Der Seelen Erwachen — Zehntes Bild
DIE ANDRE PHILIA: Ich bin in dir, bin deiner Seele Glied; Die Kraft der Liebe bin ich selbst in dir; Des Herzens Hoffnung, die in dir sich regt, Die Früchte langvergangner Erdenleben, Die dir in deinem Sein erhalten sind; O schaue sie durch mich, - erfühle mich Und schau' dich selbst durch meine Kraft in dir. Ergründe dir des Bildes Wesen, das Dein Schauen ohne Anteil dir erschuf. (Die «andre Philia» verschwindet.) JOHANNES: O rätselvoller Geist, erfühlen kann Ich dich in mir; doch schau' ich dich nicht mehr. Wo lebst du mir? (Wie von ferne der Ruf der «andren Philia».) DIE ANDRE PHILIA: Verzaubertes Weben Des eigenen Wesens. JOHANNES: Verzaubertes Weben Des eigenen Wesens. Verzaubert Weben meines eignen Wesens, Ergründe mir des Bildes Wesen, das Mein Schauen ohne Anteil mir erschuf. Wohin entführt mich dieses Wortes Kraft? Ein Geistesstern am Seelenufer dort - Er leuchtet, nähert sich - als Geistgestalt, Wird nahend heller; - Formen bilden sich; - Sie sind wie Wesenheiten lebend wirksam; - Ein junger Myste, - eine Opferflamme, Des höchsten Opferweisen streng Gebot, Der Flamme Inhalt sinngemäß zu künden. - Den jungen Mysten sucht die Frau, die sich Mein Schauen bildhaft ohne Anteil schuf. (Maria erscheint als Gedankengestalt des Johannes.) MARIA: Wer dachte deiner vor der Opferflamme? Wer fühlte dich in Weiheortes Nähe? Johannes, wenn du deinen Geistesschatten Entreißen willst den Seelenzauberwelten, So lebe Ziele, die aus ihm dir leuchten; Die Spur, auf der du suchst, sie leitet dich; Doch mußt du sie erst richtig wiederfinden. Es weist sie dir die Frau in Tempelnähe, Wenn sie in dir gedankenkräftig lebt. Sie strebt, verzaubert unter Schattengeistern, Dem andern Schatten zu, der jetzt durch dich Den grausen Schatten schlimme Dienste leistet. (Es erscheint der Geist von Johannes' Jugend.) DER GEIST VON JOHANNES' JUGEND: Ich will dir künftig stets verbunden sein, Wenn du die Kräfte liebend pflegen willst, Die mir im Zeitenschoße treu bewahrt Der junge Myste jener alten Zeit, Den deine Seele einst am Tempel suchte. Doch mußt du auch den Geist in Wahrheit schauen, An dessen Seite ich dir jetzt erschienen. MARIA: Maria, so wie du sie schauen wolltest,
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GA 14/ga014-4_scene10/p003 · edition original