III. Mensch und Welt
Das alles sind Dinge, die man damit umfassen kann, daß man sagt: Was im Menschen lebt, wird wiederum an die Wirklichkeit herangebracht werden. Die Wirklichkeit wird in ein gesundes Verhältnis zur menschlichen Seele gesetzt. Das ist dasjenige, was das Ideal der Geisteswissenschaft mit Bezug auf das Verhältnis der menschlichen Seele zur Wirklichkeit werden muß. Gerade auf dem großen Plan des Lebens reden heute die Leute ohne alle Beziehung zur Wirklichkeit. Wer versteht, was in der menschlichen Seele an Beziehung zur Wirklichkeit leben muß, der kann rein durch die Form, die das heutige Denken hat, manchmal Qualen ausstehen. Das Kind steht dann, wenn der Lehrer so denkt, diese Qualen unbewußt aus. Ein Beispiel: Ein sehr berühmter Literaturprofessor hielt eine Antrittsvorlesung, bei der ich anwesend war. Er fing an: Wir können dieses fragen, wir können jenes fragen. - Er stellte eine Reihe von Fragen, die alle im Laufe des Semesters beantwortet werden sollten, auf; dann sagte er: Meine Herren! Ich habe Sie in einen Wald von Fragezeichen geführt. - Ich mußte den Wald von lauter Fragezeichen mir vorstellen! Denken Sie, was das Bildhafte, das reale Vorstellen eines Menschen ist, der, ohne das Bild sich vor die Seele zu malen, vor einem Wald von Fragezeichen steht! Das ist etwas, was man unterschätzt. Das, was eben angestrebt werden muß, ist ein lebensvolles Verhältnis zur Wirklichkeit.
Cite:
GA 182/1918-04-29/p024 · edition original