Zweiundzwanzigster Vortrag

GA 173c/1917-01-21/p038 ·1917-01-21 · original (original)
Record: stenogram (shorthand transcript). Shorthand transcript taken during the lecture — the strongest kind of lecture record in this corpus. Evidence: «Diese dreibändige Ausgabe wurde auf der Grundlage der stenografischen Nachschriften vollständig neu bearbeitet.» (This three-volume edition was completely re-edited on the basis of the shorthand transcripts.). The publisher's description of GA 173a-c, as mirrored on AnthroWiki (GA 173a-c). The translation is the maintainer's, not a published one.

So scharf man die materialistische Weltanschauung und die materialistischen Lebensgestaltungen bekämpfen muß, man darf nicht sagen, daß in den Kreisen dieser Materialisten die ungeistigsten Menschen sind. Wirklich, wenn ich da ein Persönliches einfügen darf: Ich habe viele geistige Menschen gefunden, nicht solche, die geistige Ansichten haben, sondern die geistige Menschen sind, in Monistenvereinen und dergleichen, dagegen grobe materialistische Naturen vorzugsweise in Spiritistenvereinen. Gerade da findet man, wenn auch dort vom Geiste geredet wird, die am gröbsten materialistischen Naturen. Und wirklich, abgesehen von dem, was er oftmals behauptet: Ein durchaus geistiger Mensch, der gerade aus Geistigkeit heraus zugänglich ist einer ahrimanischen Weltanschauung, ist zum Beispiel Haeckel. Haeckel ist ein geistiger Mensch, ein ganz durchgeistigter Mensch. Mir trat das einmal besonders deutlich vor Augen, als ich in Weimar in der dortigen alten «Künstlerschmiede» saß — ich habe die Sache schon einmal erzählt, vielleicht sogar mehrmals — und da war Haeckel am andern Ende des Tisches, mit seinen schönen geistigen blauen Augen und seinem schönen Kopfe. In meiner Nähe befand sich der berühmte Buchhändler Herz, der sehr viele Verdienste um den deutschen Buchhandel hat und der so im allgemeinen etwas von Haeckel wußte, aber nicht wußte, daß das der Haeckel ist, der da am andern Ende des Tisches saß. Als Haeckel einmal so herzlich lachte, fragte Herz: Wer ist denn der Mann, der da unten so lacht an dem Tische? — Da sagte ich: Das ist der Haeckel. — Das ist nicht möglich -, sagte er, böse Menschen können so nicht lachen!

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