Dreizehnter Vortrag

GA 170/1916-08-28/p011 ·1916-08-28 · original (original)
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In der Geisteswissenschaft habe ich ja schon öfter die Notwendigkeit gehabt, auf diesen Hochmut, der besonders in der neueren Entwickelung der Menschheit sein Unwesen treibt, aufmerksam zu machen. Ofter habe ich davon gesprochen, wie die Menschen schreiben, wenn sie über Menschentaten schreiben. Man lese das, was in den Schulbüchern oder sonst in Werken, die von dem Erfindergeist der Menschheit sprechen, über die Erfindung, sagen wir, des Papieres steht, dieses Papieres, über das man so traurig sein möchte, wenn man sieht, wie vieles darauf gedruckt wird in der neueren Zeit. Aber was reden alles die Menschen über die menschliche Kapazität, die es zu solchen Dingen gebracht hat! Ich habe aufmerksam darauf gemacht, daß das Wespennest aus demselben Stoff besteht, aus richtigem Papier; daß da vor Jahrmillionen elementarische Wesenheiten, die der Wespennestbereitung zugrunde liegen, wahrhaftig vor dem Menschen diese Erfindung schon hatten. Und solches könnte man in tausendfältiger Beziehung sagen. Sehen Sie sich einmal ein Fernrohr an, das in zweifacher Weise drehbar ist, so daß es auf und ab geht, und dann auch gedreht werden kann. Schmick, der sich in mancherlei Weise bemüht hat, auf solche Dinge aufmerksam zu machen, hat schon gerade auf dieses Fernrohr-Beispiel hingewiesen. Sehen Sie sich an, was da der Mensch zustandegebracht hat! Diese Bewegung beim Fernrohr, die zweifach ist: hin und her und auf und ab, die wird hervorgebracht dadurch, daß eine Doppelvorrichtung für die Drehung da ist, eine obere Vorrichtung, die man in der Mechanik als ein Scharniergelenk bezeichnet, und eine untere, die man in der Mechanik als ein Zapfengelenk bezeichnet. Dadurch kann in der richtigen Weise diese doppelte Drehung hervorgerufen werden. Nun würde die Sache töricht sein — was man ja beim Fernrohr leicht ausprobieren kann -, wenn man das umgekehrt machen würde: wenn man das Zapfengelenk an die Stelle des Scharniergelenks und unter das Zapfengelenk das Scharniergelenk setzen würde. Das wäre unvorteilhaft. Man kann das nun preisen als eine tiefbedeutsame Erfindung des Menschen, daß er solch eine Bewegungsvorrichtung erfunden hat. Aber in viel genialerer Weise — wenn ich jetzt das Wort «genial» objektiv gebrauche, nicht subjektiv zunächst tragen Sie alle diese Vorrichtung da hinten, wo der Kopf aufsitzt auf Ihrem Halswirbel: oben ein Scharniergelenk, unten ein Zapfengelenk. Und dadurch sind Sie imstande, den Kopf auf und ab zu bewegen und nach den Seiten hin zu wenden. Sehen Sie, da haben wir genau dasselbe, was Gegenstand des menschlichen Denkens heute ist, im menschlichen Organismus.

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Cite: GA 170/1916-08-28/p011 · edition original