Dreizehnter Vortrag
Wenn also heute dennoch Wahrheiten geformt werden aus dem Inneren heraus, ohne daß gesucht wird die Übereinstimmung mit der Außenwelt, so ist das eine luziferische Strömung, die sich verschwistert mit ahrimanischen Strömungen, wobei das eine nicht ein richtiges Bewußtsein, das andere Gelogenheit oder Verlogenheit erzeugt. - Und sehr, sehr verbreitet ist das, was hier bezeichnet wird, schon in der Gegenwart. Denn es ist heute vielen Seelen das rechte Bewußtsein abspenstig gemacht worden von dem, was überhaupt Übereinstimmung ist der Vorstellung mit der Objektivität. Es wird gar nicht gesucht in dieser Richtung. Und wenn versucht wird, gerade diese Übereinstimmung der Vorstellung mit der Objektivität zu finden, dann versteht man das gar nicht, dann sieht man das von vielen Seiten als etwas an, was, ja, was eigentlich —- man kann schwer ein Wort dafür finden -, was überraschend ist, daß es so getan werden kann. Gerade am wenigsten findet man in den Kreisen dann Zustimmung, wenn man versucht, solche Charakteristiken der Wirklichkeit zu geben, die sich stützen auf das, was da ist, die einfach die Dinge der Welt nehmen und sie in der Vorstellung wiederholen. Das versteht man zuweilen sehr wenig. Man versteht gar nicht, daß das etwas anderes, etwas ganz radikal anderes ist als das, was jemand macht, wenn er gerade diese oder jene Leidenschaft hat, sei es persönliche Leidenschaft, sei es nationale Leidenschaft, und nach dieser Leidenschaft einfach seine Behauptungen formt. Aber da liegt der radikale Unterschied, den man heute noch gar nicht bemerkt. Man formt vielfach Behauptungen nach dem, wie man schon denkt, nach der Richtung seines Denkens, und sieht dabei nicht, ob solche Behauptungen mit den Tatsachen übereinstimmen. Aber darauf kommt es heute an, daß unsere Behauptungen mit den Tatsachen übereinstimmen. Denn sonst können wir niemals hoffen, in eine Epoche überzugehen, wo die geistige Welt in der richtigen Weise angesehen werden kann. Eignen wir uns nicht in der physischen Welt eine Gesinnung für Tatsächlichkeit an, so werden wir sie nicht finden können für die geistige Welt. In der richtigen Weise sich in die geistige Welt hineinleben zu können, muß angeeignet werden hier in der physischen Welt. Deshalb sind wir in die physische Welt hereingestellt, wo wir angewiesen sind, die Übereinstimmung der Vorstellung mit der Objektivität zu suchen, damit wir dieses uns aneignen, damit dieses eine Gewohnheit werde, und wir dieses hineintragen können in die geistige Welt.
Cite:
GA 170/1916-08-28/p031 · edition original