Achter Vortrag

GA 177/1917-10-13/p024 ·1917-10-13 · original (original)
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Seit drei Jahren stehen wir in furchtbaren Ereignissen, die jeden Menschen viel lehren könnten; nur muß man sie nicht schlafend, sondern wachend verfolgen. Es ist eigentlich bewundernswert im negativen Sinne, wie viele Menschen gegenüber diesen furchtbaren Ereignissen der Gegenwart noch immer schlafen, noch immer nicht dazu gekommen sind, sich einmal zu überlegen, daß Ereignisse, die noch nie da waren in der Weltentwickelung der Menschen, auch fordern, daß man zu neuen Begriffen kommt, die auch noch nie dagewesen sind. Die Wirklichkeit urteilt da anders. Lassen Sie mich, ich möchte sagen, symbolisch das noch genauer ausdrücken, was ich eigentlich meine. Man kann schon sagen: Einige Leute haben sich ja schon seit Jahren Begriffe gemacht davon, daß dieser Krieg kommen werde. Im allgemeinen kann man sagen, daß mit Ausnahme gewisser Kreise der anglo-amerikanischen Bevölkerung die Welt von diesem Kriege überrascht worden ist in gewissem Sinne. Aber immerhin, einzelne Leute haben sich Vorstellungen gemacht, daß der Krieg kommen werde, allerdings manchmal ganz merkwürdige Vorstellungen. Eine Vorstellung namentlich konnte man immer wieder und wiederum finden, eine Vorstellung, welche von tiefgründigen - ich meine das wirklich nicht ironisch, ich spreche in vollem Ernst Nationalökonomen, Nationalpolitikern ausgegangen ist, welche auf einer sorgfältigen Abstraktion aus diesen oder jenen Vorgängen beruhte. Die Leute haben viel wissenschaftlich gearbeitet, kombiniert, abstrahiert, allerlei Synthesen gemacht und sind dann dazu gekommen, eine Vorstellung auszubilden, die man wirklich lange Zeit hindurch, auch noch beim Ausbruch des Krieges - da ist sie besonders viel wiederholt worden -, vielfach getroffen hat: die Vorstellung, daß nach den gegenwärtigen Weltverhältnissen, nach den wirtschaftlichen, den kommerziellen Zusammenhängen dieser Krieg unmöglich länger als vier bis sechs Monate dauern kann. Es war streng bewiesen, eine streng bewiesene Wahrheit. Und es sind wahrhaftig nicht dumme Gründe, die man angewendet hat; es waren ganz gescheite Gründe.

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Cite: GA 177/1917-10-13/p024 · edition original