III. Mensch und Welt
Wer Geisteswissenschaft in ihrem inneren Lebenswerte kennt, der weiß, daß sie allerdings geeignet ist, wenn sie lebensfrisch und lebensvoll aufgenommen wird, auch das physische Leben des Menschen zu verlängern. Es können natürlich Leute kommen und können sagen: Nun, da ist einer, der ist doch nur fünfundvierzig Jahre alt geworden, oder gar siebenundzwanzig Jahre alt geworden! - Ja, stellen Sie doch die Gegenfrage: Wie alt wäre der Mensch geworden, der mit der Geisteswissenschaft fünfundvierzig Jahre alt wurde, wenn er diese nicht aufgenommen hätte in den Zwanzigerjahren? Stellen Sie doch die Gegenfrage! Die äußeren Beweisarten, die gelten nicht für diese inneren Dinge. Statistik und dergleichen, das hat keinen Wert, wenn man das Innere berücksichtigen will. Statistik hat im äußeren Leben ihren großen Wert, aber auch da beschränkt sie sich auf das Äußere und ergreift gar nicht dasjenige, was Lebensprinzip ist. Das können Sie ganz einfach sehen: es ist vollständig gerechtfertigt, daß man die Versicherungsgesellschaften nach Statistik und Arithmetik einrichtet; die richten sich ein danach, wie groß die voraussichtliche Lebensdauer eines Menschen ist, und danach versichern sie die Menschen. Aber es wird Ihnen doch nicht einfallen, daf} Sie dann zu sterben haben, wenn nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung Ihr Todesjahr für die Versicherungsgesellschaft eintritt! Also für die Wirklichkeit betrachten Sie das doch nicht als maßgebend, was für das äußere Leben tatsächlich das Maßgebende ist. Alles das, was Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnungen für das äußere Leben an gutem Wert besitzen, das hört auf, eine Bedeutung zu haben, wenn der Überzeugungswert für das Geistige beginnt. Den werden Sie aber nur gewinnen, wenn Sie Geisteswissenschaft selber als lebendiges Lebenselixier aufnehmen. Dann wird es aber zum Lebenselixier so, daß der Mensch sich hineinpaßt in die Verhältnisse.
Cite:
GA 182/1918-04-29/p017 · edition original