Dreizehnter Vortrag
Dem Zeitalter der Bewußtseinsseele geziemt es nun, darauf zu kommen, daß dies so ist, daß man nun wirklich in Gespenstern lebt, wenn man in Vorstellungen lebt. Es ist außerordentlich wichtig, daß man im Zeitalter der Bewußtseinsseele auf dieses bedeutungsvolle Faktum kommt. Die Alten haben nicht im Zeitalter der Bewußtseinsseele gelebt, daher durften sie unbewußt bleiben über die Tatsache, daß sie Gespenster vorstellten. Unsere Naturforscher stellen auch Gespenster vor; aber wir haben im Zeitalter der Bewußtseinsseele die Aufgabe, zu wissen, daß wir auch Gespenster vorstellen, daß wir nicht die Natur vorstellen, sondern nur Naturgespenster. Und wie unsere Vorfahren sich herausentwickelt haben von ihren weiter zurückliegenden Vorfahren, welche die Gespenster nicht für Wirklichkeit genommen haben, sondern für Abbilder göttlicher Wirksamkeiten, für Abbilder übersinnlicher Intelligenzen, so müssen wir gerade durch das Zeitalter der Bewußtseinsseele aufsteigen zu dem wirklichen Geständnis: Unsere naturwissenschaftlichen Gespenster sind nicht Wirklichkeiten, wie die heutigen Naturwissenschafter glauben, sondern sind Hinweise auf die Wirklichkeiten, die man eigentlich durch sie suchen soll. Täuscht man sich über das Gespenstige der Naturwissenschaft, so kann man auch nicht zu einer Aufklärung über den Menschen kommen. Denn die Natur können wir mit unseren gespenstischen Vorstellungen anschauen, sie tritt doch in ihrer wahren Gestalt vor unsere Augen; den Menschen selbst müssen wir vom Zeitalter der Bewußtseinsseele an bewußt erleben. Da geht es nicht, daß wir bloß gespenstische Vorstellungen anwenden, sonst machen wir uns selber zum Gespenst. Das ist auch schon reichlich geschehen.
Cite:
GA 184/1918-10-11/p014 · edition original