Dritter Vortrag

GA 179/1917-12-10/p003 ·1917-12-10 · original (original)
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Ich will kurz einige Tatsachen, die angeführt worden sind, noch einmal einleitungsweise berühren, weil wir sie für den Fortgang unserer Betrachtungen brauchen werden. Ich habe gesagt, daß im Menschen selber, auch seelisch, dasjenige liegt, was wir die Schwelle der gewöhnlichen sinnlich-physischen Welt und der seelisch-geistigen Welt nennen können. Und zwar so, daß wir im gewöhnlichen Wachbewußtsein, mit dem der Mensch ausgerüstet ist zwischen der Geburt und dem Tode, eigentlich nur in bezug auf die sinnlichen Wahrnehmungen völlig wachen, in bezug also auf die Wahrnehmung alles desjenigen, was durch unsere Sinne an uns herankommt, ferner in bezug auf alles das, was wir an Vorstellungen entwickeln, seien es Vorstellungen, die wir uns machen über das sinnlich Wahrgenommeng, seien es Vorstellungen, die aus unserem Innern auftauchen zum Begreifen, zum Beleben der Welt. Schon eine ganz gewöhnliche Selbstbesinnung lehrt uns — keineswegs ist dazu hellseherische Begabung notwendig -, daß das gewöhnliche Menschheitsbewußtsein völlig wachend nicht mehr umfassen kann als das Gebiet des Vorstellungslebens und das Gebiet der Sinneswahrnehmungen. In unserer Seele selbst erleben wir außerdem unsere Gefühlswelt und unsere Willenswelt. Aber wir haben gesagt, daß wir unsere Gefühlswelt nur so durchleben, wie wir etwa einen Traum durchleben, daß das Traumleben sich in das gewöhnliche Wachbewußtsein herein erstreckt, und wir eigentlich, indem wir fühlende Menschen sind, Träumer des Lebens sind. Denn auf dem Grunde des Gefühlslebens gehen Dinge vor, von denen das Wachbewußtsein im Vorstellen und im Sinneswahrnehmen nichts weiß. Noch weniger weiß das wache Bewußtsein etwas von den wirklichen Vorgängen des Willenslebens. Das Gefühlsleben verträumt der Mensch im gewöhnlichen Wachbewußtsein, das Willensleben verschläft er. So daß also unter unserem Vorstellungsleben ein Reich lebt, in das wir selber eingebettet sind, und das uns nur zum Teil bekannt ist, uns nur bekannt ist durch die Wogen, die heraufschlagen über seine Oberfläche.

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Cite: GA 179/1917-12-10/p003 · edition original