Dritter Vortrag
Für Paulus stand eben noch felsenfest, daß man von Unsterblichkeit nur reden könne bei Aufrechterhaltung des individuellen Bewußtseins. Und da er das individuelle Bewußtsein von Sünde und Schuld abhängig denken mußte, so konnte Paulus selbstverständlich denken: Wenn des Menschen Bewußtsein umnebelt wird nach dem Tode von Sünde und Schuld oder von den Folgen von Sünde und Schuld, wenn also das Bewußtsein nach dem Tode gestört wird von Sünde und Schuld, so bedeutet das, daß Sünde und Schuld den Menschen wirklich töten, den Menschen als Seele töten, als Geist töten. Weit entfernt davon ist natürlich das materialistische Bewußtsein unserer Zeit, auch dasjenige vieler philosophischen Forscher der Gegenwart, die zufrieden sind, von einem Fortleben der Menschenseele zu sprechen oder sprechen zu können, während menschliche Unsterblichkeit nur identifiziert werden darf mit bewußtem Fortbestehen der Menschenseele nach dem Tode.
Cite:
GA 155/1914-07-15_02/p004 · edition original