Zeiten der Erwartung
So waren in der neueren Geistesentwickelung Geister heraufgekommen, welche in ihrer geschichtlichen Auffassung so etwas hatten wie eine Art Verwandlungsfähigkeit, so daß auch hier solche Geister wie vor der Pforte desjenigen stehen, was Geisteswissenschaft will. Eine richtige Vorstellung davon, daß wirklich etwas zur Weltentwickelung hinzugekommen ist dadurch, daß Herman Grimm, so wie er es tat, gesprochen hat über Michelangelo, über Raffael, über Tacitus, Shakespeare, Voltaire und über Homer, wird die Menschheit erst durch die Geisteswissenschaft lernen, und diesen Gedanken an die wesenhafte Entwickelung in der Welt auch im Herzen empfinden. Und wenn Sie sich erinnern, was Herman Grimm über den Christus gesagt hat, so haben Sie da wieder etwas wie eine Erwartung dessen, was Geisteswissenschaft über den Christus sagt. So haben Sie wieder eine Probe davon, worauf es mir wirklich sehr ankommt, wenn wir das Hereintreten der Geisteswissenschaft ins heutige Leben ins Auge fassen: darzustellen, wie Geisteswissenschaft kommt als Erfüllung von vielem, was erwartet worden ist. 1895 erschien das Buch, worin von dem «in den Wolken thronenden Gerichtshofe» gesprochen wird. Da fühlt man sich wirklich in innigem Anschluß an das, was da war, wenn man dann von einer Stufenfolge der Hierarchien sprechen darf; da ist das Bild ins Geistige übersetzt, das die innere Wahrheit der Sache wiedergibt.
Cite:
GA 156/1914-10-07/p023 · edition original