Die Prüfung der Seele — Dreizehntes Bild
Die jetzt Johannes' Leibesform belebt. Auch dies hat mir die Keime zubereitet, Die ich zur Reife sicher bringen kann. MARIA (an Lucifer gewendet): Es gibt im Menschenwesen Liebequellen, Zu denen deine Macht nicht dringen kann. Sie öffnen sich, wenn alte Lebensfehler, Die unbewußt der Mensch auf sich geladen, In spätem Erdenleben mit dem Geist Geschaut und durch den freien Opferwillen In Lebenstaten umgewandelt werden, Die wahrem Menschenheile Früchte bringen. Mir haben Schicksalsmächte schenken wollen Den Blick, dem Vorzeittage sichtbar sind; Und auch die Zeichen sind mir schon gegeben, Die mich den Opferwillen lenken lehren, Daß Heil erwachse jenen Menschenseelen, Mit deren Lebensfäden sich die meinen Im Erdenwerden stets verbinden müssen. Ich sah in ihrem frühern Erdenleibe Johannes' Seele sich vom Vater wenden Und sah die Mächte, die mich selbst getrieben, Den Sohn dem Vaterherzen zu entfremden. So steht mir jetzt der Vater gegenüber, Mich mahnend an die alte Lebensschuld. Er spricht in jenen Weltenworten deutlich, Die sich in Lebenstaten Zeichen schaffen. Was zwischen Sohn und Vater ich gestellt, Erscheinen mußt' es, nur in andrer Form In diesem Leben, das Johannes' Seele Der meinen wieder eng verbunden hat. In jenen Schmerzen, die ich tragen mußte, Als ich Johannes von mir trennen sollte, Erkenn' ich eigner Taten Schicksalsfolgen. - Wenn meine Seele Treue halten kann Dem Licht, das ihr die Geistesmächte spenden, Wird sie sich Kräfte schaffen durch die Dienste, Die sie Capesius vermag zu leisten Auf seiner schweren Lebenspilgerfahrt. Sie wird mit Kräften, die sie so erwirbt, Gewiß Johannes' Stern auch dann erschauen, Wenn er, von Wunschesfesseln abgelenkt, Den Weg nicht wandelt, den das Licht bestrahlt. Erkennen wird sie aus der Geistesschau, Die sie geführt in ferne Erdentage, Wie sie gestalten soll die Seelenbande In dieser Zeit, so daß die Lebenskräfte, Die aus der Dumpfheit sich bereitet haben, Im Sinn des Menschenheiles weiter wirken. BENEDICTUS: Es formte sich in alten Erdentagen Ein Knoten aus den Fäden, Die Karma spinnt im Weltenwerden. Ihm sind verwoben dreier Menschen Leben. Es strahlet jetzt auf diesen Schicksalsknoten Der Weihestätte hohes Geisteslicht. An dich, Maria, muß ich mich jetzt wenden: Von jenen Seelen bist nur du allein In dieser Stunde an dem Opferorte. Es möge dieses Licht in deinem Selbst Die Kräfte heilerschaffend weiter wirken, Die deine Lebensfäden einst den andern Zum Lebensknoten fest verbunden haben. Der Vater konnte in dem frühern Sein Des Sohnes Herz nicht finden; doch jetzt wird Der Geistessucher deines Freundes Selbst
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GA 14/ga014-2_scene13/p005 · edition original