Die Wechselwirkungen zwischen den Gliedern des menschlichen Organismus

GA 169/1916-06-27/p021 ·1916-06-27 · original (original)
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Da gab es einen Mann - es gibt ihn noch -, der wollte den philosophischen Nachweis führen, daß Ideale nichts Wirkliches sind, nichts Wesenhaftes. Er wollte einfach der modernen Zeitanschauung Rechnung tragen, die ja Ideale zur Not gelten läßt, aber sie nicht als wirklich Vorhandenes betrachtet, wie irgend etwas Äußeres, physisch Wahrnehmbares. Aber auf der anderen Seite war der Betreffende Philosoph und hätte ja nun wirklich furchtbar wenig zu tun, wenn er die Ideale nicht gelten läßt; denn mit dem Physischen beschäftigen sich schließlich die anderen Wissenschaften, und man muß ja als Philosoph noch etwas zu tun haben, nicht wahr? Aber nun: Wesenhaftes sind die Ideale nicht, gelten lassen will man sie doch, da sagt er: Sie sind eben Fiktionen, man muß sie als notwendige Fiktionen, als notwendige Annahmen gelten lassen. Der Betreffende hat dann diese Idee weiter ausgebildet als eine ganze Philosophie, die Philosophie des «Als Ob». Ich habe schon manchmal davon gesprochen. Nach dieser Philosophie sagt man: Es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es ein Atom gäbe, aber wir betrachten die Welt so, als ob es ein Atom gibt; es ist nicht notwendig anzunehmen, daß es eine Seele gibt, aber wir betrachten die Welt so, als ob es eine Seele gäbe. Also eine ganze Philosophie des «Als Ob»! Dieser Mann hat nun einen Vergleich gebraucht, durch den er seinen Lesern begreiflich machen wollte, daß man doch an Idealen festhalten kann, wenn man sie auch als nichts Wesenhaftes ansieht, und dieser Vergleich ist charakteristisch für das logische Gewissen dieses Philosophen. Er hat gesagt: Sehen wir uns ein Kind an, das spielt mit der Puppe, trotzdem es weiß, daß die Puppe kein wirkliches Leben in sich hat. Warum sollen wir denn also die Ideale abweisen, da die Kinder doch nicht die Puppe abweisen? Trotzdem die Puppe nicht lebt, behandeln sie sie wie lebend. Warum sollen wir denn die Ideale nicht ebenso behandeln, wenn wir auch wissen, daß sie nichts Wesenhaftes sind? —

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