Dreizehnter Vortrag

GA 184/1918-10-11/p007 ·1918-10-11 · original (original)
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Denken Sie nur, mit welchen Empfindungen, mit welchen spießigsaftig selbstzufriedenen Empfindungen der richtige heutige Mensch zurücksieht auf die Vorfahren, von denen er sagt, daß sie an Gespenster geglaubt haben. Man braucht sich nicht so sehr gegen diese Behauptung zu wenden, die Vorfahren hätten an Gespenster geglaubt. Das haben sie getan. Wir wollen heute weniger die Aufmerksamkeit wenden auf den Begriffsinhalt des Satzes: Unsere Vorfahren haben an Gespenster geglaubt, und wir sind so gescheit, daß wir nicht mehr an Gespenster glauben -, sondern wir wollen uns mehr halten an den Gefühlsinhalt, den man dabei empfindet, wenn wir in die Gegenwart hineinschauen, wie sie urteilt über die dummen Vorfahren, die an Gespenster geglaubt haben, und wie wir nun endlich darüber hinaus sind im naturwissenschaftlichen Zeitalter und nicht mehr an Gespenster glauben. Dieses Urteil, daß die Vorfahren an Gespenster geglaubt haben, das ist an sich eine halbe und deshalb eine außerordentlich gefährliche Wahrheit; denn halbe Wahrheiten sind oftmals schlimmer als ganze Irrtümer, weil man die ganzen Irrtümer leicht erkennt, die halben Wahrheiten aber in der Welt selbst gespenstisch spuken.

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Cite: GA 184/1918-10-11/p007 · edition original