Achter Vortrag
Ich habe schon angedeutet, daß dasjenige, was ja doch im Sinne dieses Bewußtseinszeitalters nur von der Geisteswissenschaft richtig, klar durchschaut werden kann, daß das in mehr oder weniger tumultuarischer Art da oder dort zum Vorschein kommt, sowohl in den Ansichten, in den Gedanken der Menschen, als auch in den Ereignissen, in denen der Mensch in der Gegenwart lebt. Es ist zum Beispiel recht charakteristisch, ich möchte sagen erschütternd charakteristisch, was in einer Rede zum Ausdruck kommt, die Trotzki gehalten hat. Wenn Sie das nehmen, was ich jetzt über den Willen, den Menschen in den Mittelpunkt der Weltanschauung zu stellen, gesagt habe, so werden Sie solche Worte, wie sie Trotzki sagt, als etwas Erschütterndes vernehmen. Er sagt: Die kommunistische Lehre oder die sozialistische Lehre hat sich als eine ihrer wichtigsten Aufgaben gestellt, auf unserer alten sündigen Erde eine solche Lage zu erreichen, daß die Menschen aufeinander zu schießen aufhören werden. Eine der Aufgaben des Sozialismus oder des Kommunismus ist, eine solche Ordnung zu schaffen, bei welcher der Mensch zum ersten Male seines Namens würdig sein wird. Wir sind gewohnt, zu sagen, das Wort «der Mensch» klinge stolz. Bei Gorki ist gesagt: Der Mensch, das klingt stolz. - In Wirklichkeit aber, wenn man diese drei dreiviertel Jahre des blutigen Mordens überblickt, so möchte man ausrufen: Der Mensch, das klingt schändlich!
Cite:
GA 186/1918-12-13/p004 · edition original