Erster Vortrag
Nun möchte ich Ihnen den Fritz Mauthner aus dem Grunde vorführen, weil er, trotzdem er unsere Empfindungen, unsere Gefühle in der tiefsten Weise verletzen muß, doch im heutigen materialistischen Sinne ein ehrlicher, aufrichtiger Wahrheitssucher ist, weil das alles, was er da macht, ehrlich ist. Ich will also nicht irgendeinen bekämpfen, der von Amts wegen philosophiert oder dergleichen, sondern einen, der wenigstens das Philosophieren innerlich zu seinem Beruf gemacht hat aus einem ganz anderen äußeren Beruf heraus, und der sich auch eine gewisse Gelehrsamkeit angeeignet hat. Denn dasjenige, was man heute so sehr vermißt, wenn Weltanschauungen aufgebaut werden, das ist ja der Ernst, der darin bestehen würde, sich wirklich zu vertiefen in die Leistungen, die die verschiedenen Wissenschaften bis zur Gegenwart herauf zustande gebracht haben. Dieser Fritz Mauthner ist wirklich ein gelehrter Herr geworden, so daß ich imstande bin, indem ich von ihm ausgehe, indem ich Ihnen die Schwierigkeiten des Wahrheitssuchens darlegen werde, immerhin zu fußen auf dem Gedankengange eines sehr gelehrten und sehr gescheiten Menschen. Also, ich möchte nicht jeden Beliebigen aufrufen, sondern einen sehr gelehrten und sehr gescheiten Menschen.
Cite:
GA 163/1915-08-23/p007 · edition original