Vierter Vortrag
Nach dieser Methode geht jener Chinese Ku Hung-Ming nicht vor. Aber er sagt eines, Er sagt: Wenn man sieht, was sich in Europa entwickelt hat, was in Europa geschehen ist und welche Kräfte in Europa wirken, so kann man nicht anders, als sich sagen: Es hat so kommen müssen, wie es gekommen ist. Der Materialismus in seiner einseitigen Ausbildung, wie er im 19. Jahrhundert sich entwickelt hat, der mußte zu diesen Konsequenzen führen. Aber er muß noch weiter führen; er muß zum endlichen Untergange der europäischen Kultur führen. Und ganz überzeugt ist dieser Chinese Ku Hung-Ming, daß es zum Untergange der europäischen Kultur kommen müsse, wenn die Europäer sich nicht bequemen - so sagt er -, eigentlich so zu werden, wie die Chinesen sind; wenn nicht Chinesentum über Europa sich ausbreitet. Das einzige Heil der europäischen Kultur ist, daß die Europäer Chinesen werden, das heißt, in der Seele Chinesen werden. — Und vieles, was er sagt, ist tief eindringlich. Man sollte es nicht leicht nehmen, daß ein sehr weiser Mann der Gegenwart doch keinen anderen Ausweg für die europäische Kultur findet, als daß sie nun endlich all das, was in ihr selbst sich ad absurdum geführt hat, einlaufen läßt in das gute chinesische Prinzip. Ich will nicht im weiteren ausführen, wie sich Ku Hung-Ming die Verchinesierung Europas denkt; denn ohne weiteres wird es ja für uns einzusehen sein, daß wir nicht Chinesen werden können, daß wir nicht auf den Standpunkt der Chinesenkultur zurückkommen können. Und wenn es keinen anderen Ausweg gäbe als den, den Ku Hung-Ming sieht, dann wäre das noch immer der bessere Ausweg, als auf demselben Weg weiterzuschreiten, auf dem die europäische Kultur gegangen ist. Es wäre noch immer besser. Besser wäre es, Chinese zu werden, als auf dem Weg weiterzuschreiten, den die materialistische Kultur gegangen ist, denn unaufhaltsam würde dies sein. Man glaube nicht, daß dieses durch alte Mittel aufzuhalten ist.
Cite:
GA 171/1916-09-23/p025 · edition original