Zwanzigster Vortrag

GA 173c/1917-01-15/p032 ·1917-01-15 · original (original)
Record: stenogram (shorthand transcript). Shorthand transcript taken during the lecture — the strongest kind of lecture record in this corpus. Evidence: «Diese dreibändige Ausgabe wurde auf der Grundlage der stenografischen Nachschriften vollständig neu bearbeitet.» (This three-volume edition was completely re-edited on the basis of the shorthand transcripts.). The publisher's description of GA 173a-c, as mirrored on AnthroWiki (GA 173a-c). The translation is the maintainer's, not a published one.

Gewiß strahlen diese Impulse von Mitteleuropa aus und machen sich an andern Stellen in vieler Beziehung geltend. Aber wer genauer zusieht, wird zu jenen Impulsen, die ich jetzt geschildert habe, die Gegenpole doch in Mitteleuropa finden. Denn denken Sie einmal, wie in Mitteleuropa zuerst die Opposition gegen das Kultisch-Theokratische des spanisch-italienischen Südens aufgetreten ist, und wie diese Opposition in Luther einen gewissen Höhepunkt erlangt hat, ihre größte Tiefe aber in der mitteleuropäischen Mystik. Da ist richtig zusammengeflossen das, was nicht etwa bloß deutsch oder bloß germanisch ist, sondern dort wirkt Slawisches mit Mitteleuropäischem ineinander. Hier wollte man das Christentum nicht nach päpstlich-hierarchischem Impuls nehmen, sondern das Innerliche, das im Süden gerade ausgehöhlt worden war, wirksam werden lassen. Savonarola ist ja einfach hingerichtet worden. Diese Innerlichkeit lebte in dem Tschechen Johannes Hus, wie in dem aus dem germanischen Engländertum entsprossenen Wiclif, wie in Zwingli, wie in Luther. Sie hat aber ihr tieferes Element in der mitteleuropäischen Mystik, der übrigens das slawische Element durchaus nahesteht. Und gerade an diesen Verhältnissen. können Sie sehen, wie sich in einer merkwürdigen Weise die Dinge erfüllen. Denn da ist Mitteleuropa mit dem nachdringenden Slawentum in einer gewissen Weise durchaus schon der Opponent gegen die Peripherie, und es wirkt, wenn auch politisch noch vielfach miteinander uneinig, das Slawentum, das Östliche, mit dem Mitteleuropäischen zusammen. Und auch in okkulter Beziehung wirkt das im Grunde genommen in einer wunderbaren Weise zusammen.

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