todespforte tragen muß. Er wird als Sieger sich bewähren können Im Kampfe, der die Geistespforten öffnet, Wenn er dem Wächter kühn ins Auge schaut, Der vor des Geisterlandes Schwelle steht. Es wird ihm dieser Hüter offenbaren, Daß niemand zu den Lebenshöhen kommt, Den furchtsam macht des Daseins Schicksalsbuch. Er wird sich mutvoll zu der Einsicht wenden, Daß Selbsterkenntnis Schmerzen zeugen muß, Für die sie selbst nicht Trostesworte kennt. Es wird der Wille ihm Genosse werden, Der mutig sich der Zukunft übergibt Und, durch der Hoffnung Kräftequell gestärkt, Erkenntnisschmerzen sich entgegenstellt. BENEDICTUS: Ihr, meine Brüder, habt in dieser Stunde, Als unsres Tempels treu ergebne Diener, Die Wege euch in Weisheit vorgezeichnet, Auf welchen ihr die beiden Geistessucher Zu ihrer Seelen Zielen führen könnt. Noch andres Werk verlangt des Tempels Dienst. Ihr seht den Wunschgebieter uns zur Seite; Er durfte diese Weihestatt betreten, Weil ihm Johannes' Seele öffnen konnte Die Pforten, die ihm sonst verschlossen sind. Der Bruder, dem wir unsre Weihe gaben, Ihm fehlt in diesen Zeiten noch die Kraft, Den Worten mutig Widerstand zu leisten, Die aus den Finsternissen sich erschaffen. Ihm werden gute Kräfte erst erstarken, Wenn sie am Gegensatz sich recht empfinden. So wird er bald in unsrem Tempel wieder Von Bruderliebe warm umfangen sein. Doch muß sein Geistesschatz behütet werden, Da er in Finsternisse tauchen will. (Zu Lucifer sich wendend.) An dich muß ich mich wenden, der nicht lange Den Ort beherrschen darf, an dem er steht. Es kann in dieser Zeit des Tempels Macht Johannes' Seele dir noch nicht entreißen; Doch wird sie künftig wieder unser sein, Wenn unsrer Schwester Früchte reifen werden, Die wir als Blüten schon erkennen können. (Maria erscheint.) Sie durfte im vergangnen Erdenleben Erblicken, wie Johannes ihr verbunden. Er folgte ihren Spuren schon in Tagen, Da sie noch selbst sich widersetzen wollte Dem Licht, dem sie nun voll ergeben ist. Wenn Seelenbande sich so stark erweisen, Daß sie des Geistes Wandlung überdauern, Dann wird des Wunschgebieters Macht gewiß An ihrer Festigkeit zerbrechen müssen. LUCIFER: Es mußte Benedictus' eigner Wille Johannes' und Marias Seelen trennen. Und wo sich Menschen voneinander sondern, Da ist für meine Macht das Feld bereitet. Ich forsche stets nach Seelensondersein, Um freies Erdensein für Ewigkeiten Von aller Weltenknechtschaft zu erlösen. Marias Wesen hat im Mönchgewande Die Seele von dem Vater abgewandt,

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