Vorverkündigung und Heroldtum des Christus-Impulses Der Christus-Geist und seine Hüllen: eine Pfingstbotschaft
> «Eleusis» > An Hölderlin > Um mich, in mir wohnt Ruhe. Der geschäft’gen Menschen > Nie müde Sorge schläft. Sie geben Freiheit > Und Muße mir. Dank dir, du meine > Befreierin, o Nacht! - Mit weißem Nebelflor > Umzieht der Mond die ungewissen Grenzen > Der fernen Hügel. Freundlich blinkt der helle Streif > Des See’s herüber. > Des Tags langweil’gen Lärmen fernt Erinnerung, > Als lägen Jahre zwischen ihm und jetzt. > Dein Bild, Geliebter, tritt vor mich, > Und der entfloh’nen Tage Lust. Doch bald weicht sie > Des Wiedersehens süßern Hoffnungen. > Schon malt sich mir der langersehnten, feurigen > Umarmung Szene; dann der Fragen, des geheimern, > Des wechselseitigen Ausspähens Szene, > Was hier an Haltung, Ausdruck, Sinnesart am Freund > Sich seit der Zeit geändert; - der Gewißheit Wonne, > Des alten Bundes Treue, fester, reifer noch zu finden, > Des Bundes, den kein Eid besiegelte: > Der freien Wahrheit nur zu leben, > Friede mit der Satzung, > Die Meinung und Empfindung regelt, nie, nie einzugehn! > Nun unterhandelt mit der trägen Wirklichkeit der Sinn, > Der über Berge, Flüsse, leicht mich zu dir trug. > Doch ihren Zwist verkündet bald ein Seufzer und mit ihm > Entflieht der süßen Phantasien Traum. > Mein Aug’ erhebt sich zu des ew’gen Himmels Wölbung, > Zu dir, o glänzendes Gestirn der Nacht! > Und aller Wünsche, aller Hoffnungen > Vergessen strömt aus deiner Ewigkeit herab. > Der Sinn verliert sich in dem Anschaun, > Was mein ich nannte, schwindet. > Ich gebe mich dem Unermeßlichen dahin. > Ich bin in ihm, bin alles, bin nur es. > Dem wiederkehrenden Gedanken fremdet, > Ihm graut vor dem Unendlichen, und staunend faßt > Er dieses Anschauns Tiefe nicht. > Dem Sinne nähert Phantasie das Ewige. > Vermählt es mit Gestalt. - Willkommen, ihr, > Erhab’ne Geister, hohe Schatten, > Von deren Stirne die Vollendung strahlt, > Er schrecket nicht. Ich fühl’, es ist auch meine Heimat > Der Glanz, der Ernst, der euch umfließt. > Ha! Sprängen jetzt die Pforten deines Heiligtums, > O Ceres, die du in Eleusis throntest! > Begeistrung trunken fühl, ich jetzt > Die Schauer deiner Nähe, > Verstände deine Offenbarungen. > Ich deutete der Bilder hohen Sinn, vernähme > Die Hymnen bei der Götter Mahle, > Die hohen Sprüche ihres Rats. Doch deine Hallen sind verstummt, o Göttin! > Geflohen ist der Götter Kreis in den Olymp > Zurück von den entheiligten Altären, > Geflohn von der entweihten Menschheit Grab > Der Unschuld Genius, der her sie zauberte. > Die Weisheit deiner Priester schweigt. Kein Ton der heil’gen Weih’n > Hat sich zu uns gerettet, und vergebens sucht > Der Forscher Neugier mehr, als Liebe > Zur Weisheit. Sie besitzen die Sucher und verachten dich. > Um sie zu meistern, graben sie nach Worten, > In die dein hoher Sinn gepräget wär”. > Vergebens! Etwas Staub und Asche nur erhaschen sie, > Worein dein Leben ihnen ewig nimmer wiederkehrt. > Doch unter Moder und Entseeltem auch gefielen sich > Die Ewigtoten, die Genügsamen! - Umsonst! es blieb > Kein Zeichen deiner Feste, keines Bildes Spur. > Dem Sohn der Weihe war der hohen Lehren Fülle, > Des unaussprechlichen Gefühles Tiefe viel zu heilig, > Als daß er trock’ne Zeichen ihrer würdigte. > Schon der Gedanke faßt die Seele nicht, > Die außer Zeit und Raum in Ahnung der Unendlichkeit > Versunken, sich vergißt und wieder zum Bewußtsein nun > Erwacht. Wer gar davon zu andern sprechen wollte, > Spräch’ er mit Engelzungen, fühlt der Worte Armut. > Ihm graut, das Heilige so klein gedacht, > Durch sie so klein gemacht zu haben, daß die Red’ ihm Sünde deucht, > Und daß er bebend sich den Mund verschließt. > Was der Geweihte sich so selbst verbot, verbot ein weises > Gesetz den ärmern Geistern, das nicht kund zu tun, > Was sie in heil’ger Nacht gesehn, gehört, gefühlt. > Daß nicht den Bessern selbst auch ihres Unfugs Lärm > In seiner Andacht stört’; ihr hohler Wörterkram > Ihn auf das Heil’ge selbst erzürnen machte, dieses nicht > So in den Kot getreten würde, daß man dem > Gedächtnis gar es anvertraute, daß es nicht > Zum Spielzeug und zur Ware der Sophisten, > Die er obolenweis verkaufte, > Zu des beredten Heuchlers Mantel, oder gar > Zur Rute schon des frohen Knaben und so leer > Am Ende würde, daß er nur im Widerhall > Von fremden Zungen seines Lebens Wurzel hätte. > Es trugen geizig deine Söhne, Göttin, > Nicht deine Ehr’ auf Gass’ und Markt, verwahrten sie > Im innern Heiligtum der Brust. > Drum lebtest du auf ihrem Munde nicht. > Ihr Leben ehrte dich. In ihren Taten lebst du noch. > Auch diese Nacht vernahm ich, heil’ge Gottheit, dich. > Dich offenbart oft mir auch deiner Kinder Leben, > Dich ahn ich oft als Seele ihrer Taten! > Du bist der hohe Sinn, der treue Glauben, > Der einer Gottheit, wenn auch alles untergeht, nicht wankt.
Cite:
GA 143/1912-05-08/p004 · edition original