Erster Vortrag
Wir wissen, daß Franz von Assisi der Sohn des italienischen, in Frankreich viel herumreisenden und Geschäfte treibenden Kaufmanns Bernardone und seiner Frau war. Wir wissen auch, daß der Vater des Franz von Assisi ein auf äußerliches Ansehen viel gebender Mensch war. Die Mutter war eine den frommen "Tugenden und feinen Charaktereigenschaften des Herzens zugängliche, andächtige, ihren religiösen Empfindungen lebende Frau. Die Dinge, die nun umspielen in Form von Sagen die Geburt des Franz von Assisi und sein Leben, entsprechen durchaus okkulten Tatsachen. Wenn auch okkulte Tatsachen häufig von der Geschichte in Bilder und Legenden gehüllt werden, so entsprechen diese Legenden aber doch okkulten Tatsachen. So ist es durchaus wahr, daß einer ganzen Anzahl von Personen, bevor Franz von Assisi geboren wurde, wie eine visionäre Offenbarung, wie ein Wissen, eine Erkenntnis zugekommen ist, daß eine wichtige Persönlichkeit werde geboren werden. Herausgehoben ist von der äußeren Geschichte aus der großen Anzahl von Personen, die das geträumt haben, das heißt die in prophetischer Vision gesehen haben, daß eine wichtige Persönlichkeit geboren werden wird, herausgehoben ist da die heilige Hildegard. - Ich betone hier nochmals die Wahrheit der aus den Erforschungen der Akasha-Chronik zu rechtfertigenden 'Tatsachen. — Sie träumte, daß ihr erschien ein Weib mit einem zerschundenen, blutüberströmten Antlitz und daß dieses Weib zu ihr sagte: Die Vögel haben ihre Nester hier auf der Erde, die Füchse haben ihre Höhlen auf der Erde, ich aber habe in der Gegenwart nichts, nicht einmal einen Stab, auf den ich mich stützen kann. Als Hildegard erwachte von diesem Traume, da wußte sie, daß die wahre Gestalt des Christentums mit dieser Persönlichkeit gemeint ist. Und so träumten noch viele andere Persönlichkeiten. Diese Persönlichkeiten sahen dazumal aus dem, was sie wissen konnten, daß die äußere Einrichtung und Institution der Kirche nicht ein Behälter, eine Hülle für das wirkliche Christentum sein konnte. Das sahen sie ein.
Cite:
GA 155/1912-05-28/p032 · edition original