Vierter Vortrag

GA 172/1916-11-12_02/p020 ·1916-11-12 · original (original)
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Solche Dinge werden in der Gegenwart eigentlich viel zu wenig in rechte Erwägung gezogen, einfach aus dem Grunde, weil die Leute, die über Berufsart, Berufscharakter, Berufswahl und so weiter sprechen, meistens solche sind, die gut reden haben. Schulmeister schreiben darüber, Literaten oder Pfarrer, solche Leute, die verhältnismäßig am wenigsten heute schon die Schattenseiten der Berufstätigkeit in der neueren Zeit empfinden. Daher kommt es, daß, wenn man heute in der gebräuchlichen Literatur, auch in der pädagogischen, über diese Dinge reden hört, man wirklich findet, daß die Leute reden wie die Blinden von den Farben. Denn selbstverständlich kann einer, der aus gewissen sozialen Bedingungen heraus die Schule durchmacht, aufs Gymnasium kommt und nachher, nun, vielleicht ein bißchen auf irgendeiner Universität sich umschaut, sich heute ja leicht, weil er viele Vorstellungen in sich aufgenommen hat, sehr gescheit vorkommen, wenn er so tut wie ein Reformator der Menschheit, der nun zu sagen weiß, wie alles werden soll. Es gibt ja viele solche. Für denjenigen, der das Leben durchschaut, reden eigentlich diese Leute über das, was werden soll, gewöhnlich am allerdümmsten. Man bemerkt es nur nicht, weil man heute noch einen sehr starken Respekt hat vor Leuten, die solch einen Entwickelungsgang durchgemacht haben. Die Zeit muß erst noch kommen, wo man mehr oder weniger die Empfindung haben wird, daß ein Literat, ein Zeitungsschreiber, ein Schulmeister, der nach dem Muster gebildet ist, wie heute die Schulmeister gebildet werden, am wenigsten versteht von den Lebenszusammenhängen. Das muß sich nach und nach herausbilden mehr als ein allgemeines Urteil.

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