Zeiten der Erwartung
Es wird mit einem solchen Wort zugleich auf das Universelle hingewiesen, auf das, was einschneidet in alle menschlichen Verhältnisse, was uns den Dichter, was uns den Geisteshelden nicht so erscheinen läßt, daß er nur in den Wolken thront, sondern so, daß er wirklich eingreift in die geistigen Verhältnisse. So war im ganzen Bewußtsein Herman Grimms über Goethe etwas gegeben, was wirklich geeignet war, Goethes Geist so universell zu nehmen, daß Goethe ihm erscheinen konnte wie der geistige Kaiser, der Kaiser des Geisteslebens. Und in anderer Weise, meine lieben Freunde, als man das sonst in der Welt gewohnt ist, spricht sich aus bei so jemandem wie Herman Grimm die freie Persönlichkeit, das ganze freie Walten der Persönlichkeit, die Selbstsicherheit. Man darf wirklich sagen: In Herman Grimm lebt etwas, was ihn die äußeren Verhältnisse nehmen ließ, wie sie zu nehmen sind, auf der anderen Seite ihn aber immer fußen ließ auf dem, was er als sein Geistesleben in sich hatte; und alle weltlichen Verhältnisse beurteilte er nach der Sicherheit dieses Geisteslebens.
Cite:
GA 156/1914-10-07/p030 · edition original