Kapitel II

GA 15/l02/p011 · original (original)

Von diesem Hereinklingen dessen, was die Götter wußten, nahmen die alten Kulturen ihren Ausgang. Erst nach und nach in der nachatlantischen Zeit schloß sich sozusagen das Tor gegenüber der göttlich-geistigen Welt, die ja während der atlantischen Zeit noch völlig offen war für die menschliche Seele. Und man empfand in den verschiedenen Ländern, bei den verschiedenen Völkern, wie der Mensch immer mehr und mehr auf sich selber angewiesen wurde. So zeigt sich in anderm Sinne an der Menschheit, was sich am Kinde offenbart. Erst ragt die göttlich-geistige Welt herein durch die unbewußte Seele des Kindes, die leibgestaltend schafft; dann kommt der Augenblick, in welchem der Mensch sich als «Ich» fühlen lernt, bis zu dem er sich dann im späteren Leben zurückerinnert. Da liegt das, von dem gesagt werden kann, daß der Weiseste noch lernen kann von der Seele des Kindes. Dann aber wird der einzelne sich selbst überlassen, das Ich-Bewußtsein tritt auf, und alles fügt sich jetzt so zusammen, daß man sich an das Erlebte zurückerinnern kann. - So kam auch im Leben der Völker die Zeit, wo sie anfingen, sich mehr abgeschlossen zu fühlen von der göttlichen Inspiration der Urväter. Wie das Kind abgeschlossen wird von der Aura, die das Kindeshaupt in den ersten Jahren umschwebt, so traten auch im Leben der Völker immer mehr und mehr die göttlichen Urväter zurück, und die Menschen wurden angewiesen auf ihr eigenes Forschen und ihr eigenes Wissen. Wo die Geschichte so spricht, da wird das Hereindringen der Führung der Menschheit empfunden. «Menes» nannten die Ägypter den, der die erste «menschliche» Kultur inauguriert hat; und sie deuten zu gleicher Zeit an, daß der Mensch dadurch auch in die Möglichkeit kam, zu irren. Denn von da ab war er angewiesen auf das Werkzeug seines Gehirns. Daß der Mensch in Irrtum verfallen konnte, wird dadurch symbolisch angedeutet, daß in die Zeit, in welcher die Menschen von den Göttern verlassen wurden, die Stiftung des Labyrinthes versetzt wird, das ein Abbild ist der Windungen des Gehirns als des Werkzeuges für die eigenen Menschengedanken, in welchen sich der Träger dieser Gedanken verlieren kann. Manas nannten die Orientalen den Menschen als denkendes Wesen, und Manu heißt der erste Hauptträger des Denkens. Minos nannten die griechischen Völker den ersten Ausgestalter des menschlichen Gedankenprinzips, und auch an Minos knüpft sich die Sage vom Labyrinth, weil die Menschen fühlten, wie sie seit seiner Zeit von der unmittelbaren göttlichen Leitung allmählich in eine solche Leitung übergingen, durch welche das «Ich» in anderer Art die Einflüsse der höheren Geisteswelt erlebt.

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